20101025

Ute Lehnes-de Fallois: ... um Gott zu gefallen

20. Sonntag nach Trinitatis - 17.10.2010
Predigt zu 1. Thess 4,1-8

Weiter, liebe Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus – da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut – dass ihr darin immer vollkommener werdet.
Denn ihr wißt, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus.
Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht.
Und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen.
Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben.
Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung.
Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.


Laßt uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten.
(Stille)

Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Der Herr segne unser Reden und Hören durch seinen Heiligen Geist. Amen.

Liebe Gemeinde!

1. Thema: das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden (Martin Luther)

Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden,
nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden,
nicht ein Sein, sondern ein Werden,
nicht eine Ruhe, sondern eine Übung.
Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber.
Es ist noch nicht getan oder geschehen.
Es ist aber im Gang und Schwang.
Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.
Es glüht und glänzt noch nicht alles, es reinigt sich aber alles.

So hat Martin Luther das Leben von uns Christen beschrieben.

Ein Christ ist immer im Werden
Ein Christ ist nie fertig.
Er ist immer auf dem Weg.

Und dieses Unterwegs Sein ist es,
was uns als Gemeinde Jesu Christi miteinander verbindet.
Die Jüngeren mit den Älteren,
die Frauen mit den Männern und
die alt Eingesessenen mit den neu Zugezogenen.
Wir alle haben ein Stück unseres Weges hinter -
und ein mehr oder weniger langes Stück noch vor uns.
Die einen sind weiter und reifer, weil ihnen das Leben schon so manches geschenkt, aber auch schon so manches abverlangt hat.
Die anderen sind noch nicht ganz so weit, weil sie manche Erfahrung noch nicht machen durften - - - oder auch noch nicht mussten!
Und es nicht immer eine Frage des Alters,
wie weit wir in unserem Leben und Glauben schon gekommen sind.
Welche Erfahrungen und Erlebnisse unser Leben prägen.
Und auf welcher Etappe unseres Weges wir uns gerade befinden.

Doch ganz gleich, wo wir gerade gehen und stehen,
eines verbindet uns als Gemeinde Jesu Christi:
Im Glauben hat keiner von uns jemals ausgelernt.
Oder wie Martin Luther es sagt:
Denn das Leben ist kein Frommsein, sondern immer ein FROMMWERDEN.

Und so wird der Weg auch zugleich zu unserem Ziel:
Zum Fromm werden, zum Frömmer werden,
zur täglichen Einübung in Glaube und Gebet.
Und auf diesem Weg ist unser Ziel zugleich,
dass wir uns immer mehr dem annähern, wie Gott uns haben will,
dass wir immer mehr dem Bild gleich werden,
das ER, der Schöpfer, von uns hat,
dass wir leben als sein Ebenbild in Liebe IHM und den Menschen.

Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber.
Es ist noch nicht getan oder geschehen.
Es ist aber im Gang und Schwang!

2. Paulus spricht uns an

So spricht uns Paulus in unserem heutigen Predigtwort an:

Liebe Schwestern und Brüder, ihr habt von uns empfangen, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut. So bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, dass ihr darin immer vollkommener werdet.

Paulus lobt uns erst einmal und will uns so Mut machen,
unseren begonnenen Weg fortzusetzen.
Der Weg, den ihr bisher gegangen seid, so sagt er,
der war gut, aber ihr könnt es noch besser,
noch vollkommener, noch inniger, noch frömmer, demütiger und liebevoller!

So bittet und ermahnt er uns,
uns immer wieder täglich neu daran zu erinnern,
wie wir leben sollen, um Gott zu gefallen.
Und wir wissen, wie wir Gott gefallen.
Christus hat es uns ja gesagt im Doppelgebot der Liebe,
dass wir den Herrn, unseren Gott lieben sollen von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Das ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Wir sollen unseren Nächsten lieben wie uns selbst.

Darum bittet und daran erinnert uns Paulus.
Doch er befiehlt es uns nicht.

Und er hat recht damit.
Denn dass ein Mensch liebevoll mit seinen Mitmenschen umgeht, sich täglich neu in die Liebe zu Gott und den Menschen einübt,
das kann man nicht befehlen!
Das muss von innen heraus aus dem Herzen kommen.
Und dazu kann man nur herzlich einladen,
manchmal auch dazu ermahnen, daran erinnern,
aber befehlen kann man es nicht!

Ich kann den Konfirmanden nicht befehlen,
dass sie doch bitte im Gottesdienst endlich aufhören sollen,
mit dem Fuß gegen die Holzbänke zu treten.
Denn schaue ich nicht hin,
werden sie es wieder tun.
Sie werden erst damit aufhören,
wenn sie verstanden haben,
dass das andere in ihrer Andacht stört!
Und dass es im Leben manchmal auch um Rücksichtnahme geht,
und nicht immer nur um das eigene Vergnügen.
Und wenn sie das nicht nur gehört und vom Kopf her vielleicht sogar verstanden haben, sondern wenn die Bitte bis in ihr Herz dringt,
dann werden sie damit aufhören.
Die Einsicht muss von innen, von Herzen kommen,
sie muss „beherzigt“ sein – im wahrsten Sinne des Wortes,
und dann wird sich das Verhalten ändern.

An der Stelle möchte ich Abbitte bei den Konfirmanden tun,
und euch sagen, dass es bei den Erwachsenen ganz genau so ist.

Denn auch Erwachsene tun manchmal Dinge, von denen sie wissen, dass sie so vielleicht nicht ganz in Ordnung sind, dass sie mit ihrem Verhalten anderen schaden, aber so lange es keiner sieht und ihnen die innere Einsicht fehlt, machen sie auch weiter wie bisher.

Fairness, Rücksichtnahme und Nächstenliebe lassen sich eben nicht befehlen, sondern sie müssen einem zur Herzenssache werden, die letzten Endes der Heilige Geist in uns bewirkt!
Und Paulus wünscht sich nichts sehnlicher für uns,
als dass wir auf unserem Weg dem Geist Gottes Raum geben und IHN in uns wirken lassen.

3. das erste Beispiel: Partnerschaft

Durch zwei Beispiele will Paulus uns das verdeutlichen.

Und er wählt dafür das sechste und das siebte Gebot:
„Du sollst nicht ehebrechen“ und
“Du sollst nicht stehlen“

Zwei Themen, die bis heute aktuell geblieben sind.
An ihnen möchte er uns zeigen, wie es konkret aussieht,
wenn die Liebe zum Maßstab unseres Handelns wird.

Zum Thema Partnerschaft schreibt Paulus:
Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht... und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung

Damit warnt uns Paulus vor einer lieblosen Lust, die den anderen nur besitzen will, die den anderen nur haben will wie eine Sache, die man nehmen, kaufen und bei Nicht – mehr - Gefallen auch wieder wegschmeißen kann.
Das, so sagt er, macht eine Beziehung unheilig.
Denn sie raubt dem Partner die Würde,
und damit raubt sie letzten Endes auch die eigene Würde.
Menschen können sich nicht besitzen.
Ehepartner können sich nicht besitzen.
So wie man eine Sache besitzt.
Eine Sache hat man, solange sie ihren Dienst tut, solange sie einem gefällt.
Bei Nichtgefallen gibt man sie zurück,
bei einem Defekt schmeißt man sie weg.
Aber ein Mensch ist keine Sache.
Der Mensch hat eine Seele und er hat Gefühle,
und je näher sich zwei Menschen sind,
desto schmerzlicher sind die Verletzungen.

Treue und Zuverlässigkeit,
Aufrichtigkeit und Offenheit,
sind Werte ohne die es auf Dauer nicht geht.
Nicht in einer Ehe,
nicht zwischen Eltern und Kindern,
nicht unter Freunden.
Und eigentlich wissen wir das alle.
Aber beherzigen wir es auch?

In Liebe sollen wir miteinander leben.
Aufeinander Rücksicht nehmen und dem anderen Respekt entgegen bringen.

Aber schaffen wir das so selbstverständlich?
Oder müssen wir uns täglich neu darin einüben,
uns täglich daran erinnern und uns dazu manchmal auch ermahnen lassen?

Ich meine: JA.
Denn es ist nicht immer so leicht, den Versuchungen unserer Zeit zu widerstehen. Paulus nennt es Unzucht. Ich würde es in einer Partnerschaft als Untreue oder „Fremdgehen“ bezeichnen. Und da reicht die Palette weit: vom one-night stand – einmal ist keinmal- über die außereheliche Beziehung, es wird schon keiner merken, bis letzten Endes dann eben auch hin zur Scheidung, weil der eine oder die andere hat es dann eben doch früher oder später gemerkt!
Was da so harmlos daher kommt, endet oft mit tiefen Verletzungen.
Darum meidet, was euch - und euren Kindern -schadet.
Da ich selbst geschieden bin, erlauben Sie mir eine Anmerkung:

Und wenn es dann schon so ist, dass es gar nicht mehr geht, aus welchen Gründen auch immer, es muss ja nicht unbedingt die Untreue der Auslöser für eine Trennung sein, so kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen. dann ist es gut, auch in so einer krisenhaften Zeit, zu versuchen die eigene Würde zu wahren und Gott zu bitten einem so viel Kraft zu geben, dass man dem Partner der geht, auch diese Würde zugesteht. Auch wenn die Liebe zu einem Menschen unwiederbringlich vorbei ist, ist es kein Grund, dem anderen noch mit allen mitteln Schaden zufügen zu wollen.

Aber in der Situation wird das leider viel zu oft vergessen.
Und dann wird alles nur noch schlimmer und am meisten für einen selbst.

4. das zweite Beispiel: Handel und Geld

Ich komme zum zweiten Beispiel, das Paulus wählt:
Der Umgang mit dem Geld –
Auch bis heute ein delikates Thema geblieben!

Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel ....

Sie kennen vielleicht den Spruch:
Beim Geld hört die Freundschaft auf !
Heißt das:
Geld ist ein höheres Gut wie Freundschaft?
Oder heißt es:
Wenn es ums Geld geht, darf auch getrickst werden?
Und dem Finanzamt muß man noch lange nicht alles sagen !
Reden ist Silber, aber bei der Steuererklärung Schweigen ist Gold?
Aber auch in diesem Fall bezieht Paulus eine ganz eindeutige Position:

Gottes Gebote sind dazu da, um uns auch vor uns selbst zu schützen.
Uns davor zu schützen, dass wir uns auch hier unserer eigenen Würde und Wahrhaftigkeit berauben.
Dass wir anfangen, anderen das vorzuenthalten, was ihnen zusteht,
dass wir betrügen und
uns so auf Kosten eines einzelnen oder der Allgemeinheit bereichern.
Und am Ende dastehen, und nur noch dem Mammon dienen in der irrigen Meinung, Geld allein könne uns glücklich machen.

Davor will uns Paulus bewahren.
Er will uns davor bewahren, dem eigenen Egoismus zu verfallen und den Geist Gottes in unserem Leben zu verspielen.

Der Versuchungen und Anfechtung gibt es viele in unseren Tagen –
Und auch, wenn es uns nicht immer leicht fällt,
lassen Sie uns Liebe „üben“, im wahrsten Sinne des Wortes –
lassen Sie uns einüben in dieses Vertrauen auf Gottes Geist und lassen Sie demütig sein vor unserem Gott.

Das wird uns vor Enttäuschungen und Verletzungen bewahren,
vor Egoismus und Betrug.
Die Liebe zu Gott und den Menschen wird uns als Christen stärken auf unserem Weg, auch wenn uns viele wegen unseres Glaubens nur noch belächeln.

Dieses tägliche Einüben in die Liebe wird uns sicher niemals zu vollkommenen Menschen machen, aber es wird uns zu reiferen, gelasseneren, liebevolleren, glücklicheren und heiligeren Menschen machen.

Es ist noch nicht getan oder geschehen.
Es ist aber im Gang und Schwang.
Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

20101020

Werner Otto Sirch: Neu werden ...

19. Sonntag nach Trinitatis - 10.10.2010
Predigt Epheser 4, 22-32

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

1. Hinführung

Wenn wir im Internet bei Google unter dem Stichwort „neuer Mensch“ auf Suche gehen, erhalten wir unter www.neuer-mensch.de als erste Fundstelle ein Info-Portal für Schönheitsoperationen, Brustvergrößerungen, Fettabsaugen etc.

Es scheint also Nachfrage vorhanden zu sein nach dem neuen Menschen. Man will nicht so bleiben wie man ist, will schöner und besser werden, begehrter, anziehender. Man erwartet, dass die plastische Chirurgie dabei helfen kann, solch einen Wunsch zu erfüllen. Ihr wird zugetraut, dass sie das bewältigen kann. Ein „Neuer Mensch“ werden heißt nach dem Ergebnis meiner Internetrecherche: „Neuer (gestraffter) Körper“.

Es ist aber nicht jedermanns Sache, sich freiwillig unters Messer zu legen – auch wenn es um die Schönheit geht. Also muss es auch anderes gehen, um sich zu renovieren, das Alte zu verlassen und als neuer Mensch fühlen zu können. Vielleicht hilft der Besuch in einem Modegeschäft oder Bekleidungshaus. Sich von Grund auf neu einkleiden, vielleicht hilft das. Für viele auch nicht ganz einfach, nicht nur wegen dem Fehlen des entsprechenden Kleingeldes. Manche lieben ihre alten Klamotten. In ihnen fühlen sie sich wohl, ganz „ich selbst“ und wissen nicht so recht, wie ich sie sich in ganz anderer, neuer Kleidung, fühlen sollen. Es verunsichert, durch neue Kleider ein anderer zu sein.

Vielleicht ist es doch besser, der Alte zu bleiben. Den kenne ich, mit ihm fühle ich mich sicher, auch wenn ich ihn manchmal hasse, aber er gehört zu mir und ich gehöre zu ihm.

Der Apostel Paulus hat zu diesem Thema: „neuer Mensch“ auch etwas zu sagen. Hören wir, was er im Epheserbrief im 4. Kapitel dazu schreibt.
Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

2. Legt ab

„Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begiereden zugrunde richtet.“
Das klingt wie ein Befehl. Als ob das so einfach wäre, einfach mal so (schnipp) und dann ist das, was mich schon immer an mir geärgert hat, weg. Meine Verträge, die ich mit mir in meinem bisherigen Leben geschlossen habe, sind aufgelöst. Ich bin plötzlich ein ganz anderer Mensch. Alles was in mir krank war, was meine Seele verletzt und verwundet hat ist geheilt. Gute Vorstellung, aber geht das so einfach? Und wie kann ich damit umgehen?

Im Rummelsberger Brevier lese ich zu diesem Text folgende Gedanken: Wer sich umzieht ist für einen Moment nackt. Wer umdenkt, erlebt zwischen alten und neuen Gedanken einen Moment der Unsicherheit, vielleicht der Leere. Wo umgeräumt wird, herrscht zwischen alter und neuer Ordnung Chaos. Wir lieben sie nicht, die Nacktheit, die Unsicherheit, das Chaos – diese Begleiter der Veränderung. Wir wollen uns keine Blöße geben. Wir wollen Ordnung und Sicherheit. Und doch ist in uns oft die Sehnsucht groß, dass sich bei uns etwas ändert, dass wir anders werden können, dass wir neu anfangen dürfen. Wir fühlen, dass manches so nicht weitergehen kann, wir möchten es besser, wir möchten es anders machen – aber wie nur? Es belastet uns, dass es auch unter uns, die wir Christen sind, Unwahrheit, Verleumdung, üble Nachrede, Diebstahl, Unversöhnlichkeit und Zorn gibt. Wir müssen zugeben, dass Wilhelm Busch recht hat wenn er dichtet:
„Wenn alles sitzen bliebe,
was wir an Hass und Liebe
so alles voneinander Schwätzen,
wenn Lügen Haare wären,
wir wären rau wie Bären
und hätten keine Glatzen.“


3. Neuwerden

Wir wollen oft anders sein, auch wenn wir uns als getaufte Christen nicht mehr im Herrschaftsbereich des Bösen wissen. In unserer Taufe haben wir das wiederbekommen, was uns einst im Sündenfall verlorengegangen war: Gottes Ebenbildlichkeit. Wir sind ein anderes Wesen geworden und doch haben wir uns immer wieder in weltliches Sündenleben hineinziehen lassen. Was haben wir alles versucht, was haben wir uns an guten Vorsätzen vorgenommen – und sind trotzdem immer wieder gescheitert!

Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. So ist die Sichtweise des Paulus. Sie vermittelt Perspektive: Erneuert euch, ihr müsst nicht so weitermachen wie bisher. Brich mit der Sünde, die immer wieder Einfluss auf dein Leben nimmt. Brich mit ihr und zwar so gründlich, wie man ein Kleidungsstück auszieht. Manche meinen, dass man sich allmählich von seinen Sünden lösen kann und lernen muss nach und nach Gott zu lieben und mit ihm zu leben. Auf diese Weise brechen wir nie völlig mit der Sünde und geben uns nie ganz an Gott hin. So bleibt die Türe zu unserem alten Leben immer einen Spalt offen. Äußeres Verbessern, Polieren, Flicken bringt keine Änderung, bringt auch kein neues Leben hervor. Der Mensch kann nicht erneuert werden durch allmähliche Besserung.

4. Bekehrung Grundlage allen Christentums
Wenn unser Leben neu werden soll, so muss es neu geboren werden. Es muss neu geboren werden in Christus. Jesus muss in unser Herz, in unser Wesen einziehen. Er muss ein neuer Mensch werden. Paulus sagt wir sollen diesen neuen Menschen anziehen wie ein neues, unbeflecktes Kleid. Dadurch wird neues Denken, neues Reden, neues Handeln unser Leben bestimmen. Jesus wird zum Herr über uns. Unser Leben wird sich ändern. Weil Jesus bei uns eingezogen ist, darum ... ja, darum hat dies Folgen.

5. Darum ...
Paulus hält der Gemeinde in Ephesus einen Lasterkatalog vor. Einen Lasterkatalog, der auch für uns und bei uns aktuell ist. Paulus legt damit seine Finger in die Wunden der Gemeinde in Ephesus. Und er legt seine Finger auch in unsere Wunden, die wir uns geschlagen haben, weil wir in der Illusion gelebt haben, wir könnten uns vor Gott verstecken. Dabei haben wir, die wir zum Leben bestimmt sind, uns selbst verfehlt und uns vom Tod bestechen, bzw. faszinieren lassen. Wir haben uns geöffnet für Dinge die nicht von Gott sind, die Beziehungen zu anderen Menschen zerstören und oft genug unser Heil dort gesucht, wo wir getäuscht und zum Spielball anderer geworden sind. Wir haben Schaden an unserer Seele genommen. Ein Schaden der zugleich Raub an der Gemeinde und an der Ehre Gottes ist.

Paulus schreibt: Darum, weil ihr durch Christus neue Menschen geworden seid, darum lügt nicht mehr, zürnt nicht mehr, gebt dem Teufel nicht nach, stehlt nicht, lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist und betrübt den Heiligen Geist nicht usw..

Darum - weil wir durch Jesus Kinder Gottes geworden sind, können wir nicht mehr leben wie die Welt es uns vormacht. Wir können uns nicht mehr mit den Maßstäben messen nach welchen die Welt misst. Was die Welt als gut oder böse befindet braucht für den Gläubigen noch nicht gut oder böse sein. Das Urteil fällt von unserem Glauben her, es muss geistlich gerichtet sein.

Eine Folge unserer Bekehrung zu Jesus ist, dass wir die Wahrheit reden. Paulus sagt: „Legt die Lüge ab“.

6. Legt die Lüge ab

Was lügen wir uns nicht alles vor. Oft genug deshalb, weil wir nicht den Mut haben, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Wie oft lügen wir anderen etwas vor, täuschen und tricksen, führen andere hinters Licht weil wir nicht zu dem was wir getan haben stehen wollen oder stehen können, weil wir die Folgen fürchten; oder in der Lüge einen Vorteil für uns sehen. Manchmal entdecke ich, dass ich Misstrauisch bin, nicht sicher bin, ob mein Gegenüber mir die Wahrheit erzählt oder mich nur benutzen will für seine Zwecke. Folge der Lüge – wir trauen uns eigentlich nicht mehr, weil der Mensch von seinem Wesen her ein Lügner ist. Die Lüge abzulegen lässt sich nicht mit menschlichem Willensentschluss erreichen. Dort wo wir dem alten Menschen absagen, dort wird auch unser Lügenwesen sterben. Gott ist Wahrheit. Jesus ist und war der einzige Mensch, dessen Wesen stets und ständig die absolute Wahrhaftigkeit und Wahrheit war. Wenn Jesus Herr über uns wird, dann können wir keine Knechte der Lüge mehr sein. Wie wollen wir diesem Gott der Wahrheit dienen, wenn wir Lügner sind und damit Knechte dessen, der die Lüge ist?

Die Unwahrheit des Menschen beginnt nicht dort, wo bewusst die Unwahrheit ausgesprochen wird. Lüge beginnt, wo der Mensch in Gebärden, Worten und Taten, in seiner wirklichen Gesinnung, etwas ganz anderes vorgibt zu sein als er wirklich ist.

Leben ohne Gott ist und bleibt eine einzige große Lüge; denn solch ein Leben beruht nicht auf Gott, steht nicht unter der erlösende Kraft des Blutes Jesu und und der Kraftwirkung des Heiligen Geistes. Es steht als Lüge unter der Herrschaft einer widergöttlichen Macht. Wer den anderen anlügt, sei es durch Gedanke, Gebärde, Wort oder Tat, der bringt eine Störung in die Lebensgemeinschaft der Gemeinde, und zwar dadurch, dass er die Liebe und das Vertrauen, das ihn mit dem Nächsten verbindet abbricht.

7. Zorn

Der Weg der Lüge führt schnell zum Zorn.
Dort, wo man nachträgt, wo man nicht vergessen kann, dort ist man persönlich beleidigt, dort glaubt man an die eigene Ehre, die verletzt sei. Wenn man den Zorn im Herzen behält, dann bricht der menschliche Zorn bei uns ein, der ein Stück der widergöttlichen Welt ist. Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, das ist die des Apostels Paulus damit er sich nicht in unserem Wesen festsetzt.

Darum, liebe Gemeinde, lasst uns auf der Hut sein, beim Bösen, bei der Lüge und beim Zorn. Lasst uns nicht sicher sein, dass wir den Heiligen Zorn haben, mit dem wir als guten Eifer für die Sache Gottes eintreten. Es ist oft in Wirklichkeit nur persönliches Erregtsein und persönliches Beleidigtsein.

8. Faules Geschwätz
Ein Letztes das ich ansprechen möchte.
Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut.
Dazu habe ich eine kleine Geschichte gefunden, die ich Ihnen zum Schluss vorlesen möchte.
Ganz aufgeregt kam einer zum weisen Sokrates gelaufen: „Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund ... ” „Halt ein!” unterbrach ihn der Weise. „Hast du das, was du mir erzählen willst, durch die drei Siebe gesiebt?” „Drei Siebe?”, fragte der andere verwundert. „Ja, drei Siebe. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?” „Nein, ich hörte es erzählen.” - „So, so. Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, es ist die Güte. Ist, was du mir erzählen willst, wenn schon nicht als wahr erwiesen, so doch wenigstens gut?” „Nein, das ist es nicht, im Gegenteil.” Der Weise unterbrach ihn: „Lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden und fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so erregt.” „Notwendig nun gerade nicht:” „Also”, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!”

Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Amen.

20100913

Ute Lehnes-de Fallois: All eure Sorgen werft auf ihn

15. Sonntag nach Trinitatis - 29.8.2010
1. Petrus 5, 5c-11

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wißt, daß ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit,
den wird ER wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.


Lasst und in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten.

(Stille)

Votum: All eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.
(1. Pt 5,7)
Der Herr segne unser Reden und Hören durch seinen Heiligen Geist. Amen.

Liebe Gemeinde,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

1. Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch

Da will uns EINER Mut machen,
da will uns EINER aufrichten, stärken, kräftigen und gründen!
Da will uns EINER befreien von allem, was uns so oft niederdrückt und uns krümmt!

All eure Sorgen werft auf IHN, denn ER sorgt für euch!

Wirf deine Sorgen einfach weg -
schnür dein Sorgenbündel und wirf es vor das Kreuz!

Ein wunderbares, ein kräftiges und dynamisches Bild entsteht da vor meinem inneren Auge.
Ich stelle mir vor, wie ich alles einpacke,
was mir Sorgen macht, wovor ich Angst habe, worunter ich leide.
All das Misstrauen, das ich hege,
all die Enttäuschungen in meinem Leben,
all die zerplatzten Träume,
die Versagensangst,
die Angst um die Gesundheit meiner Lieben.
All das schnüre ich zu einem Riesenbündel zusammen und dann heb ich das Bündel mit aller Kraft hoch und schmeiß es einfach weg von mir.

Wenn’s nur so leicht wär!
Da treibt mich doch schon die nächste Sorge, dass mein Bündel viel zu schwer wäre, um es überhaupt noch hochheben zu können.

Die riesigen Strohballen draußen auf den Feldern fallen mir ein,
in der Erntezeit von den Bauern in Plastikfolie eingeschweißt –
mannshoch, riesig, schwer.
So einen Ballen kann man nicht mehr einfach werfen,
da braucht’s schon eine Seilwinde, um ihn überhaupt noch auf den Hänger hoch zu bringen.

Und doch - wie gerne würde ich das:
Endlich mal die Sorgen wegschmeißen,
mir endlich keine Sorgen mehr machen,
nicht um die Kinder,
nicht um den Beruf,
nicht um die Arbeit,
nicht um die Gesundheit.
Nicht um die Alten und Einsamen.
Nicht um die Tausende in Pakistan,
denen das seuchenverdreckte Wasser ihr Hab und Gut weggespült hat.

Wie sehr ich mir das wünsche!
Endlich frei zu sein,
nicht ewig darüber zu grübeln: was einmal sein wird?

Wie sehr ich mir das wünsche,
nicht immer diese Wand von Problemen vor Augen und im Rücken zu haben.
Wie sehr ich mir die klare Sicht und den aufrechten Gang wünsche !

Ich weiß nicht, wie es Ihnen da geht,
aber ich muss mich immer wieder neu in mein Gottvertrauen einüben.
Es ist nicht mehr automatisch einfach da so wie in meiner Kindheit,
sondern ich muss mich immer wieder neu daran erinnern,
dass Jesus Christus auch für mich gestorben ist,
für meine Angst, für meine Sorgen und für meine Schuld!
Und dass auch ich mein Bündel an Sorgen vor sein Kreuz bringen darf.

Denn ER sorgt für mich. Täglich neu.
Und indem ich mich selbst täglich neu daran erinnere,
verliert dieser riesige Strohballen an jahrelangen Sorgen und Prägungen seine Bedrohlichkeit.
Denn ich fange an, die Jahre in Tage zu zerlegen.
Nicht ein Riesenballen liegt dann am Ende vor mir, sondern viele kleine Bündel: handlich und nicht schwerer, als ich sie täglich heben und von mir werfen kann. Denn es ist (ja auch) genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat!
Täglich neu auf Gott vertrauen,
das ist es, was uns von einer zu schweren Last befreit.
Was uns aufrichtet und uns aufrecht gehen lässt.

2.„Alle miteinander haltet fest an der Demut, denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade!“

Alle miteinander haltet fest an der DEMUT – und am Gottvertrauen!

Demut hat nichts zu tun mit einem gesenkten Blick und einem gebeugten Gang. Gott will uns nicht klein machen, nicht niederdrücken und uns krumm und bucklig sehen.

Die Demut ist das Wissen, dass ich nicht selbst der Schöpfer oder die Schöpferin meines Lebens bin. Die Demut ist das Wissen und das Vertrauen darauf, dass ein anderer für mich sorgt. Die Demut bindet sich im Gebet und in der Stille täglich neu an Gott.
Daran erinnert euch!

Wir leben in einer Zeit, in der der Glaube und die Demut immer mehr aus der Mode kommen. In einer individualisierten Gesellschaft geht es um den eigenen Verdienst, um die eigene Lebensgestaltung, um das, was ich selbst mir aus eigener Kraft verdiene.
Erfolgreich zu sein und etwas zu erreichen ist etwas sehr Schönes!
Nur wenn man den Blick auf Gott dabei verliert, das Danken vergisst und meint, alles Glück und aller Erfolg seien eine Selbstverständlichkeit, dann ist das hochmütig.

Demut aber bedeutete ursprünglich so viel wie „Dien-Mut“,
der Mut zu dienen !

Eigentlich etwas ganz Positives: den MUT, zu dienen.
Den MUT, Gott und meinem Nächsten zu dienen an dem Ort, an dem Gott mich gestellt hat. Meiner Lebensaufgabe gemäß.
Im Beruf, in der Familie, in der Stadt und in dem Land, in dem ich lebe.
Den MUT, diese Lebensaufgabe so gut wie möglich zu erfüllen.
Den MUT, zu dieser Aufgabe zu stehen und auch
den MUT, Fehler zuzugeben.
Das ist Demut.
Wenn ich mir meiner eigensten Aufgabe bewusst bin, dann brauche ich nicht hochmütig zu werden und klein bin ich dann schon lange nicht mehr.

3. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher ......

Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge! Dem widersteht, fest im Glauben und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.

Nüchtern bleiben.
Bleib nüchtern. Bleib auf dem Boden.
Und wir meinen damit meist eine Sachlichkeit ohne Emotionen.
Aber das ist hier nicht damit gemeint, ganz im Gegenteil.

Menschen, die fasten, die eine zeitlang nüchtern bleiben,
die machen die Erfahrung, dass während des Fastens die Sinne geschärft werden.
Darum geht es.
Manchmal macht uns die Fülle blind.
Im Bauch, im Herzen, in der Seele und in der Wahrnehmung.

Verzicht lässt mich neu wahrnehmen, was mein alltägliches Leben bestimmt:
Wo ich mich in Abhängigkeiten begebe, auch wenn ich meine, unabhängig und eigenständig zu entscheiden.
Wo ich mich selbst bestechen lasse von der Selbstverständlichkeit der Strukturen, in denen ich lebe.

Seid nüchtern und wachsam!
Schlingt nicht alles in euch hinein, was euch angeboten wird,
denn sonst werdet ihr selbst verschlungen.
Diese Verschlingungen sind ja gerade das teuflische.
Die Teufelskreisläufe.
Die Abhängigkeiten, die wir gar nicht mehr richtig merken.
Bei den einen ist es die Karriere, bei den anderen das stundenlange Surfen im Internet oder es sind die Schulden, die einen schließlich verschlingen.

Der Teufel geht um wie ein brüllender Löwe.
Doch er brüllt nicht mehr. Das ist das Problem.
Der Teufel lullt uns eher ein wie eine hypnotisierende Schlange.
In einer Welt von bunten Bildern und einer Flut von Informationen,
in der alles machbar scheint und der individuelle Hochmut ganz bewusst gefördert wird, sollen wir eingelullt und müde werden,
langsam, träge und schleichend.

Darum: Bleibt nüchtern und wachsam.
Widersteht dem Bösen.

Lasst euch nicht bestechen.
Arrangiert euch nicht mit allem und jedem.
Bleibt bei eurer Aufgabe.
Bewahrt eure Seele vor dem Einlullen und zieht eine Grenze.

Bleibt fest im Glauben, sagt der Petrusbrief.
Verliert nicht das Kreuz aus dem Blick,
verliert nicht eure Verbundenheit mit Gott.
Bleibt demütig!
Und dann werdet ihr auch die Verlockungen als das sehen, was sie sind- nämlich als Versuch, euch den Blick auf Gott zu verstellen und euch die Demut zu rauben.

4.Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit

Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. IHM sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.-

Liebe Schwestern und Brüder,
wir leiden „eine Zeit lang“ –
das Leiden und die Sorgen gehören zu unserem Leben mit dazu.

Und es tut mir gut, dass das am Ende dieses Abschnitts auch so gesagt wird. Sich sorgen und sich Gedanken machen gehört zu unserem Leben als Christen und Christinnen dazu.
Würden wir uns keine Sorgen machen,
dann müssten wir vor dieser Welt ja die Augen verschließen.
Dann könnten wir auch nicht wachsam sein.

Nein, wir leiden,
wir leiden unter Anfechtungen und Verlockungen,
wir leiden unter Krankheiten und Diagnosen,
wir leiden unter Ungerechtigkeit und Gewalt.

Aber wir leiden eben nicht für immer und ewig.

All unsere Sorgen und unser Leiden haben einen Ort,
und dorthin müssen wir sie werfen, tragen, rollen, hinfahren oder wie auch immer. Sie haben ihren Platz am Kreuz Jesu Christi.

All eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.

Täglich neu auf Gott zu vertrauen, das ist es, was uns stärkt.
Was unser Sorgenpaket nicht zu einem riesigen Ballen werden lässt, unter dessen Last wir am Ende zusammenbrechen.

Manchmal, da bin ich beschämt, wenn ich mit älteren Menschen spreche,
Menschen, aus der Kriegsgeneration,
Menschen, die ihre Heimat verloren haben, ihren Besitz, ihre Familie.
Was manche Menschen da erleiden und erdulden mussten,
ist kaum zu beschreiben.
Und das Schöne ist, wenn dann diese Menschen nicht verbittert sind, sondern im Rückblick auch Dankbarkeit empfinden können.
Dankbarkeit dafür, dass Gott auch in dieser schlimmen Zeit täglich neu für sie gesorgt hat und sie es trotz allem überstanden haben.

Dort, wo wir demütig sind, werden wir aufgerichtet,
wo wir die Sorgen loslassen, werden wir gestärkt,
wo wir nüchtern und aufmerksam sind, werden wir gekräftigt und
wo wir Widerstand leisten, da ist ER der feste Boden unter unseren Füßen.

Dieses Gottvertrauen wünsche ich uns allen.
Den Mut, zur eigenen Lebensaufgabe zu stehen.
Die Erfahrung der Solidarität mit anderen.
Und die Gewissheit einer anderen Herrlichkeit, die wir einst im Reich Gottes sehen werden. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Ute Lehnes-de Fallois: Gottes Kinder

14. Sonntag nach Trinitatis - 12.9.2010
Römer 8, 14-17

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

Von Gott will ich nicht lassen, denn ER lässt nicht von mir,
führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen, tut ER mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land. (EG 365,1)


So lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten.
(Stille)

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
Der Herr segne unser Reden und Hören durch seinen Heiligen Geist. Amen.

Liebe Gemeinde !

1. Was Menschen so antreibt

Was die Menschen halt so treiben oder wovon sie getrieben werden,
darauf möchte ich heute morgen einen Blick mit Ihnen werfen.

Denn wovon der Mensch getrieben wird,
das bestimmt ja auch das, was der Mensch so treibt.

1.1. Der umtriebige Perfektionist

Den einen treibt der eigene Perfektionismus um.
Irgendetwas ist immer noch nicht perfekt genug, im Haus, im Garten, im Beruf.
Und so wird das Zimmer wieder mal neu tapeziert,
ein kleiner Teich im Garten angelegt und die nächste Gehaltsstufe angestrebt.
Es gibt immer was zu tun!

Auch im Urlaub finden viele nicht so recht zur Ruhe.
Da wird bereits schon vor dem Frühstück der Liegestuhl am Pool mit dem Handtuch markiert.
Kennen Sie das ?
Sie kommen nach dem Frühstück entspannt zum Pool und sehen sich
einem Meer handtuchbedeckter Liegestühle gegenüber.
Es ist zwar nur die Hälfte der Liegestühle besetzt,
aber auf jedem liegt ein Handtuch, das Ihnen sagen will:
Du bist hier unerwünscht!
Sie selbst finden dann zwar keinen Liegestuhl mehr,
aber die Besitzansprüche sind perfekt deutlich.

Es gibt nicht wenige, die treibt die Angst um,
einen Fehler zu machen, ihr Leben nicht perfekt genug zu organisieren, sich womöglich eine Blöße zu geben oder sich Kritik einzuhandeln.
Und so dreht sich das Leben um die Frage:
Wie mache ich alles richtig?
Und so folgt eine Aktion der nächsten:
Zu Hause, im Urlaub, im Beruf.
Sich zwischendurch Ruhe zu gönnen, nachzudenken, Kraft zu schöpfen, das wird schon fast als vermessen empfunden, denn es gibt ja immer was zu tun, um den eigenen Ansprüchen und den Ansprüchen andrerer gerecht zu werden.

1.2. der umtriebig Suchende

Was Menschen so alles antreibt.
Oft steckt die ANGST dahinter.
Die Angst einen Fehler zu machen,
die Angst etwas zu versäumen
oder auch die Angst, allein zu sein oder allein zu bleiben.
Die Angst vor dem Alleinsein treibt viele um.

Ich weiß nicht, wie viele Menschen täglich im Internet auf Partnersuche gehen. Und es sind nicht nur die Jungen.
Getrieben von der Angst, nach einer Trennung allein zu bleiben, nicht mehr rechtzeitig den Richtigen oder die Richtige zu finden, allein alt und grau werden zu müssen. Stunden werden da vor dem Computer zugebracht, immer in der Hoffnung, jetzt doch endlich am Bildschirm die Liebe des Lebens zu finden.

1.3. der umtriebig Sparsame

Andere treibt die Angst um, ihr Geld könnte nicht reichen.
Wo kann man am billigsten tanken?
Da werden dann schon mal 20 km bis zur billigsten Tankstelle gefahren. Ob sich das am Ende finanziell lohnt, sei dahingestellt.

Immer auf der Suche nach einem Schnäppchen.
Was Menschen halt so umtreibt.
Manche buchen auch jetzt schon ihren Urlaub für nächstes Jahr,
weil sonst ist der Frühbucherrabatt weg.

Aber wer von uns, liebe Gemeinde, weiß denn schon, was nächstes Jahr sein wird?
Ist es nicht wirklich genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat?
Warum treibt so viele Menschen die Sorge um,
dass es nicht reichen könnte? Dass sie etwas verpassen könnten.
Und das sind nicht die Armen.
Da geht die Angst um, dass wir unseren gewohnten Wohlstand verlieren könnten und darum drehen sich so viele Gedanken um das Geld. Immer und immer wieder.

Doch eines sollten wir nicht vergessen:
Es geschehen immer wieder Dinge, die wir in dieser globalisierten Welt eben nicht mehr in der Hand haben. Da können wir unsere Euros und Cents hin – und herdrehen, wie wir wollen und da können wir noch so viel Zeit damit zubringen, die besten Sonderangebote ausfindig zu machen, das wird uns am Ende dann auch nichts mehr nutzen.

Wenn mir jemand vor 9 Jahren gesagt hätte, dass am 11. September, dem ersten Schultag meiner jüngsten Tochter, das World Trade Center in New York in Schutt und Asche fallen würde, ich hätte es nicht geglaubt. Und ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten Elternabend, nämlich genau an jenem 11.September 2001,
wo niemand mehr sagen konnte, wie das Ganze ausgehen würde.
Wie der Vergeltungsschlag der USA aussehen würde und
ob wir auf einen dritten Weltkrieg zusteuern?
Und ob unsere Kinder im Frieden oder im Krieg ihre ersten Schuljahre erleben werden.
Der Krieg wurde und wird nicht auf europäischem Territorium geführt, doch das wusste damals niemand. Es hätte auch ganz anders kommen können.
Und dann hätte keinem mehr ein Frühbucherrabatt genutzt,
das Benzin an der Tankstelle hätte es vermutlich nur noch rationiert gegeben und den Rest mag ich mir nicht vorstellen.

2. Welcher Geist treibt uns?

Welcher Geist treibt uns eigentlich?

Denn wovon der Mensch getrieben wird,
das bestimmt ja auch, was er treibt.

Treibt uns der Geist der Angst, der Sorge, des zu Kurz-Kommens, des Egoismus, des Perfektionismus, des Neids, der Einsamkeit und des Alleinseins ?
Oder treibt uns als Christen nicht ein anderer Geist?

Denn, so schreibt Paulus,
welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
Denn ihr habt in eurer Taufe nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet. Ihr habt den Heiligen Geist empfangen, den Geist, der liebt und euch von der Angst befreit.
Durch ihn rufen wir: Abba, lieber Vater.
Durch den Geist wissen wir, dass wir nicht allein sind.
Wir haben einen Vater im Himmel.
Wir haben unseren Platz hier in der Kirche und wir haben unseren Platz in der Ewigkeit unseres Gottes.

Es ist der Geist der Liebe und der Freiheit,
der Hoffnung und des Vertrauens, der die Kinder Gottes treibt!

Spüren Sie den Unterschied zum Geist der Angst?
Mit dem Geist Gottes als treibende Kraft unseres Lebens eröffnet sich für uns als getaufte Kinder Gottes eine ganz andere Dimension von Leben.
Eine Dimension, die weiter greift als nur die Angst.
So wie Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Durch Jesus kennen wir unseren Vater im Himmel.
Mit allem, was uns auf der Seele liegt dürfen wir zu diesem Vater im Himmel kommen und sagen: Abba, Papa, nimm die Last von mir oder hilf mir bitte, sie zu tragen.
Wir sind nicht allein.
Der Geist Gottes, dieser kindliche Geist, wie Paulus ihn beschreibt, lässt uns vertrauen. Lässt uns darauf vertrauen, dass unser Vater im Himmel für jeden von uns den rechten Weg weiß und keiner von uns dabei zu kurz kommt.
Der Geist Gottes führt unsere Gedanken über uns selbst hinaus.
Er lässt uns auch an andere denken, nicht nur an uns selbst.
Es ist der Geist der Liebe, der uns frei macht, auch andere zu lieben, nicht nur uns selbst.
Es ist der Geist der Vergebung, der uns frei macht, auch andere um Verzeihung zu bitten.
Es ist der Geist der Ewigkeit, der uns gewiss macht, dass wir hier und auch in der Zukunft bei Gott unseren Platz haben werden. Wir müssen nicht ängstlich unser Handtuch auf den Liegestuhl legen, um uns am Pool einen Platz zu reservieren, weil wir wissen, wir haben einen Platz in der himmlischen Hängematte unseres Gottes.
Es ist der Geist Gottes, der uns manchmal sogar zu einem Danke treibt!
Danke, lieber Gott, dass du mich jetzt in dieser Situation bewahrt hast,
oder Danke, lieber Gott, dass du mir die Kraft gegeben hast einen Angehörigen über Jahre hinweg zu pflegen oder
Danke, lieber Gott, dass unser Land in den letzten Jahren nicht zu einem Kriegsschauplatz geworden ist.
Danke, lieber Gott, dass unsere Kinder im Frieden aufwachsen dürfen.

Im Evangelium haben wir heute gehört, wie
10 Aussätzige rein wurden, aber nur einer umkehrte, um Jesus dafür zu danken. Aber diesen einen hat der Geist Gottes getrieben. Er hat ihn zurück getrieben zu Jesus und zur Dankbarkeit.

Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
Wir sind Gottes Kinder.
Und wenn uns der Geist Gottes treibt,
dann sehen wir diese Welt auch in der Dimension des Glaubens,
in ihrer Rückbindung an Gott und das bestimmt dann auch unser Denken und Handeln.

Denn das, was den Menschen innerlich antreibt,
das treibt dann auch sein Denken und Handeln.

Wir brauchen nicht ängstlich auf das zu schauen, was andere haben und wir vielleicht nicht, weil wir wissen, dass unser Vater im Himmel für uns sorgt.
Wir brauchen es nicht allen und jedem recht machen, weil wir wissen, dass Gott uns so annimmt, wie wir sind.
Wir müssen nicht nach Schnäppchen und Sonderangeboten jagen, weil wir wissen, dass es uns am Ende auch nicht seliger sein lässt.

Das entspannt das „eigene kleine Leben“,
weil wir wissen, dass wir da, wo wir gerade sind,
im Vertrauen auf Gott gut aufgehoben bin.
Bei DIR; HERR, ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte, sehen auch wir das Licht!

Das macht uns frei von der Sorge, wir könnten etwas verpassen,
weil wir wissen, dass wir das, was wir zum Leben brauchen,
in unserem Glauben finden

Der Glaube treibt den Blick weiter – weiter hinaus –
in eine andere Dimension des Lebens – weg von uns selbst,
hin zu den Menschen neben uns und deren Leben –
hin zu den Menschen, die vielleicht Hilfe brauchen und denen es gerade nicht gut so geht.

Dass wir den Geist Gottes immer wieder spüren und er uns treibt,
uns unserem himmlischen Vater anzuvertrauen, im Gebet, in der Stille, im Dank, im Lob, aber auch mit unserer Klage und unseren Sorgen

und uns dieser Geist dann auch antreibt, nicht nur auf uns zu achten, sondern auch auf die Menschen neben uns und auf Gottes gute Schöpfung überhaupt, das wünsche ich uns allen heute, morgen und immer wieder aufs Neue.
Dass wir uns als Kinder Gottes schon hier und jetzt erleben,
und dass uns Gottes Geist treibt und nicht die Angst vor der Welt.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und sinne in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen.

Ute Lehnes-de Fallois: Ihr seid das Licht der Welt

8. Sonntag nach Trinitatis - 25.7.2010
Epheser 5, 8b-14

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: b Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

So lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten.
(Stille)

Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt.
So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Mt 5,14.16)

Der HERR segne unser Reden und Hören durch seinen Heiligen Geist. Amen.

Liebe Gemeinde!

1. Dem eigenen Sein/ der eigenen Rolle zu entsprechen, ist gar nicht so leicht

In der vorletzten Woche sind wir mit unserem neuen Konfirmandenkurs zur Freizeit in die Weihermühle in der Nähe von Kulmbach gefahren.
Das waren drei heiße Tage, im wahrsten Sinn des Wortes.
Gleich am ersten Abend steht einer unserer jugendlichen Mitarbeiter völlig aufgeregt vor mir und fragt mich:
„Frau Lehnes, haben Sie einen Notfallplan?“
In dem Moment schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken: ich sehe vor meinem inneren Auge blutende Lippen, gequetschte Nasen, Hitzschläge und Sonnenbrände.
So versuche ich, ruhig durchzuatmen und frag ihn dann, was denn jetzt passiert sei?
„Das müssen Sie sich anschauen,“ antwortet er, „ das müssen Sie sich anschauen, alles voller Ungeziefer – unser ganzes Zimmer, alles voller Ungeziefer“ Und so eile ich mit dem jungen Mann in Richtung des besagten Zimmers und in der Tat: bei genauerem Hinsehen, kann man sie erkennen: mindestens 8-10 Stechmücken und ein paar Fliegen sitzen an den Wänden.
„Frau Lehnes, haben sie einen Notfallplan?“
Ja, habe ich.
Als erstes schließen wir mal das Fenster und dann rücken wir, bewaffnet mit einem Schlappen den Viechern auf den Leib. Und - wir besiegen sie.

Warum ich ihnen dieses kleine Episode erzählt habe?
Weil es manchmal gar nicht so leicht ist,
der eigenen Rolle zu entsprechen.
Das zu leben, was man ist.
Und weil Gott uns manchmal mehr zutraut, als wir uns selbst.

Da kommt ein junger Mensch aus der Stadt auf’s Land,
und da sieht er etwas, was er so nicht kennt.
Und statt zu überlegen, wie verhalte ich mich jetzt da als Mitarbeiter, welche Möglichkeiten habe ich, um das Problem zu lösen,
fällt er in die Rolle des Konfirmanden zurück und läuft ganz aufgelöst
weg.
Ich war übrigens sehr erleichtert, dass nichts wirklich Schlimmes passiert ist und kann inzwischen gut über die Geschichte schmunzeln.

Erwachsenwerden, selbständig zu entscheiden, das ist eben nicht leicht.

Erwachsen sein und Entscheidungen treffen zu müssen,
auch in heiklen Situationen, in Situationen, in denen man oft nicht weiß, was richtig und was falsch ist und wo oft um Kompromisse gerungen werden muss, auch das ist nicht leicht.
Und Älterwerden oder Altwerden, auch das - keine einfache Übung. Zu akzeptieren, dass man zu manchen Dingen einfach länger braucht, schneller müde wird und nicht mehr so belastbar ist wie früher.

Doch ganz gleich, wie alt wir sind und mit welchen Anforderungen wir uns gerade konfrontiert sehen, wir alle haben unsere Heimat im Glauben.
Wir sind Kinder des Lichts. Wir sind es hier und jetzt.
Auch wenn und das manchmal schwer fällt, zu glauben.
Für Gott sind wir mehr Licht,
als wir selbst es ahnen.
Er traut uns mehr zu als wir uns oft selbst.

Wir sind Kinder des Lichts! Erleuchtet durch unseren Glauben.
In der Taufe hat uns Gott als seine Söhne und Töchter angenommen und uns das Licht des Lebens geschenkt.
JA, das hat er.
Auch wenn es uns manchmal schwer fällt, zu glauben, dass wir Gottes Licht in und bei uns tragen
Und ER möchte nicht, dass wir sein Licht unter den Scheffel stellen,
sondern dass wir es leuchten lassen hier in dieser Welt.

Und eigentlich möchten wir das wir auch sehr gerne.
Unser Licht als Christin, als Christ leuchten lassen,
es der Welt zeigen,
unserer Rolle und unserem Leben als Christen entsprechen,
und genau das ist der Punkt,
an dem es für uns manchmal schwierig wird.
Es ist die Nahtstelle, an der es von der Theorie in die Praxis übergeht,
von der Geborgenheit der individuellen Frömmigkeit und dem Heimatgefühl hier in der Gemeinde hinaus in die weite Welt,
wo uns eben nicht automatisch alle lieb,
wir uns Anfechtungen ausgeliefert sehen und
unsere Überzeugungen verteidigen müssen.
Und wo wir manchmal eben auch am liebsten weglaufen würden,
um nach dem Notfallplan zu fragen, der da heißt:
und wie denke, rede und handle ich jetzt als Christin, als Christ so,
dass es meinem Glauben entspricht,
und dass auch durch mich das Licht Jesu Christi offenbar wird!

Denn offensichtlich traut mir Gott ja zu,
dass es auch durch mich offenbar wird.

2. der Predigttext als Ermutigung zu einem „Leben im Licht“

Die Worte aus dem Epheserbrief, unserem heutigen Predigttext,
möchten uns genau an dieser Nahtstelle,
an der es von innen nach draußen geht, MUT zusprechen.
Sie wollen uns ermutigen als „Kinder des Lichts“,
die wir ja tief drin alle sind,
voller Vertrauen und Zuversicht nach draußen zu gehen sein und in dieser Welt ganz einfach auch unseren Glauben zu leben.
Zu leben als Kinder des Lichts und dann wird auch durch uns offenbar werden, was nicht der Güte und der Wahrheit und der Gerechtigkeit entspricht.
NUR MUT, sagt der Epheserbrief.
Und seid es und ihr könnt es.
Und wenn was schief geht, dann geht es eben schief.
Das ist mehr als nur ein Notfallplan,
als ist mehr als nur eine Regieanweisung für Schauspieler,
um nicht aus der Rolle zu kippen.
Sondern es ist die Ermutigung an das eigene Licht und seine Strahlkraft zu glauben in der Gewissheit, dass Gott an unserer Seite bleibt, auch wenn was nicht gleich beim ersten Mal klappt.

So wie wir es nach dem Sündenbekenntnis miteinander gesungen haben:
Du bleibst an meiner Seite, du schämst dich nicht für mich.
Du weißt, ich bin untreu, und dennoch gehst du nicht.
Du stehst zu unserer Freundschaft, obwohl ich schwierig bin,
hältst du mir die Treue, gehst mit mir durch dick und dünn. Du bist treu, HERR, an jedem neuen Tag. Du bist treu, HERR, auch wenn ich versag. Unerschütterlich hält deine Treue mich, Du bleibst mir treu.

2.1. Prüft

Als Christinnen und Christen sollen wir kleben,
und unser Licht nicht unter den Scheffel stellen,
sondern hinauf auf den Leuchter,
so dass es alle sehen können.
Und wie wir das anstellen, das sagt uns der Epheserbrief.

„Prüft,“ heißt es da, „prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist,“ und was der Güte, der Gerechtigkeit und der Wahrheit dient.
Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit, das sind die Kriterien,
die uns an die Hand gegeben sind.
Und nach diesen Kriterien urteilen wir.
Wir müssen und wir brauchen nicht alles gut zu heißen,
was wir sehen oder was selbst von uns erwartet wird.
Wir haben die Freiheit, Ja oder Nein zu sagen.
Wir haben die Freiheit, immer wieder neu zu prüfen und auch eine Meinung zu ändern.
Ein ganzes Leben lang. Immer wieder. In aller Freiheit.

Das, was für jemanden mit 20 wahr ist,
das muss für den gleichen Menschen mit 30 oder 40 nicht mehr wahr sein. Wir dürfen uns ändern! Wir sind nicht Gefangene im Glauben, sondern wir sind frei.
Frei, uns selbst zu prüfen, auf das eigene Leben und auf den eigenen Lebensstil zu schauen und dann zu entscheiden: Ja, das ist gut und das will ich weiter tun oder auch zu entscheiden: Nein, das will ich so nicht oder nicht mehr.
Da gibt es für mich inzwischen andere Wege, um der Güte, der Gerechtigkeit und der Wahrheit zu dienen. Und darum kann und will ich mein Leben jetzt anders gestalten.
Diese Freiheit haben wir.
Wir haben sie im persönlichen Leben und wir haben sie im öffentlichen Leben.

Dass wir in einer multimedialen Gesellschaft leben, die uns ständig neue Bedürfnisse einredet, und die uns dazu verleiten will, immer noch mehr zu konsumieren und dass Geiz geil ist, auch das muss auf den Prüfstand!
Und dann entscheiden wir, was davon der Güte, der Gerechtigkeit und der Wahrheit in dieser Welt dient. Und dann sind wir mutig und sagen NEIN zu dem, „was dem Herrn nicht wohlgefällig ist“.
Das ist nicht immer bequem und einfach,
aber Gott traut es uns zu.
Denn für ihn sind wir seine Kinder,
die Kinder des Lichts, und darum können wir das.

2.2. Deckt auf

„Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf!“, so heißt es weiter.

Habt den MUT, den Teppich hochzuheben und schaut euch den Dreck an, der sich darunter verbirgt.

Es geht nicht um Schuldzuweisung,
sondern ums Draufschauen und um das Wahrnehmen dessen,
was sich unter der Oberfläche verbirgt.

Und da verbirgt sich einiges.

Einiges, von dem ich denke, da kann doch was nicht stimmen!
Es wird viel von Bildung und Chancengleichheit geredet. Aber wie bitte soll eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern im Teilzeitjob die Nachhilfe für die G 8, das achtjährige Gymnasium bezahlen?
Für Hartz IV zu reich, für 20.-€ Nachhilfe pro Woche zu arm!
Chancengleichheit? Schön wär’s.

Die Bundeswehr macht auf Hochglanzplakaten Werbung für die Ausbildung beim Bund. Jeder Raucher muss sich damit abfinden, dass der Bundesgesundheitsminister warnt: Rauchen gefährdet ihre Gesundheit. Warum warnt nicht der Bundesverteidigungsminister auf dem Hochglanzplakat: Der Einsatz in Krisen- und Kriegsgebieten dieser Welt gefährdet nicht nur ihr Leben, sondern auch das Leben anderer.

Die Staatsverschuldung ist so hoch wie nie. Geld, um endlich mehr Lehrer im Grund – und vor allem auch im Hauptschulbereich einzusetzen, fehlt. Dafür bekommen Großhoteliers jetzt einen Steuernachlass.
Und haben dann einige der Hauptschüler endlich ihren Quali geschafft, dann haben sie noch lange keine Lehrstelle.

Da kann doch was nicht stimmen!
Und ich frage mich:
Wie lange sollen wir eigentlich noch als dumm verkauft werden?
Das sind wir nämlich nicht!

Darum schauen wir genau hin, prüfen und entscheiden.
Es geht nicht darum, anderen die Schuld zuzuweisen,
sondern aufzudecken, zu offenbaren und zu benennen, was eben nicht stimmt.

3. Wach auf, steh auf!

Darum, so heißt es weiter:
wach auf, der du schläfst!
Mach die Augen auf und schau auf diese Welt und hab den Mut zu sagen, was nicht der Güte und der Gerechtigkeit und der Wahrheit dient.

Wir haben ja oft die Tendenz, uns mit dem abzufinden, was ist,
wir nehmen es als gegeben hin und denken: „da kann man halt nichts machen!“ und resignieren.
So, liebe Gemeinde,
stellen wir aber unser Licht unter den Scheffel und
nicht hinauf auf den Leuchter, so dass es alle sehen können.
Wach auf, sagt der Epheserbrief,
nimm dein Licht jetzt in die Hand und bring es dorthin, wo es noch finster ist.
Bring deine Fröhlichkeit, deinen Glauben, deinen Optimismus, deine Liebe zu den Menschen, die vielleicht gerade jetzt in diesem Moment schon darauf hoffen, dass sich Dinge ändern. Dass da einer kommt und das Licht auch in ihr Leben bringt.

Du bist mehr Licht in dieser Welt,
als du selbst es ahnst.
Gott braucht dich mit deiner Strahlkraft,
damit es heller wird und die Finsternis verschwindet.
Darum wach auf und lass dir die Chance nicht entgehen.

Und unser Predigttext endet mit der Aufforderung:
Steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.
Ein ganz starkes Wort, provozierend, herausfordernd.
Steh auf von den Toten –
Begrabe nicht deine Träume von einer besseren und anderen Welt,
sondern lebe diesen Traum,
so wird dich Christus erleuchten !
DU bist ein Kind des Lichts!

Ich habe mich gefragt, wo ich denn selbst ein Kind des Lichts bin,
wo ich anderen Menschen das Licht Christi vielleicht schon gebracht habe, wo ich in Liebe gehandelt habe und es so durch mich ein wenig heller geworden ist.
Ich weiß es nicht, aber ich weiß ganz viele Menschen, die mir auf meinem Weg zu einem Licht geworden sind und durch die ich meinen Glauben wieder ganz neu sehen konnte oder durch die ich einen anderen Blick auf diese Welt auch gelernt habe.

Das ist ja auch das Schöne, dass wir nicht durch eigene Berechnung Kinder des Lichts sind, sondern dass wir jeden Tag auf’s neue, die Chance haben, für andere das Licht zu sein. Auch wenn wir das dann selbst oft gar nicht merken.

Schau ich auf unsere Gemeinde, dann sehe ich da viele, die als Kinder des Lichts unterwegs sind, die sich nicht abfinden mit Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit und Lüge. Ich denke an die Frauen, die im dress-in mitarbeiten, an die, die sich in ihrer Nachbarschaft umschauen, an die, die für andere beten und an alle, die sich auf so ganz unterschiedliche Weise für ihren Glauben und ihre Überzeugung engagieren.

Wir sind oft mehr Licht für andere, als wir selbst es ahnen!

Darum lasst uns als Kinder des Lichts leben,
prüfen, ,was unserem Sein in Christus entspricht
und was der Güte, der Gerechtigkeit und der Wahrheit entspricht.

So wird auch durch uns offenbar werden,
wer Christus für diese Welt ist. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

20100819

Werner Otto Sirch: Gott ist Liebe

12. Sonntag nach Trinitatis - 21.8.2010

Predigt 1. Johannes 4,7-12
7 Ihr Lieben, lasst uns einander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott.
8 Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.
9 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.
10 Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.
11 Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.
12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.



Liebe Gemeinde,
liebe Schwestern und Brüder,

1. Gott ist Liebe

Gott ist Liebe! Höre ich Widerspruch? Höre ich Zweifel, dass das so stimmt? Nein? Dann kann ich ja meine Predigt beenden, wir können unser Predigtlied singen, denn es ist ja alles klar. Nicht ganz, denn wir müssten uns noch darüber unterhalten, ob es für unser Leben Folgen hat wenn es heißt: Gott ist Liebe!

Oft höre ich ganz andere Aussagen über Gott. Er wird als göttliche Macht, als Schicksal umschrieben. Gerechtigkeit, Treue, Weisheit, Zorn werden ihm nachgesagt. Keiner der Propheten, keiner der Boten Gottes hat zu sagen gewagt „Gott ist Gerechtigkeit“ oder gar „Gott ist Zorn“. Aber das wissen wir alle: Gott liebt Gerechtigkeit, Gott zeigt auch Zorn, Gott offenbart seine Macht. Gott ist aber nicht Gerechtigkeit, Gott ist nicht Zorn und auch nicht Macht. Für mich wäre es schrecklich solch einen Gott zu haben: Einen Gott der Gerechtigkeit. Wie sehr haben wir nicht schon unter der Gerechtigkeit der anderen gelitten. Wenn etwas schief gelaufen ist und ein anderer voll inbrünstiger Gerechtigkeit seine Hand in unsere Wunden gelegt hat, ohne Erbarmen, ohne Gnade, ohne Vergebung. Ich habe Schwierigkeiten mit Gerechtigkeitsfanatikern und gehe ihnen lieber aus dem Weg. Vor solch einem Gott der das zum Prinzip macht hätte ich Angst – große Angst.

Einen Gott der Zorn ist, vor dem wäre meine Angst noch viel größer. Es ist schon schlimm genug, wenn Kinder Eltern haben die sehr schnell zum Zorn sind – vielleicht auch jähzornig. Zorn, der jederzeit über sie hereinbrechen kann, schon beim geringsten Fehler. Ein Zorn ohne Gnade, Unbarmherzig, voller Wut. Wenn sich so Gott zeigen würde – schreckliche Welt.

Gott ist Macht, das würde wohl den Umkehrschluss erlauben: Macht ist Gott und damit wäre das Schwache, das Machtlose verdammungswürdig. Ich weiß, dass wir in dieser Welt oft die Macht anbeten, Macht haben wollen, vor Menschen, die sich die Macht genommen haben kuschen und ihnen möglichst zu Diensten sind, damit sie uns wohlgesonnen sind. Wir haben Erfahrungen damit gemacht, wie leicht Macht missbraucht wird zum eigenen Wohl der Mächtigen.

Gott ist Liebe, das sagt uns der Schreiber des 1. Johannesbriefes. Gott ist Liebe, das ist das Wesen Gottes. Das ist sein innerstes Wesen: Gott ist Liebe. Von diesem Wesen wird Gottes Handeln bestimmt – trotz der Rückseite Gottes, die auch Zorn sein kann. Trotzdem, Gottes Wesen ist Liebe. Und ich frage mich, weshalb wir so viel Angst vor diesem Gott haben. Nicht Ehrfurcht, sondern Angst, Misstrauen, Auflehnung.

Gottes Wesen, seine Liebe, hat uns zu seinem Ebenbild geschaffen und es erzürnt Gott, dass wir uns selbst verderben, indem wir an der satanischen Auflehnung gegen ihn teilnehmen. Gott ist Liebe! Diese Aussage findet sich in keiner Philosophie oder Religion der Welt. „Gott ist Liebe“ hat kein Prophet zu sagen gewagt. Gott ist Liebe! Welch eine Aussage.

Gerade ernste und redliche Menschen lehnen sich gegen diesen Satz auf: Gott ist Liebe. Sie können berichten von der Unheimlichkeit und Grausamkeit der Natur, sie wissen um die Not und Qual die viele Menschen leiden müssen. Wenn wir nur an die 10 Millionen Menschen denken, die in Pakistan alles verloren haben, die einen schier aussichtslosen Kampf gegen die Wassermassen erdulden müssen, um wenigstens ihr Leben zu retten. Wasser, Wasser, überall nur Wasser, nichts zu essen, nichts zu trinken, kein Dach über dem Kopf, keine Hilfe in sicht. Gott ist Liebe! Hat er diese Menschen vergessen? Lässt er so an ihnen seinen Zorn aus?
Wenn ich an Massenvernichtung und an namenloses Leiden Unschuldiger denke, kann ich schon zu der Frage kommen: Wer ist dieser Gott? Ist das Geschick dieser Welt wirklich in Gottes Hand? Ist das Geschick dieser Welt in der Hand eines liebenden Gottes?

2. Wer nicht liebt kennt Gott nicht

Gottes Liebe ist nicht überall leicht zu sehen. Um Gott sehen zu können, muss erst bei mir etwas passiert sein. Wer nicht liebt, kennt Gott nicht. Der große Theologe Adolf Schlatter schreibt hierzu: „Was wir über Gott sagen und denken, nimmt notwendig unsere eigene Farbe an, und das ist eine falsche Farbe, die ihn entstellt und unsere Gedanken über ihn unwahr macht, ehe wir zur Liebe bewogen und aus der Einsperrung in unser hohles, eigenes ich befreit worden sind. Wer in seiner leeren, nichtigen Selbstsucht eingeschlossen ist, denkt sich auch die Welt hohl als eine leere Blase, die aus sich selbst entstanden sei; oder wenn er Gott neben die Welt hinstellt, so macht er ihn so geistlos, zwecklos, tot, leer und hart wie sich selbst. Er macht sich eine Welt und einen Gott, wie sie seine Selbstsucht nicht stören, sondern ihr dienlich sind, und ist darum auch gegen alle Zeugnisse, durch die Gottes Gnade zu uns redet und unter uns wirkt, blind.“

„Ehe wir zur Liebe bewogen und aus der Einsperrung in unser Hohles, eigenes Ich befreit worden sind,“ schreibt Schlatter. Aber wie gerade geschieht diese Befreiung? Und wenn der Satz „Gott ist Liebe“ unserer natürlichen Erfahrung zu widersprechen scheint, wo und wie erkennen wir dann diese Liebe?

3. Wie erkennen wir Gottes Liebe?

Johannes gibt uns eine klare Antwort. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.
Gott schenkt uns. Gott gibt uns. Nicht irgendwohin, sondern ganz konkret in unsere Menschheitsgeschichte, in eine geschichtliche Zeit hinein. Durch die Geburt seines Sohnes hat er seine Liebe zu uns sichtbar gemacht. Gottes Liebe wird zur Tat.

Liebe ist tun. Im heutigen Evangelium (Lk 10, 25-37), das wir vor dem Glaubensbekenntnis gehört haben, geht es konkret zur Sache. Der unter die Räuber gefallene, halbtot am Straßenrand liegend, erfährt Gottes Liebe nicht durch die, die zum Tempel eilen, um Gott in Reinheit im Tempel zu dienen. Sie lassen ihn liegen um nicht kultisch unrein zu werden. Der unter die Räuber gefallen war erlebt die Liebe Gottes durch den, der sich um ihn kümmert, ihn versorgt und pflegen lässt. Liebe ist Tun: „Tu dergleichen!“ ist die Antwort Jesu.

Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht. Ich könnte es auch anders sagen.: Wer nicht liebt, dessen Gotteslehre ist falsch. Es ist ganz im Sinne des Alten Testamentes, dass wir Gott lieben und uns entsprechend verhalten. Häufig können wir im Alten Testament lesen: „Die Gott lieben und seine Gebote halten“ oder „die Gott lieben und ihm dienen“. Ganz konkret heißt das, dass unsere Liebe zu Gott auf die Geschwister achtet und nicht von ihnen wegsieht – wie wir das vorhin in der Geschichte vom barmherzigen Samariter gehört haben. Daran, an unserem Hinsehen, können wir Gottes Liebe erkennen. Gott ist Liebe in Aktion.

4. Gott ist Liebe in Aktion

Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.

Gottes Liebe erkennt man am Geben. Gott schenkt uns das Beste und Liebste – seinen Sohn – den einzigen. Er hat seinen Sohn, der mit ihm schon vor der Schöpfung dieser Welt war, in unsere Welt entsandt. In diese Menschenwelt, welche die Welt der Feindschaft gegen Gott ist und darum die Welt der Sünde und des Todes. Er weiß was wir mit seinem Sohn tun werden, sah vor sich das Ende des Geliebten am Kreuz. Gott ist Liebe! Und in dieser Liebe sendet er seinen Sohn trotzdem, legt ihm dieses Ende auf zu unserer Errettung, die auf keine andere Weise gewirkt werden konnte. Er macht den Sündlosen zur Sünde und den Heiligen zum Fluch, um uns vom Fluch zu befreien.

Warum tut Gott das? Er tut es nicht, weil er damit etwas für sich gewinnen will. Er tut es, damit wir das Leben gewinnen, wir, seine Feinde und Verächter, wir, die in seinem gerechten Gericht Verurteilten und Verlorenen. Gott tut es aus Liebe zu uns.

Worin besteht nun die Liebe Gottes? Die Liebe besteht darin, dass er uns geliebt hat, bevor wir ihn geliebt haben und seinen Sohn zu uns als Sühnemittel für unsere Sünden gesandt hat. Nicht wir haben Gott geliebt, nicht wir haben das große Gebot der Liebe zu Gott erfüllt. Unser Wesen lebt in Eigensucht und Lieblosigkeit die uns von Gott trennen, weil sein Wesen Liebe ist. Aber weil Gott Liebe ist, tut er das Unerhörte, dass er uns Lieblose liebt.

5. Schuldig einander zu lieben

Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Wer sich von Gott geliebt weiß, der kann nicht anders, als andere zu lieben. Er hat die Liebe Gottes in seinem leben erfahren dürfen, seine tragende, vergebende und zurechthelfende Liebe. Darum ist es keine besondere Leistung, wenn wir auch so lieben. Dafür verdienen wir kein besonderes Lob. Wir schulden dem anderen diese tragende, vergebende und zurechthelfende Liebe. Ich weiß, wie oft wir daran scheitern. Wir können Gott aber um diese Liebe bitten, dass er unser Herz damit voll macht.

Gott ist Liebe. Wie könnten wir, die wir solch einen Gott haben etwas anderes sein wollen, als liebende Menschen zu sein? Lasst uns auf die Liebe Gottes antworten, indem wir ihm und unseren Nächsten all unsere Liebe schenken. Amen.

20100804

Werner Otto Sirch: Gerechtigkeit, die dem Glauben zugerechnet wird

1.8.2010 - 9. Sonntag nach Trinitatis

Predigt Philipper 3, 7-14

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,

Stephanie, 17 Jahre alt, hat folgende Zeilen geschrieben:
Lieber Gott, ich rede dich mal an, obwohl ich nicht weiß, ob es dich überhaupt gibt. Aber wenn du existierst, müsstest du lieb sein. Denn wie hätte ich mich sonst mein ganzes Leben lang nach dir sehnen können? Meine Eltern haben mir freigestellt, an dich zu glauben, aber sie haben mir nicht dabei geholfen. Ich sollte das einmal selbst entscheiden, wenn ich groß bin, haben sie gesagt. ...
Als ich aufs Gymnasium kam, wurden die anderen alle nach und nach zum Konfirmandenunterricht angemeldet, meine beste Freundin auch. Die machte mir Mut und so ging ich hin. ...
Dass ich nicht getauft war, störte niemanden. Das könne man kurz vor der Konfirmation nachholen, sagte der Pastor. Es war ganz nett im Konfirmandenunterricht, aber längst nicht so aufregend, wie ich mir das vorher ausgemalt hatte. Von Gott war nicht die Rede, dafür aber von Drogen, Asyl und verschiedenen Evangelienschriften, die sich widersprechen. Dann kam das Thema Konfirmation dran. Der Pastor erklärte uns, als Konfirmierte seien wir dann für unseren Glauben an Gott selbst verantwortlich. Ich traute mich nicht zu fragen, wie ich das "Glauben an Gott" lernen könnte. Ich blieb einfach weg, wurde nicht getauft und nicht konfirmiert. ... Doch meine Sehnsucht blieb, ich weiß nur nicht genau, wonach ich mich eigentlich sehne. Manchmal stelle ich mir vor, es müsste einen großen Knall geben, und dann bist du da, lieber Gott.


Es rührt mich an, die Glaubensgeschichte, der Stephanie. Ihre Sehnsucht nach Gott. Den Glauben an Gott lernen wollen. Und da ist niemand, der sie an die Hand nimmt: Die Eltern nicht und der Pfarrer im Konfirmandenunterricht auch nicht. Dann der Ausstieg, die Sehnsucht die bleibt, das Warten auf den großen Knall.

Paulus hat den großen Knall erlebt. Damals auf dem Weg nach Damaskus, als er voller Überzeugung unterwegs war Gott einen Dienst, einen Gefallen zu tun, wenn er Ordnung schafft. Darum schleppte er die Sektierer, die Christen, vor den Hohen Rat in Jerusalem und ließ sie anklagen. Dann aber das Licht, der Sturz vom Pferd, die Stimme: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich!“ Nichts war mehr so wie es vorher war.

Später schreibt Paulus rückblickend im Brief an die Philipper im 3. Kapitel:
7 Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. 10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, 11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.
12 Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.


1. Bilanzierung
Paulus zieht Bilanz. Er macht eine Gewinn- und Verlustrechnung auf. Soll und haben wird aufgeschlüsselt und das Saldo daraus gezogen. Jeder Geschäftsmann, jeder selbständiger Kaufmann oder Handwerker wird so eine Bilanzierung durchführen, um sein Geschäft erfolgreich führen zu können. Bilanzierung ist Teil seiner ökonomischen Existenz. Der Scanner, der den Strichcode an der Ware abliest, erlaubt computergesteuert, die tägliche Überprüfung des Saldos. Er gibt den Gewinn aus und zeigt unrentable – und damit Verlust signalisierende – Ladenhüter an.

Auch in unserem persönlichen Leben kennen wir solche Bilanzen. Das Nachdenken über unsere Beziehungen und unsere Lebensentwürfe – Gewinn und Verlust.

Bilanz in den Beziehungen und oft genug das Ergebnis: „Alles ist eingefahren. Ich weiß schon im voraus wie der andere reagiert. Ich kenne ihn durch und durch. Ich will aber mehr vom Leben.“

Bilanz in den Lebensentwürfen: Wir kennen sie vor allem in der Midlife-crisis und das kann sich dann so anhören: „Was ich wollte habe ich erreicht. Finanziell bin ich gesichert. Die Kinder sind groß, selbständig. Das Haus schuldenfrei. Ich bin im Beruf erfolgreich. Soll das jetzt alles sein? Der Gedanke, ich habe alles erreicht ist mir unerträglich. Was nach außen wie Erfolg aussieht, lässt mich innerlich kalt. Langweilt mich. Ich will wirklich leben.“

Andere erleben ihre persönliche Bilanz als Selbstverurteilung, als gnadenlose Gewinn- und Verlust-Rechnung, mit etwa folgendem Inhalt: „In meinen Beziehungen scheitere ich immer wieder. Meine Ehe ging in die Brüche, die anderen Beziehungen geben mir nicht was ich brauche. Mir misslingt alles. Im Beruf bin ich nicht weitergekommen. Dauernd Geldsorgen. Ich gehöre zu den Verlierern. Was will ich noch vom Leben?“

Mancher hat nach einer solch ganz persönlichen Bilanzierung Konkurs angemeldet, vor sich und vor Gott. Er hat erschrocken festgestellt, dass sein Leben so nicht weitergehen kann.

Bilanzen brauchen Wertmaßstäbe, die für alle verbindlich sind. Wir haben sie in unserer Gesellschaft weitgehend verloren. Es gibt unter uns keine allgemein gültige Norm mehr, auf die man sich so ohne weiteres verständigen könnte. Am ehesten können wir uns im Streben nach möglichst hohem Gewinn in allen Gebieten unseres Lebens treffen. Negative Folge: Je weiter unsere „Gewinn“-Erwartung und die Realität auseinanderklaffen, desto negativer erscheint die Bilanz unseres Lebens.

2. Wertesystem
Die Bilanz, die Paulus zieht, führt zu einer radikalen Veränderung seiner Einstellung zum Leben. Er begegnet einem neuen Wertesystem, das er in der Begegnung mit dem auferstandenen Christus kennengelernt hat. Vor dieser Begegnung war er Jude, Pharisäer aus dem Stamm Benjamin, der mit besonderem Eifer für die väterlichen Überlieferungen eintrat. Er führte sein Leben als beschnittener Jude und Eiferer für das Gesetz. Hier finden wir den Grund weshalb er die Christengemeinden heftig verfolgte. Nach den Bestimmungen des Gesetzes war dies untadelig und gerecht.

Die Begegnung mit Jesus veränderte sein Leben grundlegend. Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Alle bisherigen Werte haben sich für ihn als Nachteil, als Schaden erwiesen. Durch die Begegnung mit dem Auferstandenen Christus ist ihm gewiss geworden, dass Gott Gerechtigkeit nicht durch Leistung , sondern durch den Glauben an Christus zuspricht.

3. Erkenntnis Christi
Neben der Begegnung mit dem für ihn neuen Wertesystem ist die „Erkenntnis Christi“ für Paulus das zweite Thema. „Menschen können nicht wirklich zuverlässig miteinander verbunden sein, wenn sie Gott nicht kennen. Ist keine Liebe und Treue da, dann ist ganz gewiss kein Wissen um Gott da“ . So formuliert es Hans W. Wolff in seinem Buch „Die Hochzeit mit der Hure“, wo es um das Leben des Propheten Hosea geht. Gott wird erkannt, wenn der Mensch seine Gebote hält, aber auch in der Geschichte mit seinem Volk Israel und der Menschheit. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde. Paulus konnte, wenn man ihm die Gebote vorhielt, mit dem reichen Jüngling sagen: „Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.“ Dass er Jesus erkennen durfte, das ist für ihn das Höchste und Beste das ihm widerfahren konnte. Sein Eifer für das Gesetz hat für ihn keinen Wert mehr, es ist ihm zum Dreck geworden.

4. Gerechtigkeit
Luther hat, ganz anders als Paulus, unter dem Gesetz gelitten. Er hatte Furcht vor Gottes Zorn und Gericht, er hatte Angst verloren zu gehen. Die Frage nach dem gnädigen Gott war dem jungen Luther für seinen Werdegang entscheidend geworden. In den Briefen des Paulus hat Luther den Weg aus seiner Furcht heraus gefunden: Ich habe nicht meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.

Nicht das Leben aus meiner Gerechtigkeit, indem ich penibel das Gesetz und alle Normen beachte, spricht mich vor Gott gerecht. Das Bemühen um die eigene Gerechtigkeit, lässt mich unter dem Zwang der Normen, die wir alle kennen: „das tut man nicht“, oder „wenn du dazugehören willst musst du ...“, oder „wenn du nicht leistungsfähig bist, bist du nicht anerkannt“. „Gerechtigkeit die aus dem Gesetz kommt“, nennt das Paulus, wenn wir unsere Selbstachtung letztlich aus der Erfüllung von Verpflichtungen und anderen Normen beziehen. „Du bist geliebt, geachtet, begehrenswert ..., ohne dass du eine dieser Normen erfüllen musst.“ Darin liegt die Freiheitserfahrung die wir durch das Evangelium erleben können.

5. Ziel
Paulus wünscht sich nichts so sehr als den Auferstandenen Herrn und Heiland immer besser kennen zu lernen. Er wünscht sich frei zu sein von der Gerechtigkeit die aus der Erfüllung von Gesetzlichkeit kommt und an Jesu Auferstehung von den Toten teilzuhaben. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, 11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.
Durch Gottes Gnade und das Leiden und Sterben Jesu völlig unverdient zur Auferstehung der Toten und das ewige Leben gelangen, das ist die Verheißung unseres Glauben an unseren auferstandenen Herrn und Heiland. Und es erscheint mir geradezu als absurd, dass jemand sich als Christ bezeichnet, der davon spricht, dass es keine Auferstehung der Toten gibt.

6. Kampf um das Ziel
12 Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 [...] Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Es ist Herausforderung, das Ziel zu erreichen: Ewiges Leben in Gottes Herrlichkeit. Mit Gleichgültigkeit und falsch verstandener Freiheit ist der Siegespreis, von dem Paulus spricht, nicht zu erreichen. Wir sind als Gerufene und Berufene auf dem Weg, um bei Christus anzukommen.

7. In Bewegung kommen
Bleibt die Frage, was den Christen in Bewegung bringt, damit er sich auf den Weg macht? Gesetze, Befehle, Drohungen? Wohl kaum. Den Christen bringt in Bewegung, dass er in Christus ist, er hat Christus gewonnen. Es ist nicht unser Griff nach Jesus, sondern Jesu Griff nach uns, das verändert uns und unser Leben. Jesus hat schon am Kreuz nach uns gegriffen, rettend seine Hand nach uns ausgestreckt. Durch unsere Taufe und Bekehrung sind wir zu seinem Eigentum geworden.

Nicht unser Elend, unser Versagen, nicht unser Mangel und unsere Sündhaftigkeit setzt uns in Bewegung – dann wäre unser Leben noch ganz ichbestimmt. In Bewegung bringt uns unsere himmlische Berufung, die Gott aus Gnade schenkt, die sich nicht um menschliche Größe oder Eignung kümmert, sondern gerade das wählt was unedel, verachtet und nichts ist.

Diesen Siegespreis erlangen wir aber nicht, wenn wir am Rande des Stadions sitzen bleiben und über ihn nachdenken oder zutreffende Aussagen über ihn machen. Darum liebe Gemeinde, lassen Sie uns in Bewegung kommen, durch Loben und Danken. Lassen Sie uns in Bewegung kommen, weil wir nicht vergessen, was Christus für uns getan hat. Lassen Sie uns in Bewegung kommen und darauf mit unseren guten Werken und mit unserem Wollen antworten. Lasst uns nicht auf den großen Knall warten wie die 17-jährige Stephanie, sondern getrost unsere Schritte gehen und unserer himmlischen Berufung nachjagen damit wir am Ende den Siegespreis erhalten. Amen.