16.5.2010 Sonntag Exaudi
Predigt Epheser 3,14-21
14 Ich beuge meine Knie vor dem Vater,
15 der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden,
16 daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, b stark zu werden durch seinen Geist an dem c inwendigen Menschen,
17 daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe b eingewurzelt und gegründet seid.
18 So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist,
19 auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.
20 Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt,
21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
ich beuge meine Knie ... Vor zwei Jahren wollte, zu meinem Erstaunen, meine Konfirmandengruppe an ihrer Konfirmation das Abendmahl unbedingt kniend einnehmen. Es war den jungen Menschen nicht auszureden. Diese Begebenheit fiel mir ein, als ich über unseren heutigen Predigttext nachdachte. Wer kniet sich denn in einer evangelischen Kirche nieder? Wer kniet überhaupt noch ... und vor wem? Vielleicht fallen wir dann auf unsere Knie, wenn die Not am größten ist und wir weder ein noch aus wissen.
„Ich verstehe nichts. Nur Kniebeugen, die machen wir beim Training auch immer.“ Das sagte einer meiner früheren Konfirmanden, mit dem ich den heutigen Predigttext gelesen habe. Und mir fällt etwas ein, das ich vor einiger Zeit über den großen Psychoanalytiker C. G. Jung gelesen habe. Christen fragen ihn immer wieder einmal, warum Gott nicht zu ihnen spreche, wie er es in früheren Zeiten getan haben soll. Wenn er solche Fragen höre, antwortete C. G. Jung, denke er immer an den Rabbi. Der sei auch gefragt worden, wie es käme, dass Gott sich den Menschen früher so oft gezeigt habe. Denn heutzutage würde ja niemand mehr Gott zu Gesicht bekommen. Der Rabbi antwortete: „Heutzutage gibt es niemand mehr, der sich tief genug bücken kann.“ Das kann Beten bedeuten: Sich tief genug zu bücken, die Knie zu beugen und die Spuren Gottes in den Blick zu nehmen.
Es hat Ursachen, dass wir heute nicht mehr in der Lage sind, uns vor Gott zu demütigen und klein zu machen, ihm Respekt zu erweisen. Wir nennen Gott Vater. Gott der Vater, das scheint heute aber vielen Menschen suspekt, denn wir leben weitgehend in einer Welt ohne Väter. Wir leben im Zeitalter der Söhne und Töchter. Außerdem: Warum nicht Vater- und nicht Muttergott oder besser Gott, der Väterliches und Mütterliches in sich vereint?
Das Wort „Vater“ scheint heute nicht mehr tragfähig wie früher, es kann kaum noch Vertrauen begründen und den Glauben an Gott gültig ausdrücken. Der Rektor der Förderberufsschule des Diakoniedorfes Herzogsägmühle, wo ich vor meiner Fürther Zeit arbeitete, sagte einmal zu mir: „Die jungen Menschen an unserer Schule haben alle einen ganz entscheidenden Mangel: Sie kennen keinen Vater mehr, haben keine Beziehung mehr zu ihm. Wenn diese jungen Menschen in ihrem Religionsunterricht nun einen Vater erleben, wenn Sie ihnen ein guter Vater sind, dann haben Sie gut gearbeitet und wenn sie im Unterricht den Vater im Himmel kennen lernen, dann haben Sie sehr gut gearbeitet.“
Wo sind heute unsere Väter? Ich meine nicht die autoritären und gewalttätigen Väter. Wo sind die Väter, die Autorität haben, die sich um ihre Kinder kümmern, ihre Kinder lieben und von ihnen geliebt werden?
Die Söhne und Töchter möchten sich heute lieber vom Vater – und auch von der Mutter – befreien, erkennen ihre Autorität nicht mehr an. Eine Supernannie oder Supermama soll es dann richten.
Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhof malt in seinem Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, ein erschreckendes Bild von Beziehungsstörungen zwischen Erwachsenen und Kindern. Anhand von Fallbeispielen belegt er die Ursachen dieser Entwicklung. Er schreibt: „Wir befinden uns mittlerweile in einem Ausnahmezustand, in dem Kinder zu Erziehern ihrer Eltern geworden sind und diese rein lustbetont steuern können, ohne Grenzen aufgezeigt zu bekommen. Der Grund dafür liegt nicht in angeborener Bösartigkeit, sondern darin, dass diese Kinder psychisch gar nicht mehr in der Lage sind, ihr Verhalten als falsch zu empfinden. (...) Kinder, (...) die nicht in der Lage sind, falsches von richtigem Verhalten zu unterscheiden, entwickeln sich zu eben jenen Tyrannen und Monstern, vor denen wir im Alltag immer häufiger mit einer großen Fassungslosigkeit stehen.“ (...) „Schwierigkeiten bereiten zunehmend (auch) Kinder und Jugendliche, deren Eltern vom ersten Tag an liebevoll mit ihnen umgehen.“
Man könnte jetzt über pädagogische Konzepte diskutieren und sie als die Folge einer falsch verstandenen antiautoritären Erziehung, die jegliche Autorität abgelehnt hat, sehen. Man könnte mehr Strenge und Konsequenz in der Erziehung einfordern. Das Problem hat aber darin ihre Ursache, dass bei vielen Eltern der Vater nicht mehr der Vater und die Mutter nicht mehr die Mutter ist. Die Rollen haben sich vertauscht, die Kinder sagen den Eltern wo es langgeht, schon Fünfjährige haben ihre Eltern voll im Griff. Dadurch, so der Kinder- und Jugendpsychiater, nehmen wir unseren Kindern die Möglichkeit zu reifen. Kinder brauchen Leitung und Führung. Das bedeutet: „Kinder müssen wieder als Kinder gesehen werden. Heute sind wir dazu übergegangen, sie als kleine Erwachsene ebenbürtig zu machen und damit restlos zu überfordern.“ Ich denke: Kinder müssen nicht alles hören was Erwachsene reden und schon gar nicht mitreden und ihre Meinung dazu geben.
Kinder müssen nicht an die Macht, wie Herbert Grönemeyer 1986 musikalisch forderte. Schauen Sie rein in die Schulen, wie Kinder ihre Lehrer tyrannisieren, genau ihre Kinderrechte kennen aber nicht bereit sind ihre Pflichten zu erfüllen, sich einzuordnen und einzubringen, damit so ein Lernklima entstehen kann. Solange wir unseren Kindern die Rolle des Partners der Erwachsenen zuweisen, werden wir sie maßlos überfordern, weil sie diese Rolle psychisch nicht ausfüllen können. „Kleinkinder leben in der Annahme, sie seien alleine auf der Welt und könnten rein lustbetont ihren Willen ausleben. Diese Kinder haben noch nicht gelernt, ihre Außenwelt und andere Menschen als Begrenzung ihres eigenen Ichs anzusehen.“
Diese Problematik, die ich Ihnen, liebe Gemeinde, in groben Zügen aufgezeigt habe, hat auch Auswirkungen auf den Glauben unserer Kinder. Was heißt das im Blick auf ihr Verhältnis zu Gott? Was bedeutet das für sie, wenn wir von Gott dem Vater sprechen? Kann ein Kind sich an solch einen schwächlichen Vater binden, der Autorität nicht wahrnimmt, dem Kind Leitung und Führung verweigert, hilflos nur noch zusehen kann? Wie sollen unsere Kinder an einen Gott Glauben, der immer für uns da ist, wenn sie einen Vater erleben, der nie da ist, der nie Zeit hat, der sich kaum oder selten für sie interessiert? Kinder übertragen ihre Vaterbilder auf das Wesen Gottes. Nicht ohne Grund haben viele Menschen meiner Generation Angst vor dem zürnenden und strafenden Gott, weil sie ihren Vater prügelnd, hart strafend, Angst machend, erlebt haben.
Ich bin überzeugt, dass es auf Dauer Wirkung und Bedeutung hat, nicht nur für unseren Glauben, sondern auch für die Zukunft unseres Volkes, wenn unsere Kinder sich selbst als den Mittelpunkt des „Universums“ sehen, das sich nichts und niemandem unterzuordnen hat und nur seinem Lustprinzip lebt.
Wie sollen unsere Kinder heranwachsen zu einem innerlich starken Menschen, der sittlich denkt und sich mit der Spannung auseinandersetzt, die aus seiner irdisch-leiblich Art kommt und letztlich nur vom Gefühl von Lust und Unlust bestimmt ist, das ihn steuert? Die Entwicklung zu einer verantwortlichen Persönlichkeit geschieht nicht von allein, das muss gelernt werden. Kinder brauchen dazu Vorbilder, Leitung und Führung.
Die Entwicklung zu einer verantwortlichen Persönlichkeit letztlich aber nur dann gelingen, indem eine Berührung mit Gott stattfindet, wenn Gewissen entwickelt wird und ein Ort ist, der von Gott her ansprechbar wird und bleibt. Dann wird der Mensch reif, sittliche Urteile zu fällen und in das rechte Beziehungsverhältnis zum neuen Menschen zu kommen, der sich an Gott gebunden weiß und seine Autorität über sich duldet, akzeptiert und sich danach ausrichtet. Denn werden sie in der Lage sein, ihre Knie vor dem Himmlischen Vater zu beugen, wie Paulus das tat und wie wir Erwachsene es gelernt haben, Gottes Autorität über uns anzuerkennen und sich ihr unterzuordnen.
Wir wünschen, dass unsere Kinder selbstbewusst, als innerlich starke Menschen ihr Leben bewältigen. Unsere Kinder werden aber nicht stark, indem sich die Rollen verkehren und die Erwachsenen sich nach ihnen richten. Kinder müssen lernen Versagungen und Frustrationen auszuhalten und mit ihnen positiv umzugehen. Wachstum und Stärkung seines inneren Menschen bekommt der Mensch, indem er sich mit dem Wort Gottes, der Predigt, der Gemeinschaft der Glaubenden und dem Wirken des Heiligen Geistes auseinander setzt. Das gilt für unsere Kinder und auch für uns Erwachsene.
Den Vater im Himmel ehren drückt Ehrfurcht und Vertrauen aus, nicht so sehr die vertrauliche Nähe zu Gott, sondern eher die Ehrfurcht und das Vertrauen in seine Größe und heilschaffende Macht. Paulus kann nicht anders, als sich vor diesem Gott nieder zu knien und ihn anzubeten.
Wenn wir Gott anbeten, dann beten wir den Schöpfer und Erhalter allen Geschaffenen an, den Vater der Herrlichkeit, dem alle Ehre und alle Gewalt gebührt, der für uns Autorität hat, der durch Christus in unserem Herzen wohnt. Nicht mehr unser eigenes Ich mit seinen Interessen und Wünschen bestimmen unser Leben, sondern Gottes Sinn und Wollen. Amen.
20100518
Werner Otto Sirch: Wo ist er ...?
13.5.2010 Christi Himmelfahrt
Predigt Apostelgeschichte 1,3-11
Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.
4 Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt;
5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?
7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;
8 aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.
10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.
11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
nach einer alten christlichen Tradition wird an Ostern im Gottesdienst ein Osterwitz erzählt, der uns zum österlichen Lachen bringt. An Ostern ist der Witz ausgefallen. Dafür erzähle ich heute einen Himmelfahrtswitz.
Jesus und Klein-Fritzchen spielen vor der Kirche. Klein-Fritzchen hat einen Roller. Jesus fragt ihn: Leihst du mir den mal? Ja, klar. Na, er düst los. Und ... er kommt und kommt nicht wieder.
Fritzchen wird langweilig, er geht in die Kirche. Dort steht der Pastor gerade auf der Kanzel und sagt: Und Jesus ist in den Himmel gefahren. Klein-Fritzchen zuckt zusammen und ruft laut und empört in den Kirchenraum: Waaas? Mit meinem Roller?
Wie soll man sich das nun vorstellen, Jesu Himmelfahrt? Klein-Fritzchen hat die Befürchtung, dass er seinen Roller nicht mehr zurückbekommt, weil Jesus damit in den Himmel gefahren ist.
Als Kind habe ich mir vorgestellt, dass Jesus auf einer Wolke stehend, wie mit einem Aufzug in den Himmel gefahren ist. Vielleicht wurde meine Fantasie von einem Gemälde oder von einer Zeichnung in dieser Weise beflügelt.
Ein Pfarrer hat an Himmelfahrt riesige Fußsohlen aus Pappe an der Wand seiner Kirche befestigt und seine Predigt damit begonnen, dass Christi Himmelfahrt so nicht stattgefunden habe.
Wie hat sie nun stattgefunden? Wurde Jesus vor den Augen seiner Jünger entrückt, oder von einer Wolke verdeckt? Was war wirklich geschehen?
Wo ist Jesus jetzt, wohin ging er? In den Himmel, würden wir sagen und so haben wir es auch in unserem Text gelesen. Was meint Lúkas, wenn er davon spricht, dass Jesus in den Himmel aufgenommen wurde? Meint er einen geographischen Ort im planetarischen oder galaktischen Raum? Zur Zeit des Lukas dachte man, dass die Erde eine Scheibe ist und der Himmel sich darüber wölbt. Zu diesem alten babylonischen Weltbild gehörte der Glaube, dass die Gottheiten in diesem Himmelsgewölbe wohnten. Inzwischen wissen wir aber, dass die Erde rund und Teil eines riesigen, unendlichen Weltalls ist. Es ist also schwer zu sagen, wo der Himmel ist, zu dem Jesus aufgefahren sein könnte. Der russische Astronaut Juri Gagarin, der als erster Mensch ins Weltall flog, sah es als Beweis an, dass es keinen Gott gibt, weil er ihn bei seinem Flug im All nicht gesehen hat.
Lukas und die anderen Männer des Alten Testamentes wussten, dass Gott nicht auf irgend einem Planeten in der Weite des Himmels wohnt. Sie kannten die Schrift und konnten dort lesen: „Siehe der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen“. Gott ist also größer als seine Schöpfung. Und es ist nicht wahr, dass die biblischen Männer wie Lukas und Paulus Gott irgendwo oben im Weltraum lokalisiert haben. Gott ist überall. Wir Menschen können nur in Bilder versuchen, die Größe Gottes zu beschreiben, wir haben keine Worte dafür. Beim Propheten Jesaja spricht Gott zu uns auch in einem Bild: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße!“ Gott ist von uns nicht zu fassen und an einen bestimmten Ort zu binden. Er ist mit seinem machtvollen Arm dort wo er sein und wirken will.
Warum spricht Lukas dann aber davon, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist? Auch im Glaubensbekenntnis bekennen wir: „aufgefahren in den Himmel ...“? Was hat es also mit dem Himmel zu tun, wenn wir das Paradies, die Wohnung Gottes suchen? Ich denke wir brauchen Bilder, wenn wir von dem sprechen, der Himmel und Erde geschaffen hat. Unser Verstand kann mit seinen Möglichkeiten Gottes Größe und Heiligkeit nicht fassen und beschreiben. Wir brauchen räumliche Bilder, wenn wir von dem sprechen, der schon immer war und immer sein wird, wenn wir von dem sprechen, der der Anfang und das Ende ist, der überall ist. Auch der moderne Physiker wird, wenn er an Gott denkt, nach oben blicken zum Himmel und Gott droben suchen. Er wird ihn dort suchen, wo das Licht ist, wo die Sonne Wärme schenkt, die wir zum Leben brauchen. Gott des Lebens.
Himmel ist also ein Bild, das wir Menschen brauchen, um uns verständlich machen zu können. Wenn wir als Kinder gebetet haben: „Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“, so haben wir mit unserem Kindergebet Gott darum gebeten, dass wir bei ihm sein werden, wenn wir einmal sterben werden. Unter Himmel meinen wir, wenn wir vom Glauben sprechen, nicht eine Galaxie, sondern den Ort, an dem Gott wohnt. Jesus ist nicht in eine andere Galaxie aufgefahren, sondern zu Gott gegangen. „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters ...“ so bekennen wir es in unserem Glaubensbekenntnis.
Himmelfahrt ist die Hinaufnahme Jesu. Mit ihr geschieht Jesu Erhöhung zur Rechten Gottes. Jesus wird aus einer noch bestehenden Bindung an den irdischen Raum entnommen. Himmelfahrt ist der Weg in die Höhe zu Gott, für die Menschen nicht fassbar und durch die „Wolke“ verhüllt Gott sein geheimnisvolles Handeln auch für die Jüngeraugen. Jesus ist bei Gott, hat den Ehrenplatz an der rechten Seite Gottes eingenommen.
Die „Erhöhung zur Rechten Gottes“ ist nichts anderes, als dass Jesus zur Rechten Gottes sitzt und dadurch Anteil bekommen hat an seiner göttlichen Art des Seins und des Wirkens. Dadurch ist Jesus bei seinen Jüngern anwesend, zwar nicht mehr unmittelbar und sichtbar, aber nahe und wirksam, was durch Lukas in der Apostelgeschichte bezeugt wird: „Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden“. Christus ist zwar nicht sichtbar und den Augen seiner Jünger verborgen, aber er sieht es wie es seiner Gemeinde geht. Er kennt die Seinen und sorgt sich um sie.
Liebe Gemeindeglieder, liebe Schwestern und Brüder, damit könnte ich jetzt eigentlich meine Predigt beenden: Happy end und gut damit!
Ich hätte damit aber einen für mich ganz wesentlichen und wichtigen Gedanken ausgeklammert, den ich in aller Kürze ansprechen will. Es ist ein Gedanke, der für meinen Glauben mit entscheidend ist: „Jesus kommt wieder.“
Wir haben einen kommenden Herrn. Zwei Männer in weißen Gewändern haben es den Jüngern gesagt. Engel, Boten aus der Himmelswelt. Auch sie sind uns nahe, kennen, sehen und hören uns, nehmen teil an unserem Leben. Sie verstehen, warum die Jünger ihrem geliebten Herrn staunend, vielleicht auch schmerzlich oder freudig nachsehen. Jesus kommt wieder! Das ist ihre Nachricht. Es ist also kein Abschied für immer. Genauso wie Jesus jetzt fortging aus dem irdischen Raum in die total andere Welt Gottes, so wird er von dort zurückkehren und aufs neue in den Raum des sichtbaren Wirkens auf dieser Erde eintreten. Jesus kommt wieder!
In den Ostertagen war die Herrlichkeit Jesu noch eigenartig verborgen. Er wurde gar nicht sofort erkannt. Aber jetzt bei der Himmelfahrt wird er „emporgehoben“, von den Grenzen des Irdischen befreit und mit der Herrlichkeit Gottes beschenkt. Und ebenso werden ale Geschlechter auf Erden „... kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit“. Dieses Wiederkommen wird genauso real erfolgen, wie Jesu Fortgang in den Himmel.
Die Engel geben keine Zeitangabe wann Jesus wiederkommen wird. Wir sind und bleiben eine wartende Gemeinde. Darauf bleibt alles ausgerichtet, was jetzt und bis ans Ende der Erde durch die Gemeinde getan werden muss. Maranatha, unser Herr kommt! Amen.
Predigt Apostelgeschichte 1,3-11
Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.
4 Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt;
5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?
7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;
8 aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.
10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.
11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
nach einer alten christlichen Tradition wird an Ostern im Gottesdienst ein Osterwitz erzählt, der uns zum österlichen Lachen bringt. An Ostern ist der Witz ausgefallen. Dafür erzähle ich heute einen Himmelfahrtswitz.
Jesus und Klein-Fritzchen spielen vor der Kirche. Klein-Fritzchen hat einen Roller. Jesus fragt ihn: Leihst du mir den mal? Ja, klar. Na, er düst los. Und ... er kommt und kommt nicht wieder.
Fritzchen wird langweilig, er geht in die Kirche. Dort steht der Pastor gerade auf der Kanzel und sagt: Und Jesus ist in den Himmel gefahren. Klein-Fritzchen zuckt zusammen und ruft laut und empört in den Kirchenraum: Waaas? Mit meinem Roller?
Wie soll man sich das nun vorstellen, Jesu Himmelfahrt? Klein-Fritzchen hat die Befürchtung, dass er seinen Roller nicht mehr zurückbekommt, weil Jesus damit in den Himmel gefahren ist.
Als Kind habe ich mir vorgestellt, dass Jesus auf einer Wolke stehend, wie mit einem Aufzug in den Himmel gefahren ist. Vielleicht wurde meine Fantasie von einem Gemälde oder von einer Zeichnung in dieser Weise beflügelt.
Ein Pfarrer hat an Himmelfahrt riesige Fußsohlen aus Pappe an der Wand seiner Kirche befestigt und seine Predigt damit begonnen, dass Christi Himmelfahrt so nicht stattgefunden habe.
Wie hat sie nun stattgefunden? Wurde Jesus vor den Augen seiner Jünger entrückt, oder von einer Wolke verdeckt? Was war wirklich geschehen?
Wo ist Jesus jetzt, wohin ging er? In den Himmel, würden wir sagen und so haben wir es auch in unserem Text gelesen. Was meint Lúkas, wenn er davon spricht, dass Jesus in den Himmel aufgenommen wurde? Meint er einen geographischen Ort im planetarischen oder galaktischen Raum? Zur Zeit des Lukas dachte man, dass die Erde eine Scheibe ist und der Himmel sich darüber wölbt. Zu diesem alten babylonischen Weltbild gehörte der Glaube, dass die Gottheiten in diesem Himmelsgewölbe wohnten. Inzwischen wissen wir aber, dass die Erde rund und Teil eines riesigen, unendlichen Weltalls ist. Es ist also schwer zu sagen, wo der Himmel ist, zu dem Jesus aufgefahren sein könnte. Der russische Astronaut Juri Gagarin, der als erster Mensch ins Weltall flog, sah es als Beweis an, dass es keinen Gott gibt, weil er ihn bei seinem Flug im All nicht gesehen hat.
Lukas und die anderen Männer des Alten Testamentes wussten, dass Gott nicht auf irgend einem Planeten in der Weite des Himmels wohnt. Sie kannten die Schrift und konnten dort lesen: „Siehe der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen“. Gott ist also größer als seine Schöpfung. Und es ist nicht wahr, dass die biblischen Männer wie Lukas und Paulus Gott irgendwo oben im Weltraum lokalisiert haben. Gott ist überall. Wir Menschen können nur in Bilder versuchen, die Größe Gottes zu beschreiben, wir haben keine Worte dafür. Beim Propheten Jesaja spricht Gott zu uns auch in einem Bild: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße!“ Gott ist von uns nicht zu fassen und an einen bestimmten Ort zu binden. Er ist mit seinem machtvollen Arm dort wo er sein und wirken will.
Warum spricht Lukas dann aber davon, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist? Auch im Glaubensbekenntnis bekennen wir: „aufgefahren in den Himmel ...“? Was hat es also mit dem Himmel zu tun, wenn wir das Paradies, die Wohnung Gottes suchen? Ich denke wir brauchen Bilder, wenn wir von dem sprechen, der Himmel und Erde geschaffen hat. Unser Verstand kann mit seinen Möglichkeiten Gottes Größe und Heiligkeit nicht fassen und beschreiben. Wir brauchen räumliche Bilder, wenn wir von dem sprechen, der schon immer war und immer sein wird, wenn wir von dem sprechen, der der Anfang und das Ende ist, der überall ist. Auch der moderne Physiker wird, wenn er an Gott denkt, nach oben blicken zum Himmel und Gott droben suchen. Er wird ihn dort suchen, wo das Licht ist, wo die Sonne Wärme schenkt, die wir zum Leben brauchen. Gott des Lebens.
Himmel ist also ein Bild, das wir Menschen brauchen, um uns verständlich machen zu können. Wenn wir als Kinder gebetet haben: „Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“, so haben wir mit unserem Kindergebet Gott darum gebeten, dass wir bei ihm sein werden, wenn wir einmal sterben werden. Unter Himmel meinen wir, wenn wir vom Glauben sprechen, nicht eine Galaxie, sondern den Ort, an dem Gott wohnt. Jesus ist nicht in eine andere Galaxie aufgefahren, sondern zu Gott gegangen. „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters ...“ so bekennen wir es in unserem Glaubensbekenntnis.
Himmelfahrt ist die Hinaufnahme Jesu. Mit ihr geschieht Jesu Erhöhung zur Rechten Gottes. Jesus wird aus einer noch bestehenden Bindung an den irdischen Raum entnommen. Himmelfahrt ist der Weg in die Höhe zu Gott, für die Menschen nicht fassbar und durch die „Wolke“ verhüllt Gott sein geheimnisvolles Handeln auch für die Jüngeraugen. Jesus ist bei Gott, hat den Ehrenplatz an der rechten Seite Gottes eingenommen.
Die „Erhöhung zur Rechten Gottes“ ist nichts anderes, als dass Jesus zur Rechten Gottes sitzt und dadurch Anteil bekommen hat an seiner göttlichen Art des Seins und des Wirkens. Dadurch ist Jesus bei seinen Jüngern anwesend, zwar nicht mehr unmittelbar und sichtbar, aber nahe und wirksam, was durch Lukas in der Apostelgeschichte bezeugt wird: „Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden“. Christus ist zwar nicht sichtbar und den Augen seiner Jünger verborgen, aber er sieht es wie es seiner Gemeinde geht. Er kennt die Seinen und sorgt sich um sie.
Liebe Gemeindeglieder, liebe Schwestern und Brüder, damit könnte ich jetzt eigentlich meine Predigt beenden: Happy end und gut damit!
Ich hätte damit aber einen für mich ganz wesentlichen und wichtigen Gedanken ausgeklammert, den ich in aller Kürze ansprechen will. Es ist ein Gedanke, der für meinen Glauben mit entscheidend ist: „Jesus kommt wieder.“
Wir haben einen kommenden Herrn. Zwei Männer in weißen Gewändern haben es den Jüngern gesagt. Engel, Boten aus der Himmelswelt. Auch sie sind uns nahe, kennen, sehen und hören uns, nehmen teil an unserem Leben. Sie verstehen, warum die Jünger ihrem geliebten Herrn staunend, vielleicht auch schmerzlich oder freudig nachsehen. Jesus kommt wieder! Das ist ihre Nachricht. Es ist also kein Abschied für immer. Genauso wie Jesus jetzt fortging aus dem irdischen Raum in die total andere Welt Gottes, so wird er von dort zurückkehren und aufs neue in den Raum des sichtbaren Wirkens auf dieser Erde eintreten. Jesus kommt wieder!
In den Ostertagen war die Herrlichkeit Jesu noch eigenartig verborgen. Er wurde gar nicht sofort erkannt. Aber jetzt bei der Himmelfahrt wird er „emporgehoben“, von den Grenzen des Irdischen befreit und mit der Herrlichkeit Gottes beschenkt. Und ebenso werden ale Geschlechter auf Erden „... kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit“. Dieses Wiederkommen wird genauso real erfolgen, wie Jesu Fortgang in den Himmel.
Die Engel geben keine Zeitangabe wann Jesus wiederkommen wird. Wir sind und bleiben eine wartende Gemeinde. Darauf bleibt alles ausgerichtet, was jetzt und bis ans Ende der Erde durch die Gemeinde getan werden muss. Maranatha, unser Herr kommt! Amen.
20100428
Martin Adel: Ich bin der Weinstock, ihr die Reben
25.4.2010 Jubdelkonfirmation - Predigttext Johannes 15, 1-5
15 1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Liebe Jubilare,
sie alle verbindet zumindest ein gemeinsames Erlebnis. Die Holz-Bänke, auf denen sie sitzen, sind ihnen allen bekannt und vertraut. Vielleicht erinnern sie sich sogar noch, wo sie damals gesessen haben. Ich erinnere mich jedenfalls noch sehr genau, wo ich damals zu meiner Konfirmandenzeit gesessen bin, um meinen Gottesdienstverpflichtungen nachzukommen.
Die Predigten hat man sich ja selten behalten, obwohl man gespürt hat, wo den unterschiedlichen Pfarrern das Herz schlug und wie sie ihr Amt verstanden haben. Ich merke heute manchmal, wie mich einzelne Personen dann doch geprägt haben; durch ihre Haltung, durch ihre Überzeugung – als Vorbild oder als Negativbild, nie so werden zu wollen.
Und heute? Heute sind wir es, auf die die anderen sehen oder gesehen haben und in uns ein Vorbild gefunden haben oder ein Gegenbild, von dem sie sich abgrenzen wollten oder konnten. Nach 25 Jahren und nach 50 und mehr Jahren erst recht ist sichtbar, wer wir waren und wer wir sind und wie wir sind und was geworden ist.
An so einem Tag, wie heute, blicken wir unweigerlich zurück. Und die Gefühle sind durchwachsen. Manche kommen ja gerade deswegen nicht zu so einem Treffen – weil es zuviel wird; nicht nur äußerlich. Auch innerlich. Wie schade.
Soviel ist geschehen seither – bei vielen liegt ein ganzes Menschenleben dazwischen. Manche haben noch im zweiten Weltkrieg konfirmiert 1940 (7x), einer von ihnen noch vor dem Krieg 1935. Manche im Deutschland der Trümmer kurz vor der Befreiung am 18.3.1945 – 18 sind heute da. Und wenn wir das vor Augen haben, was damals war und wie es heute ist, dann sind wir so unendlich dankbar, dass wir immer noch im Frieden leben dürfen. Und SIE haben ihr Stück dazu beigetragen.
Haben sie sich in diesen Tagen schon die Zeit genommen, um ihr Leben zu überblicken? Oder kommt das erst danach, wenn die Wiedersehensfreude langsam verebbt und die Neugier auf die anderen gestillt ist.
Es ist wichtig, dass wir uns unserem Leben stellen – schließlich haben wir kein anderes bekommen und die Freude, ist meine Freude und die Enttäuschung meine Enttäuschung und der Dank mein Dank und die Klage ist meine Klage, weil der Segen, der damals über meinem Kopf gesprochen wurde auch mein Segen ist und Gott noch derselbe – auch wenn ich ihn heute anders verstehe und begreife.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
So spricht Jesus zu seinen Jüngern. Und vielleicht haben sie das passende bunte Glasbild dazu auch noch in Erinnerung. Mir jedenfalls waren früher die Bilder immer eine willkommene Fluchtmöglichkeit aus der Langeweile. Bei den Diamantenen waren sie ja noch nicht da, unsere schönen Chorfenster von 1957, aber das Kreuz ist vertraut und die Kanzelreliefs und sicherlich auch die Krippe, die heute immer noch in der Weihnachtszeit hier unter der Kanzel ihren festen Platz hat.
An welche Bilder könne sie sich denn noch erinnern?
Jedenfalls spricht Jesus zu den Seinen:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
hier oben ist es, im linken der drei Chorfenster – ziemlich in der Mitte. Das Motiv, das sie auch auf dem Liedblatt vorne abgebildet sehen.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Und lassen sie mich fragen: Was für eine Rebe sind sie denn? Ein lieblicher Moselaner, ein satter Burgunder, ein herber Franke oder ein feuriger Sizilianer?
Man könnte das gleiche mit den Biersorten machen, aber in Israel wächst nun mal eher Wein als Hopfen.
Welcher Wein ist an ihnen und durch sie gereift?
Welche Früchte haben wir getragen? Können wir das sehen? Und betrachten sie bitte nicht nur das, was verdorrt ist oder die Scherben. Da ist noch viel mehr.
Denn das Wort Christi geht ja noch weiter. Er sagt:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Welche Früchte haben wir getragen? Denn nicht wir sind die Frucht, sondern wir sind die Reben und die Frucht kommt durch uns hindurch. Je älter man wird, desto mehr wird doch sichtbar, dass es immer nur geliehene Zeit ist, die wir haben und wir bei allem Mühen und Arbeiten nur staunen können, was durch uns geworden ist.
Sicherlich, manche Rebe an uns war eine Bitterrebe oder ein Wildtrieb, der abgeschnitten wurde. Und manchmal hat der Sturm oder der harte Winter manch guten Ast an uns abgerissen oder zerstört.
Aber da gibt es auch andere Zeiten – können wir das auch sehen und zulassen. Zeiten, in denen durch uns Neues geworden ist – Kleines und Großes und manches wurde erst im Nachhinein wichtig.
Wer sagt, dass meine Frucht unbedeutend war, zu gering? Wissen wir, was unser Auftrag war und was unser Können und was unser Talent?
Mancher Weinstock hat ideale Bedingungen am Main und mancher muss sich auf steinigem Boden bewähren. Jesus macht hier keinen Unterschied. Sondern er spricht es uns einfach freimütig zu.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Ein Trost-Wort für uns. Ein Dank-Wort. Ein Mahn-Wort. Ein Bitt-Wort.
Liebe Jubilare, liebe Gemeinde,
Was wir vergeigt haben, das wissen wir selbst am Besten. Und wie viel wir in ihm geblieben oder nicht, das wissen wir auch oft nur zu genau. Und wo wir ihn ganz vergessen haben, da können wir umkehren.
Denn eines ist gewiss. Wir dürfen dieses Wort Gottes auch heute noch als Zuspruch sehen, egal, an welcher Stelle unseres Lebensweges wir gerade stehen. Und wo wir falsch gelebt haben, sollten wir Gott um Vergebung und um einen Neuanfang bitten. Gott kennt uns und versteht uns besser, als wir uns selbst. Und wo wir reichlich Frucht getragen haben und alt und lebenssatt geworden sind, da wollen wir Gott danken.
Und so gilt es, am Anfang, in der Mitte oder gegen Ende unseres Lebens, was Christus zu uns spricht:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Lassen wir uns dazu stärken für den Weg, der vor uns liegt, an Brot und Wein – den Früchten Gottes für uns an seinem Tisch, damit wir Frucht bringen können an dem Platz, wo Gott uns hingestellt hat. Und gehen wir dann unter Gottes Segen weiter.
Amen
15 1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Liebe Jubilare,
sie alle verbindet zumindest ein gemeinsames Erlebnis. Die Holz-Bänke, auf denen sie sitzen, sind ihnen allen bekannt und vertraut. Vielleicht erinnern sie sich sogar noch, wo sie damals gesessen haben. Ich erinnere mich jedenfalls noch sehr genau, wo ich damals zu meiner Konfirmandenzeit gesessen bin, um meinen Gottesdienstverpflichtungen nachzukommen.
Die Predigten hat man sich ja selten behalten, obwohl man gespürt hat, wo den unterschiedlichen Pfarrern das Herz schlug und wie sie ihr Amt verstanden haben. Ich merke heute manchmal, wie mich einzelne Personen dann doch geprägt haben; durch ihre Haltung, durch ihre Überzeugung – als Vorbild oder als Negativbild, nie so werden zu wollen.
Und heute? Heute sind wir es, auf die die anderen sehen oder gesehen haben und in uns ein Vorbild gefunden haben oder ein Gegenbild, von dem sie sich abgrenzen wollten oder konnten. Nach 25 Jahren und nach 50 und mehr Jahren erst recht ist sichtbar, wer wir waren und wer wir sind und wie wir sind und was geworden ist.
An so einem Tag, wie heute, blicken wir unweigerlich zurück. Und die Gefühle sind durchwachsen. Manche kommen ja gerade deswegen nicht zu so einem Treffen – weil es zuviel wird; nicht nur äußerlich. Auch innerlich. Wie schade.
Soviel ist geschehen seither – bei vielen liegt ein ganzes Menschenleben dazwischen. Manche haben noch im zweiten Weltkrieg konfirmiert 1940 (7x), einer von ihnen noch vor dem Krieg 1935. Manche im Deutschland der Trümmer kurz vor der Befreiung am 18.3.1945 – 18 sind heute da. Und wenn wir das vor Augen haben, was damals war und wie es heute ist, dann sind wir so unendlich dankbar, dass wir immer noch im Frieden leben dürfen. Und SIE haben ihr Stück dazu beigetragen.
Haben sie sich in diesen Tagen schon die Zeit genommen, um ihr Leben zu überblicken? Oder kommt das erst danach, wenn die Wiedersehensfreude langsam verebbt und die Neugier auf die anderen gestillt ist.
Es ist wichtig, dass wir uns unserem Leben stellen – schließlich haben wir kein anderes bekommen und die Freude, ist meine Freude und die Enttäuschung meine Enttäuschung und der Dank mein Dank und die Klage ist meine Klage, weil der Segen, der damals über meinem Kopf gesprochen wurde auch mein Segen ist und Gott noch derselbe – auch wenn ich ihn heute anders verstehe und begreife.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
So spricht Jesus zu seinen Jüngern. Und vielleicht haben sie das passende bunte Glasbild dazu auch noch in Erinnerung. Mir jedenfalls waren früher die Bilder immer eine willkommene Fluchtmöglichkeit aus der Langeweile. Bei den Diamantenen waren sie ja noch nicht da, unsere schönen Chorfenster von 1957, aber das Kreuz ist vertraut und die Kanzelreliefs und sicherlich auch die Krippe, die heute immer noch in der Weihnachtszeit hier unter der Kanzel ihren festen Platz hat.
An welche Bilder könne sie sich denn noch erinnern?
Jedenfalls spricht Jesus zu den Seinen:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
hier oben ist es, im linken der drei Chorfenster – ziemlich in der Mitte. Das Motiv, das sie auch auf dem Liedblatt vorne abgebildet sehen.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Und lassen sie mich fragen: Was für eine Rebe sind sie denn? Ein lieblicher Moselaner, ein satter Burgunder, ein herber Franke oder ein feuriger Sizilianer?
Man könnte das gleiche mit den Biersorten machen, aber in Israel wächst nun mal eher Wein als Hopfen.
Welcher Wein ist an ihnen und durch sie gereift?
Welche Früchte haben wir getragen? Können wir das sehen? Und betrachten sie bitte nicht nur das, was verdorrt ist oder die Scherben. Da ist noch viel mehr.
Denn das Wort Christi geht ja noch weiter. Er sagt:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Welche Früchte haben wir getragen? Denn nicht wir sind die Frucht, sondern wir sind die Reben und die Frucht kommt durch uns hindurch. Je älter man wird, desto mehr wird doch sichtbar, dass es immer nur geliehene Zeit ist, die wir haben und wir bei allem Mühen und Arbeiten nur staunen können, was durch uns geworden ist.
Sicherlich, manche Rebe an uns war eine Bitterrebe oder ein Wildtrieb, der abgeschnitten wurde. Und manchmal hat der Sturm oder der harte Winter manch guten Ast an uns abgerissen oder zerstört.
Aber da gibt es auch andere Zeiten – können wir das auch sehen und zulassen. Zeiten, in denen durch uns Neues geworden ist – Kleines und Großes und manches wurde erst im Nachhinein wichtig.
Wer sagt, dass meine Frucht unbedeutend war, zu gering? Wissen wir, was unser Auftrag war und was unser Können und was unser Talent?
Mancher Weinstock hat ideale Bedingungen am Main und mancher muss sich auf steinigem Boden bewähren. Jesus macht hier keinen Unterschied. Sondern er spricht es uns einfach freimütig zu.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Ein Trost-Wort für uns. Ein Dank-Wort. Ein Mahn-Wort. Ein Bitt-Wort.
Liebe Jubilare, liebe Gemeinde,
Was wir vergeigt haben, das wissen wir selbst am Besten. Und wie viel wir in ihm geblieben oder nicht, das wissen wir auch oft nur zu genau. Und wo wir ihn ganz vergessen haben, da können wir umkehren.
Denn eines ist gewiss. Wir dürfen dieses Wort Gottes auch heute noch als Zuspruch sehen, egal, an welcher Stelle unseres Lebensweges wir gerade stehen. Und wo wir falsch gelebt haben, sollten wir Gott um Vergebung und um einen Neuanfang bitten. Gott kennt uns und versteht uns besser, als wir uns selbst. Und wo wir reichlich Frucht getragen haben und alt und lebenssatt geworden sind, da wollen wir Gott danken.
Und so gilt es, am Anfang, in der Mitte oder gegen Ende unseres Lebens, was Christus zu uns spricht:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Lassen wir uns dazu stärken für den Weg, der vor uns liegt, an Brot und Wein – den Früchten Gottes für uns an seinem Tisch, damit wir Frucht bringen können an dem Platz, wo Gott uns hingestellt hat. Und gehen wir dann unter Gottes Segen weiter.
Amen
20100413
Werner Otto Sirch: Der Herr ist auferstanden!
4.4.2010 - Ostersonntag
Predigt 1. Kor. 15, 1-11
Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,
2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.
3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift;
4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;
5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.
6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.
7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.
8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.
9 Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.
11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Dieser Osterruf hat heute früh, als es hell wurde, in der Feier der Osternacht, unsere Kirche erfüllt. Ein wenig zaghaft – aber doch. Es fällt nicht jedem leicht, das, was so gegen jeden Verstand und gegen jede vernünftige Erklärung ist, laut von sich zu geben. Mit einem Schlachtruf und der Vereinshymne auf dem Fußballplatz geht es da schon etwas leichter.
Der Herr ist auferstanden! In unserem Herzen mag dies tief verankert sein, es mag zu unserem Glauben gehören, dass der gekreuzigte Jesus nach drei Tagen auferstanden ist. Unseren Glauben aber laut vor anderen zu bekennen, das ist eine ganz andere Sache. Viele von uns sind schweigende Gläubige geworden. Und das betrifft nicht nur unseren Osterglauben. Wir glauben und schweigen über das was wir glauben. Dabei lebt unser Glaube doch davon, dass er vor anderen bezeugt wird, dass wir weitererzählen was wir glauben. Wovon unser Herz voll ist, das will doch unser Mund erzählen.
Der Herr ist auferstanden! Das ist der Ruf gegen die Macht und die Finsternis des Todes. Es ist Ruf und Bekenntnis. Der Herr ist auferstanden! Das ist unser Ruf, unser Widerstand gegen den Tod, gegen seine Grausamkeit und die Fürchterlichkeit der gewaltsamen Trennung von denen die wir lieben. Es ist unser Widerstand gegen den Verlust unseres Lebens.
Der Herr ist auferstanden! Das sind die Worte, mit denen wir unsere Hoffnung in die Welt hinausschreien, dass am Ende nicht der Tod der Sieger bleibt und wir ein Leben voller Mühsal und Sinnlosigkeit gelebt haben.
Viele tun sich schwer mit der Botschaft der Auferweckung Jesu, auch solche, die sich als Christen bekennen. Unser naturwissenschaftlich und historisch geschulter Verstand stößt mit der Auferweckung der Toten an eine Grenze. Vielleicht auch, weil wir nicht glauben können was wir nicht sehen. Leider maßen sich auch getaufte Christen das Urteil an: es gibt keine Auferstehung der Toten. Tote sind tot, das ist endgültig. Es ist die Erfahrung, die das Leben lehrt, erlebte Realität.
Der Herr ist auferstanden! Das ist nicht irgend eine Nachricht, die sich ein paar Leute ausgedacht haben. Der Herr ist auferstanden!, ist der Ruf des Glaubens gegen allen Anschein, gegen alle menschliche Vernunft.
Ich glaube denen, die bezeugt haben, die Zeugen sind, dass Jesus von den Toten auferstanden ist – auch wenn es eine noch so unglaubliche Nachricht ist.
Der Apostel Paulus nennt die Namen von Menschen, die den Auferstandenen Jesus, den Christus, gesehen haben, die mit ihm gesprochen haben. Er spricht nicht nur von seiner Begegnung mit dem Auferstandenen, damals vor Damaskus, als er vom Verfolger zum Glaubenden wurde: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Paulus nennt Zeugen, die bezeugen können, dass Jesus auferstanden ist: Kephas, Jakobus, fünfhundert Brüder, danach die Apostel und als letztes er, Paulus. Nicht zu vergessen die, von denen die Evangelien erzählen: die Frauen am Grab, Thomas, der Zweifler, der die Nägelmale Jesu berühren wollte, um diese unglaubliche Geschichte von der Auferstehung Jesu von den Toten glauben zu können.
Die ersten, die damit konfrontiert wurden, dass Jesus lebt, konnten es zuerst auch nicht glauben. Sie haben total verschreckt geschwiegen und sind dann doch zum Grab gelaufen um zu sehen, ob es stimmt, ob es wirklich so ist, dass das Grab leer ist.
Der Herr ist auferstanden! Was ist mein Glaube wert, ohne den Glauben an die Auferstehung Jesu? Was ist mein Glaube wert ohne die Hoffnung, dass ich nicht im Grab bleibe, weil Jesus mich aus dem Grab herausruft zu einem neuen Leben bei ihm?
Nichts! Mit einem Wort: Nichts! Mein Glaube ist ohne die Auferstehung Jesu nichts wert. Ich hätte vergeblich geglaubt, wäre einer Ideologie für gute Menschen angehangen, die es nicht schaffen gut zu sein. So aber weiß ich: Meine Gebete spreche ich nicht zur Wand. Mein Glaube hat ein Gegenüber. Er lebt, der sich meiner erbarmt, mein Verkehrtsein mit ans Kreuz genommen hat und mich liebt, so wie ich bin. Er lebt der mich gewollt hat, noch bevor ich das Licht dieser Welt erblickt habe, für den ich so wertvoll bin.
Ich bin dankbar, dass ich es glauben darf und glauben kann, wie es Martin Luther im Buch Hiob übersetzt hat: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden aufwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.“ Ich habe Zukunft – ich werde Gott sehen. Bei ihm finde ich meine Zukunft, mein Ziel. Auferstehen – bei Gott sein - in seinem Frieden. Dort sein wo es keine Krankheit und keinen Schmerz mehr gibt, wo wir nicht mehr all die Mühe und Plage dafür einsetzen müssen, um wenigstens ein wenig Glück zu erhaschen. Ich weiß, dass mein Erlöser lebet …
Der Herr ist auferstanden! Und wir werden auferstehen, weil er uns nicht im Grabe lassen wird. Im Evangelium des Johannes können wir es lesen, Jesus verheißt seinen Jünger: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Leben, obwohl wir sterben. Leben, weil er, unser Herr, lebt und uns aus dem Tod herausrufen wird. Für unseren menschlichen Verstand unverständlich, unbegreiflich wie das gehen soll. Vielleicht kann uns zum Schluss dieser Predigt eine kurze Parabel helfen.
„Da war einmal ein guter Mensch. Er hatte Mitleid mit dem hässlichen Gewürm der Raupen, wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten, um mühselig den Stängel zu erklettern und ihr Fressen zu suchen ... Und der Mensch dachte: Wenn diese Raupen wüssten, was da einmal sein wird, was ihnen als Schmetterling blühen wird ... Und er wollte ihnen sagen: Ihr werdet frei sein! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren. Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden! Und ihr werdet schön sein! Aber die Raupen hörten nicht. Das Zukünftige, das Schmetterlingshafte ließ sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken. – Er versuchte Vergliche zu finden: Es wird sein wie auf einem Feld voller Möhrenkraut ... Und sie nickten, und mit ihrem Raupenhorizont dachten sie nur ans Fressen...“
Es wird sein, was wir jetzt noch nicht verstehen können, wofür wir keine Worte haben. Aber wir dürfen das Unglaubliche schon heute glauben:
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Amen.
Predigt 1. Kor. 15, 1-11
Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,
2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.
3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift;
4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;
5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.
6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.
7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.
8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.
9 Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.
11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Dieser Osterruf hat heute früh, als es hell wurde, in der Feier der Osternacht, unsere Kirche erfüllt. Ein wenig zaghaft – aber doch. Es fällt nicht jedem leicht, das, was so gegen jeden Verstand und gegen jede vernünftige Erklärung ist, laut von sich zu geben. Mit einem Schlachtruf und der Vereinshymne auf dem Fußballplatz geht es da schon etwas leichter.
Der Herr ist auferstanden! In unserem Herzen mag dies tief verankert sein, es mag zu unserem Glauben gehören, dass der gekreuzigte Jesus nach drei Tagen auferstanden ist. Unseren Glauben aber laut vor anderen zu bekennen, das ist eine ganz andere Sache. Viele von uns sind schweigende Gläubige geworden. Und das betrifft nicht nur unseren Osterglauben. Wir glauben und schweigen über das was wir glauben. Dabei lebt unser Glaube doch davon, dass er vor anderen bezeugt wird, dass wir weitererzählen was wir glauben. Wovon unser Herz voll ist, das will doch unser Mund erzählen.
Der Herr ist auferstanden! Das ist der Ruf gegen die Macht und die Finsternis des Todes. Es ist Ruf und Bekenntnis. Der Herr ist auferstanden! Das ist unser Ruf, unser Widerstand gegen den Tod, gegen seine Grausamkeit und die Fürchterlichkeit der gewaltsamen Trennung von denen die wir lieben. Es ist unser Widerstand gegen den Verlust unseres Lebens.
Der Herr ist auferstanden! Das sind die Worte, mit denen wir unsere Hoffnung in die Welt hinausschreien, dass am Ende nicht der Tod der Sieger bleibt und wir ein Leben voller Mühsal und Sinnlosigkeit gelebt haben.
Viele tun sich schwer mit der Botschaft der Auferweckung Jesu, auch solche, die sich als Christen bekennen. Unser naturwissenschaftlich und historisch geschulter Verstand stößt mit der Auferweckung der Toten an eine Grenze. Vielleicht auch, weil wir nicht glauben können was wir nicht sehen. Leider maßen sich auch getaufte Christen das Urteil an: es gibt keine Auferstehung der Toten. Tote sind tot, das ist endgültig. Es ist die Erfahrung, die das Leben lehrt, erlebte Realität.
Der Herr ist auferstanden! Das ist nicht irgend eine Nachricht, die sich ein paar Leute ausgedacht haben. Der Herr ist auferstanden!, ist der Ruf des Glaubens gegen allen Anschein, gegen alle menschliche Vernunft.
Ich glaube denen, die bezeugt haben, die Zeugen sind, dass Jesus von den Toten auferstanden ist – auch wenn es eine noch so unglaubliche Nachricht ist.
Der Apostel Paulus nennt die Namen von Menschen, die den Auferstandenen Jesus, den Christus, gesehen haben, die mit ihm gesprochen haben. Er spricht nicht nur von seiner Begegnung mit dem Auferstandenen, damals vor Damaskus, als er vom Verfolger zum Glaubenden wurde: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Paulus nennt Zeugen, die bezeugen können, dass Jesus auferstanden ist: Kephas, Jakobus, fünfhundert Brüder, danach die Apostel und als letztes er, Paulus. Nicht zu vergessen die, von denen die Evangelien erzählen: die Frauen am Grab, Thomas, der Zweifler, der die Nägelmale Jesu berühren wollte, um diese unglaubliche Geschichte von der Auferstehung Jesu von den Toten glauben zu können.
Die ersten, die damit konfrontiert wurden, dass Jesus lebt, konnten es zuerst auch nicht glauben. Sie haben total verschreckt geschwiegen und sind dann doch zum Grab gelaufen um zu sehen, ob es stimmt, ob es wirklich so ist, dass das Grab leer ist.
Der Herr ist auferstanden! Was ist mein Glaube wert, ohne den Glauben an die Auferstehung Jesu? Was ist mein Glaube wert ohne die Hoffnung, dass ich nicht im Grab bleibe, weil Jesus mich aus dem Grab herausruft zu einem neuen Leben bei ihm?
Nichts! Mit einem Wort: Nichts! Mein Glaube ist ohne die Auferstehung Jesu nichts wert. Ich hätte vergeblich geglaubt, wäre einer Ideologie für gute Menschen angehangen, die es nicht schaffen gut zu sein. So aber weiß ich: Meine Gebete spreche ich nicht zur Wand. Mein Glaube hat ein Gegenüber. Er lebt, der sich meiner erbarmt, mein Verkehrtsein mit ans Kreuz genommen hat und mich liebt, so wie ich bin. Er lebt der mich gewollt hat, noch bevor ich das Licht dieser Welt erblickt habe, für den ich so wertvoll bin.
Ich bin dankbar, dass ich es glauben darf und glauben kann, wie es Martin Luther im Buch Hiob übersetzt hat: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden aufwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.“ Ich habe Zukunft – ich werde Gott sehen. Bei ihm finde ich meine Zukunft, mein Ziel. Auferstehen – bei Gott sein - in seinem Frieden. Dort sein wo es keine Krankheit und keinen Schmerz mehr gibt, wo wir nicht mehr all die Mühe und Plage dafür einsetzen müssen, um wenigstens ein wenig Glück zu erhaschen. Ich weiß, dass mein Erlöser lebet …
Der Herr ist auferstanden! Und wir werden auferstehen, weil er uns nicht im Grabe lassen wird. Im Evangelium des Johannes können wir es lesen, Jesus verheißt seinen Jünger: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Leben, obwohl wir sterben. Leben, weil er, unser Herr, lebt und uns aus dem Tod herausrufen wird. Für unseren menschlichen Verstand unverständlich, unbegreiflich wie das gehen soll. Vielleicht kann uns zum Schluss dieser Predigt eine kurze Parabel helfen.
„Da war einmal ein guter Mensch. Er hatte Mitleid mit dem hässlichen Gewürm der Raupen, wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten, um mühselig den Stängel zu erklettern und ihr Fressen zu suchen ... Und der Mensch dachte: Wenn diese Raupen wüssten, was da einmal sein wird, was ihnen als Schmetterling blühen wird ... Und er wollte ihnen sagen: Ihr werdet frei sein! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren. Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden! Und ihr werdet schön sein! Aber die Raupen hörten nicht. Das Zukünftige, das Schmetterlingshafte ließ sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken. – Er versuchte Vergliche zu finden: Es wird sein wie auf einem Feld voller Möhrenkraut ... Und sie nickten, und mit ihrem Raupenhorizont dachten sie nur ans Fressen...“
Es wird sein, was wir jetzt noch nicht verstehen können, wofür wir keine Worte haben. Aber wir dürfen das Unglaubliche schon heute glauben:
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Amen.
20100330
Martin Adel: Er erniedrigte sich selbst
28.3.2010 - Palmsonntag
Gute Nachricht – Phil 2,5-11
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
6 Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein.
7 Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich.
Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen.
8 Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.
9 Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt.
10 Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen –alle, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde; 11 alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so wird Gott, der Vater, geehrt.
Liebe Gemeinde,
wem folgen wir nach? Was sind unsere Leitbilder? Was sind die Grundwerte, an denen wir uns ausrichten? Werte, die uns stark machen, um auch widerstehen zu können!
Bei einem Elternabend in einer unserer Tagesstätten zum Thema Werte und Erziehung sind einige aufgestanden und gegangen, als es darum ging, dass man Kindern auch Grenzen setzen muss und unsere Kindern einen festen Rahmen brauchen, der auch uns Eltern in manche Konsequenz drängt und in die Pflicht nimmt.
Ja, liebe Gemeinde,
wir dürfen uns schon fragen lassen, was unsere Leitbilder sind, denn unser heutiges Bibelwort beginnt mit einem Rahmen und einem Leitbild für unsere Leben. Es beginnt aber nicht mit einer Frage, sondern gleich mit der Antwort: (Phil 2,5)
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Wissen wir das noch? Wir, die wir in der Nachfolge Jesu Christi stehen, haben ein Vorbild. Ein Vorbild, das nicht beliebig ist oder willkürlich, sondern ein konkretes Vorbild: Jesus Christus. Ob uns das passt oder nicht.
Und wir lassen uns darauf festlegen und werden daran gemessen – ob wir wollen oder nicht. Jesus Christus.
Das Schlimme an den Missbrauchsfällen in der Kirche ist ja nicht nur, dass es so etwas auch unter uns und in unseren Reihen gibt, sondern wie damit in unserer Kirche umgegangen wird. Wo die Wahrheit darüber steht, dürfen wir nicht vertuschen und lügen und verheimlichen – ob uns nun die Öffentlichkeit und manche einseitige Berichterstattung passt oder nicht. Was dunkel ist muss offenbar werden und kann erst im Lichte Jesu Christi wieder heil werden.
Die Bibel hat uns das doch vorgelebt.
Was ist denn mit einem Judas? Er ist nicht aus der Bibel herausretuschiert worden, damit der Jüngerkreis sauber bleibt. Oder Petrus? Der Fels, auf dem Christus seine Gemeinde bauen wird. Er wird zum Leugner seines Herrn da am Feuer bei den Soldaten. Und danach fragt ihn der Auferstandene: Hast du mich lieb? Und dann: Weide meine Schafe.
Oder Paulus – er bleibt mit seinem Makel überliefert. Der Christenverfolger und dann zum Heidenapostel gewandelt – durch Gottes Gnade.
Meinen wir, dass wir es als Kirche besser könnten als unser Herr?
Gerade wir sind doch in Christus befähigt von Schuld zu sprechen, Strafe auf uns zu nehmen und um Vergebung zu bitten. Sind uns nun auch schon die Einschaltquoten wichtiger als die Wahrheit?
Viele in unseren Tagen legen sich ja gar nicht mehr fest, damit sie auch nicht daran gemessen werden können. Oder man bastelt sich einfach seine eigene Moral und Ethik – vor der man dann zumindest selbst gut dasteht.
Aber wir Christen sind festgelegt – und das ist auch gut so. Und da spielt es keine Rolle mehr, ob katholisch oder evangelisch oder orthodox. Wir sind alle erkannt als Christen.
Nicht, dass wir es schon erfüllt hätten. Das sei ferne. Aber streben sollen wir danach. Uns mühen, gegenseitig ermutigen und befördern. Weil es eben nicht Wurst ist, was wir tun, sondern weil wir ausgerichtet sein – neu orientiert.
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Und wir dürfen stolz darauf sein. Weil wir durch diesen Maßstab etwas schaffen, was sonst gar nicht so selbstverständlich ist in dieser Welt. Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg.
Alt und Jung. Hartz IV Empfänger und Millionäre. Arbeiter, Angestellte und Studierte. Arme und Reiche. Mann und Frau. Gesunde und Kranke. Und wir kommen aus den verschiedensten Teilen der Erde. Deutsche aus Russland. Deutsche aus Siebenbürgen. Bayern, Franken, Schwaben, Nordlichter und Menschen aus anderen Ländern und Teilen der Erde. Ein kleines Abbild des Reiches Gottes hier auf Erden. Bei uns in der Südstadt. Meistens sehen wir das nicht oder wollen es gar nicht wahrhaben. Und natürlich sind wir nicht perfekt – oh, das ist weit gefehlt. Aber ein Anfang ist gemacht.
Und das alles nicht, weil wir so toll sind, sondern weil uns der EINE hier zusammen geführt hat. Gott selbst in Jesus Christus durch seinen Geist. Und sei es nur erst einmal für diese eine Stunde in der Woche.
Sehen wir das überhaupt noch? Spüren wir das noch? Glauben wir das noch?
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Und der Maßstab diese Jesus Christus von Nazareth stellt die Maßstäbe dieser Welt auf den Kopf. Denn er spricht nicht vom Herrschen, sondern vom Dienen. Er spricht nicht vom Nehmen, sondern vom Geben. Die Bereicherung des Menschen stellt er an den Pranger und stellt ihr ein Armutszeugnis aus. Der Erste wird der Letzte und der Letzte der Erste sein.
Glauben wir das noch, wenn wir die Betrogenen sind, um unseren Arbeitsplatz beraubt, verspielt auf dem großen Roulett-Tisch der Börsen und Banken. Lüge und Betrug und womöglich haben wir sogar noch mitgespielt.
Doch was soll unser Maßstab sein, wenn wir schon nicht dieser Welt auf den Leim gehen wollen, die nach immer mehr giert und uns die Unzufriedenheit einprügelt, damit wir nur noch haben wollen und kaufen und noch mehr kaufen und unglücklich sind, weil wir uns nicht diesen Fernseher leisten können oder jenes Videospiel. Was ist unser Maßstab?
Und dann hören wir:
6 Jesus Christus war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. 7 Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich.
Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. 8 Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.
Christus gibt alle seine Vorrechte auf!
Er, der gar keinen Grund gehabt hätte, seine königliche Macht und seine himmlische Hoheit aufzugeben, der macht sich selbst die Finger schmutzig und wird Mensch. Einer von uns.
Es wäre nicht notwendig gewesen. Christus hätte auch bleiben können – dort, beim Vater. Was interessieren ihn die Menschen. Wir hatten alles, so wie wir geschaffen wurden. Doch wir haben es verspielt. Immer wieder verspielt – weil wir nicht gehorsam sind. Wie oft bleiben wir in unserer Gier, in unserem Neid, in unserer Bequemlichkeit und unsere Unversöhnlichkeit.
Doch Christus macht sich auf den Weg – noch einmal zu uns, um uns einen anderen Weg zu zeigen und zu ermöglichen. Den Weg der Versöhnung und der Liebe und des Friedens. Doch die Welt hats nicht erkannt.
Luther übersetzt hier:
6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
Christus geht den umgekehrten Weg. Und dadurch werden ganz andere Werte wieder wichtig. Werte, die oft so gar keinen Platz mehr in unsere Immer-Mehr-Haben-Wollen-Gesellschaft finden.
Die Mutter, die sich aufopfert für das Wohl ihrer Kinder. Der Vater, der noch ein paar Überstunden drauf packt, um der Tochter den Ausflug ins Schullandheim bezahlen zu können. Die Oma, die ihre Rente spart, damit die Kinder die Wohnung schneller abbezahlen können. Die Mitarbeiter, die sich treu für ihren Betrieb ins Zeug legen, bis die Krise überstanden wird. Und sie werden nicht beschissen, denn der Geschäftsführer setzt sich für seine Mitarbeiter ein und beteiligt sie fair am Umsatz und Gewinn. Das sind doch die Werte, die unsere Gesellschaft zusammen halten. In der Rücksicht aufeinander und der Fürsorge umeinander. Jesus zeigt mit seinem Leben da hin, wo wir oft gar nicht mehr hinsehen wollen. Wo neben dem Ich, Ich, Ich wieder ein DU in den Blick kommt und daraus ein WIR werden kann. Und er tritt dafür ein mit seinem ganzen Leben – bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz.
Und Gott hat sich in IHM festgelegt – festgelegt für uns, damit unsere Welt menschlicher wird und wir dadurch göttlicher, hin zum Reich Gottes. So wie es weiter heißt:
9 Darum hat Gott Jesus Christus auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt. 10 Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen –alle, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde; 11 alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so wird Gott, der Vater, geehrt.
Amen.
Gute Nachricht – Phil 2,5-11
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
6 Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein.
7 Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich.
Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen.
8 Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.
9 Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt.
10 Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen –alle, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde; 11 alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so wird Gott, der Vater, geehrt.
Liebe Gemeinde,
wem folgen wir nach? Was sind unsere Leitbilder? Was sind die Grundwerte, an denen wir uns ausrichten? Werte, die uns stark machen, um auch widerstehen zu können!
Bei einem Elternabend in einer unserer Tagesstätten zum Thema Werte und Erziehung sind einige aufgestanden und gegangen, als es darum ging, dass man Kindern auch Grenzen setzen muss und unsere Kindern einen festen Rahmen brauchen, der auch uns Eltern in manche Konsequenz drängt und in die Pflicht nimmt.
Ja, liebe Gemeinde,
wir dürfen uns schon fragen lassen, was unsere Leitbilder sind, denn unser heutiges Bibelwort beginnt mit einem Rahmen und einem Leitbild für unsere Leben. Es beginnt aber nicht mit einer Frage, sondern gleich mit der Antwort: (Phil 2,5)
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Wissen wir das noch? Wir, die wir in der Nachfolge Jesu Christi stehen, haben ein Vorbild. Ein Vorbild, das nicht beliebig ist oder willkürlich, sondern ein konkretes Vorbild: Jesus Christus. Ob uns das passt oder nicht.
Und wir lassen uns darauf festlegen und werden daran gemessen – ob wir wollen oder nicht. Jesus Christus.
Das Schlimme an den Missbrauchsfällen in der Kirche ist ja nicht nur, dass es so etwas auch unter uns und in unseren Reihen gibt, sondern wie damit in unserer Kirche umgegangen wird. Wo die Wahrheit darüber steht, dürfen wir nicht vertuschen und lügen und verheimlichen – ob uns nun die Öffentlichkeit und manche einseitige Berichterstattung passt oder nicht. Was dunkel ist muss offenbar werden und kann erst im Lichte Jesu Christi wieder heil werden.
Die Bibel hat uns das doch vorgelebt.
Was ist denn mit einem Judas? Er ist nicht aus der Bibel herausretuschiert worden, damit der Jüngerkreis sauber bleibt. Oder Petrus? Der Fels, auf dem Christus seine Gemeinde bauen wird. Er wird zum Leugner seines Herrn da am Feuer bei den Soldaten. Und danach fragt ihn der Auferstandene: Hast du mich lieb? Und dann: Weide meine Schafe.
Oder Paulus – er bleibt mit seinem Makel überliefert. Der Christenverfolger und dann zum Heidenapostel gewandelt – durch Gottes Gnade.
Meinen wir, dass wir es als Kirche besser könnten als unser Herr?
Gerade wir sind doch in Christus befähigt von Schuld zu sprechen, Strafe auf uns zu nehmen und um Vergebung zu bitten. Sind uns nun auch schon die Einschaltquoten wichtiger als die Wahrheit?
Viele in unseren Tagen legen sich ja gar nicht mehr fest, damit sie auch nicht daran gemessen werden können. Oder man bastelt sich einfach seine eigene Moral und Ethik – vor der man dann zumindest selbst gut dasteht.
Aber wir Christen sind festgelegt – und das ist auch gut so. Und da spielt es keine Rolle mehr, ob katholisch oder evangelisch oder orthodox. Wir sind alle erkannt als Christen.
Nicht, dass wir es schon erfüllt hätten. Das sei ferne. Aber streben sollen wir danach. Uns mühen, gegenseitig ermutigen und befördern. Weil es eben nicht Wurst ist, was wir tun, sondern weil wir ausgerichtet sein – neu orientiert.
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Und wir dürfen stolz darauf sein. Weil wir durch diesen Maßstab etwas schaffen, was sonst gar nicht so selbstverständlich ist in dieser Welt. Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg.
Alt und Jung. Hartz IV Empfänger und Millionäre. Arbeiter, Angestellte und Studierte. Arme und Reiche. Mann und Frau. Gesunde und Kranke. Und wir kommen aus den verschiedensten Teilen der Erde. Deutsche aus Russland. Deutsche aus Siebenbürgen. Bayern, Franken, Schwaben, Nordlichter und Menschen aus anderen Ländern und Teilen der Erde. Ein kleines Abbild des Reiches Gottes hier auf Erden. Bei uns in der Südstadt. Meistens sehen wir das nicht oder wollen es gar nicht wahrhaben. Und natürlich sind wir nicht perfekt – oh, das ist weit gefehlt. Aber ein Anfang ist gemacht.
Und das alles nicht, weil wir so toll sind, sondern weil uns der EINE hier zusammen geführt hat. Gott selbst in Jesus Christus durch seinen Geist. Und sei es nur erst einmal für diese eine Stunde in der Woche.
Sehen wir das überhaupt noch? Spüren wir das noch? Glauben wir das noch?
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Und der Maßstab diese Jesus Christus von Nazareth stellt die Maßstäbe dieser Welt auf den Kopf. Denn er spricht nicht vom Herrschen, sondern vom Dienen. Er spricht nicht vom Nehmen, sondern vom Geben. Die Bereicherung des Menschen stellt er an den Pranger und stellt ihr ein Armutszeugnis aus. Der Erste wird der Letzte und der Letzte der Erste sein.
Glauben wir das noch, wenn wir die Betrogenen sind, um unseren Arbeitsplatz beraubt, verspielt auf dem großen Roulett-Tisch der Börsen und Banken. Lüge und Betrug und womöglich haben wir sogar noch mitgespielt.
Doch was soll unser Maßstab sein, wenn wir schon nicht dieser Welt auf den Leim gehen wollen, die nach immer mehr giert und uns die Unzufriedenheit einprügelt, damit wir nur noch haben wollen und kaufen und noch mehr kaufen und unglücklich sind, weil wir uns nicht diesen Fernseher leisten können oder jenes Videospiel. Was ist unser Maßstab?
Und dann hören wir:
6 Jesus Christus war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. 7 Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich.
Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. 8 Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.
Christus gibt alle seine Vorrechte auf!
Er, der gar keinen Grund gehabt hätte, seine königliche Macht und seine himmlische Hoheit aufzugeben, der macht sich selbst die Finger schmutzig und wird Mensch. Einer von uns.
Es wäre nicht notwendig gewesen. Christus hätte auch bleiben können – dort, beim Vater. Was interessieren ihn die Menschen. Wir hatten alles, so wie wir geschaffen wurden. Doch wir haben es verspielt. Immer wieder verspielt – weil wir nicht gehorsam sind. Wie oft bleiben wir in unserer Gier, in unserem Neid, in unserer Bequemlichkeit und unsere Unversöhnlichkeit.
Doch Christus macht sich auf den Weg – noch einmal zu uns, um uns einen anderen Weg zu zeigen und zu ermöglichen. Den Weg der Versöhnung und der Liebe und des Friedens. Doch die Welt hats nicht erkannt.
Luther übersetzt hier:
6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
Christus geht den umgekehrten Weg. Und dadurch werden ganz andere Werte wieder wichtig. Werte, die oft so gar keinen Platz mehr in unsere Immer-Mehr-Haben-Wollen-Gesellschaft finden.
Die Mutter, die sich aufopfert für das Wohl ihrer Kinder. Der Vater, der noch ein paar Überstunden drauf packt, um der Tochter den Ausflug ins Schullandheim bezahlen zu können. Die Oma, die ihre Rente spart, damit die Kinder die Wohnung schneller abbezahlen können. Die Mitarbeiter, die sich treu für ihren Betrieb ins Zeug legen, bis die Krise überstanden wird. Und sie werden nicht beschissen, denn der Geschäftsführer setzt sich für seine Mitarbeiter ein und beteiligt sie fair am Umsatz und Gewinn. Das sind doch die Werte, die unsere Gesellschaft zusammen halten. In der Rücksicht aufeinander und der Fürsorge umeinander. Jesus zeigt mit seinem Leben da hin, wo wir oft gar nicht mehr hinsehen wollen. Wo neben dem Ich, Ich, Ich wieder ein DU in den Blick kommt und daraus ein WIR werden kann. Und er tritt dafür ein mit seinem ganzen Leben – bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz.
Und Gott hat sich in IHM festgelegt – festgelegt für uns, damit unsere Welt menschlicher wird und wir dadurch göttlicher, hin zum Reich Gottes. So wie es weiter heißt:
9 Darum hat Gott Jesus Christus auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt. 10 Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen –alle, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde; 11 alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so wird Gott, der Vater, geehrt.
Amen.
20100324
Ute Lehnes-de Fallois: "So lange du deine Füße unter meinen Tisch streckst..."
21.3.2010 - Sonntag Judica
Anspieltexte Familiengottesdienst
Ansprache zu Markus 10,41-45
Spielszene 1: Die Hausaufgabenkontrolle
Beteiligte: Erzähler/in (Erwachsene); Mutter (Erwachsene); zwei Kinder;Szene: im Kinderzimmer; zwei Schreibtische; Büchertasche;
Erzähler/in: Es ist Abend. Frau Freudenberg-Müller, seit ihrer Scheidung vor zwei Jahren alleinerziehende Mutter, ist gerade wie an jedem Abend dabei, die Hausaufgaben ihrer Kinder Sven, 8 Jahre und Johanna, 10 Jahre, zu kontrollieren.
Mutter (an Johannas Schreibtisch zu Johanna):
Gab’s heute etwas Besonderes bei dir in der Schule?
Habt ihr die HSK-Probe zurückbekommen?
Johanna (strahlt): Ja, ich hab’ eine Zwei!
Mutter: Na, prima, das freut mich!
Lass mich mal noch kurz deine Hausaufgaben sehen!
Johanna (zückt willig ihre Hefte und reicht sie ihrer Mutter) ----
Mutter (betrachtet die Hefte nacheinander zufrieden):
Gut gemacht, meine Große! Auf dich kann ich mich halt verlassen.
Die Mutter (geht nun zu Svens Schreibtisch):
Na, Sven, was hattest du denn heute auf?
Sven: Lesen und Schreiben.
Mutter: Dann zeig mir mal dein Schreibheft und danach liest du mir dein Lesestück vor.
(Sven kramt umständlich nach seinem Schreibheft. Schließlich findet er es und gibt es der Mutter. Die Mutter schaut die Hausaufgaben an; dabei verfinstert sich ihre Miene etwas).
Mutter: Hast du dir die Sätze selbst ausgedacht?
Sven: Nö, die mussten wir als Hausaufgabe aus dem Buch abschreiben.
Mutter: Und wieso hast du dann so viele Fehler drin?
Sven: Weiß nicht.
Mutter (genervt):
Ich weiß gar nicht, wie oft ich es dir schon gesagt habe. Die Namenwörter schreibt man groß und die Tun – und Wiewörter klein. Sag’s nach.
Sven: die Namenwörter schreibt man groß und die Tun- und Wiewörter schreibt man klein.
Mutter: Richtig! Und warum machst du es dann nicht?
Also so können wir die Hausaufgabe unmöglich lassen.
Das macht einen ganz schlechten Eindruck.
Du schreibst das jetzt noch mal ab – und zwar richtig!
Sven: Bitte nicht! In 10 Minuten fangen die „Simpsons“ an.
Mutter: Darüber brauchen wir jetzt gar nicht zu diskutieren. Du kannst Fernsehen schauen, wenn du den Text richtig abgeschrieben hast, und vorher nicht!
Sven (den Tränen nahe): ich will aber nicht.
Mutter: Also gut, ich setz mich daneben und helf’ dir.
(Sven öffnet missmutig sein Heft und sein Buch und nimmt einen Stift in die Hand) ---
Mutter: Also beginnen wir mit der Überschrift: „Der rosarote Luftballon“.
(Sven beginnt zu schreiben) ---
Mutter: Wieso schreibst du denn „der“ klein?
Sven: Weil man der/die/das immer klein schreibt. Das hab’ sogar ich mir gemerkt!
Mutter. Aber doch nicht am Satzanfang! Am Satzanfang wird immer alles groß geschrieben.
(Sven seufzt und schreibt) ---
Mutter: Und wieso schreibst du jetzt „rosarot“ groß?
Sven: Wenn man bei dir immer alles groß schreiben muß, dann schreib’ ich jetzt eben immer alles groß!
Mutter (wird lauter): Das ist aber falsch. Kapier es endlich: Rosarot ist ein Wiewort – also klein. Wie ist der Ballon? Wie – also klein.
Sven: Dass der Ballon klein ist, steht aber nicht da, nur dass er rosarot ist ....
Mutter: Sven, du treibst mich noch in den Wahnsinn ...
Erzähler/in: Nach einer weiteren Stunde stehen die 5 Sätze endlich richtig im Heft.
Inzwischen ist es halb acht. Die Mutter ist genervt und Sven hat geweint. Na dann, gute Nacht und angenehme Träume.
Ansprache zu Markus 10,41-45
im Rahmen des Familiengottesdienstes „Solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst ....“
41 Als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.
42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wißt, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.
45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
Liebe Eltern, liebe Gemeinde!
Im heutigen Evangelium, das uns Sieglinde Schmidt einmal vor den drei Anspielszenen und einmal danach vorgelesen hat, da geht es um zwei unterschiedliche Systeme, oder nennen wir sie Rahmen, innerhalb derer wir und unsere Kinder uns bewegen.
Da ist zum einen dieser erste Rahmen.
(Bilderrahmen mit Text Herrschaft und Macht zeigen:
Frage an die Kinder: könnt ihr es lesen? ...)
Stellt sich die Frage, wer über uns die Herrschaft und die Macht hat.
(Bilderrahmen weglegen).
Im vergangenen Herbst, als Sieglinde Schmidt und ich die Idee hatten, einen Familiengottesdienst in der Passionszeit mit Ihnen, der Gemeinde und unseren Hortfamilien zu feiern, da war einer unserer ersten Gedanken: worunter leiden denn unsere Kinder und worunter leiden auch wir als Erwachsene oft genug.
Was ist denn unsere Passion und unser Leiden?
Und als wir gemeinsam anfingen darüber nachzudenken, da ist uns ziemlich schnell ziemlich viel eingefallen.
Drei Szenen haben wir Ihnen vorgespielt:
Da war als erstes die alleinerziehende Mutter, Frau Freudenberg-Müller mit ihren beiden Kindern Johanna und Sven, Sie erinnern sich?
Sven, der einfach ein Problem mit dem Schreiben hat und auf der anderen Seite die Mutter, die doch einfach nur möchte, dass ihr Junge in diesem Schulsystem, in dem Rahmen, den eben die Schule vorgibt, besteht und die ihren Jungen vor dem Versagen und dem Frust bewahren möchte.
Am Ende unserer kleinen Anspielszene sind sie beide völlig k.o.
Sven weint, weil die Simpsons nun ohne ihn gelaufen sind und die Mutter ist völlig entnervt, weil sie sich Sorgen um die schulische Laufbahn ihres Sohnes. Und eigentlich meint sie es doch nur gut mit ihrem Jungen. Und eigentlich hat Sven ja seine Mama lieb, aber das mit der Groß-und Kleinschreibung versteht er halt einfach nicht!
Kennen sie solche Szenen?
Ich erinnere mich mit Grauen an häusliche Übungsdiktate und Vokabelabfragen mit meinen Buben.
Und meine jüngste Tochter karpft bis heute in Mathe und Betriebswirtschaftsrechnen zwischen vier und fünf. Vorrücken gefährdet – alle Jahre wieder.
Ich stelle noch einmal die Frage:
Wer hat über uns die Herrschaft und die Macht?
Wer oder was bestimmt da eigentlich unseren Alltag?
Im zweiten Anspiel sahen wir eine typische Schulszene.
Die Matheschulaufgabe wird herausgegeben.
Gute Noten, gute Kinder, schlechte Noten, schlechte Kinder ...
Aber ist das wirklich so?
Wie oft werden schlechte Schüler dazu ermahnt, sich mehr anzustrengen!
Nur nützen tut es meistens nichts.
Und am Ende leiden wieder die Kinder und die Eltern sind entnervt.
Und weil die Kinder den Druck dieses Systems spüren, darum wünschen sie sich zum Geburtstag oft nicht mehr alles Gute, Gesundheit, Spaß und Freunde, sondern gute Noten, viel Erfolg und einen guten Job.
Ich beantworte Ihnen die Frage, wer im Alltag oft die Macht über uns und unsere Kinder hat:
Es ist diese Leistungsgesellschaft, in der wir und unsere Kinder bestehen müssen, und nach deren Spielregeln wir spielen müssen, wenn wir ein einigermaßen abgesichertes Leben führen wollen. Es ist diese Leistungsgesellschaft, die auswählt.
Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen!
Wir können es Drehen und Wenden, wie wir wollen, wir werden diesem System von Leistung, Kontrolle und Druck nicht so schnell entkommen, obwohl sich dieses System selbst immer mehr ad absurdum führt.
Jesus sagt:
Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und die Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
Klare Worte.
Solange es um Macht, Karriere und gutes Ansehen für wenige geht, fordert jedes System seine Opfer. Es bringt einige wenige Sieger hervor, aber viele Verlierer.
Verzeihen Sie mir an dieser Stelle ein persönliches Wort zum neuen bayerischen Kinderbildungs- und betreuungsgesetz, das seit dem 1.8.2005 in Kraft ist:
Seitdem dieses Gesetz in Kraft ist, sind uns als Träger vor Ort die Hände gebunden, um nicht zu sagen: wir sind an dieses Gesetz gefesselt. Es muss alles auf Cent und Euro abgerechnet werden, jeder Nachweis ist schriftlich zu führen, der Personalschlüssel muss stimmen, Ausnahmen können nicht mehr gemacht werden, da sonst die öffentlichen Gelder gestrichen werden. Die Leiterinnen der Kindertagesstätten müssen sehr viel Zeit und Energie für die Verwaltungsaufgaben investieren, und die Zeit fehlt dann für das Wichtigste: nämlich für die Kinder!
Und dabei brauchen doch gerade die Kinder die Nähe und Zuneigung, die Fürsorge und Aufmerksamkeit ihrer Erzieherinnen, um den schulischen Druck auch ausgleichen zu können.
Aber für Menschlichkeit und Nächstenliebe hat der Gesetzgeber keine Spalte in der excel-Tabelle vorgesehen. Menschlichkeit und Herzenswärme sind in diesem Abrechnungssystem nicht vorgesehen!
Und Jesus sagt.
Und genau so soll es bei euch eben nicht sein!
Sondern wer groß sein will unter euch,
der soll euer Diener sein; und wer unter euch der erste sein will, der soll aller Diener sein.
Und mit diesen Worten Jesu bin ich schon mitten drin im zweiten Rahmen, im zweiten Bild:
Und mit dem Zweiten sieht man besser!
Und ich habe für Sie und euch in diesen zweiten Rahmen ein Bild gelegt:
(zweites Bild zeigen – Aquarell Kirchgang)
Das Bild heißt der „Kirchgang“
Bei uns in der Kirche, in der Gemeinde, da soll es anders sein. Da soll Platz sein für Menschlichkeit und Nächstenliebe. Dafür gibt es bei uns eine Rubrik,auch wenn es für sie kein Geld gibt. Und diese RUBRIK heißt Liebe!
Es ist die Liebe von Ihnen, den Eltern zu ihren Kindern und die Liebe ihrer Kinder zu Ihnen, die dieses Bild bunt und schön macht. Es ist die gemeinsame Zeit im Schwimmbad, im Kino, beim Spazierengehen, es ist der Gute Nachtkuss und die Umarmung, die das Leben schön machen. Es ist ein gutes Wort, auch nach einer Fünf oder einer Sechs, das die Kinder tröstet. Dass eine Fünf eine schlechte Note ist, das wissen die Kinder schon selbst. Es ist das gemeinsame Leben in der Familie, das gemeinsame Suchen nach Problemlösungen, das die Kinder stark macht. Einzelkämpfer sind die Kinder in der Schule oder wir die Erwachsenen im Beruf oft genug. Es ist das andere, das zweite Programm, das uns das Leben bunter und schöner sehen lässt.
Und für diesen zweiten Rahmen, den Rahmen der Liebe, ist Jesus auf die Welt gekommen und genau für dieses Programm ist er auch gestorben.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass ER sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
Und weil sich Einer schon den Mächtigen dieser Welt geopfert hat, darum brauchen das weder wir noch unsere Kinder zu tun. Wir sind frei, unser Leben zu leben und die Entscheidungen zu treffen, die wir für richtig erachten und die unserem Leben angemessen sind.
Entscheidungen, die vielleicht nicht immer der Karriere dienen, aber dafür der Liebe zu Gott und vor allem der Liebe zu unseren Kindern.
Es ist nicht jeder Viertklässler für’s Gymnasium gestrickt. Und lieber ein fröhlicher Haupt- oder Realschüler als Kinder, die sich dann jahrelang durch’s Gymnasium quälen, denen die Lust und die Freude am Leben verloren gehen, weil sie in diesem Leistungssystem nur noch ums Überleben kämpfen.
Ich will nicht der Faulheit das Wort reden, aber ich möchte Sie, die Eltern, ermutigen, sich selbst und Ihren Kindern die bunte Vielfalt dieses Lebens zu gönnen.
(„Kirchgang“ – zweites Bild zeigen)
Schauen Sie auf das Zweite Bild und sind Sie sich gewiss, dass EINER da ist, der Ihnen und den Kindern den richtigen Weg zeigen wird. Und der mit seiner Liebe für sie und ihre Kinder da ist. Und dann ist eine schlechte Note höchstens ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Unterstützen Sie Ihre Kinder mit all Ihrer Liebe, aber gönnen sie ihnen auch die Freiheit und Unbeschwertheit dieses Alters. Amen.
Anspieltexte Familiengottesdienst
Ansprache zu Markus 10,41-45
Spielszene 1: Die Hausaufgabenkontrolle
Beteiligte: Erzähler/in (Erwachsene); Mutter (Erwachsene); zwei Kinder;Szene: im Kinderzimmer; zwei Schreibtische; Büchertasche;
Erzähler/in: Es ist Abend. Frau Freudenberg-Müller, seit ihrer Scheidung vor zwei Jahren alleinerziehende Mutter, ist gerade wie an jedem Abend dabei, die Hausaufgaben ihrer Kinder Sven, 8 Jahre und Johanna, 10 Jahre, zu kontrollieren.
Mutter (an Johannas Schreibtisch zu Johanna):
Gab’s heute etwas Besonderes bei dir in der Schule?
Habt ihr die HSK-Probe zurückbekommen?
Johanna (strahlt): Ja, ich hab’ eine Zwei!
Mutter: Na, prima, das freut mich!
Lass mich mal noch kurz deine Hausaufgaben sehen!
Johanna (zückt willig ihre Hefte und reicht sie ihrer Mutter) ----
Mutter (betrachtet die Hefte nacheinander zufrieden):
Gut gemacht, meine Große! Auf dich kann ich mich halt verlassen.
Die Mutter (geht nun zu Svens Schreibtisch):
Na, Sven, was hattest du denn heute auf?
Sven: Lesen und Schreiben.
Mutter: Dann zeig mir mal dein Schreibheft und danach liest du mir dein Lesestück vor.
(Sven kramt umständlich nach seinem Schreibheft. Schließlich findet er es und gibt es der Mutter. Die Mutter schaut die Hausaufgaben an; dabei verfinstert sich ihre Miene etwas).
Mutter: Hast du dir die Sätze selbst ausgedacht?
Sven: Nö, die mussten wir als Hausaufgabe aus dem Buch abschreiben.
Mutter: Und wieso hast du dann so viele Fehler drin?
Sven: Weiß nicht.
Mutter (genervt):
Ich weiß gar nicht, wie oft ich es dir schon gesagt habe. Die Namenwörter schreibt man groß und die Tun – und Wiewörter klein. Sag’s nach.
Sven: die Namenwörter schreibt man groß und die Tun- und Wiewörter schreibt man klein.
Mutter: Richtig! Und warum machst du es dann nicht?
Also so können wir die Hausaufgabe unmöglich lassen.
Das macht einen ganz schlechten Eindruck.
Du schreibst das jetzt noch mal ab – und zwar richtig!
Sven: Bitte nicht! In 10 Minuten fangen die „Simpsons“ an.
Mutter: Darüber brauchen wir jetzt gar nicht zu diskutieren. Du kannst Fernsehen schauen, wenn du den Text richtig abgeschrieben hast, und vorher nicht!
Sven (den Tränen nahe): ich will aber nicht.
Mutter: Also gut, ich setz mich daneben und helf’ dir.
(Sven öffnet missmutig sein Heft und sein Buch und nimmt einen Stift in die Hand) ---
Mutter: Also beginnen wir mit der Überschrift: „Der rosarote Luftballon“.
(Sven beginnt zu schreiben) ---
Mutter: Wieso schreibst du denn „der“ klein?
Sven: Weil man der/die/das immer klein schreibt. Das hab’ sogar ich mir gemerkt!
Mutter. Aber doch nicht am Satzanfang! Am Satzanfang wird immer alles groß geschrieben.
(Sven seufzt und schreibt) ---
Mutter: Und wieso schreibst du jetzt „rosarot“ groß?
Sven: Wenn man bei dir immer alles groß schreiben muß, dann schreib’ ich jetzt eben immer alles groß!
Mutter (wird lauter): Das ist aber falsch. Kapier es endlich: Rosarot ist ein Wiewort – also klein. Wie ist der Ballon? Wie – also klein.
Sven: Dass der Ballon klein ist, steht aber nicht da, nur dass er rosarot ist ....
Mutter: Sven, du treibst mich noch in den Wahnsinn ...
Erzähler/in: Nach einer weiteren Stunde stehen die 5 Sätze endlich richtig im Heft.
Inzwischen ist es halb acht. Die Mutter ist genervt und Sven hat geweint. Na dann, gute Nacht und angenehme Träume.
Ansprache zu Markus 10,41-45
im Rahmen des Familiengottesdienstes „Solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst ....“
41 Als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.
42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wißt, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.
45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
Liebe Eltern, liebe Gemeinde!
Im heutigen Evangelium, das uns Sieglinde Schmidt einmal vor den drei Anspielszenen und einmal danach vorgelesen hat, da geht es um zwei unterschiedliche Systeme, oder nennen wir sie Rahmen, innerhalb derer wir und unsere Kinder uns bewegen.
Da ist zum einen dieser erste Rahmen.
(Bilderrahmen mit Text Herrschaft und Macht zeigen:
Frage an die Kinder: könnt ihr es lesen? ...)
Stellt sich die Frage, wer über uns die Herrschaft und die Macht hat.
(Bilderrahmen weglegen).
Im vergangenen Herbst, als Sieglinde Schmidt und ich die Idee hatten, einen Familiengottesdienst in der Passionszeit mit Ihnen, der Gemeinde und unseren Hortfamilien zu feiern, da war einer unserer ersten Gedanken: worunter leiden denn unsere Kinder und worunter leiden auch wir als Erwachsene oft genug.
Was ist denn unsere Passion und unser Leiden?
Und als wir gemeinsam anfingen darüber nachzudenken, da ist uns ziemlich schnell ziemlich viel eingefallen.
Drei Szenen haben wir Ihnen vorgespielt:
Da war als erstes die alleinerziehende Mutter, Frau Freudenberg-Müller mit ihren beiden Kindern Johanna und Sven, Sie erinnern sich?
Sven, der einfach ein Problem mit dem Schreiben hat und auf der anderen Seite die Mutter, die doch einfach nur möchte, dass ihr Junge in diesem Schulsystem, in dem Rahmen, den eben die Schule vorgibt, besteht und die ihren Jungen vor dem Versagen und dem Frust bewahren möchte.
Am Ende unserer kleinen Anspielszene sind sie beide völlig k.o.
Sven weint, weil die Simpsons nun ohne ihn gelaufen sind und die Mutter ist völlig entnervt, weil sie sich Sorgen um die schulische Laufbahn ihres Sohnes. Und eigentlich meint sie es doch nur gut mit ihrem Jungen. Und eigentlich hat Sven ja seine Mama lieb, aber das mit der Groß-und Kleinschreibung versteht er halt einfach nicht!
Kennen sie solche Szenen?
Ich erinnere mich mit Grauen an häusliche Übungsdiktate und Vokabelabfragen mit meinen Buben.
Und meine jüngste Tochter karpft bis heute in Mathe und Betriebswirtschaftsrechnen zwischen vier und fünf. Vorrücken gefährdet – alle Jahre wieder.
Ich stelle noch einmal die Frage:
Wer hat über uns die Herrschaft und die Macht?
Wer oder was bestimmt da eigentlich unseren Alltag?
Im zweiten Anspiel sahen wir eine typische Schulszene.
Die Matheschulaufgabe wird herausgegeben.
Gute Noten, gute Kinder, schlechte Noten, schlechte Kinder ...
Aber ist das wirklich so?
Wie oft werden schlechte Schüler dazu ermahnt, sich mehr anzustrengen!
Nur nützen tut es meistens nichts.
Und am Ende leiden wieder die Kinder und die Eltern sind entnervt.
Und weil die Kinder den Druck dieses Systems spüren, darum wünschen sie sich zum Geburtstag oft nicht mehr alles Gute, Gesundheit, Spaß und Freunde, sondern gute Noten, viel Erfolg und einen guten Job.
Ich beantworte Ihnen die Frage, wer im Alltag oft die Macht über uns und unsere Kinder hat:
Es ist diese Leistungsgesellschaft, in der wir und unsere Kinder bestehen müssen, und nach deren Spielregeln wir spielen müssen, wenn wir ein einigermaßen abgesichertes Leben führen wollen. Es ist diese Leistungsgesellschaft, die auswählt.
Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen!
Wir können es Drehen und Wenden, wie wir wollen, wir werden diesem System von Leistung, Kontrolle und Druck nicht so schnell entkommen, obwohl sich dieses System selbst immer mehr ad absurdum führt.
Jesus sagt:
Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und die Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
Klare Worte.
Solange es um Macht, Karriere und gutes Ansehen für wenige geht, fordert jedes System seine Opfer. Es bringt einige wenige Sieger hervor, aber viele Verlierer.
Verzeihen Sie mir an dieser Stelle ein persönliches Wort zum neuen bayerischen Kinderbildungs- und betreuungsgesetz, das seit dem 1.8.2005 in Kraft ist:
Seitdem dieses Gesetz in Kraft ist, sind uns als Träger vor Ort die Hände gebunden, um nicht zu sagen: wir sind an dieses Gesetz gefesselt. Es muss alles auf Cent und Euro abgerechnet werden, jeder Nachweis ist schriftlich zu führen, der Personalschlüssel muss stimmen, Ausnahmen können nicht mehr gemacht werden, da sonst die öffentlichen Gelder gestrichen werden. Die Leiterinnen der Kindertagesstätten müssen sehr viel Zeit und Energie für die Verwaltungsaufgaben investieren, und die Zeit fehlt dann für das Wichtigste: nämlich für die Kinder!
Und dabei brauchen doch gerade die Kinder die Nähe und Zuneigung, die Fürsorge und Aufmerksamkeit ihrer Erzieherinnen, um den schulischen Druck auch ausgleichen zu können.
Aber für Menschlichkeit und Nächstenliebe hat der Gesetzgeber keine Spalte in der excel-Tabelle vorgesehen. Menschlichkeit und Herzenswärme sind in diesem Abrechnungssystem nicht vorgesehen!
Und Jesus sagt.
Und genau so soll es bei euch eben nicht sein!
Sondern wer groß sein will unter euch,
der soll euer Diener sein; und wer unter euch der erste sein will, der soll aller Diener sein.
Und mit diesen Worten Jesu bin ich schon mitten drin im zweiten Rahmen, im zweiten Bild:
Und mit dem Zweiten sieht man besser!
Und ich habe für Sie und euch in diesen zweiten Rahmen ein Bild gelegt:
(zweites Bild zeigen – Aquarell Kirchgang)
Das Bild heißt der „Kirchgang“
Bei uns in der Kirche, in der Gemeinde, da soll es anders sein. Da soll Platz sein für Menschlichkeit und Nächstenliebe. Dafür gibt es bei uns eine Rubrik,auch wenn es für sie kein Geld gibt. Und diese RUBRIK heißt Liebe!
Es ist die Liebe von Ihnen, den Eltern zu ihren Kindern und die Liebe ihrer Kinder zu Ihnen, die dieses Bild bunt und schön macht. Es ist die gemeinsame Zeit im Schwimmbad, im Kino, beim Spazierengehen, es ist der Gute Nachtkuss und die Umarmung, die das Leben schön machen. Es ist ein gutes Wort, auch nach einer Fünf oder einer Sechs, das die Kinder tröstet. Dass eine Fünf eine schlechte Note ist, das wissen die Kinder schon selbst. Es ist das gemeinsame Leben in der Familie, das gemeinsame Suchen nach Problemlösungen, das die Kinder stark macht. Einzelkämpfer sind die Kinder in der Schule oder wir die Erwachsenen im Beruf oft genug. Es ist das andere, das zweite Programm, das uns das Leben bunter und schöner sehen lässt.
Und für diesen zweiten Rahmen, den Rahmen der Liebe, ist Jesus auf die Welt gekommen und genau für dieses Programm ist er auch gestorben.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass ER sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
Und weil sich Einer schon den Mächtigen dieser Welt geopfert hat, darum brauchen das weder wir noch unsere Kinder zu tun. Wir sind frei, unser Leben zu leben und die Entscheidungen zu treffen, die wir für richtig erachten und die unserem Leben angemessen sind.
Entscheidungen, die vielleicht nicht immer der Karriere dienen, aber dafür der Liebe zu Gott und vor allem der Liebe zu unseren Kindern.
Es ist nicht jeder Viertklässler für’s Gymnasium gestrickt. Und lieber ein fröhlicher Haupt- oder Realschüler als Kinder, die sich dann jahrelang durch’s Gymnasium quälen, denen die Lust und die Freude am Leben verloren gehen, weil sie in diesem Leistungssystem nur noch ums Überleben kämpfen.
Ich will nicht der Faulheit das Wort reden, aber ich möchte Sie, die Eltern, ermutigen, sich selbst und Ihren Kindern die bunte Vielfalt dieses Lebens zu gönnen.
(„Kirchgang“ – zweites Bild zeigen)
Schauen Sie auf das Zweite Bild und sind Sie sich gewiss, dass EINER da ist, der Ihnen und den Kindern den richtigen Weg zeigen wird. Und der mit seiner Liebe für sie und ihre Kinder da ist. Und dann ist eine schlechte Note höchstens ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Unterstützen Sie Ihre Kinder mit all Ihrer Liebe, aber gönnen sie ihnen auch die Freiheit und Unbeschwertheit dieses Alters. Amen.
20100316
Werner Otto Sirch: Gelobt sei Gott!
14.2.2010 - Sonntag Lätare
Predigt 2. Kor 1,3-7
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
4 der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.
5 Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.
6 Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.
7 Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,
Gelobt sei Gott!, das sind die ersten Worte unseres heutigen Predigttextes. Gelobt sei Gott! Es ist nicht Bitte oder Dank, der den zweiten Korintherbrief eröffnet, sondern das Lob Gottes. Paulus spricht dieses Lob an Gott aus, trotz vieler schwerer Bedrängnisse und Leiden, die er erdulden musste: Schläge und Haft, Verleumdung, Krankheit, Verfolgung, Todesnot. Oft genug verzweifelte er am Leben.
Gelobt sei Gott! Wann ist uns, liebe Gemeinde, dieses Wort zum letzten Mal über die Lippen gekommen oder wann haben wir es in einem Brief geschrieben? Den Dank an Gott. Trotz allem was wir erleben, trotz allem was uns Not macht, trotz allem was uns am Leben verzweifeln und leiden lässt. Gelobt sei Gott! Wir neigen eher dazu zu jammern und zu klagen, Gott die Freundschaft aufzukündigen, aus der Kirche auszutreten, weil er nicht so ist wie wir ihn uns vorstellen und weil er ein so mieses „Bodenpersonal“ hat. Gelob sei Gott! Es bleibt uns im Hals stecken, wenn wir an die nicht enden wollenden Nachrichten von Missbrauch in Klöstern denken, wenn die Vorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands im Vollrausch durch Hannover fährt und ein Rummelsberger Rektor wegen gefährlicher Körperverletzung, die er als Vorgesetzter Untergebenen zugefügt hat, verurteilt wird. Gelobt sei Gott!
Liebe Gemeinde, das sollte jetzt nicht sarkastisch klingen. Es sind Vorgänge, die mich, und nicht nur mich, zur Zeit stark bewegen, worunter ich leide und mich schäme, dass so etwas möglich ist und getan wird, obwohl man es besser wissen müsste. Ich bin mir bewusst, dass es Menschen sind, die gefehlt haben, angegriffene Menschen und ich muss ja nur auf mich selbst sehen, dann entdecke ich auch einen, der sündhaft und voller Schuld ist. Ich habe also bestimmt keinen Grund mit meinem Finger auf andere zu deuten.
Gott sieht, dass wir leiden, an uns, an unseren Schwächen und an anderen, die uns wichtig sind, auf die wir geschaut haben und die nun so tief gestürzt sind. Gott sieht das unsägliche Leid, das in unserer Welt geschieht und in das auch wir Christen mit hineingezogen sind – und oft genug dabei schuldig werden. Es zieht uns herunter – auch jetzt, wenn ich davon spreche.
Eigentlich möchten wir Christen doch viel stärker sein und all dieser Bedrängnisse und Versuchungen mit der Hilfe unseres Glaubens standhalten können. Aber auch unter uns gibt es Krankheiten, die verzweifeln lassen und ohnmächtig machen. – Zerbrechende Ehen und Partnerschaften, Arbeitslosigkeit und Heimatlosigkeit, Alkoholismus und Drogenabhängigkeit aller Art, Ausweglosigkeit, Sinnleere und Selbstmord bedrücken die Gesellschaft und die Gemeinde. Das ist die Realität. Wir sollten nicht meinen, dass die Botschaft Christi die Boten mit besonderer Glaubensstärke und Ausstrahlungskraft ausstattet.
Wie sollen wir in all dieser Bedrängnis Trost finden? Was kann uns trösten? Wer kann uns trösten?
Unsere Bibel ist das Buch des Gotteslobs. Wir können in ihm von Menschen lesen, die als Leidbeladene und Getröstete in dieses Lob unseres Gottes einstimmen. Gerade die Psalmen zeigen uns solche Menschen, die gerade in schwerer Not, in Trostlosigkeit und Leid Zuversicht und Trost finden. Im bekannten Psalm 23 lesen wir: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Gott tröstet und ist auch in schweren Zeiten bei uns, so dass wir uns nicht vor der Zukunft fürchten müssen. Viele sind durch schweres Leid hindurchgegangen und können, wenn sie von Gott reden, mit dem Beter des 94. Psalms bezeugen: Ich hatte viel Kummer in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele.
Ja, so hatte ich das auch erlebt 2008, ein schweres Jahr für mich und meine Familie. Ich war oft an der Grenze, wenn auf der Intensivstation der Tod bei meiner Frau anklopfte. Und dann, nach Wochen und Monaten der Besserung, der Hoffnung, dass alles gut werden wird, der plötzliche Tod, innerhalb weniger Stunden. Ich hatte viel Kummer in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele. Ich war am Ende meiner Kraft, gesundheitlich am Ende, traurig, depressiv – aber niemals am Ende mit Gott. Zu ihm konnte ich mich flüchten mit meinem Kummer und meinem verletzten Herz. Er tröstete mich und hatte die Medizin schon bereitgestellt: „Nimm Cristin zu dir!“ Auch so konkret kann Tröstung durch Gott sein. Und so entspringt aus dem Leid und der Not das Lob Gottes.
Gelobt sei Gott! Sagen wir manchmal, wenn es gerade noch mal gut gegangen ist. Vielleicht sollten wir das öfter sagen: Am Morgen, wenn wir gesund aufstehen können. Am Abend, wenn wir unseren Tag beschließen und uns zur Ruhe legen. Gelobt sei Gott, wenn wir von einer Krankheit genesen oder durch Bedrängnisse hindurchkommen, sie durchstehen können. Gelobt sei Gott, dass er unser Leben bis hierher bewahrt hat, uns und unsere Kinder beschützt. Gelobt sei Gott, dass wir in den Bedrängnissen unseres Lebens nicht ungetröstet bleiben müssen um depressiv zu resignieren.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden Es sind die Worte Jesu aus den Seligpreisungen. In mir klingen diese Worte wie frische Luft. Worte, die in die Zukunft weisen und Mut machen da anzupacken, wo wir wegen all der schrecklichen Leiden dieser Welt aufgeben möchten, weil wir sie nicht mehr ertragen können. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Es sind Worte der Zuwendung Gottes und des Heils an uns. Es ist der barmherzige Gott, der uns durch Jesus seine Liebe und Zuwendung schenkt.
Was kann uns in aller Bedrängnis und Not, in unserem Leid trösten? Wer kann uns trösten? Trösten ist Aufgabe der christlichen Gemeinde. Und hier sind vor allem die gefragt, die den Trost Gottes an sich selbst erfahren haben. Gott, der barmherzige und tröstende Gott, der in Jesus menschliche Gestalt angenommen hat, tröstet uns, damit auch wir trösten können.
Es ist soviel Trost unter uns nötig. Oft gar nicht auf den ersten Blick sichtbar. Viele versuchen ihre Not, ihre Verletzungen, ihr Elend mit sich selbst abzumachen. Und dann ist trotzdem der Wunsch da, dass da jemand ist, der ein gutes Wort hat, der das lösende Wort kennt, wenn das eigene Gewissen anklagt und der Glaube an sich selbst verloren gegangen ist. Wer sollte besser trösten können, als der, der selbst getröstet ist?
Trösten denkt nicht an meine noch so einfühlsamen und schlauen Worte. Trösten ist Gottes Wort in eine bestimmte Situation hineinzusprechen und dadurch Gottes Zuwendung zu erfahren. Das gilt ganz besonders im Angesicht des Todes, wo wir in äußerster Trostlosigkeit das Bekenntnis der Zuversicht der Nähe Gottes brauchen, um uns getrost auf den Weg machen zu können, auf den Weg, hin in Gottes Ewigkeit.
Gottes Trösten ist immer sein machtvolles und errettendes Handeln. Gott tröstet sein Volk, wendet sein Geschick führt es aus der Gefangenschaft, so können wir es immer wieder in der Bibel lesen. Gott tröstet uns, wendet unser Geschick und führt uns aus der Gefangenschaft unserer Bedrängnisse unserer Selbstbezogenheit und unseres Elends zur Freiheit und zum neuen Leben. Das ist die Nachricht an uns. Durch alle Bedrängnisse hindurch sind wir von ihm Getragene und werden mit den Erfahrungen seines Trostes beschenkt. Gelobt sei Gott! Amen.
Predigt 2. Kor 1,3-7
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
4 der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.
5 Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.
6 Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.
7 Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,
Gelobt sei Gott!, das sind die ersten Worte unseres heutigen Predigttextes. Gelobt sei Gott! Es ist nicht Bitte oder Dank, der den zweiten Korintherbrief eröffnet, sondern das Lob Gottes. Paulus spricht dieses Lob an Gott aus, trotz vieler schwerer Bedrängnisse und Leiden, die er erdulden musste: Schläge und Haft, Verleumdung, Krankheit, Verfolgung, Todesnot. Oft genug verzweifelte er am Leben.
Gelobt sei Gott! Wann ist uns, liebe Gemeinde, dieses Wort zum letzten Mal über die Lippen gekommen oder wann haben wir es in einem Brief geschrieben? Den Dank an Gott. Trotz allem was wir erleben, trotz allem was uns Not macht, trotz allem was uns am Leben verzweifeln und leiden lässt. Gelobt sei Gott! Wir neigen eher dazu zu jammern und zu klagen, Gott die Freundschaft aufzukündigen, aus der Kirche auszutreten, weil er nicht so ist wie wir ihn uns vorstellen und weil er ein so mieses „Bodenpersonal“ hat. Gelob sei Gott! Es bleibt uns im Hals stecken, wenn wir an die nicht enden wollenden Nachrichten von Missbrauch in Klöstern denken, wenn die Vorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands im Vollrausch durch Hannover fährt und ein Rummelsberger Rektor wegen gefährlicher Körperverletzung, die er als Vorgesetzter Untergebenen zugefügt hat, verurteilt wird. Gelobt sei Gott!
Liebe Gemeinde, das sollte jetzt nicht sarkastisch klingen. Es sind Vorgänge, die mich, und nicht nur mich, zur Zeit stark bewegen, worunter ich leide und mich schäme, dass so etwas möglich ist und getan wird, obwohl man es besser wissen müsste. Ich bin mir bewusst, dass es Menschen sind, die gefehlt haben, angegriffene Menschen und ich muss ja nur auf mich selbst sehen, dann entdecke ich auch einen, der sündhaft und voller Schuld ist. Ich habe also bestimmt keinen Grund mit meinem Finger auf andere zu deuten.
Gott sieht, dass wir leiden, an uns, an unseren Schwächen und an anderen, die uns wichtig sind, auf die wir geschaut haben und die nun so tief gestürzt sind. Gott sieht das unsägliche Leid, das in unserer Welt geschieht und in das auch wir Christen mit hineingezogen sind – und oft genug dabei schuldig werden. Es zieht uns herunter – auch jetzt, wenn ich davon spreche.
Eigentlich möchten wir Christen doch viel stärker sein und all dieser Bedrängnisse und Versuchungen mit der Hilfe unseres Glaubens standhalten können. Aber auch unter uns gibt es Krankheiten, die verzweifeln lassen und ohnmächtig machen. – Zerbrechende Ehen und Partnerschaften, Arbeitslosigkeit und Heimatlosigkeit, Alkoholismus und Drogenabhängigkeit aller Art, Ausweglosigkeit, Sinnleere und Selbstmord bedrücken die Gesellschaft und die Gemeinde. Das ist die Realität. Wir sollten nicht meinen, dass die Botschaft Christi die Boten mit besonderer Glaubensstärke und Ausstrahlungskraft ausstattet.
Wie sollen wir in all dieser Bedrängnis Trost finden? Was kann uns trösten? Wer kann uns trösten?
Unsere Bibel ist das Buch des Gotteslobs. Wir können in ihm von Menschen lesen, die als Leidbeladene und Getröstete in dieses Lob unseres Gottes einstimmen. Gerade die Psalmen zeigen uns solche Menschen, die gerade in schwerer Not, in Trostlosigkeit und Leid Zuversicht und Trost finden. Im bekannten Psalm 23 lesen wir: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Gott tröstet und ist auch in schweren Zeiten bei uns, so dass wir uns nicht vor der Zukunft fürchten müssen. Viele sind durch schweres Leid hindurchgegangen und können, wenn sie von Gott reden, mit dem Beter des 94. Psalms bezeugen: Ich hatte viel Kummer in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele.
Ja, so hatte ich das auch erlebt 2008, ein schweres Jahr für mich und meine Familie. Ich war oft an der Grenze, wenn auf der Intensivstation der Tod bei meiner Frau anklopfte. Und dann, nach Wochen und Monaten der Besserung, der Hoffnung, dass alles gut werden wird, der plötzliche Tod, innerhalb weniger Stunden. Ich hatte viel Kummer in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele. Ich war am Ende meiner Kraft, gesundheitlich am Ende, traurig, depressiv – aber niemals am Ende mit Gott. Zu ihm konnte ich mich flüchten mit meinem Kummer und meinem verletzten Herz. Er tröstete mich und hatte die Medizin schon bereitgestellt: „Nimm Cristin zu dir!“ Auch so konkret kann Tröstung durch Gott sein. Und so entspringt aus dem Leid und der Not das Lob Gottes.
Gelobt sei Gott! Sagen wir manchmal, wenn es gerade noch mal gut gegangen ist. Vielleicht sollten wir das öfter sagen: Am Morgen, wenn wir gesund aufstehen können. Am Abend, wenn wir unseren Tag beschließen und uns zur Ruhe legen. Gelobt sei Gott, wenn wir von einer Krankheit genesen oder durch Bedrängnisse hindurchkommen, sie durchstehen können. Gelobt sei Gott, dass er unser Leben bis hierher bewahrt hat, uns und unsere Kinder beschützt. Gelobt sei Gott, dass wir in den Bedrängnissen unseres Lebens nicht ungetröstet bleiben müssen um depressiv zu resignieren.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden Es sind die Worte Jesu aus den Seligpreisungen. In mir klingen diese Worte wie frische Luft. Worte, die in die Zukunft weisen und Mut machen da anzupacken, wo wir wegen all der schrecklichen Leiden dieser Welt aufgeben möchten, weil wir sie nicht mehr ertragen können. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Es sind Worte der Zuwendung Gottes und des Heils an uns. Es ist der barmherzige Gott, der uns durch Jesus seine Liebe und Zuwendung schenkt.
Was kann uns in aller Bedrängnis und Not, in unserem Leid trösten? Wer kann uns trösten? Trösten ist Aufgabe der christlichen Gemeinde. Und hier sind vor allem die gefragt, die den Trost Gottes an sich selbst erfahren haben. Gott, der barmherzige und tröstende Gott, der in Jesus menschliche Gestalt angenommen hat, tröstet uns, damit auch wir trösten können.
Es ist soviel Trost unter uns nötig. Oft gar nicht auf den ersten Blick sichtbar. Viele versuchen ihre Not, ihre Verletzungen, ihr Elend mit sich selbst abzumachen. Und dann ist trotzdem der Wunsch da, dass da jemand ist, der ein gutes Wort hat, der das lösende Wort kennt, wenn das eigene Gewissen anklagt und der Glaube an sich selbst verloren gegangen ist. Wer sollte besser trösten können, als der, der selbst getröstet ist?
Trösten denkt nicht an meine noch so einfühlsamen und schlauen Worte. Trösten ist Gottes Wort in eine bestimmte Situation hineinzusprechen und dadurch Gottes Zuwendung zu erfahren. Das gilt ganz besonders im Angesicht des Todes, wo wir in äußerster Trostlosigkeit das Bekenntnis der Zuversicht der Nähe Gottes brauchen, um uns getrost auf den Weg machen zu können, auf den Weg, hin in Gottes Ewigkeit.
Gottes Trösten ist immer sein machtvolles und errettendes Handeln. Gott tröstet sein Volk, wendet sein Geschick führt es aus der Gefangenschaft, so können wir es immer wieder in der Bibel lesen. Gott tröstet uns, wendet unser Geschick und führt uns aus der Gefangenschaft unserer Bedrängnisse unserer Selbstbezogenheit und unseres Elends zur Freiheit und zum neuen Leben. Das ist die Nachricht an uns. Durch alle Bedrängnisse hindurch sind wir von ihm Getragene und werden mit den Erfahrungen seines Trostes beschenkt. Gelobt sei Gott! Amen.
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