Sonntag Palmarum 24.03.2013
Predigttext Johannes 17,1-8
Liebe Gemeinde,
heute muss ich mit dem Sterben beginnen, damit wir zum Leben kommen können.
Wenn wir heutzutage ans Sterben denken, dann sind wir ziemlich alleine. Reduziert auf diese Welt und diese Erde, trauen wir uns kaum mehr darüber nachzudenken oder davon zu sprechen, dass unser Leben in einem viel größeren Zusammenhang – nämlich im Bezug zur Ewigkeit - gelebt wird als in diesen 70, 80, 90 oder noch mehr Jahren, die Gott uns zugeteilt hat.
Dass wir überhaupt im Bezug zu Gott leben, geht uns oft völlig verloren und so müssen wir oft auch ohne Bezug zu Gott sterben.
Traurig ist das. Sehr traurig. Und das gilt sogar auch da, wo wir noch gemeinsam auf dem Friedhof stehen und Abschied nehmen, Gottes Wort von der Auferstehung hören und von der Verwandlung unseres Leibes – aber glauben können wir es nicht und Gottes Wort bleibt fremd und gibt weder Trost, noch Halt, noch Orientierung.
Doch wenn wir ohne Gottesbeziehung leben, werden wir auch ohne Gottesbeziehung sterben und was dann auf uns wartet, das weiß ich nicht.
In dieser Unentschiedenheit leben viele und stricken sich dann selbst ihr Glaubensgewand zusammen mit ein bisschen von hier und ein bisschen von dort und manche lassen es dann gleich ganz sein und sagen: Jeder stirbt für sich allein. Und das ist dann auch so – und meinen vielleicht sogar noch, das wäre ehrlicher.
Was aber auf uns wartet, das könnten wir wissen, wenn wir uns denn Gott anvertrauen würden, im Leben und im Sterben.
So schreibt schon der christliche Schriftsteller Tertullian (gest. 220 nach Christus): "Der Tod des Gottessohnes 'ist glaubhaft, weil er töricht ist', und seine Auferstehung 'ist gewiss, weil sie unmöglich ist.'" (WLP 1/2013 S.26)
Beweise sind das keine. Aber was sind das schon für Beweise, die wir haben könnten für unseren Glauben, dass dieser Jesus aus Nazareth der Messias, der Gesalbte ist, der Menschsohn, der Christus, in dem wir Gott selbst sehen und hören, was er für uns und unser Zusammenleben gedacht und vorgesehen hat.
Und dann zieht er in Jerusalem ein und die Menge jubelt: Hosianna, dem Sohn David … und wenige Tage später rufen sie: Kreuzigt ihn.
In Ungnade ist er gefallen, weil er die Sehnsüchte und Träume der Menschen nach Glück und nach Gesundheit, nach Macht und Selbstbestimmung und Befreiung von den Römern nicht erfüllt hat. Sie fordern Gott heraus für das letzte Wunder: Hilf dir selbst, dann hilf dir Gott. Wenn du Gottes Sohn bist, dann steig herab vom Kreuz …
Der auf dem Esel einzieht wird zur Bedrohung und man gibt ihn der Lächerlichkeit preis und tobt an ihm die eigenen Machtgelüste aus, um seine Ohnmacht zu demonstrieren. In ihren Vorstellungen ist der Tod immer tot und es darf keinen Weg aus dem Grab gaben – das wäre bedrohlich - und man gibt erst Ruhe, wenn man dem anderen alles Lebenstragende vernichtet hat. Für das Sterben darf nur noch gelten: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Das will die Welt hören. Darauf legt sie uns fest.
Aber es gibt auch den anderen Weg – den Weg, weswegen Jesus auch in Jerusalem einzieht. Er fängt mit seinem Wort an: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Und am Ende spricht er: Vater ich befehle meinen Geist in deine Hände. Das Opfer bleibt nicht in der Ohnmacht, sondern hält der Welt entgegen, was sie nicht aushält. Es ist die Liebe und die bedingungslose Hinwendung zu Gott, wo alle Welt Gott verneint.
Bis heute können wir den Weg der Demut und der Hingabe und der Fürsorge für uns nur schwer verstehen, und in unserem jugendlichen Hosianna kommen wir selbst gern ins stolpern über mancher Brutalität des Lebens und schreien vielleicht nicht gleich: Kreuziget ihn. Aber zucken doch zusammen ob der bedrängenden Macht des Faktischen und das Kreuz wird zum Ort des Scheiterns und die Auferstehung zum schwachen Trost, die schön wäre, wenn man sie glauben könnte und bleibt unentschieden, ob es nicht doch nur ein Hirngespinnst der Jünger und der unmündigen Frauen war.
Wenn wir ohne Gottesbeziehung leben, werden wir ohne Gottesbeziehung sterben. Warum sollte das auch anders sein. Und Sein Wort kann uns nicht trösten und halten, dort wo wir keinen Trost mehr haben, weil unser letzter Atem aus uns weicht und tot nur noch tot ist.
Dass man auch anders vom Sterben sprechen kann und dass die Kreuzigung mehr ist als nur der Sieg der Welt über Gott, das lesen wir im Johannesevangelium. Jesus spricht in den Abschiedsworten anders von seinem Tod – und das könnte auch uns tragen, wenn es denn bei uns an der Zeit ist:
17 1 So redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; 2 denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. 3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. 4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.
5 Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. 6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.
Was glauben wir denn, wer da einzieht in Jersualem? Der Gescheiterte oder der Auferstandene, der in seinem Sterben dem Tod die letzte Macht nimmt, so dass Dietrich Bonhoeffer noch kurz vor seiner Hinrichtung durch die Nazis sagen kann: "Für viele das Ende, für mich der Anfang eines neuen Lebens."
In dem kleinen Büchlein von Johannes Gillhoff mit dem Titel: Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer – erstveröffentlich im Jahre 1917, schreibt der ehemalige Tagelöhnersohn Jünrjakob, der es in Amerika zu einem großen Farmer gebracht hat, vom Sterbebett seiner Mutter, die er im Alter zu sich in die USA geholt hatte. Sie ist mit 72 ½ Jahren gestorben (S. 95f – dtv – 10. Auflage 1990)):
„Ich aber überdachte ihr Leben, als es zu Ende ging, und fand nichts als Mühe und Not. Dann faltete sie die Hände wieder und sah mich still und fest an, und ihre Augen waren groß und tief. Da war schon etwas drin, was sonst nicht drin war. Das kann ich nicht mit Wörtern beschreiben. Da konnte man hineinsehen wie in einen tiefen See. Ich legte meine Hand (...) ganz sacht wieder auf ihre Hände, und wir warteten. Aber nicht mehr lange. Dann sagte sie noch mal was. Sie sagte: Ick wull, dat ick in'n Himmel wer; mi ward die Tied all lang. („Ich will, dass ich im Himmel wäre; mir wird die Zeit zu lang“) - Lieber Freund, das behalte ich mein Leben lang bis an meinen Tod. Das könnte, so wie es ist, ganz gut im Gesangbuch stehen. Dann aber faltete sie die Hände wieder unter meiner Hand. So betete sie ganz leise unser altes Kindergebet: Hilf, Gott, allzeit, mach mich bereit zur ew'gen Freud und Seligkeit. Amen.
Als sie das Amen gesagt hatte, da drehte sie den Kopf so'n bißchen nach links rum, als wenn da wer kommen tat. Und da ist auch einer gekommen; den habe ich nicht mit meinen Augen gesehen und nicht mit meinen Ohren gehört. Der hat sie bei der Hand genommen, und da ist ihre Seele ganz leise mitgegangen, richtig so, als wenn man aus einer Stube in die andre geht. So ist sie nach Hause gegangen, als wenn ein müdes Kind abends nach Hause geht. Und nun ist sie nicht mehr in einem fremden Lande. (…)
Meine Mutter war eine Tagelöhnerfrau. Aber wenn ich an ihr Sterben denke, dann ist immer etwas Feines und Stilles und Schönes in meinem Herzen, das vorher nicht da war. Aufschreiben kann ich das nicht, und sagen lässt sich das auch nicht. Aber draußen auf dem Felde muss ich manchmal mitten im Pflügen stillhalten und in mich hineinhorchen. Dann kann ich das richtig in mir hören, was meine alte Mutter zuletzt gesagt hat. (…) Ick wull, dat ick in'n Himmel wer; mi ward die Tied all lang. (…) Und dann ist mir richtig wie am Feiertag. Dann ist mir, als wenn da der Vorhang zum Heiligtum ein wenig aufgezogen wird, dass man da so'n bisschen durchsehen kann. Wenn ich dann weiterpflüge, muss ich mich darüber immer wieder wundern."
Wir sind erkannt. Und wir sind bei Gott bekannt. Wir sind erlöst, von dem, was uns bindet, weil der Tod nicht mehr das letzte Wort hat. Und dieser Trost Gottes, der beim Einzug in Jerusalem noch bejubelt wird, kann im Hier und Jetzt bereits sein Licht auf uns werfen und uns verwandeln, durch den Karfreitag hindurch hin zum Ostermorgen. Denn das will das Wort Gottes bis heute auch für uns. Wir sollten es nur zulassen und uns auf den Weg mit ihm machen.
Amen.
20130131
Martin Adel: Mit Sündern und Zöllnern am Tisch
27.01.2013 - Septuagesimä
Matthäus 9, 9-13
Schlechter Umgang färbt ab.
Liebe Gemeinde,
Schlechter Umgang färbt ab.
In meiner Jugend hörte ich oft den Song von Manfred Degenhardt: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder. Geh nicht in die Oberstadt, machs wie deine Brüder.
Färbt schlechter Umgang ab?
Bei den Kindern könnte man das ja noch verstehen. Aber gilt das bei uns Erwachsenen auch noch. Sind wir wirklich so labil, dass wir nur noch den Umgang mit Unseresgleichen aushalten?
Ich weiß nicht, ob sie es mitverfolgt haben, aber der Politiker Horst Arnold aus unserer Südstadt wurde letzten Herbst von seiner Partei zunächst nicht mehr nominiert für die Landtagswahl, weil er ein massives Alkoholproblem hatte. Doch die Familie und die Freunde haben sich nicht zurückgezogen und er nahm diesen Warnschuss zum Anlass für eine „therapeutische Behandlung.“ Er hat hart an sich gearbeitet und nun, 4 Monate nach seiner „Alkohol-Beichte“ entschuldigte er sich bei seinen Genossen, wurde wieder nominiert und wird im Herbst als Direktkandidat der Fürther SPD um den Einzug ins Münchner Maximilianeum kämpfen. (FN 21.01.2013)
Die zweite Chance! Hut ab vor dieser mutigen und verantwortungsvollen Entscheidung der Gremien. Und das Risiko ist groß: Die Meute wartet schon auf das Scheitern.
Und selbst, wenn wir wohlgesonnen sind, tauchen die Fragen auch in uns auf: Kann man ihm vertrauen? Kann man sich auf ihn verlassen? Eine letzte Chance! Wie viele Chancen bekommt einer?
Wir sind ja nicht blöd. Wir sind skeptisch. Immer skeptisch. Und Beispiele finden wir auch viele, wo eine Lebensveränderung nicht gelungen ist.
Aber, liebe Gemeinde, aber ist das unser Auftrag?
Misstrauisch sein? Skeptisch sein? ….
Wenn wir den Predigttext für den heutigen Sonntag ansehen, dann zeigt er uns einen anderen Blick.
Und der Blick ist nicht dumm oder blind, sondern er ist getragen von der großen Fürsorge und Barmherzigkeit Gottes und seinem Blick für den gescheiterten Menschen und seine „zweite Chance“.
Und wenn wir ehrlich sind, dann sitzen hier etliche unter uns mit ihrer „zweiten Chance“ – und ich zähle mich mit dazu.
Predigttext
9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.
10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. 11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? 12 Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. 13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
Bei den Sündern und Zöllnern sitzt er, bei denen, die den letzten Cent aus den Leuten herausgeholt haben, gnadenlos. Und der Protest ist groß!
Berechtigt!
Mit solchen Leuten umgibt man sich nicht. Das färbt ab. Die nutzen einen eh nur aus für die eigenen Zwecke. Die führen einen anständigen Menschen doch eh nur vor oder lachen ihn aus mit seinem Idealismus und seiner gutmütigen Art.
Mit Zöllnern und Sündern …
Das gehört sich nicht. Soll er sich lieber mit den Anständigen beschäftigen; da ist auch genug Not und Elend und Hilfe von Nöten. Da sollte er sich mal lieber zeigen.
Und dann kehrt er ausgerechnet bei diesem Zachäus ein, dem größten Halsabschneider in der Stadt.
Warum macht Jesus das?
Ganz einfach. Damit bei denen zumindest ein Anständiger am Tisch sitzt und dafür einsteht, dass es auch noch andere Meinungen und Werte gibt, als die, nach denen sie leben.
Nicht als Moralapostel – die kann keiner ausstehen; auch wir nicht. Aber als Gegen-Zeichen, dass es auch anders geht.
Und uns wurmt es bis heute, dass er nicht bei uns sitzt, den Anständigen, sondern bei denen.
Und so gibt es in unseren Gemeinden auch eher oft ein Vereinsdenken, wo man unter sich ist. Aber in so einem Klima kommt keine Offenheit auf. Und ich glaube, ich sage auch nichts Neues, dass sich in unseren Kirchen eher die Anständigen sammeln, als die Sünder und Zöllner.
Und ich meine jetzt nicht, dass wir doch alle irgendwie Sünder sind, sondern die offensichtlichen Sünder, da, wo man mit dem Finger hinzeigt, entweder direkt oder danach. Die finden bei uns keinen Platz.
Wir sind bürgerliche Gemeinden – das ist ja erst einmal nichts Schlechtes. Aber was passiert, wenn auch noch die Dippelbruder kämen, mit Fahne und ungewaschen und sich in unsere Bank setzen würde, die Betrüger, die Ehebrecher, die Schulabbrecher, die Versager …
Und dann wird gerichtet: Die wollen zum AM gehen? Der soll erst einmal vor seiner eigenen Tür kehren. Also, dass die sich hierher trauen.
Aber wie soll man sich denn verändern, wenn man keine Beispiele um sich hat, für die es sich lohnt, sich zu ändern. Wenn man keinen Platz hat, wo man hingehen kann – vorher und nachher, weil man den Ort als guten Ort erlebt hat.
In erinnerte mich bei der Vorbereitung an einen Konfirmanden, den wir nach allem Mühen von der Konfirmation ausgeschlossen hatten. Und dann sitzt er dann bei der Konfirmation plötzlich hinten in der Bank. Und ich denke noch: Der wird doch keine Randale mache. Doch alles geht gut und zwei Wochen später treffe ich ihn. Und er senkt den Blick, weil er sich etwas geniert, da er sich immer so aufgeführt hatte. Aber es hatte die Freundin von ihm konfirmiert und die wollte er begleiten. Ihm war sein Verhalten von damals peinlich, aber ich hatte mich gefreut, dass er gekommen war. Ich hatte das Gefühl, dass wir ihm im Konfi-Unterricht vermitteln konnten, dass er in der Kirche dennoch gerne willkommen ist.
Und es ist dann nicht immer gleich die Lebensveränderung angesagt, wie bei diesem Zöllner Matthäus oder bei Zachäus, der dann mitgeht und deren Leben sich völlig verändert. Das ist natürlich unsere Hoffnung, aber das sind die großen Ausnahmen, die wir nicht verhindern wollen, doch anbahnen können wir sie nur, wenn wir offen sind für die Begegnung mit dem anderen, ohne immer gleich zu wissen, was daraus werden wird.
Jesus predigt hier keine „Moral", sondern er zeigt uns, wo wir gebraucht werden: bei den Sündern – und das geht quer durch alle Schichten: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.
Das ist sein Ansatz.
Und wir gehen auch nur zu dem Arzt, bei dem wir vermuten, dass wir „gerne" gesehen sind, der uns ein Ort der Für-Sorge ist und nicht der Anklage. Ein Arzt des Vertrauens, der uns mit auf den Weg nimmt hin zu einem gesünderen Zustand. Keine Moral, sondern ein Verstehen und eine Hilfe.
Der Sünder weiß – auch wir wissen, wo wir Sünder sind – der Sünder weiß, dass er Sünder ist, doch er braucht keinen Ort der Anklage, sondern einen Ort der Fürsorge, der es ihm ermöglicht, sein Leben zu überdenken und Stückchen für Stückchen zu verändern …. Menschen, für die es sich lohnt, sein Leben noch einmal neu zu bewerten.
Und deshalb sagt Jesus hier:
»Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
Wir müssen keine Angst haben, dass es abfärbt. In Christus sind wir stark genug. Und wir müssen ja nicht selbst zu Sündern und Zöllner werden, aber wir können mutig hinsehen und hingehen zu den Schwachen, zu denen, die uns brauchen. Und bereit sein, wenn es so weit ist. Und eines ist auch sicher: Wir können oftmals nicht abschätzen, welchen Nutzen es haben wird.
Vielleicht sind wir einmal stolz darauf, dass wir mit den Sündern und Zöllnern an einem Tisch sitzen, weil Christus uns den Sinn geöffnet hat für sein Reich, das Reich Gottes.
Amen
Matthäus 9, 9-13
Schlechter Umgang färbt ab.
Liebe Gemeinde,
Schlechter Umgang färbt ab.
In meiner Jugend hörte ich oft den Song von Manfred Degenhardt: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder. Geh nicht in die Oberstadt, machs wie deine Brüder.
Färbt schlechter Umgang ab?
Bei den Kindern könnte man das ja noch verstehen. Aber gilt das bei uns Erwachsenen auch noch. Sind wir wirklich so labil, dass wir nur noch den Umgang mit Unseresgleichen aushalten?
Ich weiß nicht, ob sie es mitverfolgt haben, aber der Politiker Horst Arnold aus unserer Südstadt wurde letzten Herbst von seiner Partei zunächst nicht mehr nominiert für die Landtagswahl, weil er ein massives Alkoholproblem hatte. Doch die Familie und die Freunde haben sich nicht zurückgezogen und er nahm diesen Warnschuss zum Anlass für eine „therapeutische Behandlung.“ Er hat hart an sich gearbeitet und nun, 4 Monate nach seiner „Alkohol-Beichte“ entschuldigte er sich bei seinen Genossen, wurde wieder nominiert und wird im Herbst als Direktkandidat der Fürther SPD um den Einzug ins Münchner Maximilianeum kämpfen. (FN 21.01.2013)
Die zweite Chance! Hut ab vor dieser mutigen und verantwortungsvollen Entscheidung der Gremien. Und das Risiko ist groß: Die Meute wartet schon auf das Scheitern.
Und selbst, wenn wir wohlgesonnen sind, tauchen die Fragen auch in uns auf: Kann man ihm vertrauen? Kann man sich auf ihn verlassen? Eine letzte Chance! Wie viele Chancen bekommt einer?
Wir sind ja nicht blöd. Wir sind skeptisch. Immer skeptisch. Und Beispiele finden wir auch viele, wo eine Lebensveränderung nicht gelungen ist.
Aber, liebe Gemeinde, aber ist das unser Auftrag?
Misstrauisch sein? Skeptisch sein? ….
Wenn wir den Predigttext für den heutigen Sonntag ansehen, dann zeigt er uns einen anderen Blick.
Und der Blick ist nicht dumm oder blind, sondern er ist getragen von der großen Fürsorge und Barmherzigkeit Gottes und seinem Blick für den gescheiterten Menschen und seine „zweite Chance“.
Und wenn wir ehrlich sind, dann sitzen hier etliche unter uns mit ihrer „zweiten Chance“ – und ich zähle mich mit dazu.
Predigttext
9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.
10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. 11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? 12 Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. 13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
Bei den Sündern und Zöllnern sitzt er, bei denen, die den letzten Cent aus den Leuten herausgeholt haben, gnadenlos. Und der Protest ist groß!
Berechtigt!
Mit solchen Leuten umgibt man sich nicht. Das färbt ab. Die nutzen einen eh nur aus für die eigenen Zwecke. Die führen einen anständigen Menschen doch eh nur vor oder lachen ihn aus mit seinem Idealismus und seiner gutmütigen Art.
Mit Zöllnern und Sündern …
Das gehört sich nicht. Soll er sich lieber mit den Anständigen beschäftigen; da ist auch genug Not und Elend und Hilfe von Nöten. Da sollte er sich mal lieber zeigen.
Und dann kehrt er ausgerechnet bei diesem Zachäus ein, dem größten Halsabschneider in der Stadt.
Warum macht Jesus das?
Ganz einfach. Damit bei denen zumindest ein Anständiger am Tisch sitzt und dafür einsteht, dass es auch noch andere Meinungen und Werte gibt, als die, nach denen sie leben.
Nicht als Moralapostel – die kann keiner ausstehen; auch wir nicht. Aber als Gegen-Zeichen, dass es auch anders geht.
Und uns wurmt es bis heute, dass er nicht bei uns sitzt, den Anständigen, sondern bei denen.
Und so gibt es in unseren Gemeinden auch eher oft ein Vereinsdenken, wo man unter sich ist. Aber in so einem Klima kommt keine Offenheit auf. Und ich glaube, ich sage auch nichts Neues, dass sich in unseren Kirchen eher die Anständigen sammeln, als die Sünder und Zöllner.
Und ich meine jetzt nicht, dass wir doch alle irgendwie Sünder sind, sondern die offensichtlichen Sünder, da, wo man mit dem Finger hinzeigt, entweder direkt oder danach. Die finden bei uns keinen Platz.
Wir sind bürgerliche Gemeinden – das ist ja erst einmal nichts Schlechtes. Aber was passiert, wenn auch noch die Dippelbruder kämen, mit Fahne und ungewaschen und sich in unsere Bank setzen würde, die Betrüger, die Ehebrecher, die Schulabbrecher, die Versager …
Und dann wird gerichtet: Die wollen zum AM gehen? Der soll erst einmal vor seiner eigenen Tür kehren. Also, dass die sich hierher trauen.
Aber wie soll man sich denn verändern, wenn man keine Beispiele um sich hat, für die es sich lohnt, sich zu ändern. Wenn man keinen Platz hat, wo man hingehen kann – vorher und nachher, weil man den Ort als guten Ort erlebt hat.
In erinnerte mich bei der Vorbereitung an einen Konfirmanden, den wir nach allem Mühen von der Konfirmation ausgeschlossen hatten. Und dann sitzt er dann bei der Konfirmation plötzlich hinten in der Bank. Und ich denke noch: Der wird doch keine Randale mache. Doch alles geht gut und zwei Wochen später treffe ich ihn. Und er senkt den Blick, weil er sich etwas geniert, da er sich immer so aufgeführt hatte. Aber es hatte die Freundin von ihm konfirmiert und die wollte er begleiten. Ihm war sein Verhalten von damals peinlich, aber ich hatte mich gefreut, dass er gekommen war. Ich hatte das Gefühl, dass wir ihm im Konfi-Unterricht vermitteln konnten, dass er in der Kirche dennoch gerne willkommen ist.
Und es ist dann nicht immer gleich die Lebensveränderung angesagt, wie bei diesem Zöllner Matthäus oder bei Zachäus, der dann mitgeht und deren Leben sich völlig verändert. Das ist natürlich unsere Hoffnung, aber das sind die großen Ausnahmen, die wir nicht verhindern wollen, doch anbahnen können wir sie nur, wenn wir offen sind für die Begegnung mit dem anderen, ohne immer gleich zu wissen, was daraus werden wird.
Jesus predigt hier keine „Moral", sondern er zeigt uns, wo wir gebraucht werden: bei den Sündern – und das geht quer durch alle Schichten: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.
Das ist sein Ansatz.
Und wir gehen auch nur zu dem Arzt, bei dem wir vermuten, dass wir „gerne" gesehen sind, der uns ein Ort der Für-Sorge ist und nicht der Anklage. Ein Arzt des Vertrauens, der uns mit auf den Weg nimmt hin zu einem gesünderen Zustand. Keine Moral, sondern ein Verstehen und eine Hilfe.
Der Sünder weiß – auch wir wissen, wo wir Sünder sind – der Sünder weiß, dass er Sünder ist, doch er braucht keinen Ort der Anklage, sondern einen Ort der Fürsorge, der es ihm ermöglicht, sein Leben zu überdenken und Stückchen für Stückchen zu verändern …. Menschen, für die es sich lohnt, sein Leben noch einmal neu zu bewerten.
Und deshalb sagt Jesus hier:
»Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
Wir müssen keine Angst haben, dass es abfärbt. In Christus sind wir stark genug. Und wir müssen ja nicht selbst zu Sündern und Zöllner werden, aber wir können mutig hinsehen und hingehen zu den Schwachen, zu denen, die uns brauchen. Und bereit sein, wenn es so weit ist. Und eines ist auch sicher: Wir können oftmals nicht abschätzen, welchen Nutzen es haben wird.
Vielleicht sind wir einmal stolz darauf, dass wir mit den Sündern und Zöllnern an einem Tisch sitzen, weil Christus uns den Sinn geöffnet hat für sein Reich, das Reich Gottes.
Amen
20130123
Martin Adel: Weihnachten ist kein Spiel
24.12.2012 - Heiliger Abend
Christmette
Hesekiel 37,24-28
Liebe Gemeinde,
Weihnachten ist kein Spiel. Wenn Weihnachten zum Spiel wird, dann sitzen wir spätestens jetzt gefrustet zu Hause, weil das Geschenk falsch war oder das Essen nicht gepasst hat oder alle nur rumgenörgelt haben oder der Pate sein Patenkind wieder vergessen hat oder weil einen der Krampf des Familienidylls eh schon immer aufregt.
Wenn Weihnachten ein Spiel ist, dann ist das das Ergebnis.
Aber: Weihnachten ist kein Spiel, sondern Weihnachten ist die Realität Gottes, der in unsere Welt kommt und all das markiert, was nicht in Ordnung ist.
Die Christnacht ist der Protest Gottes über die Gebrochenheit der Welt und ihre Brutalität und ihre Zerstörungswut. Und deshalb gehört zu Weihnachten auch ein Erschrecken über den Amoklauf an der amerikanischen Grundschule und der Ärger über unser Land, dass wir uns trotz der Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg schon wieder zum drittgrößten Waffenexporteur der Welt gemausert haben. Und Weihnachten ist auch das erschaudern über eigene Schuld und eigenes Versagen und den Trümmerhaufen meiner Existenz oder meiner Familie.
Weihnachten ist kein Spiel, sondern der starke Halt Gottes, um es mit der Realität überhaupt immer wieder aufnehmen zu können.
Denn Weihnachten ist das Zeichen Gottes für eine andere Welt. Also hat Gott die Welt geliebt …. Und nicht der Mensch hat es sich ausgedacht, sondern Gott hat sich uns eingepflockt und sich mit uns auf immer verbunden, dort in Bethlehem, im Stall und dann auf Golgotha versiegelt.
Hes 37,24-28
24 Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun.
25 Und sie sollen wieder in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen für immer, und mein Knecht David soll für immer ihr Fürst sein. 26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer.
27 Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein, 28 damit auch die Heiden erfahren, dass ich der HERR bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird.
Und wir können uns sicher sein: Das wollten damals genauso wenige wie heute. Christus, der Gesalbte, der Immanuel – der Gott mit uns. In einem dreckigen Stall. Gott wird Mensch. Da kann man ja nur lachen.
Und deshalb hören wir es auch schon draußen wieder grölen und in den Kneipen sind die Tresen bereits bestens gefüllt und es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die stillen Tage dem Druck der Öffentlichkeit weichen müssen, damit die Dauerberieselungsparty lückenlos weiter gehen kann.
Manche sagen: Die sind zu mindestens ehrlich. Ich finde das eine traurige Ehrlichkeit.
Ein Schüler meiner 12 Klasse an der Fachoberschule sagte diese Woche im Unterricht: Letztes Jahr sind wir um 20 Uhr dann los gezogen und zu einer LAN-Party gegangen. Zuhause war ja eh nichts mehr los.
Das ist die Realität, wenn Weihnachten zum Spiel wird. Dann schaut jeder nur noch, wie er diese sinnentleerten Tage schnell herum bringt, damit es endlich wieder normal weitergehen kann.
Wir hatten in diesem Dezember neben den erfreulichen Ereignissen wie der Einführung des neuen Kirchenvorstands oder Einweihung des neuen Gemeindehauses auch noch 12 Beerdigungen und es war viel Versäumtes und Zerstörtes dabei, egal ob nun durch Alkohol oder Geldgier, Boshaftigkeit oder Verbitterung.
Darum drehen ja in der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest so viele Leute durch, weil wir uns in der Vorbereitung „auf das Heil der Welt“ bewusst werden, wie vieles in unserem Leben nicht heil ist.
Und deshalb ist es so segensreich, dass Weihnachten kein Spiel ist, sondern Gott ernst macht und in unsere unheile Welt kommt, damit wir Frieden finden in einer unfriedlichen Welt.
An Weihnachten merken wir immer wieder, dass wir alleine die Welt in ihrer Zerrissenheit und in ihrem Unfrieden nicht ertragen können und uns oftmals auch nicht am eigenen Schopf aus diesem Elend heraus ziehen können. Deshalb brauchen wir einen viel stärkeren an unserer Seite, diesen Christus, den Immanuel, den Gott mit uns, damit wir aus seinem Frieden schöpfen können und daraus immer wieder zum Frieden in uns und für die Welt zurück finden.
Liebe Gemeinde,
das ist die immerwährende Wahrheit und das wahre Geschenk Gottes an uns zu Weihnachten, dass wir uns neben allem Feiern unterm Weihnachtsbaum und an der Krippe vergewissern dürfen, was Gott mit uns vorhat:
24 Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun.
… 26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer. 27 Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein
Die LAN-Party ist keine Alternative – sie ist auch nur eine andere Spiel-Form der Verdrängung und ein Versuch, sich in sein vertrautes Schneckenhaus zurück zu ziehen, wo man es sich gemütlich eingerichtet hat.
Aber das spürte anscheinend auch mein Schüler, weil er weiter sagte: Aber das war böse. Ziemlich böse. Und wir haben heuer beschlossen, dass wir in diesem Jahr wieder etwas als Familie gemeinsam machen.
Amen
Christmette
Hesekiel 37,24-28
Liebe Gemeinde,
Weihnachten ist kein Spiel. Wenn Weihnachten zum Spiel wird, dann sitzen wir spätestens jetzt gefrustet zu Hause, weil das Geschenk falsch war oder das Essen nicht gepasst hat oder alle nur rumgenörgelt haben oder der Pate sein Patenkind wieder vergessen hat oder weil einen der Krampf des Familienidylls eh schon immer aufregt.
Wenn Weihnachten ein Spiel ist, dann ist das das Ergebnis.
Aber: Weihnachten ist kein Spiel, sondern Weihnachten ist die Realität Gottes, der in unsere Welt kommt und all das markiert, was nicht in Ordnung ist.
Die Christnacht ist der Protest Gottes über die Gebrochenheit der Welt und ihre Brutalität und ihre Zerstörungswut. Und deshalb gehört zu Weihnachten auch ein Erschrecken über den Amoklauf an der amerikanischen Grundschule und der Ärger über unser Land, dass wir uns trotz der Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg schon wieder zum drittgrößten Waffenexporteur der Welt gemausert haben. Und Weihnachten ist auch das erschaudern über eigene Schuld und eigenes Versagen und den Trümmerhaufen meiner Existenz oder meiner Familie.
Weihnachten ist kein Spiel, sondern der starke Halt Gottes, um es mit der Realität überhaupt immer wieder aufnehmen zu können.
Denn Weihnachten ist das Zeichen Gottes für eine andere Welt. Also hat Gott die Welt geliebt …. Und nicht der Mensch hat es sich ausgedacht, sondern Gott hat sich uns eingepflockt und sich mit uns auf immer verbunden, dort in Bethlehem, im Stall und dann auf Golgotha versiegelt.
Hes 37,24-28
24 Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun.
25 Und sie sollen wieder in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen für immer, und mein Knecht David soll für immer ihr Fürst sein. 26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer.
27 Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein, 28 damit auch die Heiden erfahren, dass ich der HERR bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird.
Und wir können uns sicher sein: Das wollten damals genauso wenige wie heute. Christus, der Gesalbte, der Immanuel – der Gott mit uns. In einem dreckigen Stall. Gott wird Mensch. Da kann man ja nur lachen.
Und deshalb hören wir es auch schon draußen wieder grölen und in den Kneipen sind die Tresen bereits bestens gefüllt und es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die stillen Tage dem Druck der Öffentlichkeit weichen müssen, damit die Dauerberieselungsparty lückenlos weiter gehen kann.
Manche sagen: Die sind zu mindestens ehrlich. Ich finde das eine traurige Ehrlichkeit.
Ein Schüler meiner 12 Klasse an der Fachoberschule sagte diese Woche im Unterricht: Letztes Jahr sind wir um 20 Uhr dann los gezogen und zu einer LAN-Party gegangen. Zuhause war ja eh nichts mehr los.
Das ist die Realität, wenn Weihnachten zum Spiel wird. Dann schaut jeder nur noch, wie er diese sinnentleerten Tage schnell herum bringt, damit es endlich wieder normal weitergehen kann.
Wir hatten in diesem Dezember neben den erfreulichen Ereignissen wie der Einführung des neuen Kirchenvorstands oder Einweihung des neuen Gemeindehauses auch noch 12 Beerdigungen und es war viel Versäumtes und Zerstörtes dabei, egal ob nun durch Alkohol oder Geldgier, Boshaftigkeit oder Verbitterung.
Darum drehen ja in der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest so viele Leute durch, weil wir uns in der Vorbereitung „auf das Heil der Welt“ bewusst werden, wie vieles in unserem Leben nicht heil ist.
Und deshalb ist es so segensreich, dass Weihnachten kein Spiel ist, sondern Gott ernst macht und in unsere unheile Welt kommt, damit wir Frieden finden in einer unfriedlichen Welt.
An Weihnachten merken wir immer wieder, dass wir alleine die Welt in ihrer Zerrissenheit und in ihrem Unfrieden nicht ertragen können und uns oftmals auch nicht am eigenen Schopf aus diesem Elend heraus ziehen können. Deshalb brauchen wir einen viel stärkeren an unserer Seite, diesen Christus, den Immanuel, den Gott mit uns, damit wir aus seinem Frieden schöpfen können und daraus immer wieder zum Frieden in uns und für die Welt zurück finden.
Liebe Gemeinde,
das ist die immerwährende Wahrheit und das wahre Geschenk Gottes an uns zu Weihnachten, dass wir uns neben allem Feiern unterm Weihnachtsbaum und an der Krippe vergewissern dürfen, was Gott mit uns vorhat:
24 Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun.
… 26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer. 27 Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein
Die LAN-Party ist keine Alternative – sie ist auch nur eine andere Spiel-Form der Verdrängung und ein Versuch, sich in sein vertrautes Schneckenhaus zurück zu ziehen, wo man es sich gemütlich eingerichtet hat.
Aber das spürte anscheinend auch mein Schüler, weil er weiter sagte: Aber das war böse. Ziemlich böse. Und wir haben heuer beschlossen, dass wir in diesem Jahr wieder etwas als Familie gemeinsam machen.
Amen
Martin Adel: Einweihung Gemeindehaus
Sonntag 16.12.2012 - 3. Advent
Predigt – Teil 1: Dialog mit der Handpuppen (Christian + Vera)
Einweihung Gemeindehaus St. Paul - Anspiel
Material: 2 Handpuppen (Junge ca. 7 Jahre alt, Mädchen ca. 10 Jahre alt)
Spieler: Christian Krause und Vera Ostermayer
Junge und Mädchen schauen sich mit aufgerissenem Mund um
J: Ist das cool
M: Ist das ne` Kirche
J: Wieso?
M: Na, ganz schön groß – und da oben sitzen Leute auf dem Balkon.
J: Ne, ne Kirche ist das nicht. Am Eingang steht G E M E I N D E H A U S.
Aber was denn das?
M: Na, halt ein Haus für die Gemeinde!
J: Und wer ist das: Gemeinde?
M: Weiß ich nicht genau. Aber da sind ja genügen, die man fragen kann.
J: Ich frag mal. Junge geht herum und fragt die Leute
M: Also, die Gemeinde das sind die Leute, die da in der Gegend wohnen oder die gerne hier wohnen würden – und die an Jesus glauben.
J: Dann gehör`n wir auch dazu. Ich ziehe hier ein!
M: Ich glaube, man soll schon zuhause wohnen bleiben. Aber man kann sich hier treffen.
J: Und was macht man dann da so?
M: Naja, Gottesdienst feiern kann man hier. Ist nicht so kalt, wie in der Kirche. Und was besprechen. Und was basteln. Da war’n doch vorhin Leute, die sich vorgestellt haben. Die wollen hierher kommen.
J: Du meinst, die Oma trifft sich hier auch?
M: Na klar.
J: Und Mama und Papa auch?
M: Warum nicht?
J: Junge macht ein Knautschgesicht
M: Was hast du denn?
J: Ich will mich hier auch treffen – aber nicht mit Oma oder Mama und Papa!
M: Da musst du mit der Steffi reden. Du kannst dich doch hier an einem anderen Tag treffen.
J: Junge überlegt, kratzt sich am Kopf.
Aber warum trifft man sich dann hier?
M: Da unten am Aufzug steht auf dem Stein „Christus der Grund“
J: Du meinst, die haben das ganze Haus auf den drauf gebaut?
Hält der das aus? oder Geht so was? oder Dann ist er aber ganz schön platt!
M: Ne, ich glaube das ist anders gemeint. Der ist schuld, dass sich die Leute hier treffen wollen.
J: Mhhh. Kratzt sich am Kopf
Naja scheint was dran zu sein. Sind ja heute ganz schön viele Leute da!
Predigt – Teil 2: Jes 40,1-8.9-11 (Martin)
Predigt: Jes 40,1-8 (9-11)
Wochenspruch: Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, er kommt gewaltig. Jes 40,3.10
40 1 Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden.
3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.
6 Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.
9 Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; 10 siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.
11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.
Liebe Gemeinde,
wie oft kann man in einer Gemeinde so ein Fest feiern. Die Einweihung eines neuen Gemeindehauses.
Erinnerungen: 1965?
Und was ist so ein Gemeindehaus für ein Segen. Sie sehen mich nicht nur erschöpft und die Kollegen auch, sondern sie sehen uns auch voller tiefer Dankbarkeit, dass dieser Tag gekommen ist. (Altar, Kreuz, Klavier, Spendenstand …)
Wir haben überlegt, welches geistliche Worte wir für den heutigen Tag nehmen sollen und sind dann zum Schluss gekommen, dass es der für diesen Sonntag, den 3. Advent verordnete Predigttext sein soll – einen Adventstext aus alter Zeit. Nicht so leichtfüßig, wie die zwei vorhin gespielt haben, aber genauso weitreichend und grundlegend, vom Grund aus gedacht.
Und dann geht es los im Buch des Propheten Jesaja, im 40 Kapitel:
40 1 Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden.
Ja, getröstet mussten wir werden, nach den vielen Jahren des Ringens und Hin- und Herüberlegens und des Stillstands und des Kräftetraubs.
Und wir sind getröstet worden.
Es ist eine Gnade, was wir heute übergeben bekommen. Ein Trost – Gottes Trost. Wissen wir das? Denn die Knechtschaft hat ein Ende. Ja, auch unsere Knechtschaft, gefangen im Gezänk und im Streit der Gruppen und Kreise, wo einer mit dem anderen nichts anfangen kann und bezweifelt, ob er richtig glaubt oder dazu gehört. Und wir haben uns gegenseitig blockiert und erschöpft. Bis heute haben wir uns nur schwer davon erholt und viele haben wir darüber verloren. Doch diese Zeit ist vorbei.
40 1 Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist.
Das ist eine Zusage Gottes an uns alle. Und dieses Haus ist in meinen Augen ein Versöhnungszeichen. So wie wir es vorhin gesungen haben:
Es gibt Versöhnung selbst für Feinde und echten Frieden nach dem Streit,
Vergebung für die schlimmsten Sünden, ein neuer Anfang jederzeit.
Es gibt ein ewges Reich des Friedens. In unsrer Mitte lebt es schon: ein Stück vom Himmel hier auf Erden in Jesus Christus, Gottes Sohn.
Das Alte haben wir damals schon abgelegt, im März 2009 auf der Kirchenvorstandsfreizeit in Bad Alexandersbad, nicht 1000 Wenn und Abers oder Wenn die hier, dann wir dort und Fragen über Fragen, sondern mit zwei Fragen sind wir hingefahren:
Wollen wir ein neues Gemeindehaus?
Wo soll es stehen?
Und eines war damals klar, all unser Überlegen – egal, wo er sich dazu zählte - gründete auf dem tiefen Glauben, dass es sich lohn, sich für Gottes Gemeinde zu mühen und ein Haus für Jung und Alt, für Einheimisch und Fremde zu bauen.
Und es sollte am Paulsplatz stehen – die Paulskirche, unsere gemeinsame und sichtbare Mitte. „Christus der Grund“ – so wie es auf der Grundsteinplatte unten im EG steht.
Und was dann danach kam, das entspricht schon fast dem, was Jesaja sagt:
3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden;
Das ist ja nichts anderes als eine riesige Baustelle. Der verwilderte Pfarrgarten – diese grüne Wüste wurde damals zu unserem Einzug hergerichtet und auch, wenn wir alle im Pfarrhaus die Gärten nur sehr ungern aufgegeben haben, war das Ziel dahinter wichtiger. Ein neuer Anfang für die Gemeinde, hier am Paulsplatz.
Und dann wurde geplant und überlegt, ein Architektenwettbewerb im Juli 2010 – da hatten wir das alte Gemeindehaus bereits verkauft. So mutig waren wir – was wäre gewesen, wenn es nicht geklappt hätte?
Für manches gibt es keine Sicherheiten. Für manches braucht es neben dem kühlen Verstand zunächst nur den Mut und das Vertrauen, dass es werden wird.
Gott-Vertrauen.
Und dann rollten die Bagger im Sommer 2011 - die Bodenproben des Sprengkommandos - und alles Unebene wurde gerade gemacht – für das Fundament!
Und mit der Entscheidung für das Architekturbüro Bernhard Heid war eines auch gesichter, von Anfang an: Es sollte ein „geistliches“ Haus werden – Winterkirche, das Herzstück des Entwurfes war dieser Saal – als multifunktionaler Raum, aber immer auch als sakraler Raum, die Lichtkuppel, die „Altarwand“, die Empore, die hohen „gotischen“ Fenster.
5 Denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.
Oben ein leichtes Kreuz in der Kuppel des Lichtgrabens und auf der hohen Sandsteinrückwand ein dezentes Kreuz-Relief in Sandstein.
Ein Haus zum Feiern und Beten!
Das sollte es sein. Und so ist es geworden.
Und zwischendurch überkommen den einen oder anderen dann auf der Strecke ganz andere Stimmungen. Der Zweifel, das Zagen, ist es richtig, machen wir es richtig.
Man möge bedenken: Wir haben verkauft, bevor wir überhaupt wussten, was wir bauen werden, ob Baugenehmigung, geschweige denn die Finanzierung.
6 Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt.
Das sind die depressiven Phasen, wenn übers viele Geld lamentiert wird oder dann über die Fassade, die nie halten wird und den Sichtbeton und die Trennwand und überhaupt …
Und manchmal übersteigt es die Kräfte und man wird laut oder unsicher. Und dann muss man wieder innehalten und beten und fragen: Was gilt? Was trägt? Lohnt es sich? Kann es gelingen? Stimmt Gottes Wort – tröstet, tröstet mein Volk oder wie er hier heißt:
Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt – doch dieses Wort geht weiter: aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.
Keine Traumtänzereien, aber das Gefühl, die innere Gewissheit: Das ist der richtige Weg. (OB, Stadtbaurat Krause kennen das!) Und wir hatten starke Verbündete, Menschen, Institutionen, die an uns glaubten, dass wir das schaffen, dass wir das gemeinsam schaffen, dass man uns hier unterstützen muss für unsere Zukunft als Gemeinde. Dr. Hübner, Klaus Klemm, GKV, Dekane – Höchstädter und Sichelstiel, Stadtbaurat Krause, OB Jung ..
Und nun ist es geworden. Schauen Sie sich um.
Und es liegt an uns, was wir daraus machen und dass wir es umsetzen, was da vorhin gespielt und gesagt wurde – wozu eine Gemeinde ein Gemeindehaus braucht.
Und so heißt es weiter:
9 Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; 10 siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.
11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.
Lassen sie uns dieses Haus mit Leben erfüllen, weil Gott ein Gott des Lebens ist, immer egal, ob es um Tauffeiern oder das Tränenbrot geht. Die Tafel, die Armenspeisung ist das eine, der Unterricht, die Unterweisung, das Lernen und Nachsinnen über Gottes Wort – nicht nur für die Jungen, ist das andere.
Die Gemeinschaft pflegen, die Einsamkeiten aufbrechen, den Nächsten hier und in der Ferne im Blick haben.
Weil Gottes Wort gilt – auch für uns und über uns:
11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.
Das sollen wir uns wünschen, damit wir ein leuchtender Ort sind und noch mehr werden, nicht nur für uns als Gemeinde, sondern für die ganze Südstadt.
Die Steine, bzw. der Stahlbeton allein ist´s nicht, aber mit und in den Steinen können wir das Leben, wozu wir berufen sind.
Und deshalb singen wir:
Nun jauchzet, all ihr Frommen, zu dieser Gnadenzeit.
Amen.
Predigt – Teil 1: Dialog mit der Handpuppen (Christian + Vera)
Einweihung Gemeindehaus St. Paul - Anspiel
Material: 2 Handpuppen (Junge ca. 7 Jahre alt, Mädchen ca. 10 Jahre alt)
Spieler: Christian Krause und Vera Ostermayer
Junge und Mädchen schauen sich mit aufgerissenem Mund um
J: Ist das cool
M: Ist das ne` Kirche
J: Wieso?
M: Na, ganz schön groß – und da oben sitzen Leute auf dem Balkon.
J: Ne, ne Kirche ist das nicht. Am Eingang steht G E M E I N D E H A U S.
Aber was denn das?
M: Na, halt ein Haus für die Gemeinde!
J: Und wer ist das: Gemeinde?
M: Weiß ich nicht genau. Aber da sind ja genügen, die man fragen kann.
J: Ich frag mal. Junge geht herum und fragt die Leute
M: Also, die Gemeinde das sind die Leute, die da in der Gegend wohnen oder die gerne hier wohnen würden – und die an Jesus glauben.
J: Dann gehör`n wir auch dazu. Ich ziehe hier ein!
M: Ich glaube, man soll schon zuhause wohnen bleiben. Aber man kann sich hier treffen.
J: Und was macht man dann da so?
M: Naja, Gottesdienst feiern kann man hier. Ist nicht so kalt, wie in der Kirche. Und was besprechen. Und was basteln. Da war’n doch vorhin Leute, die sich vorgestellt haben. Die wollen hierher kommen.
J: Du meinst, die Oma trifft sich hier auch?
M: Na klar.
J: Und Mama und Papa auch?
M: Warum nicht?
J: Junge macht ein Knautschgesicht
M: Was hast du denn?
J: Ich will mich hier auch treffen – aber nicht mit Oma oder Mama und Papa!
M: Da musst du mit der Steffi reden. Du kannst dich doch hier an einem anderen Tag treffen.
J: Junge überlegt, kratzt sich am Kopf.
Aber warum trifft man sich dann hier?
M: Da unten am Aufzug steht auf dem Stein „Christus der Grund“
J: Du meinst, die haben das ganze Haus auf den drauf gebaut?
Hält der das aus? oder Geht so was? oder Dann ist er aber ganz schön platt!
M: Ne, ich glaube das ist anders gemeint. Der ist schuld, dass sich die Leute hier treffen wollen.
J: Mhhh. Kratzt sich am Kopf
Naja scheint was dran zu sein. Sind ja heute ganz schön viele Leute da!
Predigt – Teil 2: Jes 40,1-8.9-11 (Martin)
Predigt: Jes 40,1-8 (9-11)
Wochenspruch: Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, er kommt gewaltig. Jes 40,3.10
40 1 Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden.
3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.
6 Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.
9 Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; 10 siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.
11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.
Liebe Gemeinde,
wie oft kann man in einer Gemeinde so ein Fest feiern. Die Einweihung eines neuen Gemeindehauses.
Erinnerungen: 1965?
Und was ist so ein Gemeindehaus für ein Segen. Sie sehen mich nicht nur erschöpft und die Kollegen auch, sondern sie sehen uns auch voller tiefer Dankbarkeit, dass dieser Tag gekommen ist. (Altar, Kreuz, Klavier, Spendenstand …)
Wir haben überlegt, welches geistliche Worte wir für den heutigen Tag nehmen sollen und sind dann zum Schluss gekommen, dass es der für diesen Sonntag, den 3. Advent verordnete Predigttext sein soll – einen Adventstext aus alter Zeit. Nicht so leichtfüßig, wie die zwei vorhin gespielt haben, aber genauso weitreichend und grundlegend, vom Grund aus gedacht.
Und dann geht es los im Buch des Propheten Jesaja, im 40 Kapitel:
40 1 Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden.
Ja, getröstet mussten wir werden, nach den vielen Jahren des Ringens und Hin- und Herüberlegens und des Stillstands und des Kräftetraubs.
Und wir sind getröstet worden.
Es ist eine Gnade, was wir heute übergeben bekommen. Ein Trost – Gottes Trost. Wissen wir das? Denn die Knechtschaft hat ein Ende. Ja, auch unsere Knechtschaft, gefangen im Gezänk und im Streit der Gruppen und Kreise, wo einer mit dem anderen nichts anfangen kann und bezweifelt, ob er richtig glaubt oder dazu gehört. Und wir haben uns gegenseitig blockiert und erschöpft. Bis heute haben wir uns nur schwer davon erholt und viele haben wir darüber verloren. Doch diese Zeit ist vorbei.
40 1 Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist.
Das ist eine Zusage Gottes an uns alle. Und dieses Haus ist in meinen Augen ein Versöhnungszeichen. So wie wir es vorhin gesungen haben:
Es gibt Versöhnung selbst für Feinde und echten Frieden nach dem Streit,
Vergebung für die schlimmsten Sünden, ein neuer Anfang jederzeit.
Es gibt ein ewges Reich des Friedens. In unsrer Mitte lebt es schon: ein Stück vom Himmel hier auf Erden in Jesus Christus, Gottes Sohn.
Das Alte haben wir damals schon abgelegt, im März 2009 auf der Kirchenvorstandsfreizeit in Bad Alexandersbad, nicht 1000 Wenn und Abers oder Wenn die hier, dann wir dort und Fragen über Fragen, sondern mit zwei Fragen sind wir hingefahren:
Wollen wir ein neues Gemeindehaus?
Wo soll es stehen?
Und eines war damals klar, all unser Überlegen – egal, wo er sich dazu zählte - gründete auf dem tiefen Glauben, dass es sich lohn, sich für Gottes Gemeinde zu mühen und ein Haus für Jung und Alt, für Einheimisch und Fremde zu bauen.
Und es sollte am Paulsplatz stehen – die Paulskirche, unsere gemeinsame und sichtbare Mitte. „Christus der Grund“ – so wie es auf der Grundsteinplatte unten im EG steht.
Und was dann danach kam, das entspricht schon fast dem, was Jesaja sagt:
3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden;
Das ist ja nichts anderes als eine riesige Baustelle. Der verwilderte Pfarrgarten – diese grüne Wüste wurde damals zu unserem Einzug hergerichtet und auch, wenn wir alle im Pfarrhaus die Gärten nur sehr ungern aufgegeben haben, war das Ziel dahinter wichtiger. Ein neuer Anfang für die Gemeinde, hier am Paulsplatz.
Und dann wurde geplant und überlegt, ein Architektenwettbewerb im Juli 2010 – da hatten wir das alte Gemeindehaus bereits verkauft. So mutig waren wir – was wäre gewesen, wenn es nicht geklappt hätte?
Für manches gibt es keine Sicherheiten. Für manches braucht es neben dem kühlen Verstand zunächst nur den Mut und das Vertrauen, dass es werden wird.
Gott-Vertrauen.
Und dann rollten die Bagger im Sommer 2011 - die Bodenproben des Sprengkommandos - und alles Unebene wurde gerade gemacht – für das Fundament!
Und mit der Entscheidung für das Architekturbüro Bernhard Heid war eines auch gesichter, von Anfang an: Es sollte ein „geistliches“ Haus werden – Winterkirche, das Herzstück des Entwurfes war dieser Saal – als multifunktionaler Raum, aber immer auch als sakraler Raum, die Lichtkuppel, die „Altarwand“, die Empore, die hohen „gotischen“ Fenster.
5 Denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.
Oben ein leichtes Kreuz in der Kuppel des Lichtgrabens und auf der hohen Sandsteinrückwand ein dezentes Kreuz-Relief in Sandstein.
Ein Haus zum Feiern und Beten!
Das sollte es sein. Und so ist es geworden.
Und zwischendurch überkommen den einen oder anderen dann auf der Strecke ganz andere Stimmungen. Der Zweifel, das Zagen, ist es richtig, machen wir es richtig.
Man möge bedenken: Wir haben verkauft, bevor wir überhaupt wussten, was wir bauen werden, ob Baugenehmigung, geschweige denn die Finanzierung.
6 Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt.
Das sind die depressiven Phasen, wenn übers viele Geld lamentiert wird oder dann über die Fassade, die nie halten wird und den Sichtbeton und die Trennwand und überhaupt …
Und manchmal übersteigt es die Kräfte und man wird laut oder unsicher. Und dann muss man wieder innehalten und beten und fragen: Was gilt? Was trägt? Lohnt es sich? Kann es gelingen? Stimmt Gottes Wort – tröstet, tröstet mein Volk oder wie er hier heißt:
Ja, Gras ist das Volk! 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt – doch dieses Wort geht weiter: aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.
Keine Traumtänzereien, aber das Gefühl, die innere Gewissheit: Das ist der richtige Weg. (OB, Stadtbaurat Krause kennen das!) Und wir hatten starke Verbündete, Menschen, Institutionen, die an uns glaubten, dass wir das schaffen, dass wir das gemeinsam schaffen, dass man uns hier unterstützen muss für unsere Zukunft als Gemeinde. Dr. Hübner, Klaus Klemm, GKV, Dekane – Höchstädter und Sichelstiel, Stadtbaurat Krause, OB Jung ..
Und nun ist es geworden. Schauen Sie sich um.
Und es liegt an uns, was wir daraus machen und dass wir es umsetzen, was da vorhin gespielt und gesagt wurde – wozu eine Gemeinde ein Gemeindehaus braucht.
Und so heißt es weiter:
9 Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; 10 siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.
11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.
Lassen sie uns dieses Haus mit Leben erfüllen, weil Gott ein Gott des Lebens ist, immer egal, ob es um Tauffeiern oder das Tränenbrot geht. Die Tafel, die Armenspeisung ist das eine, der Unterricht, die Unterweisung, das Lernen und Nachsinnen über Gottes Wort – nicht nur für die Jungen, ist das andere.
Die Gemeinschaft pflegen, die Einsamkeiten aufbrechen, den Nächsten hier und in der Ferne im Blick haben.
Weil Gottes Wort gilt – auch für uns und über uns:
11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.
Das sollen wir uns wünschen, damit wir ein leuchtender Ort sind und noch mehr werden, nicht nur für uns als Gemeinde, sondern für die ganze Südstadt.
Die Steine, bzw. der Stahlbeton allein ist´s nicht, aber mit und in den Steinen können wir das Leben, wozu wir berufen sind.
Und deshalb singen wir:
Nun jauchzet, all ihr Frommen, zu dieser Gnadenzeit.
Amen.
20120625
Martin Adel: Psalm 23 und moderne Psalmen von SAID
Sonntag 17.06.2012 2. Sonntag. n. Trinitatis
„Herr breite deine Arme aus“
Liebe Gemeinde,
es ist wohl der bekanntest Psalm überhaupt, dieser Psalm Davids: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Die Konfirmanden lernen ihn bis heute noch auswendig und die meisten Menschen, die ich besuche können neben dem VU und dem Glaubensbekenntnis auch den Ps 23.
150 Psalmen kennt die Bibel. Lieder und Gedichte aus alter Zeit. Keine Gideonbibel, die in den Hotels auf der ganzen Welt verteilt sind, die nicht auch die Psalmen enthält. In jedem Gottesdienst singen wir mit dem Introitus ein Psalmwort „Sei mir ein starker Fels … - Herr, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zu schanden werden“ (Ps 31) und auch vorhin das zweite Lied: „Nun lob, mein Seel, den Herren“ (Ps 103)
Oder die Lieder und Gesänge aus Taize – Stücke auf den Psalmen wie: Freuet euch im Herrn, freuet euch im Herrn (Ps 33)
Die großen Themen der Psalmen sind:
Gnade (50x) Treue (60x) Hilfe (50x) Himmel (50x), Hören (50x)
Das Bild des Hirten kommt interessanter Weise nur in Psalm 23 und in Psalm 80 vor.
1. Der Mensch vor Gott
Und so beschreiben diese alten Lieder den Menschen vor Gott.
Es sind nicht die großen Geschichtserzählungen von der Sintflut, von Mose, von Abraham oder den Propheten.
Sondern der glaubenden Mensch bringt sein ganzes Leben vor Gott:
Lob; des Einzelnen oder des ganzen Volkes
103 1 Von David.
Lobe den HERRN, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
2 Lobe den HERRN, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
Die Klage
22 2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. 3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Dank für Rettung aus Todesnot
30 2 Ich preise dich, HERR; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen und lässest meine Feinde sich nicht über mich freuen. 3 HERR, mein Gott, als ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund.
Die Weisheitspsalmen
90 Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. / 2 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. … 12 Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.
Die Wallfahrtspsalmen
104 1 Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. …. 10 Du lässest Wasser in den Tälern quellen, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen, 11 dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst lösche. 12 Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen. 13 Du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
14 Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, 15 dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.
Und wir spüren schon, wir müssen gar nicht immer erst eigene Worte finden für unser Empfinden. Da waren bereits andere vor uns, die genauso menschlich empfunden haben, wie wir. Die wesentlichen Dinge des Lebens wie Freude und Klage, Bitte und Dank, Not, Bedrängnis und Rettung werden hier ausgesprochen.
Der Mensch bringt sein Leben vor Gott, seine Empfindungen, seine Gefühle, seine Ängste und Sehnsüchte. Eben das, was uns zum Menschen macht. Das sind die Psalmen. Manchmal im großen Geschichtlichen Rahmen und manchmal ganz persönlich.
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens Willen.
Doch es sind nicht nur die schönen Seiten des Lebens, die hier der Psalmbeter schreibt. Ganze andere, düstere Lebensabschnitte sind zu bewältigen gewesen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, dein Stecken und Stab trösten mich.
Was ich erst die letzten Jahre begriffen habe ist der nächste Vers: Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Da, wo einem ansonsten der Appetit vergeht und es einem vor lauter Sorgen auf den Magen schlägt, weil die Feinde zu groß und die Probleme zu übermächtig sind, da finde ich in Gott die Ruhe für die wesentlichen Dinge meiner Gesundheit und komme wieder zu Kräften.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Was mir vielleicht äußerlich versagt bleibt (Anerkennung, Lob, Verständnis, Würde), das wird zur inneren Gewissheit und gibt mir Halt und Kraft und Mut zum Widerstand.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Die Stoßrichtung ist klar, wofür es sich lohn, sich einzusetzen und sein Leben auf´s Spiel zu setzen. Und aus der Kraft des Glaubens, die er dadurch bekommt, dass er im Hause der Herrn, also innerlich in Gottes Nähe und in einem aktiven Austausch mit Gott bleibt, kann er hinaus gehen in die Welt – allem Widerstreit zum Trotz – und für das eintreten, wofür Gott eingetreten ist, wenn es heißt:
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.
Dieser Psalm lebt vom Vertrauen, von der rückhaltlosen Hingab an Gott.
Ganz anders dagegen die modernen Psalmen von dem iranischen Schriftsteller und Dichter SAID, die er im Jahr 2007 geschrieben hat.
Und wir machen damit einen großen Sprung aus biblischer Vorzeit in die Gegenwart.
Doch es sind Psalmen, die der gebürtige Perser verfasst hat. Im Iran geboren, lebt er seit dem Sturz des Schahs auf der Flucht, weil mit Khomeini seine Heimat vom Regen in die Traufe kam. Obwohl er in Deutschland lebt, ist er gewissermaßen staatenlos oder heimatlos? Sowohl geographisch als auch religiös.
Und doch sind es Psalmen geworden, die er schreibt. Die innige Hinwendung zu Gott. Ein Ausdruck des Glaubens. Aber diesmal spricht der moderne Mensch. Er steht anders vor Gott. Und wir merken sofort: Das ist nicht mehr die unbedingte Hingabe voller Vertrauen. Der moderne Mensch ist kritisch, wenn es um Gott geht. Scheu und vorsichtig. Immer auf der Hut, nicht vereinnahmt zu werden. Gezeichnet von großen Enttäuschungen und Verletzungen; als ob er aus seinen Träumen gestürzt wäre.
Skeptisch wirkt er und auch ein bisschen einsam steht er da, im Streben nach seiner Identität und seiner Personalität: ICH. Und gleichzeitig sehnt er sich nach einer tiefen Geborgenheit.
Im Widerstreit zwischen Nähe und Distanz, zwischen Autonomie und Abhängigkeit, zwischen einem sich Fallenlassens und der kritischen oder skeptischen Vorsicht, nicht vereinnahmt und (wieder) verführt und (wieder) enttäuscht zu werden?
Im DENNOCH wendet sich der moderne Mensch an Gott und er traut ihm zu, dass ER der Ort ist, an dem er Heil erfahren kann und seine gebeutelte Seele gesundet.
(I)
herr
stehe zu mir und zu meiner einfalt
die mich zu dir führt
denn ich will die vertraulichkeiten der erde begreifen
sei keine flucht oh herr
aber ein gefährte für kommende wege
(I)
herr
Die Anrede bleibt: Herr. Das hat etwas mit Autorität zu tun und mit glaubender Hingabe. Drunter geht es nicht. Nur im Glauben treten wir vor Gott. Im Zutrauen, dass er es ist: Ein Starker, ein Mächtiger in allen Ohnmächten des Lebens.
Und es kommt der wissende Mensch, der weiß oder zumindest erahnt, wie weit er sich von Gott entfernt hat und sich gleichzeitig bewusst wird, dass ihm all sein Wissen und sein Können nichts bringt, wenn es um die Grundfesten des Lebens geht, der Ort, wo wir sicher sind, auch wenn alles andere unsicher wird.
stehe zu mir und zu meiner einfalt
die mich zu dir führt
Der moderne, der wissende Mensch des 21.ten Jahrhunderts braucht die Einfalt, die ihn wieder zurück führt oder neu hinführt zu Gott.
denn ich will die vertraulichkeiten der erde begreifen
Was könnte das sein, die „Vertraulichkeiten der Erde“ – wie ein Reflex scheint es auf. Irgendetwas hat ihn angerührt, bewegt. Eine Erfahrung mit dem Mitmenschen, eine Betrachtung der Natur die ihn erschaudern lässt, als ob es Gott gäbe. …
Und schon kommt die Angst, die Skepsis auf – die tiefe Verunsicherung, als ob uns der Glaube einlullen könnte vor der harten Realität der Welt. „Opium für´s Volk“ – und dabei haben sie sich selbst zur Religion aufgeschwungen und das Volk mit aller Brutalität und Macht betäubt oder taub gemacht. Das gilt für alle Gewaltregime der Welt, ob die Kommunisten oder die Gottesstaaten oder …
sei keine flucht oh herr
Sei keine Flucht in ein weltfremdes Traumgebilde, ein erhabenes Gefühl, eine Weltflucht, die sich enttäuscht zurück gezogen hat vor der Komplexität der Welt und untätig wartet, bis sich die Welt von selbst verändert hin zum Guten.
Sei keine Flucht …
aber ein gefährte für kommende wege
Hören wir es hier nicht, dieser: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich doch kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“ – im Kampf und auf dem Weg für eine gottgefällige Welt.
Der zweite Psalm lebt aus der gleichen Hingabe. Und gleichzeitig behält er die vorsichtige Distanz, in dem Erahnen, dass es doch noch eine Wahrheit Gottes gibt. Aber nicht so rigide und hart, wie sie von den all zu Sicheren verkündigt und behauptet wird. Eher wie Elia, der in der Stille und einem Wind-Hauch die Stimme Gottes hört.
(II)
herr
breite deine arme aus
und bewahre uns
vor dem heer deiner beschützer
Und wir hören die grundlegende Kritik an jeglichem religiösen Fundamentalismus heraus. Das „Heer deiner Beschützer“ – es sind die Bewahrer, die allzu Überzeugten, die genau Wissen, was richtig ist und was falsch und die sich mit wehenden Gottesfahnen schützend vor die vermeintliche Wahrheit Gottes stellen und rufen: Das ist so und das war so und das bleibt so. Und das sind nicht nur die Gottesmänner, sondern auch die anderen Eiferer, berufene und selbstberufene, die in der Menge der Anhänger die Bestätigung ihrer Wahrheit sehen. Und deshalb die Bitte:
stehe den wanderern bei
die die gabe des hörens nicht verloren haben
und horche in ihre einsamkeit
Zärtlicher kann man es kaum mehr ausdrücken, voller Sehnsucht und Hingabe – der wandernde Mensch, unentschieden hineingeworfen in die Fülle der Erkenntnisse und Wahrheiten, der aber im Position- und Stellung beziehen auch die Angst hat, sich falsch festzulegen oder das Wesentliche zu verpassen.
Und im Rückblick auf die, die nicht wie er, SAID, als Emigrant oder Immigrant sich heimatlos zwischen den Welten befindet, nimmt er die mit in seine Bitte an Gott hinein, die DA geblieben sind, im Vertrauten, im Gewohnten – ohne dass sie sich schon mit allem einverstanden erklärt hätten.
stehe auch denen bei die bleiben und auf dich warten
Mit diesen Worten sind wir am Ende unseres Weges. Der dritte Psalm von SAID, den sie mit abgedruckt finden, wird dann beim Sommerkonzert am nächsten Samstag um 19.30 Uhr hier bei uns erstmals zum Vortrag kommen.
Zwischen vorbehaltloser Hingabe und skeptischer Annäherung haben wir uns bewegt. Der moderne Mensch steht nicht mehr ungebrochen vor Gott. Und wir müssen unseren Weg selber zu Gott finden oder uns von den „Vertraulichkeiten der Erde“ ansprechen lassen, um wieder „Herr“ sagen zu können.
Amen
Der Psalm (III) von SAID lautet:
herr
bedränge mich nicht
mit deinen gebeten und geboten
verbleibe stumm in rufweite
und kämpfe mit mir gegen die müde vernunft
und für eine schönheit
die auch diese grenze überschreitet
20120423
Christian Krause: Vom Hausbau
23.04.2012 - Sonntag Misericoridas Domini
Tag der Grundsteinlegung für das neue Gemeindehaus
Predigttext Mattäus 7,24-29
24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre;
29 denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.
Liebe Gemeinde,
aus gegebenem Anlass habe ich dieses Wort Jesu vom Hausbau ausgesucht. Dieses Bild steht am Ende von insgesamt sieben Bildern, die die Seligpreisungen und dessen Inhalt erklären und verstärken wollen. Die Seligpreisungen die ein neues Leben mit Gott beschreiben, zeigen uns gerade in der Nächstenliebe eine Lösung für alle sozialen Fragen, Grundregeln des gemeinschaftlichen Lebens und auch das Geheimnis des persönlichen und gesellschaftlichen Wohlbefindens und Friedens überhaupt. Da stellt sich natürlich immer die Frage: Wie weit sind Welt und Gemeinde Jesu noch von dem Befolgen des Wortes entfernt. Jesus versucht es noch mal mit Bildern. Das letzte Bild ist das vom Hausbau.
Wie immer versucht Jesus ganz pragmatisch die Lebenssituation der Menschen einzufangen. Und so entwickelt er aus dem Bild des Hausbaus seine These, wie wir Menschen zur Gemeinde Jesu werden können.
Warum ist es nicht ratsam sein Haus auf Sand zu bauen?
Man kann das Haus nicht fest im Sand fixieren. Selbst wenn man die Baumstämme oder den Lehm in den Sand eingräbt. Der Sand kann vom Wind weggetragen werden. Mit einem Unwetter verbunden schwämmt sich der Sand weg und das Bauwerk steht ohne Verankerung da, ist dem Wind ausgeliefert und fällt in sich zusammen.
Aus der Sicht Jesu und seinen Zuhörern muss man davon ausgehen, dass diese nur in Hütten lebten, die aus Holz und Lehm hergestellt waren. Sie kannten also das Problem, von dem Jesus sprach.
Wieso ist mein Haus besser geschützt, wenn es auf einem Felsen steht?
Ich muss es im Felsen verankern, damit es überhaupt eine Chance hat auf dem Felsen zu stehen. Der Regen läuft um das Haus ab. Das Wasser kann die Verankerungen nicht lösen. Sturm und starke Winde können zwar das Gebälk in sich verschieben. Das Haus ist also in Bewegung, doch durch die Verankerungen im Fels kann es nicht so leicht in sich einstürzen. In Jerusalem und in anderen großen Städten standen ja auch schon prächtige Paläste und Burgen. Diese wurden auf festem Untergrund gebaut, mit Steinen und einer Art Beton:
Die Römer entwickelten das opus caementitium (opus = Werk, Bauwerk; caementitium = Zuschlagstoff, Bruchstein), aus dessen Namen das Wort Zement abgeleitet ist. Dieser Baustoff, auch als römischer Beton oder Kalkbeton bezeichnet, bestand aus gebranntem Kalk, Wasser und Sand, dem mortar (Mörtel), gemischt mit Ziegelmehl, und zeichnete sich durch eine hohe Druckfestigkeit aus. Damit wurden unter anderem die Aquädukte und die Kuppel des Pantheons in Rom, hergestellt.
Im übertragenen Sinn bedeutet dies, dass auch mein Leben, wenn es nur auf Sand gebaut ist, den Stürmen der Welt vollkommen ungeschützt ausgeliefert ist. Ich habe keinen Halt. Meine Lebensstrategie wird immer wieder wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
Am Ostersonntag hatte ich ein Erlebnis hier im Gottesdienst, nicht ganz, eher am Ende des Gottesdienstes. Ich habe den Besuchern am Ausgang noch einen schönen Tag gewünscht. Da kamen zu letzt ein paar Konfirmanden, die eine Unterschrift haben wollten, da sie diese für die Konfirmation brauchen. Ich war gerade dabei zu unterschreiben, da sagten zwei Erwachsene, denen würde ich keine Unterschrift geben, die haben sich den ganzen Gottesdienst über nicht ordentlich verhalten. Einer der Konfis sagte dann, ich wurde ja auch zur Konfirmation gezwungen. Auf Sand gebaut !?
Ich habe den Konfis die Unterschrift gegeben, einmal weil Ostern war und zweitens: den Glauben verstehen, etwas auswendig lernen, bedeutet noch lange nicht zu glauben. Man muss den Glauben kennen lernen, durch den Unterricht ganz klar, aber wirklich verstehen werde ich ihn erst, wenn er in meinem Herzen eingedrungen ist, wenn er spürbar mein Leben mit beeinflußt, vielleicht sogar verändert. Dazu braucht man Menschen, die einem den Glauben vorleben, auch dafür ist die Konfi-Zeit da Menschen kennen zu lernen, die nicht nur darüber reden sondern auch danach leben. Habt ihr Konfirmanden euch schon mal gefragt, warum diese Menschen um euch herum regelmäßig in die Kirche gehen? Die brauchen doch gar keine Unterschrift!?
Man braucht einen Raum, in dem man etwas über den Glauben erfahren kann. Die Kirche oder das Gemeindehaus. Das Gemeindeleben mit den Gruppen und Kreisen. Man trifft sich in unseren Gruppenräumen ja nicht nur zum Kaffe trinken, zum spielen, sondern hier wird Glaube gelebt, Gemeinschaft erfahren. Anteil genommen an dem, was einen bewegt.
Die Seligpreisungen die ein neues Leben mit Gott beschreiben, zeigen uns gerade in der Nächstenliebe eine Lösung für alle sozialen Fragen, Grundregeln des gemeinschaftlichen Lebens und auch das Geheimnis des persönlichen und gesellschaftlichen Wohlbefindens und Friedens überhaupt. Das ist nicht meine Sprache, Fritz Rienecker hat diesen Satz in der Wuppertaler Studienbibel zu unserem Predigttext geschrieben. Aber genau das sagt es aus.
Damit der Glaube nicht auf Sand gebaut wird
Aus diesem Grund bauen wir ein Gemeindehaus, dass der Glaube nicht auf Sand gebaut wird. Wir wollen hier den Menschen eine Heimat bieten, die nach Antworten suchen, wenn schon mal das auf Sand gebaute Haus eingestürzt ist. Wir wollen Menschen eine Heimat bieten, die spüren, dass es etwas anderes gibt als den Egoismus in der Welt. Wir wollen Kindern und Jugendlichen einen Ort schaffen, an dem sie von Gott erfahren können, den Glauben erleben, und plötzlich merken, dass sich gar nicht so viel verändert, aber ich bin von Gott geliebt, dieser Satz kann plötzlich mit Innhalt gefüllt werden. Ich verstehe ihn. Nicht nur vom Verstand aus sondern auch vom Herzen.
Der Grundstein wird heute gelegt. Auch in uns ist so ein Grundstein gelegt worden.
Durch die Taufe gehören wir zu dieser Gemeinschaft der Glaubenden (der Christen).
Mit Beton wurde unser neues Haus gebaut. Zum Teil mit Sichtbeton. Das Heißt die Wände werden nicht verkleidet oder gestrichen. Nein wir werden den Beton sehen. Und das ist gut so, denn was braucht man alles für einen guten Beton:
Wasser
Sand
Kalk und Ton
Bei grobem Beton wird auch Kies dazu gegeben.
Und so wird aus diesen Baustoffen ein Bild für unser Wachsen im Glauben.
Durch die Taufe, durch das Wasser, werden wir in der Gemeinschaft der Christen aufgenommen.
Der Sand ist unser Leben in der Gesellschaft, unser Umfeld, die Familie, die Nachbarn, die Freunde, die Schule, die Arbeitsstelle, das Altenheim. Mit Wasser und Sand kann man schon was bauen, die Haltbarkeit und Festigkeit lässt zu wünschen übrig. Erst wenn das Bindemittel dazu kommt, der Glaube an Gott unseren Schöpfer, an Jesus Christus unseren Retter und an den Heiligen Geist, die Gute Kraft in unserem Leben. Erst wenn dieses Bindemittel sich mit Sand und Wasser vermischt, wird das Leben im Sinne der Seligpreisung vollendet. Natürlich braucht es dazu auch die passende Mischung. Das ist unsere Herausforderung. Das macht unser Leben so spannend. Es ist aber zunächst einmal wichtig alle Rohstoffe zu spüren und zu erleben.
Unser Gemeindehaus hat ein Fundament so fest wie ein Fels. Selbst die Mauern zeigen es uns aus was sie bestehen. So hoffe ich, dass die Menschen, die in dieses Haus eintreten spüren werden, dass hier Glaube lebendig ist, Glaube gelebt wird.
Amen.
Tag der Grundsteinlegung für das neue Gemeindehaus
Predigttext Mattäus 7,24-29
24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre;
29 denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.
Liebe Gemeinde,
aus gegebenem Anlass habe ich dieses Wort Jesu vom Hausbau ausgesucht. Dieses Bild steht am Ende von insgesamt sieben Bildern, die die Seligpreisungen und dessen Inhalt erklären und verstärken wollen. Die Seligpreisungen die ein neues Leben mit Gott beschreiben, zeigen uns gerade in der Nächstenliebe eine Lösung für alle sozialen Fragen, Grundregeln des gemeinschaftlichen Lebens und auch das Geheimnis des persönlichen und gesellschaftlichen Wohlbefindens und Friedens überhaupt. Da stellt sich natürlich immer die Frage: Wie weit sind Welt und Gemeinde Jesu noch von dem Befolgen des Wortes entfernt. Jesus versucht es noch mal mit Bildern. Das letzte Bild ist das vom Hausbau.
Wie immer versucht Jesus ganz pragmatisch die Lebenssituation der Menschen einzufangen. Und so entwickelt er aus dem Bild des Hausbaus seine These, wie wir Menschen zur Gemeinde Jesu werden können.
Warum ist es nicht ratsam sein Haus auf Sand zu bauen?
Man kann das Haus nicht fest im Sand fixieren. Selbst wenn man die Baumstämme oder den Lehm in den Sand eingräbt. Der Sand kann vom Wind weggetragen werden. Mit einem Unwetter verbunden schwämmt sich der Sand weg und das Bauwerk steht ohne Verankerung da, ist dem Wind ausgeliefert und fällt in sich zusammen.
Aus der Sicht Jesu und seinen Zuhörern muss man davon ausgehen, dass diese nur in Hütten lebten, die aus Holz und Lehm hergestellt waren. Sie kannten also das Problem, von dem Jesus sprach.
Wieso ist mein Haus besser geschützt, wenn es auf einem Felsen steht?
Ich muss es im Felsen verankern, damit es überhaupt eine Chance hat auf dem Felsen zu stehen. Der Regen läuft um das Haus ab. Das Wasser kann die Verankerungen nicht lösen. Sturm und starke Winde können zwar das Gebälk in sich verschieben. Das Haus ist also in Bewegung, doch durch die Verankerungen im Fels kann es nicht so leicht in sich einstürzen. In Jerusalem und in anderen großen Städten standen ja auch schon prächtige Paläste und Burgen. Diese wurden auf festem Untergrund gebaut, mit Steinen und einer Art Beton:
Die Römer entwickelten das opus caementitium (opus = Werk, Bauwerk; caementitium = Zuschlagstoff, Bruchstein), aus dessen Namen das Wort Zement abgeleitet ist. Dieser Baustoff, auch als römischer Beton oder Kalkbeton bezeichnet, bestand aus gebranntem Kalk, Wasser und Sand, dem mortar (Mörtel), gemischt mit Ziegelmehl, und zeichnete sich durch eine hohe Druckfestigkeit aus. Damit wurden unter anderem die Aquädukte und die Kuppel des Pantheons in Rom, hergestellt.
Im übertragenen Sinn bedeutet dies, dass auch mein Leben, wenn es nur auf Sand gebaut ist, den Stürmen der Welt vollkommen ungeschützt ausgeliefert ist. Ich habe keinen Halt. Meine Lebensstrategie wird immer wieder wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
Am Ostersonntag hatte ich ein Erlebnis hier im Gottesdienst, nicht ganz, eher am Ende des Gottesdienstes. Ich habe den Besuchern am Ausgang noch einen schönen Tag gewünscht. Da kamen zu letzt ein paar Konfirmanden, die eine Unterschrift haben wollten, da sie diese für die Konfirmation brauchen. Ich war gerade dabei zu unterschreiben, da sagten zwei Erwachsene, denen würde ich keine Unterschrift geben, die haben sich den ganzen Gottesdienst über nicht ordentlich verhalten. Einer der Konfis sagte dann, ich wurde ja auch zur Konfirmation gezwungen. Auf Sand gebaut !?
Ich habe den Konfis die Unterschrift gegeben, einmal weil Ostern war und zweitens: den Glauben verstehen, etwas auswendig lernen, bedeutet noch lange nicht zu glauben. Man muss den Glauben kennen lernen, durch den Unterricht ganz klar, aber wirklich verstehen werde ich ihn erst, wenn er in meinem Herzen eingedrungen ist, wenn er spürbar mein Leben mit beeinflußt, vielleicht sogar verändert. Dazu braucht man Menschen, die einem den Glauben vorleben, auch dafür ist die Konfi-Zeit da Menschen kennen zu lernen, die nicht nur darüber reden sondern auch danach leben. Habt ihr Konfirmanden euch schon mal gefragt, warum diese Menschen um euch herum regelmäßig in die Kirche gehen? Die brauchen doch gar keine Unterschrift!?
Man braucht einen Raum, in dem man etwas über den Glauben erfahren kann. Die Kirche oder das Gemeindehaus. Das Gemeindeleben mit den Gruppen und Kreisen. Man trifft sich in unseren Gruppenräumen ja nicht nur zum Kaffe trinken, zum spielen, sondern hier wird Glaube gelebt, Gemeinschaft erfahren. Anteil genommen an dem, was einen bewegt.
Die Seligpreisungen die ein neues Leben mit Gott beschreiben, zeigen uns gerade in der Nächstenliebe eine Lösung für alle sozialen Fragen, Grundregeln des gemeinschaftlichen Lebens und auch das Geheimnis des persönlichen und gesellschaftlichen Wohlbefindens und Friedens überhaupt. Das ist nicht meine Sprache, Fritz Rienecker hat diesen Satz in der Wuppertaler Studienbibel zu unserem Predigttext geschrieben. Aber genau das sagt es aus.
Damit der Glaube nicht auf Sand gebaut wird
Aus diesem Grund bauen wir ein Gemeindehaus, dass der Glaube nicht auf Sand gebaut wird. Wir wollen hier den Menschen eine Heimat bieten, die nach Antworten suchen, wenn schon mal das auf Sand gebaute Haus eingestürzt ist. Wir wollen Menschen eine Heimat bieten, die spüren, dass es etwas anderes gibt als den Egoismus in der Welt. Wir wollen Kindern und Jugendlichen einen Ort schaffen, an dem sie von Gott erfahren können, den Glauben erleben, und plötzlich merken, dass sich gar nicht so viel verändert, aber ich bin von Gott geliebt, dieser Satz kann plötzlich mit Innhalt gefüllt werden. Ich verstehe ihn. Nicht nur vom Verstand aus sondern auch vom Herzen.
Der Grundstein wird heute gelegt. Auch in uns ist so ein Grundstein gelegt worden.
Durch die Taufe gehören wir zu dieser Gemeinschaft der Glaubenden (der Christen).
Mit Beton wurde unser neues Haus gebaut. Zum Teil mit Sichtbeton. Das Heißt die Wände werden nicht verkleidet oder gestrichen. Nein wir werden den Beton sehen. Und das ist gut so, denn was braucht man alles für einen guten Beton:
Wasser
Sand
Kalk und Ton
Bei grobem Beton wird auch Kies dazu gegeben.
Und so wird aus diesen Baustoffen ein Bild für unser Wachsen im Glauben.
Durch die Taufe, durch das Wasser, werden wir in der Gemeinschaft der Christen aufgenommen.
Der Sand ist unser Leben in der Gesellschaft, unser Umfeld, die Familie, die Nachbarn, die Freunde, die Schule, die Arbeitsstelle, das Altenheim. Mit Wasser und Sand kann man schon was bauen, die Haltbarkeit und Festigkeit lässt zu wünschen übrig. Erst wenn das Bindemittel dazu kommt, der Glaube an Gott unseren Schöpfer, an Jesus Christus unseren Retter und an den Heiligen Geist, die Gute Kraft in unserem Leben. Erst wenn dieses Bindemittel sich mit Sand und Wasser vermischt, wird das Leben im Sinne der Seligpreisung vollendet. Natürlich braucht es dazu auch die passende Mischung. Das ist unsere Herausforderung. Das macht unser Leben so spannend. Es ist aber zunächst einmal wichtig alle Rohstoffe zu spüren und zu erleben.
Unser Gemeindehaus hat ein Fundament so fest wie ein Fels. Selbst die Mauern zeigen es uns aus was sie bestehen. So hoffe ich, dass die Menschen, die in dieses Haus eintreten spüren werden, dass hier Glaube lebendig ist, Glaube gelebt wird.
Amen.
20120406
Werner Otto Sirch: Der Tod ist verschlungen vom Sieg
Ostermontag 09.02.2012 - 1. Korinther 15,50-58
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,
gestern haben wir voller Freude die Botschaft von Jesu Auferstehung gehört. Es klingt in uns nach, dass Jesus den Tod überwunden und besiegt hat. Heute sind wir wieder auf dem Weg in den Alltag. Was bedeutet es für mich, dass Jesus dem Tod die Macht genommen hat und es trotzdem Alltag ist, dass überall um uns her gestorben wird – trotzdem gestorben wird. Wo manche unter uns trotzdem die Nähe zum Tod erfahren haben, erleben mussten was es bedeutet einen Menschen durch den Tod zu verlieren.
1. Steine sprechen
Auf dem Weg durch den Friedhof sprechen Steine zu uns. Sie reden deutlich. Jeder Grabstein hat eine eindrückliche Botschaft für uns: „Lebt richtig, lebt sinnvoll, lebt wirklich und ganz, nutzt die Jahre auf der Erde, bevor ihr unter die Erde kommt, schenkt euch Liebe, solange ihr euch habt, schenkt euch Blumen, solange sie der andere noch sehen kann, sagt euch Worte der Verzeihung, solange sie der andere noch hören kann, macht Frieden mit Gott, solange noch Zeit ist.”
Aber auch die Inschriften auf den Grabsteinen sprechen laut: „Hier ruht!” Dann: „Hier ruht in Gott!” Einmal heißt es: „Auf Wiedersehen!” Ein anderes Mal: „Auferstehen!” Da ist ein Stein: „Unsere Clara - verlorenes Glück!” Dort ein Kreuz: „Unser Otto - Lasset die Kindlein zu mir kommen!” Die einen schreiben: „Gekämpft, gehofft und doch verloren!” Andere: „Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn!” Für einen Mann steht über seinem Namen: „Dem Verdienste seine Krone!” Für einen anderen: „Aus Gnaden seid ihr selig geworden!” Auf einem Grabstein das Dante-Wort: „Lass jede Hoffnung fahren.” Und auf einem anderen: „Herr, ich warte auf dein Heil!” Sehr oft kann man lesen: „Unvergessen!” Sehr selten steht: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen!” Und auf vielen modernen Friedhöfen und neueren Grabsteinen steht außer dem Namen und den Lebensdaten kein einziges Wort mehr.
So ist der Friedhof mit seinen Steinen ein Buch mit vielen Blättern, das uns nachdenklich und fragend macht.
Wir denken nach wozu wir gelebt haben. Was von uns bleiben wird. Wie es sein wird, wenn wir die Unausweichlichkeit des Todes an unserem eigenen Leben erfahren. Was wird sein, wenn unser Leben zu Ende gegangen ist, wenn wir nichts „hinüberretten“ können vom „hier“ nach „dort“. Gott hat über den Tod gesiegt, das ist unser Glaube. Trotzdem ist er weiterhin Fakt und bedroht unser Leben. Wann wird die Macht des Todes endgültig Vergangenheit sein?
2. Predigttext
Im 1. Korinterbrief, im 15. Kapitel, schreibt der Apostel Paulus über den Tod und seine Macht, hören wir den Predigttext:
50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.
51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. 54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« 56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! 58 Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.
3. Fleisch und Blut können Gottes Reich nicht erben
Paulus sagt es deutlich, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Die Ewigkeit ist nicht der Ort, wo wir durch unsere „Auferstehung“ die Wiederherstellung des vom Tode leider zerstörten und abgebrochenen Lebens erwarten dürfen. Die Vergänglichkeit wird nicht die Unvergänglichkeit erben. Für unsere eigene Klarheit in dieser Sache ist das wichtig!
Es geht nach unserem Sterben dort in der Ewigkeit nicht so weiter wie es hier war. Das Auferstehungsleben ist nicht die Fortsetzung des irdischen Daseins in alle Ewigkeit, wo wir in aller Behaglichkeit unsere irdischen Lebensgewohnheiten bewahren können, an denen wir hängen. Für mich wäre es ein schrecklicher Gedanke, wenn wir mit unserem jetzigen Wesen und mit unserem jetzigen Denken in alle Ewigkeit so weitermachen könnten. Unser Ichwesen, das keinen Platz für Mitmenschen hat und schon gar keinen Platz für Gott. Für mich wäre das nicht das ersehnte Paradies, sondern eher die Hölle.
Da muss sich etwas ändern, in unserem Wesen ändern, hier und heute, damit wir in die Lage kommen, Gottes Reich zu erben. Gottes Reich, wo Gott regiert und „alles in allem“ ist.
4. Plötzlich verwandelt werden
Wir müssen verwandelt werden. So wie man ein neues Kleid über ein altes, zerrissenes und schmutziges Gewand zieht. So wie man früher dem Neugetauften nach seiner Taufe ein sauberes weißes Kleid übergezogen hat, zum Zeichen seiner neuen Geburt.
Gottes Heiliger Geist kann diese Änderung in unserem Wesen schaffen. Er will und kann uns verändern, wenn wir es zulassen. Er kann uns so verändern, dass wir Gotte als unseren Schöpfer anerkennen und ihm vertrauen und seine Nähe und Gegenwart suchen.
51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune.
Es ist ein Geheimnis. Kein Geheimnis über das man nicht spricht. Es ist ein Geheimnis, das hinaus will zu den anderen. Ein Geheimnis, das geheimnisvoll ist und bleibt, auch wenn man es zu erklären versucht. Alle werden verwandelt werden: die Verstorbenen und die, zu dem Zeitpunkt noch Lebenden. Alle werden in einem Augenblick verwandelt werden, dann, wenn Christus wiederkommt, denn „Fleisch und Blut“, unser alter Mensch, der nach den Regeln und dem Denken der Welt lebt, kann Gottes Reich nicht erben. Es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.
5. Das Kleid der Unsterblichkeit
Es gibt keine Wiederherstellung des früheren Leibes, mit dem wir andere Personen identifizieren können. Es gibt keine langsame Entwicklung des alten ich, zu einem vollkommenen neuen. Alle müssen verwandelt werden, wenn die Posaune ertönt. Keiner kann so wie er ist an der Gemeinschaft derer, die durch Christus erlöst sind teilhaben.
53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. Wir dürfen schon heute Menschen sein, die ihr fleischliches Wesen Jesus übergeben haben und damit Kinder des Vaters im Himmel geworden sind.
6. Der Tod ist der Sünde Sold
Das Verwesliche, das Sterbliche, hat seine Ursache in der Sünde, die der Stachel des Todes ist. Die Sünde ist das Machtinstrument der Herrschaft und der Macht des Todes. Sünde, so wissen wir aus dem Alten Testament, ist die zum Menschen gehörende Neigung, wie Gott sein zu wollen und zu wissen was gut und böse ist. Das ist Sünde, und das Gesetz ist ihr Helfershelfer, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen und sein ganzes menschliches Denken, Fühlen und Handeln seinem Ideal von Größe und Macht zu unterwerfen. Der Starke, der sich die Macht nimmt und nach seinen Gesetzen herrscht.
Ihr wahres Wesen zeigt die Sünde am Kreuz Jesu: „Bist du der Christus, so zeige deine Macht und steige herab vom Kreuz,“ so schreit die Sünde, die vom Gottessohn Machterweise fordert. Ein leidensfähiger, ohnmächtig liebender, auf Macht und Herrschaft verzichtender Mensch provoziert den auf göttliche Allmachtsattribute fixierten Menschen derart, dass er diesen Menschen, Jesus, umbringt – so ist der Tod der Sünde Sold. Und wenn es nach der Sünde des Menschen ginge, würde der Tod zuletzt das ganze Leben beherrschen: der Tod will „alles in allem“ werden.
7. Christus macht dem Tod die Herrschaft streitig
57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
In Christus geriet der Tod an Gott selbst, der ihm allerdings die Herrschaft streitig macht., so dass nicht der Tod, sondern Gott „alles in allem“ ist. Das schenkt uns neue Lebensmöglichkeiten:
- Gott nimmt in Christus diejenige Ohnmacht und Schwäche an, die der Mensch so gewaltsam bekämpft und integriert sie ins wahre Menschsein.
- Gott erträgt in Christus die Tränen und Schmerzen, die der Mensch so rigid versteckt und überspielt, und ermöglicht, durch die Fähigkeit zu leiden, ganzheitliches Menschsein.
- Gott bejaht in Christus den Tod und damit die Endlichkeit des Menschen, die der Mensch verzweifelt nicht wahrhaben will, und eröffnet durch die Möglichkeit eines bejahten Lebensendes erfülltes Leben.
8. In Gott sein
Der Glaube an das ewige Leben, den wir durch die Auferstehung Jesu bekennen, ist die Gewissheit, dass mein Leben, das im Tod unwiderruflich zu Ende ist, mit diesem Tod nicht im Nichts, sondern in Gott sein wird.
Bei der Begleitung Sterbender können wir beobachten, dass viele von der Hoffnung auf Rettung bestimmt sind. Das Rettende kann aber nicht irgend etwas völlig beliebiges sein. Durch Jesus, dem Auferstandenen, wird das Leben in alle Ewigkeit gerettet und geheilt werden. Durch ihn wissen wir: Wenn Gott sein wird alles in allem, dann wird das – wie auch immer – die Wirklichkeit der Liebe sein. In dieser Liebe Gottes werden wir in Ewigkeit geborgen sein.
Bei Reiner Maria Rilke lesen wir:
„Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir das andere an: es ist in allen. Und doch ist einer, welcher das Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“ Amen.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,
gestern haben wir voller Freude die Botschaft von Jesu Auferstehung gehört. Es klingt in uns nach, dass Jesus den Tod überwunden und besiegt hat. Heute sind wir wieder auf dem Weg in den Alltag. Was bedeutet es für mich, dass Jesus dem Tod die Macht genommen hat und es trotzdem Alltag ist, dass überall um uns her gestorben wird – trotzdem gestorben wird. Wo manche unter uns trotzdem die Nähe zum Tod erfahren haben, erleben mussten was es bedeutet einen Menschen durch den Tod zu verlieren.
1. Steine sprechen
Auf dem Weg durch den Friedhof sprechen Steine zu uns. Sie reden deutlich. Jeder Grabstein hat eine eindrückliche Botschaft für uns: „Lebt richtig, lebt sinnvoll, lebt wirklich und ganz, nutzt die Jahre auf der Erde, bevor ihr unter die Erde kommt, schenkt euch Liebe, solange ihr euch habt, schenkt euch Blumen, solange sie der andere noch sehen kann, sagt euch Worte der Verzeihung, solange sie der andere noch hören kann, macht Frieden mit Gott, solange noch Zeit ist.”
Aber auch die Inschriften auf den Grabsteinen sprechen laut: „Hier ruht!” Dann: „Hier ruht in Gott!” Einmal heißt es: „Auf Wiedersehen!” Ein anderes Mal: „Auferstehen!” Da ist ein Stein: „Unsere Clara - verlorenes Glück!” Dort ein Kreuz: „Unser Otto - Lasset die Kindlein zu mir kommen!” Die einen schreiben: „Gekämpft, gehofft und doch verloren!” Andere: „Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn!” Für einen Mann steht über seinem Namen: „Dem Verdienste seine Krone!” Für einen anderen: „Aus Gnaden seid ihr selig geworden!” Auf einem Grabstein das Dante-Wort: „Lass jede Hoffnung fahren.” Und auf einem anderen: „Herr, ich warte auf dein Heil!” Sehr oft kann man lesen: „Unvergessen!” Sehr selten steht: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen!” Und auf vielen modernen Friedhöfen und neueren Grabsteinen steht außer dem Namen und den Lebensdaten kein einziges Wort mehr.
So ist der Friedhof mit seinen Steinen ein Buch mit vielen Blättern, das uns nachdenklich und fragend macht.
Wir denken nach wozu wir gelebt haben. Was von uns bleiben wird. Wie es sein wird, wenn wir die Unausweichlichkeit des Todes an unserem eigenen Leben erfahren. Was wird sein, wenn unser Leben zu Ende gegangen ist, wenn wir nichts „hinüberretten“ können vom „hier“ nach „dort“. Gott hat über den Tod gesiegt, das ist unser Glaube. Trotzdem ist er weiterhin Fakt und bedroht unser Leben. Wann wird die Macht des Todes endgültig Vergangenheit sein?
2. Predigttext
Im 1. Korinterbrief, im 15. Kapitel, schreibt der Apostel Paulus über den Tod und seine Macht, hören wir den Predigttext:
50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.
51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. 54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« 56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! 58 Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.
3. Fleisch und Blut können Gottes Reich nicht erben
Paulus sagt es deutlich, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Die Ewigkeit ist nicht der Ort, wo wir durch unsere „Auferstehung“ die Wiederherstellung des vom Tode leider zerstörten und abgebrochenen Lebens erwarten dürfen. Die Vergänglichkeit wird nicht die Unvergänglichkeit erben. Für unsere eigene Klarheit in dieser Sache ist das wichtig!
Es geht nach unserem Sterben dort in der Ewigkeit nicht so weiter wie es hier war. Das Auferstehungsleben ist nicht die Fortsetzung des irdischen Daseins in alle Ewigkeit, wo wir in aller Behaglichkeit unsere irdischen Lebensgewohnheiten bewahren können, an denen wir hängen. Für mich wäre es ein schrecklicher Gedanke, wenn wir mit unserem jetzigen Wesen und mit unserem jetzigen Denken in alle Ewigkeit so weitermachen könnten. Unser Ichwesen, das keinen Platz für Mitmenschen hat und schon gar keinen Platz für Gott. Für mich wäre das nicht das ersehnte Paradies, sondern eher die Hölle.
Da muss sich etwas ändern, in unserem Wesen ändern, hier und heute, damit wir in die Lage kommen, Gottes Reich zu erben. Gottes Reich, wo Gott regiert und „alles in allem“ ist.
4. Plötzlich verwandelt werden
Wir müssen verwandelt werden. So wie man ein neues Kleid über ein altes, zerrissenes und schmutziges Gewand zieht. So wie man früher dem Neugetauften nach seiner Taufe ein sauberes weißes Kleid übergezogen hat, zum Zeichen seiner neuen Geburt.
Gottes Heiliger Geist kann diese Änderung in unserem Wesen schaffen. Er will und kann uns verändern, wenn wir es zulassen. Er kann uns so verändern, dass wir Gotte als unseren Schöpfer anerkennen und ihm vertrauen und seine Nähe und Gegenwart suchen.
51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune.
Es ist ein Geheimnis. Kein Geheimnis über das man nicht spricht. Es ist ein Geheimnis, das hinaus will zu den anderen. Ein Geheimnis, das geheimnisvoll ist und bleibt, auch wenn man es zu erklären versucht. Alle werden verwandelt werden: die Verstorbenen und die, zu dem Zeitpunkt noch Lebenden. Alle werden in einem Augenblick verwandelt werden, dann, wenn Christus wiederkommt, denn „Fleisch und Blut“, unser alter Mensch, der nach den Regeln und dem Denken der Welt lebt, kann Gottes Reich nicht erben. Es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.
5. Das Kleid der Unsterblichkeit
Es gibt keine Wiederherstellung des früheren Leibes, mit dem wir andere Personen identifizieren können. Es gibt keine langsame Entwicklung des alten ich, zu einem vollkommenen neuen. Alle müssen verwandelt werden, wenn die Posaune ertönt. Keiner kann so wie er ist an der Gemeinschaft derer, die durch Christus erlöst sind teilhaben.
53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. Wir dürfen schon heute Menschen sein, die ihr fleischliches Wesen Jesus übergeben haben und damit Kinder des Vaters im Himmel geworden sind.
6. Der Tod ist der Sünde Sold
Das Verwesliche, das Sterbliche, hat seine Ursache in der Sünde, die der Stachel des Todes ist. Die Sünde ist das Machtinstrument der Herrschaft und der Macht des Todes. Sünde, so wissen wir aus dem Alten Testament, ist die zum Menschen gehörende Neigung, wie Gott sein zu wollen und zu wissen was gut und böse ist. Das ist Sünde, und das Gesetz ist ihr Helfershelfer, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen und sein ganzes menschliches Denken, Fühlen und Handeln seinem Ideal von Größe und Macht zu unterwerfen. Der Starke, der sich die Macht nimmt und nach seinen Gesetzen herrscht.
Ihr wahres Wesen zeigt die Sünde am Kreuz Jesu: „Bist du der Christus, so zeige deine Macht und steige herab vom Kreuz,“ so schreit die Sünde, die vom Gottessohn Machterweise fordert. Ein leidensfähiger, ohnmächtig liebender, auf Macht und Herrschaft verzichtender Mensch provoziert den auf göttliche Allmachtsattribute fixierten Menschen derart, dass er diesen Menschen, Jesus, umbringt – so ist der Tod der Sünde Sold. Und wenn es nach der Sünde des Menschen ginge, würde der Tod zuletzt das ganze Leben beherrschen: der Tod will „alles in allem“ werden.
7. Christus macht dem Tod die Herrschaft streitig
57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
In Christus geriet der Tod an Gott selbst, der ihm allerdings die Herrschaft streitig macht., so dass nicht der Tod, sondern Gott „alles in allem“ ist. Das schenkt uns neue Lebensmöglichkeiten:
- Gott nimmt in Christus diejenige Ohnmacht und Schwäche an, die der Mensch so gewaltsam bekämpft und integriert sie ins wahre Menschsein.
- Gott erträgt in Christus die Tränen und Schmerzen, die der Mensch so rigid versteckt und überspielt, und ermöglicht, durch die Fähigkeit zu leiden, ganzheitliches Menschsein.
- Gott bejaht in Christus den Tod und damit die Endlichkeit des Menschen, die der Mensch verzweifelt nicht wahrhaben will, und eröffnet durch die Möglichkeit eines bejahten Lebensendes erfülltes Leben.
8. In Gott sein
Der Glaube an das ewige Leben, den wir durch die Auferstehung Jesu bekennen, ist die Gewissheit, dass mein Leben, das im Tod unwiderruflich zu Ende ist, mit diesem Tod nicht im Nichts, sondern in Gott sein wird.
Bei der Begleitung Sterbender können wir beobachten, dass viele von der Hoffnung auf Rettung bestimmt sind. Das Rettende kann aber nicht irgend etwas völlig beliebiges sein. Durch Jesus, dem Auferstandenen, wird das Leben in alle Ewigkeit gerettet und geheilt werden. Durch ihn wissen wir: Wenn Gott sein wird alles in allem, dann wird das – wie auch immer – die Wirklichkeit der Liebe sein. In dieser Liebe Gottes werden wir in Ewigkeit geborgen sein.
Bei Reiner Maria Rilke lesen wir:
„Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir das andere an: es ist in allen. Und doch ist einer, welcher das Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“ Amen.
Abonnieren
Posts (Atom)