Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr
09.11.2014
Predigttext 1. Thessalonicher 5,1-6(7-11)
Thema: … wir gehören nicht der Finsternis noch Nacht
Leben im Licht des kommenden Tages
5 1 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht.
3 Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr –, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entfliehen.
4 Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. 7 Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrunken.
8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.
9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus, 10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. 11 Darum ermahnt euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.
Liebe Gemeinde,
1. Licht und Finsternis liegen oft dich zusammen
Licht und Finsternis liegen oft dich zusammen. Und Licht und Finsternis werden auch nicht von allen gleich gedeutet. Nehmen wir nur den 9.November 1989 – heute vor 25 Jahren ist die Mauer zwischen der DDR und der BRD gefallen. Und während die einen Jubeln: „Das ist der Tag des Aufbruchs“ – klagen die anderen und mahnen lautstark: „Das ist der Tag des Niedergangs – ihr werdet es schon noch sehen.“ Und für die Gewinner war es ein Tag des Aufbruchs und für die Verlierer ein Tag des Niedergangs. Und für Viele irgendetwas dazwischen.
Licht und Finsternis?
An einem anderen 9.November war auch ein schwarzer Tag. Heute vor 76 Jahren brannten im ganzen Land die jüdischen Synagogen. Und im Licht des Feuers bejubeln die Nazis ihren Sieg und viele jubeln mit auf dem Wahn ins tausendjährige Reich und reißen ganz Deutschland in die tiefste Finsternis. Dass daraus ein vereinigtes Europa und bereits 69 Jahre Frieden in unserem Land entstanden sind, ist ein großartiges Geschenk und eine noch viel größere Aufgabe. Immer wieder.
Licht in der Finsternis.
2. Berufen zu den Kindern des Lichts
Aber damit wir nicht unsicher werden in unserem eigenen Bemühen, schreibt Paulus ganz klar an die Christen in Thessalonikie:
5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.
Das ist die Berufung von uns. Wir sind Kinder des Lichts und des Tages. Ob wir´s nun wollen oder nicht. Und auch die dunklen Seiten auch in unserer Kirchengeschichte kommen ans Licht, weil wir selbst gemessen werden am Licht – an Christus. Und das ist gut so, denn es kann nicht zweierlei Maßstäbe geben. Und so, wie wir für das Licht eintreten, werden wir auch an diesem Licht gemessen – Gott sei Dank. Aber wir müssen nicht mehr scheinen, als wir sind. Gott sei Dank. Wir müssen uns nicht ins rechte Licht setzen oder mit Photoshop unsere Fassade aufhübschen. Gott sei Dank.
Denn nicht wir müssen glänzen. Und wir haben auch nicht das Licht, mit dem wir den anderen heimleuchten könnten, sondern das Licht – Christus - hat uns und wir wollen ihm nachfolgen.
Und manchmal zeigen wir das öffentlich, so wie heute in diesem Gottesdienst und manchmal im stillen Kämmerlein, in der Seelsorge, im Glaubensgespräch, in der hilfreichen Tat und manchmal im Verborgenen, wie bei unseren Geschwistern in den Ländern, in denen sie wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Aber Kinder des Lichts sind wir alle. Wir sind zwar nicht alles Leuchten, aber wir können vom Leuchten erzählen und uns darin üben und gegenseitig stärken und aufbauen in dem, was uns trägt und was uns hält.
3. Kinder des Lichts!
Kinder des Lichts! Sind wir das?
Keiner von uns würde sich wahrscheinlich so nennen.
Aber wir haben alle eine Vorstellung, wie das aussehen könnte oder sollte – ein Kind des Lichts. Das klingt altertümlich und uncool. Aber manchmal sagen wir das ja auch zu einem anderen: Du bist ein Engel. Oder: Dich schickt der Himmel. Oder: Du bist ein Schatz – und wir meinen, da ist ein Lichtstrahl in meine Leben bekommen. Eine Sorge, eine Hilflosigkeit, eine Not löst sich auf. Eine Perspektive für mein Leben entsteht.
Und umgekehrt können wir auch sagen: Der hat ganz finstere Gedanken. Dich reitet wohl der Teufel. Was für eine Gehässigkeit. – Und hoffentlich meiden wir diese Orte oder halten den Umgang in der richtigen Distanz.
Wir haben alle eine Vorstellung, wie die Kinder des Lichts aussehen könnten. Und das ist gut so, denn dann haben wir eine Orientierung, ein Ausrichtung für unser Leben und für unser Entscheiden. Wir lassen uns ansprechen und sind ansprechbar – selbst zwar fehlerhaft, mit Makel und unzulänglich – aber wir sind ansprechbar auf die Vorstellungen vom Leben und vom Miteinander in der Gesellschaft, so wie Christus es uns vorgelebt hat. Und wir mühen uns redlich in der Liebe und in der Nächstenliebe - hoffentlich, im Versöhnen und in der Barmherzigkeit wider alle Hartherzigkeit – auch in uns.
Leicht ist es nicht und oft ermüden wir darüber, doch gerade darin sind wir Kinder des Lichts, weil wir nicht nachgeben, sondern parteiisch unser Leben in die Hand nehmen. „So soll es sein“ und dafür mühe ich mich. Allein geht das nicht, und deshalb schreibt Paulus:
Darum ermahnt euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.
Nicht nur ermahnen! .. und einer erbaue den anderen steht hier auch – vergessen wir das nicht.
4. Gottes Rüstung für uns
Doch neben dem ermahnen und erbauen finde ich das andere noch viel wichtiger – das da steht. Denn Christus lässt uns nicht alleine im Licht stehen. Sondern hier heißt es:
8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.
Nicht aus eigener Kraft, sondern Christus ist unsere Rüstung – und das reicht. Und dann schwindet die Angst und die Liebe bricht sich ihre Bahn.
Lassen sie mich ein Beispiel dazu erzählen:
Hof – schon lange her. Wir hatten im Stadtteil einen alten Tante Emma Laden. Das Geschäft lief schlecht und die Besitzerin musste bis ins hohe Alter im Laden stehen, da die Rente nicht reichte. Dann wurde sie krank. Die Nachbarn betreuten sie, versorgten sie mit Essen, doch eigentlich waren sie überfordert, denn die Frau war auch eine eigenwillige Person.
Ich wurde gebeten, einen Besuch zu machen und das Bild, das sich mir bot, war erschütternd. Eine verwahrloste Wohnung und mitten darin sitzend eine alte Frau, krank, mit schrecklich offenen Beinen. Doch sie wollte nicht zum Arzt und meinte, sie könnte es auch nicht bezahlen. Eigentlich wollte sie nur noch sterben.
Unsere Seniorenbegleiterin leistete dann ganze Arbeit – in Liebe, mit Geduld aber nüchtern und sachlich kam sie fast täglich vorbei und nach zwei Wochen war die Dame bereit ins Krankenhaus zu gehen. Dort mussten ihr beide Füße amputiert werden und nach weiteren zwei Wochen ist sie gestorben und ich habe sie beerdigt.
In der direkten Nachbarschaft hat man sich dann über die Kirche aufgeregt, dass man der alten Frau noch so etwas antut. Hätte man sie zu Hause gelassen, dann wäre sie schneller gestorben. Was für ein Zynismus. Was für eine Härte.
Doch ich habe ein anderes Bild vor meinem inneren Auge. Kurz vor ihrem Tod hatte ich die alte Krämerin im Krankenhaus noch einmal besucht. Und da lag sie in ihrem Bett, halb aufgerichtet - das Bettzeug über ihre Fußstümpfe gezogen und lächelt mich selig an und sagt: Dass ich das noch einmal erleben darf. In einem sauberen Bett zu liegen. Vielen Dank.
Wie heißt es im Wochenspruch: Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist die Zeit des Heils.
Da gibt es kein Objektiv mehr, sondern nur noch den parteiischen Einsatz – voller Hoffnung.
Kinder des Lichts?
Die Orte sind ganz unterschiedlich und vieles bleibt unentdeckt. Doch lassen wir uns nicht durcheinander bringen, sondern lassen wir uns leiten von der Zusage Christi:
8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. 9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus, 10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben – bis in die Ewigkeit.
Amen
20141110
Martin Adel: Neugeboren - Feel the spirit
Gospelgottesdienst am 26.10.2014
Predigttext Exodus 34,4-10
Predigt
4 Und Mose hieb zwei steinerne Tafeln zu, wie die ersten waren, und stand am Morgen früh auf und stieg auf den Berg Sinai, wie ihm der HERR geboten hatte, und nahm die zwei steinernen Tafeln in seine Hand.
5 Da kam der HERR hernieder in einer Wolke, und Mose trat daselbst zu ihm und rief den Namen des HERRN an.
6 Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue,
7 der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand, sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied!
8 Und Mose neigte sich eilends zur Erde und betete an 9 und sprach: Hab ich, HERR, Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe der Herr in unserer Mitte, denn es ist ein halsstarriges Volk; und vergib uns unsere Missetat und Sünde und lass uns dein Erbbesitz sein.
10 Und der HERR sprach: Siehe, ich will einen Bund schließen: Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun, wie sie nicht geschehen sind in allen Landen und unter allen Völkern, und das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll des HERRN Werk sehen; denn wunderbar wird sein, was ich an dir tun werde.
Liebe Gemeinde,
1. Verunsicherung
Wie ist das denn in unserem Leben. Können wir es einfach so heraussingen: He´s got the whole world in his hand?
Er hält auch dich und mich in seiner Hand?
Denn das ist ja die Emotion, das Gefühl, das hinter den Gospels steht und mitschwingt, diese einzigartige Bezogenheit auf Gott.
Der Gospel, the god spell – übersetzt: Das Evangelium / die gute Nachricht
Ja, ja, ich weiß auch: Wir Deutschen sind nicht so emotional. Wir sind abgeklärter, sachlicher, nüchterner. Darf ja auch sein.
Aber müssen wir deshalb unklarer werden.
He´s got the whole world in his hand? - Was für eine Behauptung. Doch wir sagen ganz abgeklärt: So absolut kann man das ja auch nicht sagen. Also, WIR glauben dass Gott die Welt in seiner Hand hält, also zumindest ein bisschen. Und ich will ja den anderen auch nichts überstülpen oder ihn vereinnahmen, deshalb ist es vielleicht besser wenn ich sagen: ICH glaube – denn jeder glaubt ja irgendwie auch immer etwas anderes …
Und hier wird gesungen: He´s got the whole world in his hand.
Was für ein Unterschied, was für eine Kraft. Bedingungslos: Du für mich. Und ich für dich. Und dann kann man loben und klagen
Welche Aussage: Nobody now´s, the truble if´s seen – was ich alles mit ansehen musste …. Sometimes, I feel, like a motherless children – wie ein mutterloses Kind ….
Und wir können die Flüchtlingsströme davor und dahinter sehen, auch die Flüchtlinge, die jetzt bei uns ankommen, weil sie die Mittelmeerländer nicht mehr fassen können – und es gibt nicht gleich wieder Antworten, sondern nur Schluchzen und Weinen, dass einem der Schauder über den Rücken herunter läuft … ob des Elends und des Leids auf der Welt und in der Welt. Und es ist ja nicht nur das fremde Leid, es ist ja auch das eigene Leid hier im Blick.
2. Das ABER Gottes – Let my people go!
Aber!
Aber! Es bleibt nicht dabei.
Wir werden es nachher singen:
Die Erinnerung ist da: When Israel was in Egyptland oppressed so hard, they could not stand – unterdrückt so hart, dass sie es nicht aushalten konnten …
Aber das ist nicht das letzte Wort, sondern zwischenhinein wird gesungen: Let my people go!
Gott positioniert sich in seinem Gospels und er positioniert sich im Glauben: Let my people go – Lass man Volk gehen.
Ihr Mächte, ihr Kräfte der Finsternis, Bedrohung, Lebenszerstörung, Resignation – lasst mein Volk frei! Und das ist das Entscheidende.
Der, der den Gospel singt, weiß, dass Gott parteiisch ist. Mein Leid wird nicht das letzte Wort sein, sondern die Freiheit Gottes, die wird das letzte Wort haben.
Let my people go!
Und ich frage mich? Haben wir es hinübergeschrien über die menschenverachtende Mauer zwischen Ost und West in die damalige DDR: Let my people go! Oder haben wir eher Angst bekommen, als sie alle kamen, unsere Brüder und Schwestern aus dem Osten, die den Krieg zweimal verloren hatten und viele dann lieber wieder zugesperrt hätten – im Westen wie im Osten, damit man sein Ding schön für sich machen kann.
Let my people go!
Was für ein gewaltiges Geschenk bis heute. Die Freiheit. Die Freizügigkeit in ganz Europa.
Wer spricht denn von Zuckerschlecken? Schlaraffenland ist abgebrannt. Aber was geworden ist, ist doch einmalig.
Israel wanderte damals nach dem Auszug aus der Sklaverei 40 Jahre durch die Wüste und murrt und meutert und fertigt sich sogar ein Goldenes Kalb. Alles ist durcheinander.
Aber zum Schluss, zum Schluss wird dieses Ereignis das alles entscheidende Ereignis und zum Grundbekenntnis der Juden bis heute: Der Herr, unser Gott, der uns aus Ägyptenland aus der Sklaverei geführt hat.
Wir bringen diese Ereignisse ja gar nicht mehr mit Gott in Verbindung, sondern nehmen es hin als Zufall, als günstige Fügung, das Zusammentreffen glücklicher Umstände.
Wie ignorant wir sind. Und wie wir dabei all die missachten, die dafür eingetreten sind, dass die Einheit möglich wird, die dafür ihr Leben riskiert haben, den Traum nicht ausgeträumt hatten, hier wie dort.
Gott sei Dank gab es und gibt es bis heute immer wieder Menschen, die sich hinstellen und dieses alte Lied anstimmen:
Let my people go!
3. Nicht die perfekt Kirche, sondern die Nachfolgende Kirche
Doch wo stehen wir? Wo stehen wir persönlich und wo stehen wir mit unserer Kirche?
Mir tun unsere Schüler leid:
Beispiel: FOS-Schüler, die mutig erzählen, dass sie sich zur Kirche halten oder sich in der Gemeinde engagieren und bei allem Erzählen kommt sofort als Beiwerk, das große Problembewusstsein, dass die Kirche ja auch versagt hat in der Nazi-Zeit und dann werden alle die Sünden aufgezählt von Hexenverbrennung, Kreuzzüge …
Und wir dürfen das alles auch nicht vergessen.
Aber lassen wir uns doch nicht immer wieder hineintreiben in die Sklaverei der Moderne, die uns aburteilt an unseren Fehlern, an unseren Schwächen, an unseren Versäumnissen – und wir dann kleinlaut und womöglich nur noch heimlich unseren Glauben leben. Verunsichert, ob man in der heutigen Welt überhaupt noch glauben darf. He´s got the whole world in his hand!
Denn welcher Fußballfan lässt sich permanent mit den gewalttätigen Hooligans vergleichen. Er sagt: Aber ich bin kein Hooligan. Ich distanziere mich von denen und bin trotzdem ein echter Fußballfan.
Welcher Deutsche lässt sich heute noch als Nazi beschimpfen. Wir sind es ja auch nicht mehr. Gott sei Dank. Wir haben gelernt. Sehr viel gelernt und sind trotzdem Deutsche. Mit der Geschichte und trotzdem heute ganz anders.
Doch im Glauben gehen wir denen auf den Leim, die an ihrem Idealbild einer „perfekten Kirche“ und einem Wundergott gescheitert sind und dann jeden Makel zum Fallstrick für das Ganze erklären.
Doch wir sind keine perfekte Kirche, sondern wir sind eine nachfolgende Kirche und wo Schuld ist, da muss sie ans Licht.
Doch wir leben nicht von unserem Hochglanz, von unserer Arroganz oder von unserer Makellosigkeit, sondern wir leben aus der Gnade Gottes. Wir sind Kirche Jesu Christi, die Gott bittet, wie damals Mose:
Haben wir, HERR, Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe in unserer Mitte, denn wir sind ein halsstarriges Volk; und vergib uns unsere Missetat und Sünde und lass uns dein Erbbesitz sein.
Und dann lasst uns glauben und Gott vertrauen und Freud und Leid mit ihm teilen. Und lasst uns von ihm verwandeln und uns zu „Neu geborenen“ werden, die von der Liebe und der Vergebung und der Versöhnung wissen und von der Gerechtigkeit Gottes geschmeckt haben und dafür eintreten schon hier auf Erden für alle Menschen.
4. Die Zukunft ist beschrieben
Das ist die Welt des Gospels – allen Widerfahrnissen zum Trotz. Ein freies Leben – schon in der Unterdrückung, in aller Angst und Verzagtheit, die uns immer wieder überfällt.
Doch sie weiß: Ihre Kraft kommt aus Gott. Nicht aufzugeben, sondern Millimeter um Millimeter dieses Reich Gottes zugewinnen?
- Frau Walter und der Missionsdienst für Christus in Indien!
- Oder beim Möbel Höffner oder in Zirndorf oder in der eigenen Familie oder in der Nachbarschaft ums Eck
Und die Erschöpftheit und der Frust und manche Resignation gehören dazu.
Es ist noch nicht vollbracht, aber die Zukunft ist beschrieben! Die Vorfreude! Die Vorfreude, wie wir sie bei Enkeln und Urenkeln erleben. Ich werde es vielleicht nicht mehr schauen, aber sie! Und dafür lohnt es sich immer, sich einzusetzen. Und manchmal dürfen wir es sogar schon selber schmecken. Und hoffentlich wissen wir es dann auch zu würdigen, so wie es hier in unserem Predigttext steht:
10 Und der HERR sprach: Siehe, ich will einen Bund schließen: Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun, wie sie nicht geschehen sind in allen Landen und unter allen Völkern, und das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll des HERRN Werk sehen; denn wunderbar wird sein, was ich an dir tun werde.
Amen
Predigttext Exodus 34,4-10
Predigt
4 Und Mose hieb zwei steinerne Tafeln zu, wie die ersten waren, und stand am Morgen früh auf und stieg auf den Berg Sinai, wie ihm der HERR geboten hatte, und nahm die zwei steinernen Tafeln in seine Hand.
5 Da kam der HERR hernieder in einer Wolke, und Mose trat daselbst zu ihm und rief den Namen des HERRN an.
6 Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue,
7 der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand, sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied!
8 Und Mose neigte sich eilends zur Erde und betete an 9 und sprach: Hab ich, HERR, Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe der Herr in unserer Mitte, denn es ist ein halsstarriges Volk; und vergib uns unsere Missetat und Sünde und lass uns dein Erbbesitz sein.
10 Und der HERR sprach: Siehe, ich will einen Bund schließen: Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun, wie sie nicht geschehen sind in allen Landen und unter allen Völkern, und das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll des HERRN Werk sehen; denn wunderbar wird sein, was ich an dir tun werde.
Liebe Gemeinde,
1. Verunsicherung
Wie ist das denn in unserem Leben. Können wir es einfach so heraussingen: He´s got the whole world in his hand?
Er hält auch dich und mich in seiner Hand?
Denn das ist ja die Emotion, das Gefühl, das hinter den Gospels steht und mitschwingt, diese einzigartige Bezogenheit auf Gott.
Der Gospel, the god spell – übersetzt: Das Evangelium / die gute Nachricht
Ja, ja, ich weiß auch: Wir Deutschen sind nicht so emotional. Wir sind abgeklärter, sachlicher, nüchterner. Darf ja auch sein.
Aber müssen wir deshalb unklarer werden.
He´s got the whole world in his hand? - Was für eine Behauptung. Doch wir sagen ganz abgeklärt: So absolut kann man das ja auch nicht sagen. Also, WIR glauben dass Gott die Welt in seiner Hand hält, also zumindest ein bisschen. Und ich will ja den anderen auch nichts überstülpen oder ihn vereinnahmen, deshalb ist es vielleicht besser wenn ich sagen: ICH glaube – denn jeder glaubt ja irgendwie auch immer etwas anderes …
Und hier wird gesungen: He´s got the whole world in his hand.
Was für ein Unterschied, was für eine Kraft. Bedingungslos: Du für mich. Und ich für dich. Und dann kann man loben und klagen
Welche Aussage: Nobody now´s, the truble if´s seen – was ich alles mit ansehen musste …. Sometimes, I feel, like a motherless children – wie ein mutterloses Kind ….
Und wir können die Flüchtlingsströme davor und dahinter sehen, auch die Flüchtlinge, die jetzt bei uns ankommen, weil sie die Mittelmeerländer nicht mehr fassen können – und es gibt nicht gleich wieder Antworten, sondern nur Schluchzen und Weinen, dass einem der Schauder über den Rücken herunter läuft … ob des Elends und des Leids auf der Welt und in der Welt. Und es ist ja nicht nur das fremde Leid, es ist ja auch das eigene Leid hier im Blick.
2. Das ABER Gottes – Let my people go!
Aber!
Aber! Es bleibt nicht dabei.
Wir werden es nachher singen:
Die Erinnerung ist da: When Israel was in Egyptland oppressed so hard, they could not stand – unterdrückt so hart, dass sie es nicht aushalten konnten …
Aber das ist nicht das letzte Wort, sondern zwischenhinein wird gesungen: Let my people go!
Gott positioniert sich in seinem Gospels und er positioniert sich im Glauben: Let my people go – Lass man Volk gehen.
Ihr Mächte, ihr Kräfte der Finsternis, Bedrohung, Lebenszerstörung, Resignation – lasst mein Volk frei! Und das ist das Entscheidende.
Der, der den Gospel singt, weiß, dass Gott parteiisch ist. Mein Leid wird nicht das letzte Wort sein, sondern die Freiheit Gottes, die wird das letzte Wort haben.
Let my people go!
Und ich frage mich? Haben wir es hinübergeschrien über die menschenverachtende Mauer zwischen Ost und West in die damalige DDR: Let my people go! Oder haben wir eher Angst bekommen, als sie alle kamen, unsere Brüder und Schwestern aus dem Osten, die den Krieg zweimal verloren hatten und viele dann lieber wieder zugesperrt hätten – im Westen wie im Osten, damit man sein Ding schön für sich machen kann.
Let my people go!
Was für ein gewaltiges Geschenk bis heute. Die Freiheit. Die Freizügigkeit in ganz Europa.
Wer spricht denn von Zuckerschlecken? Schlaraffenland ist abgebrannt. Aber was geworden ist, ist doch einmalig.
Israel wanderte damals nach dem Auszug aus der Sklaverei 40 Jahre durch die Wüste und murrt und meutert und fertigt sich sogar ein Goldenes Kalb. Alles ist durcheinander.
Aber zum Schluss, zum Schluss wird dieses Ereignis das alles entscheidende Ereignis und zum Grundbekenntnis der Juden bis heute: Der Herr, unser Gott, der uns aus Ägyptenland aus der Sklaverei geführt hat.
Wir bringen diese Ereignisse ja gar nicht mehr mit Gott in Verbindung, sondern nehmen es hin als Zufall, als günstige Fügung, das Zusammentreffen glücklicher Umstände.
Wie ignorant wir sind. Und wie wir dabei all die missachten, die dafür eingetreten sind, dass die Einheit möglich wird, die dafür ihr Leben riskiert haben, den Traum nicht ausgeträumt hatten, hier wie dort.
Gott sei Dank gab es und gibt es bis heute immer wieder Menschen, die sich hinstellen und dieses alte Lied anstimmen:
Let my people go!
3. Nicht die perfekt Kirche, sondern die Nachfolgende Kirche
Doch wo stehen wir? Wo stehen wir persönlich und wo stehen wir mit unserer Kirche?
Mir tun unsere Schüler leid:
Beispiel: FOS-Schüler, die mutig erzählen, dass sie sich zur Kirche halten oder sich in der Gemeinde engagieren und bei allem Erzählen kommt sofort als Beiwerk, das große Problembewusstsein, dass die Kirche ja auch versagt hat in der Nazi-Zeit und dann werden alle die Sünden aufgezählt von Hexenverbrennung, Kreuzzüge …
Und wir dürfen das alles auch nicht vergessen.
Aber lassen wir uns doch nicht immer wieder hineintreiben in die Sklaverei der Moderne, die uns aburteilt an unseren Fehlern, an unseren Schwächen, an unseren Versäumnissen – und wir dann kleinlaut und womöglich nur noch heimlich unseren Glauben leben. Verunsichert, ob man in der heutigen Welt überhaupt noch glauben darf. He´s got the whole world in his hand!
Denn welcher Fußballfan lässt sich permanent mit den gewalttätigen Hooligans vergleichen. Er sagt: Aber ich bin kein Hooligan. Ich distanziere mich von denen und bin trotzdem ein echter Fußballfan.
Welcher Deutsche lässt sich heute noch als Nazi beschimpfen. Wir sind es ja auch nicht mehr. Gott sei Dank. Wir haben gelernt. Sehr viel gelernt und sind trotzdem Deutsche. Mit der Geschichte und trotzdem heute ganz anders.
Doch im Glauben gehen wir denen auf den Leim, die an ihrem Idealbild einer „perfekten Kirche“ und einem Wundergott gescheitert sind und dann jeden Makel zum Fallstrick für das Ganze erklären.
Doch wir sind keine perfekte Kirche, sondern wir sind eine nachfolgende Kirche und wo Schuld ist, da muss sie ans Licht.
Doch wir leben nicht von unserem Hochglanz, von unserer Arroganz oder von unserer Makellosigkeit, sondern wir leben aus der Gnade Gottes. Wir sind Kirche Jesu Christi, die Gott bittet, wie damals Mose:
Haben wir, HERR, Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe in unserer Mitte, denn wir sind ein halsstarriges Volk; und vergib uns unsere Missetat und Sünde und lass uns dein Erbbesitz sein.
Und dann lasst uns glauben und Gott vertrauen und Freud und Leid mit ihm teilen. Und lasst uns von ihm verwandeln und uns zu „Neu geborenen“ werden, die von der Liebe und der Vergebung und der Versöhnung wissen und von der Gerechtigkeit Gottes geschmeckt haben und dafür eintreten schon hier auf Erden für alle Menschen.
4. Die Zukunft ist beschrieben
Das ist die Welt des Gospels – allen Widerfahrnissen zum Trotz. Ein freies Leben – schon in der Unterdrückung, in aller Angst und Verzagtheit, die uns immer wieder überfällt.
Doch sie weiß: Ihre Kraft kommt aus Gott. Nicht aufzugeben, sondern Millimeter um Millimeter dieses Reich Gottes zugewinnen?
- Frau Walter und der Missionsdienst für Christus in Indien!
- Oder beim Möbel Höffner oder in Zirndorf oder in der eigenen Familie oder in der Nachbarschaft ums Eck
Und die Erschöpftheit und der Frust und manche Resignation gehören dazu.
Es ist noch nicht vollbracht, aber die Zukunft ist beschrieben! Die Vorfreude! Die Vorfreude, wie wir sie bei Enkeln und Urenkeln erleben. Ich werde es vielleicht nicht mehr schauen, aber sie! Und dafür lohnt es sich immer, sich einzusetzen. Und manchmal dürfen wir es sogar schon selber schmecken. Und hoffentlich wissen wir es dann auch zu würdigen, so wie es hier in unserem Predigttext steht:
10 Und der HERR sprach: Siehe, ich will einen Bund schließen: Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun, wie sie nicht geschehen sind in allen Landen und unter allen Völkern, und das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll des HERRN Werk sehen; denn wunderbar wird sein, was ich an dir tun werde.
Amen
20140519
Martin Adel: Gott wird sich durchsetzen
Sonntag Kantate am 18.05.2014
Predigt Offenbarung 15,2-4
Liebe Gemeinde!
Hinführung
Musik läuft bei uns ja oft im Hintergrund. Im Radio. Im Fernsehen. Bei jedem Film spielt die Musik eine wichtige Rolle, um die Stimmungen zum Ausdruck zu bringen.
Doch wie ist das bei ihnen selbst? Wann hören sie Musik? Bewusst Musik? Und zu welchem Zweck?
Was ist Musik für Sie?
Bei mir ist es eine Zeit der Entspannung? Eine Möglichkeit, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen – mich fallen lassen, mitgehen, eintauchen in eine andere Welt – zumindest auf Zeit?
Auszeit von den Dingen, die einen sonst vielleicht allzu sehr beschäftigen und in Beschlag nehmen? Eine Lebensvergewisserung, angerührt von der Ästhetik, dem Schönen – nicht auf der Kopfebene, sondern auf der Gefühlsebene.
Musik - ein Schutzraum! Nicht nur ein Klangraum, sondern auch ein Kraftraum! Ein Kraftraum für unsere Seele.
1. Offenbarung - Apokalyptik - Weltuntergang
Wenn wir unseren heutigen Predigttext lesen, dann war das damals auch so. Johannes schreibt ein Lied. Ein Lied, dessen Melodie uns nicht überliefert ist. Aber es ist ein Lied mitten in den Wirrnissen des Alltags.
Und die Zeit damals um die erste Jahrhundertwende war garstig für die Christen. Lebensfeindlich. Lebensverachtend. Es ist die Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Domitian (Kaiser in Rom von 81-96 n.Chr.). Und der Evangelist Johannes schreibt das Buch der Offenbarung. Eine Apokalypse. Und seine Sprache ist mächtig und gewaltig. Er überträgt die täglichen Bedrohungen in eine Bildersprache und stellt damit fast schon jedes heutige Computerspiel in den Schatten - ob es nun die sieben Schalen des Zornes sind oder die sieben Posaunen, die das gleiche Unheil herbeirufen oder das Buch mit den sieben Siegeln. Oder denken wir nur an das Tier mit den sieben Köpfen und den zehn Hörnern und auf seinen Köpfen gotteslästerliche Namen … ähnlich einem Panther, und seine Füße waren wie die eines Bären und sein Rachen wie der Rachen eines Löwen. Und der Drache gab ihm seine Kraft ..."(Apk 12,18 13,2)
Die Visionen des Johannes sind zeitlos, weil es Bilder sind, die uns aus unseren eigenen Träumen und Phantasien und Erfahrungen vertraut sind. Fabelwesen, Dämonen, Ungeheuer. Und die Katastrophen, die in diesem Buch beschrieben sind, sind keine anderen als die, die auch wir noch kennen: Seuchen, vergiftete Gewässer, Dürre, gewaltige Steppenbrände, Katastrophen – Naturkatastrophen oder die Katastrophen, die der Mensch immer wieder über die Erde bringt: Gewalt, Krieg, Vernichtung. Welt - Untergangsstimmung.
Und die Kino´s produzieren sie, bis auf den heutigen Tag, die Apokalypsefilme: Apokalypse NOW. Harmagedon. Book of Eli. Und der Mensch auf der Welt auch.
2. Trost und Mut contra Angst
Und mit der Angst des Menschen kann man gutes Geld verdienen. Nicht nur im Fernsehen, sondern auch real. Denn der ängstliche Mensch lässt sich besser manipulieren und wird funktionalisiert. Dem kann man Versicherungen verkaufen oder man kann ihm Opfer abverlangen, unmenschliche Opfer, im Kampf gegen das Böse.
Wenn wir heute die Predigten vieler Pfarrer zum Beginn des ersten Weltkriegs lesen, wir einem richtig schlecht, wie das Buch der Offenbarung des Johannes dann herbeizitiert und der Krieg zum Kampf gegen den Sittenverfall Europas hochstilisiert wird. Als gottgegebenes Schiksal – wird er von der geistigen Elite Deutschlands beschrieben. Als Opferzeit für die gute Sache. Und am Ende haben 17 Millionen Menschen ihr Leben gelassen und Europa liegt in Trümmern.
Doch all das hat mit Johannes nichts zu tun. Denn für ihn stellt sich nicht die Frage, was kommen wird. Wie und auf welche Weise die Welt untergeht und wodurch sich der Mensch selber vernichtet.
Sondern für Johannes stellt sich in all den Leiderfahrungen die Frage: Wer wird sich durchsetzen. Und das ist für ihn klar. Gott wird sich durchsetzen.
Seine Worte sind keine Katastrophendiagnose zur Bestimmung endzeitlicher Ereignisse, sondern ein Trostbuch gegen die Angst. Und so stehen am Schluß der Offenbarung diese Worte, die bei vielen Beerdigungen noch am offenen Grab gesprochen werden:
"Und Gott selbst wird bei seinem Volk wohnen. Und er wird abwischen alle Tränen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. ... Siehe, ich mache alles neu."
Und hier sind wir auch bei unserem Predigttext. Mitten in den apokalyptischen Beschreibungen steht dieses Lied – und es beschreibt den Sieg, der kommen wird, auch wenn wir im Jetzt es vielleicht noch nicht sehen oder daran zweifeln:
3. Off 15,2-4 (Zürcher)
Und ich sah etwas wie ein gläsernes, mit Feuerschein untermischtes Meer, und die SIEGER über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens standen an dem gläsernen Meer und hatten Harfen zum Preise Gottes. Und sie sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes:
Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott; gerecht und wahr sind deine Wege, König der Völker. Wer sollte nicht fürchten, Herr, und preisen deinen Namen? Denn du bist allein heilig; denn „alle Völker werden kommen und vor dir anbeten“, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind.
4. Die Siegesfeier
Johannes schreibt ein Lied gegen die Angst. Und er beschreibt den Sieg über das Tier, das vollständig, das samt seinem Bild und der Schar seiner Anhänger besiegt ist. Hier wird der Sieg gefeiert. Der Sieg der Befreiung. Der Sieg der Wahrheit über die Lüge. Der Sieg der Gerechtigkeit über die Unterdrückung.
Und das gibt Kraft und Mut. Das sind die Hoffnungsbilder, mit denen wir selbst gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung angehen können. Nelson Mandeila, Paulo Freire und all die anderen Aktivisten haben daraus gelebt. I have a dream – von Martin Luther King (derzeit beeindruckend vertont von Lipo Sounds remix) sind Hoffnungsworte zur Orientierung, wo es hingehen soll, auch wenn sie sich so noch nicht abzeichnen – oder immer nur punktuell.
Wir empören uns gegen die Umstände, aber motiviert werden wir von der Idee, dass sich etwas verändern lässt und dass die Wirklichkeit so nicht gilt. Nie gilt. Das war 1945 so und 1989 so und gilt immer noch. Im Kleinen wie im Großen.
"... die Sieger über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens standen an dem gläsernen Meer und hatten Harfen zum Preise Gottes." Das ist die Wahrheit, die immer noch dahintersteht.
Und die Musik ist dabei ein Ausdrucksmittel, das mehr sagen kann als all die Worte. Eine Atempause, eine Kraftquelle, ein Ausdruck der Freiheit.
Die Angst schnürt uns den Hals zu. Doch Paulus singt im Gefängnis gegen die Angst und er wird frei; innerlich und dann sogar äußerlich.
Und im Singen werden wir vielleicht hinweggetragen, so wie wir am Grab singen können von Dank und Lob, in aller Trauer und Abschied, weil wir uns nicht mehr nur binden lassen müssen von den Kräften, die uns ins Verderben ziehen wollen, sondern bereits angerührt sind von dem österlichen Morgen, der auch uns gilt, der Morgen Gottes, den wir der Welt entgegen halten wollen – weil Gottes Gerechtigkeit gilt.
Gott wird sich durchsetzen. Das ist die Basis, von der Johannes schreibt. Ohne einen solchen Glauben könnten wir die Welt nicht verändern und der Mensch oder die Menschlichkeit kommt unter die Räder. Nicht alle werden es erleben. Manchmal muss man auch kämpfen, ohne die eigenen Früchte ernten zu können; aber insgesamt wird es sich durchsetzen, was Gott bestimmt hat: Friede und Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit. Wo Langmut und Demut mehr zählen als Hetze und Parteiung und Streit ….
Gott wird sich durchsetzen. Darin ist sich Johannes sicher – und er schreibt sein Lied gegen alle Bedrohung und Angst, gewissermaßen jetzt schon ein Vorbote von Gottes Herrlichkeit. Was für eine Musik.
Und ich sah etwas wie ein gläsernes, mit Feuerschein untermischtes Meer, und die SIEGER über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens standen an dem gläsernen Meer und hatten Harfen zum Preise Gottes. Und sie sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes:
Gross und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott; gerecht und wahr sind deine Wege, König der Völker. Wer sollte nicht fürchten, Herr, und preisen deinen Namen? Denn du bist allein heilig; denn „alle Völker werden kommen und vor dir anbeten“, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind.
Amen.
Predigt Offenbarung 15,2-4
Liebe Gemeinde!
Hinführung
Musik läuft bei uns ja oft im Hintergrund. Im Radio. Im Fernsehen. Bei jedem Film spielt die Musik eine wichtige Rolle, um die Stimmungen zum Ausdruck zu bringen.
Doch wie ist das bei ihnen selbst? Wann hören sie Musik? Bewusst Musik? Und zu welchem Zweck?
Was ist Musik für Sie?
Bei mir ist es eine Zeit der Entspannung? Eine Möglichkeit, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen – mich fallen lassen, mitgehen, eintauchen in eine andere Welt – zumindest auf Zeit?
Auszeit von den Dingen, die einen sonst vielleicht allzu sehr beschäftigen und in Beschlag nehmen? Eine Lebensvergewisserung, angerührt von der Ästhetik, dem Schönen – nicht auf der Kopfebene, sondern auf der Gefühlsebene.
Musik - ein Schutzraum! Nicht nur ein Klangraum, sondern auch ein Kraftraum! Ein Kraftraum für unsere Seele.
1. Offenbarung - Apokalyptik - Weltuntergang
Wenn wir unseren heutigen Predigttext lesen, dann war das damals auch so. Johannes schreibt ein Lied. Ein Lied, dessen Melodie uns nicht überliefert ist. Aber es ist ein Lied mitten in den Wirrnissen des Alltags.
Und die Zeit damals um die erste Jahrhundertwende war garstig für die Christen. Lebensfeindlich. Lebensverachtend. Es ist die Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Domitian (Kaiser in Rom von 81-96 n.Chr.). Und der Evangelist Johannes schreibt das Buch der Offenbarung. Eine Apokalypse. Und seine Sprache ist mächtig und gewaltig. Er überträgt die täglichen Bedrohungen in eine Bildersprache und stellt damit fast schon jedes heutige Computerspiel in den Schatten - ob es nun die sieben Schalen des Zornes sind oder die sieben Posaunen, die das gleiche Unheil herbeirufen oder das Buch mit den sieben Siegeln. Oder denken wir nur an das Tier mit den sieben Köpfen und den zehn Hörnern und auf seinen Köpfen gotteslästerliche Namen … ähnlich einem Panther, und seine Füße waren wie die eines Bären und sein Rachen wie der Rachen eines Löwen. Und der Drache gab ihm seine Kraft ..."(Apk 12,18 13,2)
Die Visionen des Johannes sind zeitlos, weil es Bilder sind, die uns aus unseren eigenen Träumen und Phantasien und Erfahrungen vertraut sind. Fabelwesen, Dämonen, Ungeheuer. Und die Katastrophen, die in diesem Buch beschrieben sind, sind keine anderen als die, die auch wir noch kennen: Seuchen, vergiftete Gewässer, Dürre, gewaltige Steppenbrände, Katastrophen – Naturkatastrophen oder die Katastrophen, die der Mensch immer wieder über die Erde bringt: Gewalt, Krieg, Vernichtung. Welt - Untergangsstimmung.
Und die Kino´s produzieren sie, bis auf den heutigen Tag, die Apokalypsefilme: Apokalypse NOW. Harmagedon. Book of Eli. Und der Mensch auf der Welt auch.
2. Trost und Mut contra Angst
Und mit der Angst des Menschen kann man gutes Geld verdienen. Nicht nur im Fernsehen, sondern auch real. Denn der ängstliche Mensch lässt sich besser manipulieren und wird funktionalisiert. Dem kann man Versicherungen verkaufen oder man kann ihm Opfer abverlangen, unmenschliche Opfer, im Kampf gegen das Böse.
Wenn wir heute die Predigten vieler Pfarrer zum Beginn des ersten Weltkriegs lesen, wir einem richtig schlecht, wie das Buch der Offenbarung des Johannes dann herbeizitiert und der Krieg zum Kampf gegen den Sittenverfall Europas hochstilisiert wird. Als gottgegebenes Schiksal – wird er von der geistigen Elite Deutschlands beschrieben. Als Opferzeit für die gute Sache. Und am Ende haben 17 Millionen Menschen ihr Leben gelassen und Europa liegt in Trümmern.
Doch all das hat mit Johannes nichts zu tun. Denn für ihn stellt sich nicht die Frage, was kommen wird. Wie und auf welche Weise die Welt untergeht und wodurch sich der Mensch selber vernichtet.
Sondern für Johannes stellt sich in all den Leiderfahrungen die Frage: Wer wird sich durchsetzen. Und das ist für ihn klar. Gott wird sich durchsetzen.
Seine Worte sind keine Katastrophendiagnose zur Bestimmung endzeitlicher Ereignisse, sondern ein Trostbuch gegen die Angst. Und so stehen am Schluß der Offenbarung diese Worte, die bei vielen Beerdigungen noch am offenen Grab gesprochen werden:
"Und Gott selbst wird bei seinem Volk wohnen. Und er wird abwischen alle Tränen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. ... Siehe, ich mache alles neu."
Und hier sind wir auch bei unserem Predigttext. Mitten in den apokalyptischen Beschreibungen steht dieses Lied – und es beschreibt den Sieg, der kommen wird, auch wenn wir im Jetzt es vielleicht noch nicht sehen oder daran zweifeln:
3. Off 15,2-4 (Zürcher)
Und ich sah etwas wie ein gläsernes, mit Feuerschein untermischtes Meer, und die SIEGER über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens standen an dem gläsernen Meer und hatten Harfen zum Preise Gottes. Und sie sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes:
Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott; gerecht und wahr sind deine Wege, König der Völker. Wer sollte nicht fürchten, Herr, und preisen deinen Namen? Denn du bist allein heilig; denn „alle Völker werden kommen und vor dir anbeten“, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind.
4. Die Siegesfeier
Johannes schreibt ein Lied gegen die Angst. Und er beschreibt den Sieg über das Tier, das vollständig, das samt seinem Bild und der Schar seiner Anhänger besiegt ist. Hier wird der Sieg gefeiert. Der Sieg der Befreiung. Der Sieg der Wahrheit über die Lüge. Der Sieg der Gerechtigkeit über die Unterdrückung.
Und das gibt Kraft und Mut. Das sind die Hoffnungsbilder, mit denen wir selbst gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung angehen können. Nelson Mandeila, Paulo Freire und all die anderen Aktivisten haben daraus gelebt. I have a dream – von Martin Luther King (derzeit beeindruckend vertont von Lipo Sounds remix) sind Hoffnungsworte zur Orientierung, wo es hingehen soll, auch wenn sie sich so noch nicht abzeichnen – oder immer nur punktuell.
Wir empören uns gegen die Umstände, aber motiviert werden wir von der Idee, dass sich etwas verändern lässt und dass die Wirklichkeit so nicht gilt. Nie gilt. Das war 1945 so und 1989 so und gilt immer noch. Im Kleinen wie im Großen.
"... die Sieger über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens standen an dem gläsernen Meer und hatten Harfen zum Preise Gottes." Das ist die Wahrheit, die immer noch dahintersteht.
Und die Musik ist dabei ein Ausdrucksmittel, das mehr sagen kann als all die Worte. Eine Atempause, eine Kraftquelle, ein Ausdruck der Freiheit.
Die Angst schnürt uns den Hals zu. Doch Paulus singt im Gefängnis gegen die Angst und er wird frei; innerlich und dann sogar äußerlich.
Und im Singen werden wir vielleicht hinweggetragen, so wie wir am Grab singen können von Dank und Lob, in aller Trauer und Abschied, weil wir uns nicht mehr nur binden lassen müssen von den Kräften, die uns ins Verderben ziehen wollen, sondern bereits angerührt sind von dem österlichen Morgen, der auch uns gilt, der Morgen Gottes, den wir der Welt entgegen halten wollen – weil Gottes Gerechtigkeit gilt.
Gott wird sich durchsetzen. Das ist die Basis, von der Johannes schreibt. Ohne einen solchen Glauben könnten wir die Welt nicht verändern und der Mensch oder die Menschlichkeit kommt unter die Räder. Nicht alle werden es erleben. Manchmal muss man auch kämpfen, ohne die eigenen Früchte ernten zu können; aber insgesamt wird es sich durchsetzen, was Gott bestimmt hat: Friede und Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit. Wo Langmut und Demut mehr zählen als Hetze und Parteiung und Streit ….
Gott wird sich durchsetzen. Darin ist sich Johannes sicher – und er schreibt sein Lied gegen alle Bedrohung und Angst, gewissermaßen jetzt schon ein Vorbote von Gottes Herrlichkeit. Was für eine Musik.
Und ich sah etwas wie ein gläsernes, mit Feuerschein untermischtes Meer, und die SIEGER über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens standen an dem gläsernen Meer und hatten Harfen zum Preise Gottes. Und sie sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes:
Gross und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott; gerecht und wahr sind deine Wege, König der Völker. Wer sollte nicht fürchten, Herr, und preisen deinen Namen? Denn du bist allein heilig; denn „alle Völker werden kommen und vor dir anbeten“, weil deine gerechten Taten offenbar geworden sind.
Amen.
20140217
Martin Adel: "... und in bösen Tagen"
Sontag Septuagesimae
16.02.2014
Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.
Daniel 9,18
Vorwort:
Liebe Gemeinde, auch wenn wir heute ganz besonders auf die Beziehung in der Ehe sehen, gelten die Worte weit darüber hinaus. Denn in Beziehung leben wir immer, ob zu unseren Kindern, zu unseren Geschwistern, zu unseren Eltern.
Machen Sie ihr Herz weit und schauen Sie, was Sie mitnehmen können.
Liebe Gemeinde,
das hat man davon. Da hat man eine Idee und denkt an nichts Böses. Gottesdienst zur Ehewoche – Was könnte das Thema sein. "Über die guten Zeiten kann jeder predigen“, denke ich mir, "dann nimm doch mal die 'bösen Zeiten.'"
Gesagt. Getan. Und schon steht es im Programm.
Und dann rückt der Gottesdienst immer näher und man bekommt etwas Bammel. Was kann man denn da sagen. Etwas sagen, das vielleicht auch noch hilfreich ist …
Und am liebsten würde man es wieder ungeschehen machen, weil es einen in eine Zwickmühle bringt und so anstrengend ist ….
Aber vielleicht ist DAS ja schon wegweisend. Denn in der Ehe ist das ja auch oft so.
Es beginnt mit der Idee, mit dem Gefühl, mit den guten Tagen … … und dann … „endet es mit den bösen Tagen?“
NEIN!
Und das ist wichtig, dass wir hier ein NEIN sagen können.
Denn alles andere wäre grausam.
Wenn wir bei der Trauung in der Kirche vor Gottes Altar knien und uns versprechen:
Gott hat euch einander anvertraut. Wollt ihr als Eheleute einander lieben und ehren und die Ehe nach Gottes Gebot und Verheißung führen – in guten und in bösen Tagen. Wollt ihr Freude und Leid miteinander teilen und euch die Treue halten bis dass der Tod euch scheidet so antwortet: Ja, mit Gottes Hilfe.
Wenn wir diese Worte sprechen, ja sogar versprechen, dann ist das doch keine zeitliche Abfolge: Zuerst die guten Tage und wenn wir die dann alle aufgebraucht haben, dann kommen die schlechten Tage.
Und genau hier liegt das Problem. Wenn wir in unserer Beziehung an einen Punkt kommen, an dem wir meinen: „Jetzt bleibt es für immer so“ – dann wird es gefährlich.
In den guten Zeiten wünschen wir uns das ja, dass es immer so bliebe, doch wir merken, wie es sich verändert. Aber in den schlechten Zeiten, da meinen wir oft: Jetzt schreibt es sich fest. Jetzt bleibt es für IMMER so! Kein Licht am Horizont. Keine Perspektive.
Aber wer sagt das?
Und es ist so, als ob die bösen Tage mehr Macht und Kraft hätten als die guten.
Und dann …
Dann fügt man sich entweder in sein Schicksal, sagt halt nichts mehr, lässt es halt so laufen, arrangiert sich – was nicht unbedingt schon schlecht ist – und begnügt sich mit dem wenigen oder mit gar nichts ….
Das hast du jetzt davon.
Spätestens wenn wir da angekommen sind, wird es Zeit, dass wir uns hinsetzen und die Hände falten: Herr, ich weiß nicht mehr weiter. In meiner Wut, in meinem Zorn, in meiner Hilflosigkeit entstehen die falschen Bilder in meinem Herzen.
Und weil wir nicht nur materiell in einer Wegwerf-Gesellschaft leben, werden wir auch in den Familien zu Opfern dieser Mentalität. Und dann wird ausgemistet. Und der Partner gleich mit. Und ich dann auch, wenn ich´s nicht mehr bringe.
Denn die bösen Tage sind ja nicht nur der andere, sondern die bin ja auch ich.
Da ist der Streit – der unerbitterliche Streit.
Das kann aber auch Krankheit sein – und da geht´s nicht um den Blinddarm, sondern Ereignisse, die eine Beziehung tief belasten können: Depression, Brustkrebs – also Ereignisse, die uns in unserem Miteinander bis hinein in das besonderer der Ehe, die Sexualität, betreffen. Oder der berufliche Misserfolg oder der Erfolg, Arbeitslosigkeit, körperliche Veränderungen, berufliche Veränderungen. Unterschiedliche Aufbruchs- und Veränderungszeiten und –wünsche.
Aber am Schlimmsten ist das alles, wenn die Beziehung hinterfragt wird: gilt es noch? Das ICH & DU. Das WIR. Denn das sind die eigentlich bösen Tage, wo das Fundament hinterfragt wird.
Und wenn dann solche Zeiten kommen, wird oft der Schleier immer dichter, bis nur noch vor unseren innerem Auge steht: Jetzt sind wir am Ende unserer Beziehung angekommen und das bleibt so. Jetzt wird nie mehr etwas anders. Nie mehr etwas besser. Jetzt heißt es nur noch: aushalten!
Einschub: Wir sprechen hier nicht von Gewalt. Von physischer oder psychischer Gewalt, von Sucht oder Dreiecksverhältnissen. Unter dem strikten Dogma: „Bis dass der Tod euch scheidet“ hatten vor allem die Frauen viel zu erleiden. „ … und in bösen Tagen“ ist nicht der Freibrief für die Willkürherrschaft eines Partners über den anderen oder über die ganze Familie.
Aber, meine Damen: Wir Männer müssen jetzt nicht für alles büßen, was die vor uns verbrochen haben.
„… und in bösen Tagen“ verweisen uns eher auf den Zustand davor, der uns hilft, durch die schwierigen Zeiten zu kommen. Denn sie kommen fast unweigerlich oder notwendig, weil wir ZWEI immer noch je einer sind und uns verändern und uns entwickeln und das nicht automatisch im Gleichklang.
Und deshalb ist es gut und wichtig, dass wir unser JA unter Gottes JA stellen und es ernst nehmen, dass ER uns einander anvertraut hat und wir auf sein JA und seinen Segen vertrauen können, wenn WIR gerade nichts mehr sehen.
Denn wie oft segeln wir hinaus bei schönem Wetter, blauäugig, ohne Kenntnis und haben nicht trainiert und geübt, um durch die Stürme hindurch zu navigieren und gehen über Bord, anstatt gemeinsam das Ruder zu halten, in der Erwartung, dass DAHINTER die See wieder ruhiger wird und nach dem Sturm wieder die Sonne scheint – auch wenn es vielleicht eine andere ist, wie davor und wir wo anders anlegen als da, wo wir abgelegt haben. Doch WIR haben es geschafft. Und wir können uns in der Sonne räckeln und das Segel flicken und dann neu setzen, zu unbekannten Ufern.
Denn wenn es stimmt, dass Gott uns einander anvertraut hat, dann weiß ER von einem Land hinter unserem Land und von einer Zeit nach dem Sturm und steht mit in unserem Boot, damit wir hindurch kommen.
Lustig ist das nicht. Und die Hände in den Schoß legen ist in solchen Zeiten auch nicht angesagt – aber eine Perspektive ist da. Wir wollen das gemeinsam schaffen. DU bist mir anvertraut und ICH bin dir anvertraut – und wir wollen achtsam nach dem anderen fragen.
Und die Mühe lohnt sich. Ich spreche bewusst nicht vom „aushalten“, sondern vom sich Mühen:
die Mühe mit sich selbst, die Mühe mit dem anderen, die Mühe mit den Kindern, die Mühe mit den Eltern … mit den Schwiegereltern.
Denn auf dieser Treue liegt eine Verheißung – auch wenn wir das vergessen haben sollten.
Gerade in der Beziehung, in der Familie braucht es ganz andere Bilder und Parameter als in unserer modernen Hochglanz- und Leistungsgesellschaft. Wir brauchen Entwicklungsbilder, Wachstumsbilder, die beides zulassen, die schönen und die anstrengenden Zeiten – das nervige nächtliche Schreien der Babys und die Begeisterung, wenn der Bub das Fahrradfahren lernt. Die Pubertät und die Freude, Opa sein zu dürfen. Und wir müssen wissen, wo wir stehen. Der Enkel muss über den Zaun hüpfen und nicht mehr ich. Und ich muss ihn dafür loben und er strahlt mich dafür an. Wissen wir das noch?
Und deshalb sprechen wir sogar am schönsten Tag des Lebens bewusst von „… und in bösen Tagen“ – weil sie uns den Blick öffnet wollen für die Tage hinter den bösen Tagen, die auf uns warten.
Eine Verheißung liegt auf unserem Bund. Und deshalb lohnt es sich zu kämpfen, zu bestehen, durch zu stehen und sich dabei verändern zu lassen. Was habe ich durch meine Frau gelernt! Was habe ich durch meine Kinder gelernt. Und das waren keine einfachen Prozesse und manches Schmerzhafte war dabei. Und manches Unnötige auch. Aber es hat sich gelohnt.
Oftmals sind die „bösen Tage“ die Übergänge, wo wir uns nicht mehr auf sicherem Terrain bewegen, wo wir aus unseren Meinungen und Haltungen und Prinzipien hinaus müssen ins ungeschützte, weite Land.
Und dann braucht es die Gewissheit: Wir gehen nicht allein. Da gibt es eine Verheißung Gottes über uns, die uns ein MEHR verheißt, als wir sehen können. Eine Entwicklung, ein Wachstum, ein Reifen – das uns noch gar nicht bewusst ist.
Und wie stolz die Paare oft sind, die Goldene Hochzeit feiern in der Kirche – wir haben es geschafft. Und da ist keiner mehr, so wie am Anfang. Aber das wäre auch fatal.
Verabschieden wir uns von diesen trostlosen und erschöpfenden Bildern: Jetzt bleibt alles so, wie es ist. Denn dann lohnt es sich nicht nur, nicht mehr zu kämpfen – sondern dann schreiben wir auch für den anderen fest, dass er sich gar nicht mehr verändern kann.
Doch das Land dahinter ist ein MEHR. Mit seiner eigenen Würde und seinem eigenen Wert. Nur, das müssen wir auch erst entdecken und erleben – doch Gott hält es für uns bereit.
Die bösen Tage sind keine schönen Tage, aber sie sind die notwendigen Tage im Reifen und Wachsen hin zu einem Leben in seiner ganzen Tiefe und Würde und in einem Reichtum, den unsere vordergründige Welt nicht in Hochglanz verpacken kann.
Denn hier darf auch ich Fehler haben und Macken und Defekte und ich bin trotzdem ein Geliebter. Nicht nur von Gott, sondern auch von meinem Gegenüber.
Amen
16.02.2014
Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.
Daniel 9,18
Vorwort:
Liebe Gemeinde, auch wenn wir heute ganz besonders auf die Beziehung in der Ehe sehen, gelten die Worte weit darüber hinaus. Denn in Beziehung leben wir immer, ob zu unseren Kindern, zu unseren Geschwistern, zu unseren Eltern.
Machen Sie ihr Herz weit und schauen Sie, was Sie mitnehmen können.
Liebe Gemeinde,
das hat man davon. Da hat man eine Idee und denkt an nichts Böses. Gottesdienst zur Ehewoche – Was könnte das Thema sein. "Über die guten Zeiten kann jeder predigen“, denke ich mir, "dann nimm doch mal die 'bösen Zeiten.'"
Gesagt. Getan. Und schon steht es im Programm.
Und dann rückt der Gottesdienst immer näher und man bekommt etwas Bammel. Was kann man denn da sagen. Etwas sagen, das vielleicht auch noch hilfreich ist …
Und am liebsten würde man es wieder ungeschehen machen, weil es einen in eine Zwickmühle bringt und so anstrengend ist ….
Aber vielleicht ist DAS ja schon wegweisend. Denn in der Ehe ist das ja auch oft so.
Es beginnt mit der Idee, mit dem Gefühl, mit den guten Tagen … … und dann … „endet es mit den bösen Tagen?“
NEIN!
Und das ist wichtig, dass wir hier ein NEIN sagen können.
Denn alles andere wäre grausam.
Wenn wir bei der Trauung in der Kirche vor Gottes Altar knien und uns versprechen:
Gott hat euch einander anvertraut. Wollt ihr als Eheleute einander lieben und ehren und die Ehe nach Gottes Gebot und Verheißung führen – in guten und in bösen Tagen. Wollt ihr Freude und Leid miteinander teilen und euch die Treue halten bis dass der Tod euch scheidet so antwortet: Ja, mit Gottes Hilfe.
Wenn wir diese Worte sprechen, ja sogar versprechen, dann ist das doch keine zeitliche Abfolge: Zuerst die guten Tage und wenn wir die dann alle aufgebraucht haben, dann kommen die schlechten Tage.
Und genau hier liegt das Problem. Wenn wir in unserer Beziehung an einen Punkt kommen, an dem wir meinen: „Jetzt bleibt es für immer so“ – dann wird es gefährlich.
In den guten Zeiten wünschen wir uns das ja, dass es immer so bliebe, doch wir merken, wie es sich verändert. Aber in den schlechten Zeiten, da meinen wir oft: Jetzt schreibt es sich fest. Jetzt bleibt es für IMMER so! Kein Licht am Horizont. Keine Perspektive.
Aber wer sagt das?
Und es ist so, als ob die bösen Tage mehr Macht und Kraft hätten als die guten.
Und dann …
Dann fügt man sich entweder in sein Schicksal, sagt halt nichts mehr, lässt es halt so laufen, arrangiert sich – was nicht unbedingt schon schlecht ist – und begnügt sich mit dem wenigen oder mit gar nichts ….
Das hast du jetzt davon.
Spätestens wenn wir da angekommen sind, wird es Zeit, dass wir uns hinsetzen und die Hände falten: Herr, ich weiß nicht mehr weiter. In meiner Wut, in meinem Zorn, in meiner Hilflosigkeit entstehen die falschen Bilder in meinem Herzen.
Und weil wir nicht nur materiell in einer Wegwerf-Gesellschaft leben, werden wir auch in den Familien zu Opfern dieser Mentalität. Und dann wird ausgemistet. Und der Partner gleich mit. Und ich dann auch, wenn ich´s nicht mehr bringe.
Denn die bösen Tage sind ja nicht nur der andere, sondern die bin ja auch ich.
Da ist der Streit – der unerbitterliche Streit.
Das kann aber auch Krankheit sein – und da geht´s nicht um den Blinddarm, sondern Ereignisse, die eine Beziehung tief belasten können: Depression, Brustkrebs – also Ereignisse, die uns in unserem Miteinander bis hinein in das besonderer der Ehe, die Sexualität, betreffen. Oder der berufliche Misserfolg oder der Erfolg, Arbeitslosigkeit, körperliche Veränderungen, berufliche Veränderungen. Unterschiedliche Aufbruchs- und Veränderungszeiten und –wünsche.
Aber am Schlimmsten ist das alles, wenn die Beziehung hinterfragt wird: gilt es noch? Das ICH & DU. Das WIR. Denn das sind die eigentlich bösen Tage, wo das Fundament hinterfragt wird.
Und wenn dann solche Zeiten kommen, wird oft der Schleier immer dichter, bis nur noch vor unseren innerem Auge steht: Jetzt sind wir am Ende unserer Beziehung angekommen und das bleibt so. Jetzt wird nie mehr etwas anders. Nie mehr etwas besser. Jetzt heißt es nur noch: aushalten!
Einschub: Wir sprechen hier nicht von Gewalt. Von physischer oder psychischer Gewalt, von Sucht oder Dreiecksverhältnissen. Unter dem strikten Dogma: „Bis dass der Tod euch scheidet“ hatten vor allem die Frauen viel zu erleiden. „ … und in bösen Tagen“ ist nicht der Freibrief für die Willkürherrschaft eines Partners über den anderen oder über die ganze Familie.
Aber, meine Damen: Wir Männer müssen jetzt nicht für alles büßen, was die vor uns verbrochen haben.
„… und in bösen Tagen“ verweisen uns eher auf den Zustand davor, der uns hilft, durch die schwierigen Zeiten zu kommen. Denn sie kommen fast unweigerlich oder notwendig, weil wir ZWEI immer noch je einer sind und uns verändern und uns entwickeln und das nicht automatisch im Gleichklang.
Und deshalb ist es gut und wichtig, dass wir unser JA unter Gottes JA stellen und es ernst nehmen, dass ER uns einander anvertraut hat und wir auf sein JA und seinen Segen vertrauen können, wenn WIR gerade nichts mehr sehen.
Denn wie oft segeln wir hinaus bei schönem Wetter, blauäugig, ohne Kenntnis und haben nicht trainiert und geübt, um durch die Stürme hindurch zu navigieren und gehen über Bord, anstatt gemeinsam das Ruder zu halten, in der Erwartung, dass DAHINTER die See wieder ruhiger wird und nach dem Sturm wieder die Sonne scheint – auch wenn es vielleicht eine andere ist, wie davor und wir wo anders anlegen als da, wo wir abgelegt haben. Doch WIR haben es geschafft. Und wir können uns in der Sonne räckeln und das Segel flicken und dann neu setzen, zu unbekannten Ufern.
Denn wenn es stimmt, dass Gott uns einander anvertraut hat, dann weiß ER von einem Land hinter unserem Land und von einer Zeit nach dem Sturm und steht mit in unserem Boot, damit wir hindurch kommen.
Lustig ist das nicht. Und die Hände in den Schoß legen ist in solchen Zeiten auch nicht angesagt – aber eine Perspektive ist da. Wir wollen das gemeinsam schaffen. DU bist mir anvertraut und ICH bin dir anvertraut – und wir wollen achtsam nach dem anderen fragen.
Und die Mühe lohnt sich. Ich spreche bewusst nicht vom „aushalten“, sondern vom sich Mühen:
die Mühe mit sich selbst, die Mühe mit dem anderen, die Mühe mit den Kindern, die Mühe mit den Eltern … mit den Schwiegereltern.
Denn auf dieser Treue liegt eine Verheißung – auch wenn wir das vergessen haben sollten.
Gerade in der Beziehung, in der Familie braucht es ganz andere Bilder und Parameter als in unserer modernen Hochglanz- und Leistungsgesellschaft. Wir brauchen Entwicklungsbilder, Wachstumsbilder, die beides zulassen, die schönen und die anstrengenden Zeiten – das nervige nächtliche Schreien der Babys und die Begeisterung, wenn der Bub das Fahrradfahren lernt. Die Pubertät und die Freude, Opa sein zu dürfen. Und wir müssen wissen, wo wir stehen. Der Enkel muss über den Zaun hüpfen und nicht mehr ich. Und ich muss ihn dafür loben und er strahlt mich dafür an. Wissen wir das noch?
Und deshalb sprechen wir sogar am schönsten Tag des Lebens bewusst von „… und in bösen Tagen“ – weil sie uns den Blick öffnet wollen für die Tage hinter den bösen Tagen, die auf uns warten.
Eine Verheißung liegt auf unserem Bund. Und deshalb lohnt es sich zu kämpfen, zu bestehen, durch zu stehen und sich dabei verändern zu lassen. Was habe ich durch meine Frau gelernt! Was habe ich durch meine Kinder gelernt. Und das waren keine einfachen Prozesse und manches Schmerzhafte war dabei. Und manches Unnötige auch. Aber es hat sich gelohnt.
Oftmals sind die „bösen Tage“ die Übergänge, wo wir uns nicht mehr auf sicherem Terrain bewegen, wo wir aus unseren Meinungen und Haltungen und Prinzipien hinaus müssen ins ungeschützte, weite Land.
Und dann braucht es die Gewissheit: Wir gehen nicht allein. Da gibt es eine Verheißung Gottes über uns, die uns ein MEHR verheißt, als wir sehen können. Eine Entwicklung, ein Wachstum, ein Reifen – das uns noch gar nicht bewusst ist.
Und wie stolz die Paare oft sind, die Goldene Hochzeit feiern in der Kirche – wir haben es geschafft. Und da ist keiner mehr, so wie am Anfang. Aber das wäre auch fatal.
Verabschieden wir uns von diesen trostlosen und erschöpfenden Bildern: Jetzt bleibt alles so, wie es ist. Denn dann lohnt es sich nicht nur, nicht mehr zu kämpfen – sondern dann schreiben wir auch für den anderen fest, dass er sich gar nicht mehr verändern kann.
Doch das Land dahinter ist ein MEHR. Mit seiner eigenen Würde und seinem eigenen Wert. Nur, das müssen wir auch erst entdecken und erleben – doch Gott hält es für uns bereit.
Die bösen Tage sind keine schönen Tage, aber sie sind die notwendigen Tage im Reifen und Wachsen hin zu einem Leben in seiner ganzen Tiefe und Würde und in einem Reichtum, den unsere vordergründige Welt nicht in Hochglanz verpacken kann.
Denn hier darf auch ich Fehler haben und Macken und Defekte und ich bin trotzdem ein Geliebter. Nicht nur von Gott, sondern auch von meinem Gegenüber.
Amen
20140108
Martin Adel: Licht in uns
Epiphanias 06.01.2014
Predigttext 2. Korinther 4,3-6
Liebe Gemeinde,
1. Erhabene Momente
Da geht man früh noch in der Morgendämmerung los und macht sich an den langen, beschwerlichen Aufstieg. Die Kühle der Luft tut einem gut, man genießt die Stille der Natur und lauscht dem erwachenden Leben der Tiere im Wald. Hinter jeder Kuppe ein neuer Ausblick, ein neues Bild, eine andere Landschaft, die man durchwandert – Schritt für Schritt. Und dann, wenn man sein Ziel erreicht hat und den Blick in die Ferne schweifen lässt, dann wird man erfüllt von etwas, das einen selig macht. Das muss gar nicht lange sein. Nur ein kurzer Moment, der sich tief in unser Inneres eingräbt und uns noch Jahre später zum Leuchten bringt, wenn man sich daran erinnert oder davon erzählt.
Und dann kann es einem passieren, wenn man von so einem Moment mit Begeisterung und Leidenschaft erzählt, dass andere sagen. Na, du bist schön blöd, dich da so abzumühen. Da fährt doch eine Seilbahn hoch. Und außerdem: Das kann alles gar nicht mithalten mit der Natur in Norwegen oder in Alaska …
Ortswechsel. Sie sitzen in einem Konzert und die Musik schafft es, ihnen einen Schauder hinten am Nacken zu erzeugen. Ein Moment der Ergriffenheit, des innigen Getroffenwerdens an einem Punkt, an dem sich plötzlich manches löst – ein heiliger Schauder. Und ein tiefer Friede breitet sich aus.
Und als sie bei Gelegenheit von diesem Erlebnis erzählen wollen sagt der andere: Ach, die haben in der Zeitung eine ganz schlechte Kritik bekommen und außerdem ist das alles ziemlich provinziell im Vergleich mit der Seebühne in Bregenz oder dem Amphitheater in Verona ….
Und noch einmal ein Ortswechsel. Da gibt es so die Momente, an denen man abends nach dem redlich bestandenen Mühen des Tages noch einmal ins Kinderzimmer schaut und voller Andacht sich daran erfreut, wie friedlich Kinder schlafen können. Und es ergreift einen so ein Moment der Dankbarkeit und des Stolzes: Mein Sohn. Unsere Tochter.
Und wenn man davon später erzählt, sagt der andere: Kinder machen nichts wie Ärger. Sie haben andauernd irgendwelche Ansprüche und kosten nur Geld.
Und man fragt sich: Worum geht es?
Geht es nur ums weiter, höher, besser. Ums Haben. Ums Geld haben. Ums mehr Haben. Was für eine traurige Welt.
Oder geht es um diese einmaligen Augenblick, um die erhabenen Moment, wo uns die Welt anschaut, die Natur, die Kunst, der Mensch. Gott selbst?! Und wir werden getroffen und verwandelt, so verwandelt, dass wir sogar noch im Erinnern davon zehren können und beim Erzählen sich ein Leuchten in unsere Augen schleicht.
2. Die Hirten und Weisen im Stall
So ein Moment muss es gewesen sein, als die Hirten sich auf den Weg machten und an die Krippe kamen. Und die Weisen, die erst im Palast des Herodes gelandet sind, werden so tief ergriffen, dass sie ganz intuitiv spüren, den Herodes werden sie am Rückweg nicht davon berichten, weil er nur zerstören will, wo sie ihr Heil gefunden haben. Sein Kindermord in Bethlehem ist mehr als Beweis genug.
Einfache Hirten und ungläubige Heiden werden dort im Stall uns zum Zeugnis, wer da liegt in der Krippe. Das Erscheinen Gottes in der Welt. Und anderen ist es verborgen geblieben, weil sie nur ihres sehen wollten. Ihre Wahrheit. Die Wahrheit der Zahlen und Fakten, die keinen Platz mehr hat für solche offenen Momente, wo ich auf ganz unerklärliche Weise angesprochen werde auf einer Frequenz, die mich verletzlich macht, weil ich sie nicht mehr beweisen kann, sondern nur erleben und glauben.
Doch dieses höchst subjektive Erleben wird zum objektiven und tragenden Fundament, weil es sich um eine Wahrheit handelt, die sich außerhalb unserer messbaren Wahrheiten und Vernünftigkeit bewegt.
Denn kein Mensch kann uns beweisen, dass in diesem Kind im Stall in der Krippe der Heiland der Welt liegt. Aber wenn wir dem Zeugnis der anderen vertrauen und glauben, dann begegnen wir dem, der selbst unser Anfang und unser Ende ist.
3. Gott über aller Vernunft
Denn in Christus ist uns kein geringere erschienen als der, den wir als den Vater, den allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden bekennen.
Größer, als all unsere Vernunft es begreifen und erfassen kann. Und dabei ist Gott nicht widervernünftig, sondern größer als unsere Vernunft. Und das muss er auch sein. Denn Gott muss es mit all unserer menschlichen Vernunft und all unserer Unvernunft aufnehmen. Er muss es aufnehmen können mit all unseren Ängsten und Sorgen und Nachdenklichkeiten und Bequemlichkeiten und Ungereimtheiten, mit all unserer Wut und Hinterhältigkeit und Hartherzigkeit – und die sind alle weiß Gott nicht vernünftig noch rational. Gott muss es sogar mit unserem Tod aufnehmen und ihn in den Schwitzkasten nehmen, bis wir frei sind und zu Neuem geboren werden hier oder dann dort in Ewigkeit. So groß muss Gott sein.
4. Predigttext 2 Kor 4,3-6
Und deshalb schreibt Paulus in seinem zweiten Brief an die Korinther im vierten Kapitel die Worte, die unser heutiger Predigttext sind: (Luther)
3 Ist nun aber unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden, 4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.
5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
5. Christus - Schöpfungslicht
Und wir hören und spüren es förmlich. Paulus hat hier keinen Spielraum mehr – deshalb so klare, ja harsche und urteilende Worte. Man möchte ihn fast zur Mäßigung rufen, aber hier kann er nicht mehr mit sich verhandeln lassen. Das Erlebte ist zu gewaltig. Die Begegnung mit Christus hat seinen Blick grundsätzlich verwandelt. Der heilige Schauder, der ihm widerfahren ist, hat ihn vom Christenverfolger zum Christusbekenner verwandelt. Er ist vom Saulus zum Paulus geworden, weil ihn das helle Licht des Evangeliums getroffen hat.
Und was das für ein Licht ist, das bringt er durch seine Wortwahl zum Ausdruck. Er zitiert nicht zufällig aus dem ersten Schöpfungsbericht die Worte: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten
Es ist das Schöpfungslicht, das ihm da begegnet ist.
Vom ersten Schöpfungsakt am ersten Schöpfungsmorgen heißt es: Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag (Gen 1,3-4).
So grundlegend ist das Kommen Gottes in unsere Welt – eine neue Schöpfung. In Christus. Und Gott selbst hält dem Auge um Auge, Zahn um Zahn sein Wort der Versöhnung entgegen und anstatt nur die Freunde zu lieben und die Feinde zu hassen fordert er uns auf, auch die Feinde zu lieben. Noch am Kreuz wird er rufen: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
Das ist die Herrlichkeit Gottes, die wir in Christus sehen. Das ist sein Licht.
Und es ist bewusst vom Licht die Rede und nicht von der Sonne, denn die Sonne ist nur ein Abglanz davon. Sie wird erst am vierten Tag als Himmelskörper neben dem Mond und den Sternen erschaffen werden. Aber am Anfang sprach Gott: Es werde Licht! Und es ward Licht! In diesem erstgeschaffenen Licht wird die ganze Schöpfung erstrahlen. Das ist Gottes ureigenster Wille: die Welt nicht in der Dunkelheit zu lassen.
Und dieses Licht ist mehr als die Sonne, denn es scheint sogar in unsere dunkelsten Ecken hinein. Es ist das Lebenselixier allen Lebens, denn es soll nicht bei der Gottesfinsternis bleiben. Das Licht, das am ersten Schöpfungsmorgen die Welt erhellt, soll in unser Herz leuchten.
Gott hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben. heißt es hier.
Es ist also schon da. Wenn auch manchmal verborgen.
6. Licht für uns
Und deshalb müssen wir Gott bitten, dass er uns mit seinem Licht immer wieder durchleuchtet, um die schädlichen Stellen zu finden und unsere dunklen Schatten zu vertreiben, die sich oft wie ein grauer Schleier um unser Herz legen wollen, weil wir an der Welt erschöpfen, an ihr zerbrechen oder an Gott zweifeln.
Und wir dürfen in all unserem Tun ungeduldig und neugierig darauf warten, bis Gott uns den Sinn öffnet, heraus aus unserer Welterklärung hin zu seiner Weltbestimmung.
Die erhabenen Momente, in denen wir in die Welt blicken und die Schöpfung uns ansieht, ob draußen in der Natur oder drinnen im Konzert oder daheim am Bett unserer Kinder, diese Momente sind nicht objektiv beweisbar, aber sie sind tiefe Begegnungen mit der Welt, wie sie Gott gewollt hat und darin Hinweis auf den Grund dahinter und darüber – Gott von Gott, Licht vom Licht.
… 5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
Lassen wir uns davon anstecken und verwandeln!
Amen
Predigttext 2. Korinther 4,3-6
Liebe Gemeinde,
1. Erhabene Momente
Da geht man früh noch in der Morgendämmerung los und macht sich an den langen, beschwerlichen Aufstieg. Die Kühle der Luft tut einem gut, man genießt die Stille der Natur und lauscht dem erwachenden Leben der Tiere im Wald. Hinter jeder Kuppe ein neuer Ausblick, ein neues Bild, eine andere Landschaft, die man durchwandert – Schritt für Schritt. Und dann, wenn man sein Ziel erreicht hat und den Blick in die Ferne schweifen lässt, dann wird man erfüllt von etwas, das einen selig macht. Das muss gar nicht lange sein. Nur ein kurzer Moment, der sich tief in unser Inneres eingräbt und uns noch Jahre später zum Leuchten bringt, wenn man sich daran erinnert oder davon erzählt.
Und dann kann es einem passieren, wenn man von so einem Moment mit Begeisterung und Leidenschaft erzählt, dass andere sagen. Na, du bist schön blöd, dich da so abzumühen. Da fährt doch eine Seilbahn hoch. Und außerdem: Das kann alles gar nicht mithalten mit der Natur in Norwegen oder in Alaska …
Ortswechsel. Sie sitzen in einem Konzert und die Musik schafft es, ihnen einen Schauder hinten am Nacken zu erzeugen. Ein Moment der Ergriffenheit, des innigen Getroffenwerdens an einem Punkt, an dem sich plötzlich manches löst – ein heiliger Schauder. Und ein tiefer Friede breitet sich aus.
Und als sie bei Gelegenheit von diesem Erlebnis erzählen wollen sagt der andere: Ach, die haben in der Zeitung eine ganz schlechte Kritik bekommen und außerdem ist das alles ziemlich provinziell im Vergleich mit der Seebühne in Bregenz oder dem Amphitheater in Verona ….
Und noch einmal ein Ortswechsel. Da gibt es so die Momente, an denen man abends nach dem redlich bestandenen Mühen des Tages noch einmal ins Kinderzimmer schaut und voller Andacht sich daran erfreut, wie friedlich Kinder schlafen können. Und es ergreift einen so ein Moment der Dankbarkeit und des Stolzes: Mein Sohn. Unsere Tochter.
Und wenn man davon später erzählt, sagt der andere: Kinder machen nichts wie Ärger. Sie haben andauernd irgendwelche Ansprüche und kosten nur Geld.
Und man fragt sich: Worum geht es?
Geht es nur ums weiter, höher, besser. Ums Haben. Ums Geld haben. Ums mehr Haben. Was für eine traurige Welt.
Oder geht es um diese einmaligen Augenblick, um die erhabenen Moment, wo uns die Welt anschaut, die Natur, die Kunst, der Mensch. Gott selbst?! Und wir werden getroffen und verwandelt, so verwandelt, dass wir sogar noch im Erinnern davon zehren können und beim Erzählen sich ein Leuchten in unsere Augen schleicht.
2. Die Hirten und Weisen im Stall
So ein Moment muss es gewesen sein, als die Hirten sich auf den Weg machten und an die Krippe kamen. Und die Weisen, die erst im Palast des Herodes gelandet sind, werden so tief ergriffen, dass sie ganz intuitiv spüren, den Herodes werden sie am Rückweg nicht davon berichten, weil er nur zerstören will, wo sie ihr Heil gefunden haben. Sein Kindermord in Bethlehem ist mehr als Beweis genug.
Einfache Hirten und ungläubige Heiden werden dort im Stall uns zum Zeugnis, wer da liegt in der Krippe. Das Erscheinen Gottes in der Welt. Und anderen ist es verborgen geblieben, weil sie nur ihres sehen wollten. Ihre Wahrheit. Die Wahrheit der Zahlen und Fakten, die keinen Platz mehr hat für solche offenen Momente, wo ich auf ganz unerklärliche Weise angesprochen werde auf einer Frequenz, die mich verletzlich macht, weil ich sie nicht mehr beweisen kann, sondern nur erleben und glauben.
Doch dieses höchst subjektive Erleben wird zum objektiven und tragenden Fundament, weil es sich um eine Wahrheit handelt, die sich außerhalb unserer messbaren Wahrheiten und Vernünftigkeit bewegt.
Denn kein Mensch kann uns beweisen, dass in diesem Kind im Stall in der Krippe der Heiland der Welt liegt. Aber wenn wir dem Zeugnis der anderen vertrauen und glauben, dann begegnen wir dem, der selbst unser Anfang und unser Ende ist.
3. Gott über aller Vernunft
Denn in Christus ist uns kein geringere erschienen als der, den wir als den Vater, den allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden bekennen.
Größer, als all unsere Vernunft es begreifen und erfassen kann. Und dabei ist Gott nicht widervernünftig, sondern größer als unsere Vernunft. Und das muss er auch sein. Denn Gott muss es mit all unserer menschlichen Vernunft und all unserer Unvernunft aufnehmen. Er muss es aufnehmen können mit all unseren Ängsten und Sorgen und Nachdenklichkeiten und Bequemlichkeiten und Ungereimtheiten, mit all unserer Wut und Hinterhältigkeit und Hartherzigkeit – und die sind alle weiß Gott nicht vernünftig noch rational. Gott muss es sogar mit unserem Tod aufnehmen und ihn in den Schwitzkasten nehmen, bis wir frei sind und zu Neuem geboren werden hier oder dann dort in Ewigkeit. So groß muss Gott sein.
4. Predigttext 2 Kor 4,3-6
Und deshalb schreibt Paulus in seinem zweiten Brief an die Korinther im vierten Kapitel die Worte, die unser heutiger Predigttext sind: (Luther)
3 Ist nun aber unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden, 4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.
5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
5. Christus - Schöpfungslicht
Und wir hören und spüren es förmlich. Paulus hat hier keinen Spielraum mehr – deshalb so klare, ja harsche und urteilende Worte. Man möchte ihn fast zur Mäßigung rufen, aber hier kann er nicht mehr mit sich verhandeln lassen. Das Erlebte ist zu gewaltig. Die Begegnung mit Christus hat seinen Blick grundsätzlich verwandelt. Der heilige Schauder, der ihm widerfahren ist, hat ihn vom Christenverfolger zum Christusbekenner verwandelt. Er ist vom Saulus zum Paulus geworden, weil ihn das helle Licht des Evangeliums getroffen hat.
Und was das für ein Licht ist, das bringt er durch seine Wortwahl zum Ausdruck. Er zitiert nicht zufällig aus dem ersten Schöpfungsbericht die Worte: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten
Es ist das Schöpfungslicht, das ihm da begegnet ist.
Vom ersten Schöpfungsakt am ersten Schöpfungsmorgen heißt es: Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag (Gen 1,3-4).
So grundlegend ist das Kommen Gottes in unsere Welt – eine neue Schöpfung. In Christus. Und Gott selbst hält dem Auge um Auge, Zahn um Zahn sein Wort der Versöhnung entgegen und anstatt nur die Freunde zu lieben und die Feinde zu hassen fordert er uns auf, auch die Feinde zu lieben. Noch am Kreuz wird er rufen: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
Das ist die Herrlichkeit Gottes, die wir in Christus sehen. Das ist sein Licht.
Und es ist bewusst vom Licht die Rede und nicht von der Sonne, denn die Sonne ist nur ein Abglanz davon. Sie wird erst am vierten Tag als Himmelskörper neben dem Mond und den Sternen erschaffen werden. Aber am Anfang sprach Gott: Es werde Licht! Und es ward Licht! In diesem erstgeschaffenen Licht wird die ganze Schöpfung erstrahlen. Das ist Gottes ureigenster Wille: die Welt nicht in der Dunkelheit zu lassen.
Und dieses Licht ist mehr als die Sonne, denn es scheint sogar in unsere dunkelsten Ecken hinein. Es ist das Lebenselixier allen Lebens, denn es soll nicht bei der Gottesfinsternis bleiben. Das Licht, das am ersten Schöpfungsmorgen die Welt erhellt, soll in unser Herz leuchten.
Gott hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben. heißt es hier.
Es ist also schon da. Wenn auch manchmal verborgen.
6. Licht für uns
Und deshalb müssen wir Gott bitten, dass er uns mit seinem Licht immer wieder durchleuchtet, um die schädlichen Stellen zu finden und unsere dunklen Schatten zu vertreiben, die sich oft wie ein grauer Schleier um unser Herz legen wollen, weil wir an der Welt erschöpfen, an ihr zerbrechen oder an Gott zweifeln.
Und wir dürfen in all unserem Tun ungeduldig und neugierig darauf warten, bis Gott uns den Sinn öffnet, heraus aus unserer Welterklärung hin zu seiner Weltbestimmung.
Die erhabenen Momente, in denen wir in die Welt blicken und die Schöpfung uns ansieht, ob draußen in der Natur oder drinnen im Konzert oder daheim am Bett unserer Kinder, diese Momente sind nicht objektiv beweisbar, aber sie sind tiefe Begegnungen mit der Welt, wie sie Gott gewollt hat und darin Hinweis auf den Grund dahinter und darüber – Gott von Gott, Licht vom Licht.
… 5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
Lassen wir uns davon anstecken und verwandeln!
Amen
20131228
Martin Adel: Christvesper 2013
Predigt Christvesper 2013
Wochenspruch: (Joh 1,14a)
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit
Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.
Liebe Gemeinde.
Weihnachten fällt aus! Wäre das besser? Wenn wir auf die letzten Wochen zurück sehen, die Überstunden im Handel, die abgehetzten Paketboten, das Schnell, schnell – alles noch schnell vor Weihnachten.
Weihnachten fällt aus! Wäre das dann besser?
Eine Kollegin meiner Frau im Krankenhaus, eine Internistin, die schimpfte die Tage: Plötzlich sind alle gesund und wollen unbedingt noch vor Weihnachten nach Hause entlassen werden. Egal, wie krank sie sind. Und dann kommen sie wieder, noch vor Silvester, und sind noch schlimmer beieinander als davor. Und das alle Jahre wieder.
Weihnachten fällt aus! Wäre das besser?
Mir sagte die Tage jemand: Weihnachten ist doch nicht an ein Datum gebunden. Dieser kollektive Hype produziert doch eh nur Streit in der Familie. Wir hatten letzthin schon unser Weihnachten. Da saßen wir alle ganz unverkrampft beieinander und es war ein richtiger Friede zu spüren.
Kann also Weihnachten ausfallen? Dieses Jahr zumindest ausfallen, weil es schon war?
Als wir letzthin zusammen saßen, erzählte eine: Wir haben früher als Kinder immer an Weihnachten gezählt, wie viele Katastrophen und Kriege in den Nachrichten gezeigt werden. Und es wollte sich kein rechter Friede einstellen. Es waren irgendwie genauso viele Schreckensmeldungen wie immer; eher noch mehr.
Wozu dann noch Weihnachten, wenn nicht mal das gelingt?
Soll Weihnachten ausfallen?
Liebe Gemeinde,
natürlich könnten wir Weihnachten ausfallen lassen. Äußerlich. Doch eines wäre auch klar. Nichts wäre dadurch besser. Die Katastrophen und Kriege wären dennoch da. Und der Streit in den Familie auch. Und der Stress ebenso. Er hieße dann anders: Sonderangebot oder XXL Superschnäppchen oder was sich halt die Welt so einfallen ließe.
Machen wir doch uns nichts vor. Diese Dinge geschehen nicht wegen Weihnachten, sondern sie geschehen so oder so.
Aber weil Weihnachten ist, werden wir besonders darauf aufmerksam.
Und das zu Recht. Denn hier sind wir im Zentrum des Geschehens. Äußerlich können wir Weihnachten vielleicht ausfallen lassen, aber innerlich nicht. Denn Gott hat sich festgelegt, dort in der Krippe in Bethlehem im Stall.
Da kommt der, der den Unfrieden in der Welt sichtbar macht, weil er vom Frieden weiß. Vom umfassenden Frieden.
Deshalb wird uns an Weihnachten ganz besonders bewusst, wo Unfriede in der Welt ist und Unfriede in unseren Familien.
Weil dort der Versöhner der Welt liegt, wird uns schmerhaft bewusst, wieviel Unversöhnliches oft zwischen uns Menschen und zwischen den Ländern und Nationen ist.
Weil sich Gott festgelegt hat mit seiner Gerechtigkeit, wird für uns sichtbar und benennbar, wo Ungerechtigkeit herrscht – und keiner kann daran vorbei.
Und manchmal halten wir es kaum mehr aus, wie erbärmlich unsere Welt beieinander ist. Doch dieses Kind in der Krippe wird später an seiner Person zeigen, von welcher Qualität die Liebe Gottes zu uns Menschen ist und wo für uns der Weg zu wahrer Menschlichkeit führt – wohl wissen, dass es schon damals schwer war diese Wahrheit auszuhalten und man den wahren Menschen vernichten musste, um ungestört seinen eigenen Vorstellungen frönen zu können.
Wir können Weihnachten vielleicht verkitschen oder ihm aus dem Weg gehen, aber innerlich kommen wir nicht daran vorbei. Denn hier liegt das, was wir brauchen und wonach wir uns sehnen: Wärme, Geborgenheit und Liebe. Ein Stück Unschuld und Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Kurz: die Menschlichkeit. Gott selbst. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.
Gott sei Dank hat sich Gott entschieden und sich festgelegt. Ob wir´s wollen oder nicht.
Wer hat´s erfunden?
Nicht der Mensch!
Gott hat sich auf den Weg gemacht und er konfrontiert uns mit seinem Wort, auf dass ans Licht kommt, was Dunkel ist oder sich im Dunkeln versteckt halten möchte. Und wir kommen nicht mehr daran vorbei – die ganze Welt nicht mehr.
Deshalb schmerzt uns doch der Unfriede und das Gescheiterte und das Verletzte an Weihnachten ganz besonders, weil es uns in diesem Licht wieder bewusst wird, was nicht stimmt, was schon vorher nicht stimmte.
Und deshalb ist diese Worte der Engel so wichtig, dieses: „Fürchtet euch nicht. Siehe, euch ist heute der Heiland geboren.“ Damit wir nicht über dieser Wahrheit des Elends, des eigenen oder des fremden zerbrechen, sondern uns selbst auf den Weg machen, hin zum Stall und zur Krippe, um uns aus seinem Licht immer wieder Kraft und Orientierung zu holen für den eigenen Weg zum Reich Gottes.
Gott stellt sich uns in den Weg und das ist gut so. Denn damit ist es nicht mehr beliebig oder auf unsere eigene Stimmungslage angewiesen, ob wir hinschauen oder wegschauen wollen. Gott kommt auf die Erde, kommt, dass Friede werde.
Natürlich kann sich dieses Weihnachtserleben auch unterm Jahr einstellen. Und hoffentlich ist das auch so. Aber gefeiert, weltweit gefeiert wird es nicht nach dem eigenen Gutdünken, sondern wenn es gesetzt ist. Und das ist gut so. Denn in unserer weltweit vernetzten Welt gibt es nicht mehr viele Tage, an dem die Familie gemeinsam frei hat und sich alle auf den Weg machen können, um etwas von dem zu Erhaschen, was die Menschen an Christus erlebt haben.
Liebe Gemeinde,
wenn Gott kommt, ist nichts beliebig. Gott wurde konkret. So konkret, dass man nun an ihm beurteilen konnte, wo sich Gottes Reich auf Erden einfindet: Was ihr einem, dieser meiner geringsten … Und er lässt sich nicht abschütteln, damit wir begreifen, an ihm begreifen, wo Veränderung notwendig ist.
An seiner Barmherzigkeit entdecken wir die Unbarmherzigkeit.
An seiner Sanftmut entdecken wir die Härte.
An seiner Geduld entdecken wir den Zorn.
Und wir können es benennen, weil Gott sich in ihm festlegt, was gilt. Was schon hier gilt und was zum Schluss gilt.
Es ist eben kein süßes Geschichtlein – das wissen wir alle. Keine heilige Situation, aber eine heilende Situation.
Deshalb bis heute die Tränen in den Augen, weil wir gerührt und berührt werden, an diesem Abend, wo stehe ich, wo stehen wir, wo sind wir hingekommen und wo wollen wir hinkommen und dann Gott bitten: du Gott hier bei mir – offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, dort wo wir gerne die Weisheit nur durch Fakten ersetzen wollen. Gepredigt den Heiden – also uns, durch die Jahrhundert, ob vielen oder wenigen, ob gefragt oder ungefragt, ob geglaubt oder bezweifelt.
Denn es gilt:
Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.
Sollen wir Weihnachten ausfallen lassen?
Immer wieder fragen wir uns das auch, wenn wir die Vorbereitungen zum Krippenspiel treffen. Sollen wir nicht lieber aus Barmherzigkeit das Krippenspiel ausfallen lassen, weil doch eh schon alle erschöpft sind von den Weihnachtsfeiern und Krippenspielen davor, vom Weihnachtsmann und X-Mass-Day und Süßem und Glühwein und Dschingelbells.
Doch dann treibt sie uns immer wieder aufs Neue an, die Botschaft für uns: Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute nicht der Weihnachtsmann, sondern der Heiland geboren.
Die Botschaft gilt für uns, für die Kinder im Kinderheim oder die in den Flüchtlingslagern der Welt. Gott sei Dank. Und sie versichert uns, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Sondern sie markiert das Ziel und den Weg und gibt uns die Kraft, nicht aufzugeben, wider allem Augenschein.
Denn an der Krippe sind keine Traumtänzerein entstanden, sondern hier verbürgt sich Gott, dass er die Idee von seiner Schöpfung durchsetzen wird, gegen alle Widerstände zum Trotz – die Menschwerdung des Menschen.
Ob wir´s glauben wollen oder nicht. Daran vorbei kommt keiner. Der Anfang ist gemacht. Immer wieder. Alle Jahre wieder. Auch für uns. Gott sei Dank.
Amen
Wochenspruch: (Joh 1,14a)
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit
Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.
Liebe Gemeinde.
Weihnachten fällt aus! Wäre das besser? Wenn wir auf die letzten Wochen zurück sehen, die Überstunden im Handel, die abgehetzten Paketboten, das Schnell, schnell – alles noch schnell vor Weihnachten.
Weihnachten fällt aus! Wäre das dann besser?
Eine Kollegin meiner Frau im Krankenhaus, eine Internistin, die schimpfte die Tage: Plötzlich sind alle gesund und wollen unbedingt noch vor Weihnachten nach Hause entlassen werden. Egal, wie krank sie sind. Und dann kommen sie wieder, noch vor Silvester, und sind noch schlimmer beieinander als davor. Und das alle Jahre wieder.
Weihnachten fällt aus! Wäre das besser?
Mir sagte die Tage jemand: Weihnachten ist doch nicht an ein Datum gebunden. Dieser kollektive Hype produziert doch eh nur Streit in der Familie. Wir hatten letzthin schon unser Weihnachten. Da saßen wir alle ganz unverkrampft beieinander und es war ein richtiger Friede zu spüren.
Kann also Weihnachten ausfallen? Dieses Jahr zumindest ausfallen, weil es schon war?
Als wir letzthin zusammen saßen, erzählte eine: Wir haben früher als Kinder immer an Weihnachten gezählt, wie viele Katastrophen und Kriege in den Nachrichten gezeigt werden. Und es wollte sich kein rechter Friede einstellen. Es waren irgendwie genauso viele Schreckensmeldungen wie immer; eher noch mehr.
Wozu dann noch Weihnachten, wenn nicht mal das gelingt?
Soll Weihnachten ausfallen?
Liebe Gemeinde,
natürlich könnten wir Weihnachten ausfallen lassen. Äußerlich. Doch eines wäre auch klar. Nichts wäre dadurch besser. Die Katastrophen und Kriege wären dennoch da. Und der Streit in den Familie auch. Und der Stress ebenso. Er hieße dann anders: Sonderangebot oder XXL Superschnäppchen oder was sich halt die Welt so einfallen ließe.
Machen wir doch uns nichts vor. Diese Dinge geschehen nicht wegen Weihnachten, sondern sie geschehen so oder so.
Aber weil Weihnachten ist, werden wir besonders darauf aufmerksam.
Und das zu Recht. Denn hier sind wir im Zentrum des Geschehens. Äußerlich können wir Weihnachten vielleicht ausfallen lassen, aber innerlich nicht. Denn Gott hat sich festgelegt, dort in der Krippe in Bethlehem im Stall.
Da kommt der, der den Unfrieden in der Welt sichtbar macht, weil er vom Frieden weiß. Vom umfassenden Frieden.
Deshalb wird uns an Weihnachten ganz besonders bewusst, wo Unfriede in der Welt ist und Unfriede in unseren Familien.
Weil dort der Versöhner der Welt liegt, wird uns schmerhaft bewusst, wieviel Unversöhnliches oft zwischen uns Menschen und zwischen den Ländern und Nationen ist.
Weil sich Gott festgelegt hat mit seiner Gerechtigkeit, wird für uns sichtbar und benennbar, wo Ungerechtigkeit herrscht – und keiner kann daran vorbei.
Und manchmal halten wir es kaum mehr aus, wie erbärmlich unsere Welt beieinander ist. Doch dieses Kind in der Krippe wird später an seiner Person zeigen, von welcher Qualität die Liebe Gottes zu uns Menschen ist und wo für uns der Weg zu wahrer Menschlichkeit führt – wohl wissen, dass es schon damals schwer war diese Wahrheit auszuhalten und man den wahren Menschen vernichten musste, um ungestört seinen eigenen Vorstellungen frönen zu können.
Wir können Weihnachten vielleicht verkitschen oder ihm aus dem Weg gehen, aber innerlich kommen wir nicht daran vorbei. Denn hier liegt das, was wir brauchen und wonach wir uns sehnen: Wärme, Geborgenheit und Liebe. Ein Stück Unschuld und Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Kurz: die Menschlichkeit. Gott selbst. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.
Gott sei Dank hat sich Gott entschieden und sich festgelegt. Ob wir´s wollen oder nicht.
Wer hat´s erfunden?
Nicht der Mensch!
Gott hat sich auf den Weg gemacht und er konfrontiert uns mit seinem Wort, auf dass ans Licht kommt, was Dunkel ist oder sich im Dunkeln versteckt halten möchte. Und wir kommen nicht mehr daran vorbei – die ganze Welt nicht mehr.
Deshalb schmerzt uns doch der Unfriede und das Gescheiterte und das Verletzte an Weihnachten ganz besonders, weil es uns in diesem Licht wieder bewusst wird, was nicht stimmt, was schon vorher nicht stimmte.
Und deshalb ist diese Worte der Engel so wichtig, dieses: „Fürchtet euch nicht. Siehe, euch ist heute der Heiland geboren.“ Damit wir nicht über dieser Wahrheit des Elends, des eigenen oder des fremden zerbrechen, sondern uns selbst auf den Weg machen, hin zum Stall und zur Krippe, um uns aus seinem Licht immer wieder Kraft und Orientierung zu holen für den eigenen Weg zum Reich Gottes.
Gott stellt sich uns in den Weg und das ist gut so. Denn damit ist es nicht mehr beliebig oder auf unsere eigene Stimmungslage angewiesen, ob wir hinschauen oder wegschauen wollen. Gott kommt auf die Erde, kommt, dass Friede werde.
Natürlich kann sich dieses Weihnachtserleben auch unterm Jahr einstellen. Und hoffentlich ist das auch so. Aber gefeiert, weltweit gefeiert wird es nicht nach dem eigenen Gutdünken, sondern wenn es gesetzt ist. Und das ist gut so. Denn in unserer weltweit vernetzten Welt gibt es nicht mehr viele Tage, an dem die Familie gemeinsam frei hat und sich alle auf den Weg machen können, um etwas von dem zu Erhaschen, was die Menschen an Christus erlebt haben.
Liebe Gemeinde,
wenn Gott kommt, ist nichts beliebig. Gott wurde konkret. So konkret, dass man nun an ihm beurteilen konnte, wo sich Gottes Reich auf Erden einfindet: Was ihr einem, dieser meiner geringsten … Und er lässt sich nicht abschütteln, damit wir begreifen, an ihm begreifen, wo Veränderung notwendig ist.
An seiner Barmherzigkeit entdecken wir die Unbarmherzigkeit.
An seiner Sanftmut entdecken wir die Härte.
An seiner Geduld entdecken wir den Zorn.
Und wir können es benennen, weil Gott sich in ihm festlegt, was gilt. Was schon hier gilt und was zum Schluss gilt.
Es ist eben kein süßes Geschichtlein – das wissen wir alle. Keine heilige Situation, aber eine heilende Situation.
Deshalb bis heute die Tränen in den Augen, weil wir gerührt und berührt werden, an diesem Abend, wo stehe ich, wo stehen wir, wo sind wir hingekommen und wo wollen wir hinkommen und dann Gott bitten: du Gott hier bei mir – offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, dort wo wir gerne die Weisheit nur durch Fakten ersetzen wollen. Gepredigt den Heiden – also uns, durch die Jahrhundert, ob vielen oder wenigen, ob gefragt oder ungefragt, ob geglaubt oder bezweifelt.
Denn es gilt:
Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.
Sollen wir Weihnachten ausfallen lassen?
Immer wieder fragen wir uns das auch, wenn wir die Vorbereitungen zum Krippenspiel treffen. Sollen wir nicht lieber aus Barmherzigkeit das Krippenspiel ausfallen lassen, weil doch eh schon alle erschöpft sind von den Weihnachtsfeiern und Krippenspielen davor, vom Weihnachtsmann und X-Mass-Day und Süßem und Glühwein und Dschingelbells.
Doch dann treibt sie uns immer wieder aufs Neue an, die Botschaft für uns: Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute nicht der Weihnachtsmann, sondern der Heiland geboren.
Die Botschaft gilt für uns, für die Kinder im Kinderheim oder die in den Flüchtlingslagern der Welt. Gott sei Dank. Und sie versichert uns, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Sondern sie markiert das Ziel und den Weg und gibt uns die Kraft, nicht aufzugeben, wider allem Augenschein.
Denn an der Krippe sind keine Traumtänzerein entstanden, sondern hier verbürgt sich Gott, dass er die Idee von seiner Schöpfung durchsetzen wird, gegen alle Widerstände zum Trotz – die Menschwerdung des Menschen.
Ob wir´s glauben wollen oder nicht. Daran vorbei kommt keiner. Der Anfang ist gemacht. Immer wieder. Alle Jahre wieder. Auch für uns. Gott sei Dank.
Amen
Werner Sirch: Wach auf!
Predigt am 4. Advent 2013
22.12.2013
Jesaja 52,7-10
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!
8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt.
9 Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.
10 Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,
1. Vorwort – Wach auf
1 Wach auf, wach auf, Zion, zieh an deine Stärke! Schmücke dich herrlich, Jerusalem, du heilige Stadt! Mit diesem Weckruf beginnt das 52. Kapitel des Buches Jesaja, dem unser heutiger Predigttext entnommen ist. Ein Weckruf, die Mutlosigkeit abzuschütteln wie den Schlaf. Das Festgewand anzulegen, sich selbst und der eigenen Stärke wieder etwas zuzutrauen. Zu suchen was mich stark macht.
Die Worte dieses Weckrufs sind nicht Teil unseres heutigen Predigttextes. Trotzdem möchte ich ihn in die Predigt einbeziehen, weil ich viel Mutlosigkeit, geistliche Mutlosigkeit, in unserem Volk und in vielen Gemeinden sehe. Wir brauchen es, dass uns immer wieder Mut und Kraft zugesprochen werden, damit wir weitergehen können und uns nicht kraft- und mutlos einem traurigen Schicksal ergeben und ratlos zusehen, wie die Glaubenslosigkeit in unserm Volk weiter zunimmt.
Ratlos und traurig, so wie damals das Volk Israel, als es in babylonischer Gefangenschaft war. Alles war zerbrochen, der Staat Juda existierte nicht mehr, Jerusalem ist nur noch ein Trümmerhaufen. Dass es so gekommen ist, war nicht nur eine Frage der damaligen politischen Machtverhältnisse, sondern auch Gottes Gericht über sein abtrünniges Volk.
2. Diagnose
Manchmal überlege ich, wie ich den geistlichen Zustand unseres Volkes und unserer St. Paulsgemeinde beschreiben kann, ob er nicht auch so eine Antwort Gottes ist. Vieles scheint ein Trümmerhaufen zu sein – hier eine Gemeinde, die schwer in Bewegung zu bringen ist - dort ein Volk, das sich zunehmend von seinen geistlichen Wurzeln abwendet. Eine Gemeinde, die auf Distanz ist, die mutlos geworden ist und so manchen Mitarbeiter auch mutlos gemacht hat. Ein Volk, das sein Heil bei allen möglichen Göttern sucht. Am meisten schmerzt mich, dass unter uns so wenig Hunger nach Gottes Wort ist, dass wir nicht mehr hören wollen was uns Gott zu sagen hat. Die Folgen sind deutlich zu sehen. Im sozialen Miteinander und im Besuch der Gottesdienste, beide nehmen stetig ab. Die soziale Krise unseres Volkes, die sich in einer Ellenbogengesellschaft zeigt, hinterlässt schlimme Spuren im Engagement und der Verantwortung für andere, die sich den Nöten derer annimmt, denen es schlechter geht als mir. Es hat sich Gleichgültigkeit und nachlassende Opferbereitschaft breit gemacht. Es macht mich nachdenklich, dass 2007 bei der Frühjahrssammlung der Diakonie noch 429 Euro gegeben wurden, das sind 7 Cent pro Gemeindeglied, 2011 waren es gerade noch 87 Euro, (1 ½ Cent pro Gemeindeglied) 2012 und 2013 nichts mehr. Bei der Herbstsammlung waren es 2007 noch 135 Euro und 2013 gerade noch 30 Euro. Eine kranke, mutlose Gemeinde, die, in der Fürsorge und dem Engagement für andere, ihr müdes Gesicht zeigt. Natürlich, ich weiß, dass Sie, liebe Gemeindeglieder, sich hier und dort engagieren und ihr Scherflein an anderer Stelle geben. Warum nicht Ihrer Gemeinde, damit sie anderen beistehen kann, wie wir es von einer christlichen Gemeinde erwarten?
3. Die Boten
Und jetzt sind die Boten unterwegs. Auch die, die nach dem Gottesdienst mit dem Licht aus Bethlehem in die Häuser unterwegs sind. Die Boten sind unterwegs als Zeichen, dass doch noch nicht alles verloren ist. Sie haben eine Nachricht gegen alle Mutlosigkeit, gegen den Schlaf, den so mancher in unserer Südstadt schläft und damit überhört, dass auch für ihn die Nachricht gilt: „Wach auf, wach auf! Wir sind doch kein armseliger Haufen, der nichts mehr zuwege bringt. In uns ist Stärke und Kraft.“ Wir können etwas bewegen, das uns allen gut tut, das neue Hoffnung für die Zukunft schenkt und unseren Blick weglenkt von unseren Befindlichkeiten, dem Neid, der Missgunst, dem sofort beleidigt sein und dem ewig um sich selbst drehen.
Es ist eine freudige Nachricht, die uns die Boten verkündigen. Sie eilen, sie rennen um diese Nachricht in kürzester Zeit in alle Häuser zu bringen. Und diese Nachricht heißt: Gott kehrt zurück nach Jerusalem und das Volk kehrt mit ihm zurück in die Heimat, in die Stadt Gottes nach Jerusalem.
4. Gott kehrt zurück
Für uns, in der Südstadt, heißt diese freudige Nachricht: „Gott kehrt zurück“. Zu jedem von uns. In unseren Herzen und Häusern wird Friede sein. Was in uns, in unserer Gemeinde und in unseren Familien zerschlagen und krank ist, wird heil werden. Gott bekennt sich mit seiner Liebe zu uns. – Und diese Liebe zeigt sich auch durch die Hände derer, die an den liebenden Gott glauben und in seinem Namen zupacken.
Die freudige Nachricht heißt: „Gott kehrt zurück“. Gott wird an der ersten Stelle unseres Lebens stehen. Er ist der, der unser Leben bestimmt, an dem wir uns orientieren und nach seinem Willen unsere Entscheidungen treffen. Gott ist mein König.
„Gott kehrt zurück“, in unsere Gemeinde, schenkt ihr neues Leben. Es wird sichtbar werden, dass Gottes Liebe in ihr wohnt, die all ihr Tun und alles Engagement für andere bestimmt.
Wenn ich nur ein Prophet wäre, wie Jesaja, und das, dieser Gemeinde zusprechen könnte!
5. Fragen
So aber bleiben Fragen:
Unsere Gemeinde, ist sie hoffnungsfroh, dass Gott kommt und auch von ihr Besitz nimmt? Die Müdigkeit und Resignation heilt? Können wir das glauben? Wollen wir das? Höre ich Jubel und Freude weil Gott kommt?
Was höre ich? Nichts? Will ich es glauben oder fehlt mir der Glaube, dass Gott den Trümmerhaufen der Mutlosigkeit und Resignation unserer Gemeinde heilen kann?
Ich überlege, wie das Evangelium heißt das Gott unserer Gemeinde zusprechen müsste, das Evangelium, das mich elektrisiert und in Bewegung bringt? Wie heißt die frohe Nachricht, die unsere Gemeinde braucht, damit sie das Exil verlassen kann und wieder dahin kommt, wo Gottes Wort gepredigt wird und ihre triste Mutlosigkeit in Freude verwandelt wird?
6. Die Freudenboten
Was verkündigen die Freudenboten, die Prediger unserer Gemeinde, im Auftrag Gottes? Haben sie eine schlechte Botschaft, weil sie von einer großen Mehrheit dieser Gemeinde eher gemieden werden? Sind wir eine Gemeine, deren Mehrheit sich nicht sammeln will? Oder ist es eine langweilige Botschaft, eine Nachricht, die an der Realität unseres Lebens vorbeigeht, eine Botschaft die mich nicht betrifft? Warum will ich es nicht hören, wenn Gott mir sagt, dass er mich liebt, geliebt hat, noch bevor ich im Leib meiner Mutter war? Warum will ich es nicht hören, dass sich bei mir ändern darf, was mir die Ruhe und den Frieden da drinnen in meinem Herzen raubt.
Kehr um! Kehr um aus dem Exil, komm zurück aus der Gefangenschaft, damit Gott die Trümmer deines Lebens heilen kann. Das ist die Nachricht der Freudenboten. Komm zurück in die Gemeinschaft dieser Gemeinde, sie braucht dich. Gott will dich und die Trümmer dieser Gemeinde heilen.
Ich würde mir das so sehr wünschen, dass wir die traurige Distanz innerhalb verschiedener Gruppen unserer Gemeinde aufgeben könnten und uns gegenseitig zujubeln, dass wir diesen wunderbaren Gott haben, den König aller Könige, der uns durch Jesus zu seinen Kindern gemacht hat. Es schmerz mich, dass wir zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten Gottesdienst feiern und nicht in der Lage sind gemeinsam zu feiern. Unsere Befindlichkeiten, unsere Vorbehalte sind groß, größer als unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft mit denen, die auch zur selben Gemeinde gehören.
Dabei ist es eine dreifache gute Nachricht, die die Freudenboten dem Volk Gottes bringen und die uns allen gilt: Gott ist dein König! - Du bist mein Volk! - Tröstet, tröstet mein Volk!
7. Die gute Nachricht
Das sind heute unsere guten Nachrichten für unsere Gemeinde und für unser Volk:
Gott kommt! Gott kommt in die Trümmerhaufen unseres Lebens, so wie es damals der Prophet verkündet hat, dass Gott in die Trümmerhaufen des zerstörten Jerusalems kommt. Gott kommt! Das ist eine mächtige Botschaft gegen die Finsternis der noch existierende Mächte und Kräfte.
Die Wächter jubeln, sie dürfen die Zeugen der Ankunft Gottes sein. Noch sieht man die Ankunft Gottes nicht, aber man hört die Freudenrufe der Wächter. Die Freudenboten sind’s die es laut hinausschreien und Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, der Gemeinde sagen: Gott ist dein König! Und es wird der Tag kommen, wo wir ihn sehen werden, den wiederkommenden Jesus. Dann werden wir auf die Knie fallen und ihn, unseren Retter, anbeten – und es wird alles gut werden.
Lasst uns die Ohren aufmachen, damit wir die gute Nachricht hören und in unser Herz einlassen. Lasst uns bereit sein für sein Kommen. Lasst uns neugierig und hungrig nach Gott werden und nicht mehr am Sonntagmorgen zur Gottesdienstzeit im waren Bett liegenbleiben wollen, sondern hören was uns unser König zu sagen hat. Lasst uns Gemeinschaft haben mit ihm, der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist, und mit denen, denen auch seine Liebe gilt.
Unsere Welt ist immer noch von Trümmerhaufen gezeichnet. Das Kommen Gottes ist unvollendet. Noch sind die Trümmerhaufen in unserem Leben vorhanden. Noch steht unsere vollkommene Heilung aus. Das wird erst am Ende der Zeiten sein, wenn Gott alles Neu macht, dann wenn das Böse überwunden ist und die Sünde keinen Raum mehr hat.
Es ist Gottes Erbarmen mit seinem Volk, das uns schon jetzt hineinnimmt in die Gotteskindschaft, auch wenn wir noch auf der Wanderschaft sind ihm entgegen. Gott ist mit uns auf dem Weg. Und wir dürfen anfangen, mit seiner Hilfe unsere Trümmerhaufen aufzuräumen. Er ist mit uns auf dem Weg dorthin, wo wir dann als Geheilte ihn schauen werden von Angesicht zu Angesicht. Amen.
22.12.2013
Jesaja 52,7-10
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!
8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt.
9 Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.
10 Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder,
1. Vorwort – Wach auf
1 Wach auf, wach auf, Zion, zieh an deine Stärke! Schmücke dich herrlich, Jerusalem, du heilige Stadt! Mit diesem Weckruf beginnt das 52. Kapitel des Buches Jesaja, dem unser heutiger Predigttext entnommen ist. Ein Weckruf, die Mutlosigkeit abzuschütteln wie den Schlaf. Das Festgewand anzulegen, sich selbst und der eigenen Stärke wieder etwas zuzutrauen. Zu suchen was mich stark macht.
Die Worte dieses Weckrufs sind nicht Teil unseres heutigen Predigttextes. Trotzdem möchte ich ihn in die Predigt einbeziehen, weil ich viel Mutlosigkeit, geistliche Mutlosigkeit, in unserem Volk und in vielen Gemeinden sehe. Wir brauchen es, dass uns immer wieder Mut und Kraft zugesprochen werden, damit wir weitergehen können und uns nicht kraft- und mutlos einem traurigen Schicksal ergeben und ratlos zusehen, wie die Glaubenslosigkeit in unserm Volk weiter zunimmt.
Ratlos und traurig, so wie damals das Volk Israel, als es in babylonischer Gefangenschaft war. Alles war zerbrochen, der Staat Juda existierte nicht mehr, Jerusalem ist nur noch ein Trümmerhaufen. Dass es so gekommen ist, war nicht nur eine Frage der damaligen politischen Machtverhältnisse, sondern auch Gottes Gericht über sein abtrünniges Volk.
2. Diagnose
Manchmal überlege ich, wie ich den geistlichen Zustand unseres Volkes und unserer St. Paulsgemeinde beschreiben kann, ob er nicht auch so eine Antwort Gottes ist. Vieles scheint ein Trümmerhaufen zu sein – hier eine Gemeinde, die schwer in Bewegung zu bringen ist - dort ein Volk, das sich zunehmend von seinen geistlichen Wurzeln abwendet. Eine Gemeinde, die auf Distanz ist, die mutlos geworden ist und so manchen Mitarbeiter auch mutlos gemacht hat. Ein Volk, das sein Heil bei allen möglichen Göttern sucht. Am meisten schmerzt mich, dass unter uns so wenig Hunger nach Gottes Wort ist, dass wir nicht mehr hören wollen was uns Gott zu sagen hat. Die Folgen sind deutlich zu sehen. Im sozialen Miteinander und im Besuch der Gottesdienste, beide nehmen stetig ab. Die soziale Krise unseres Volkes, die sich in einer Ellenbogengesellschaft zeigt, hinterlässt schlimme Spuren im Engagement und der Verantwortung für andere, die sich den Nöten derer annimmt, denen es schlechter geht als mir. Es hat sich Gleichgültigkeit und nachlassende Opferbereitschaft breit gemacht. Es macht mich nachdenklich, dass 2007 bei der Frühjahrssammlung der Diakonie noch 429 Euro gegeben wurden, das sind 7 Cent pro Gemeindeglied, 2011 waren es gerade noch 87 Euro, (1 ½ Cent pro Gemeindeglied) 2012 und 2013 nichts mehr. Bei der Herbstsammlung waren es 2007 noch 135 Euro und 2013 gerade noch 30 Euro. Eine kranke, mutlose Gemeinde, die, in der Fürsorge und dem Engagement für andere, ihr müdes Gesicht zeigt. Natürlich, ich weiß, dass Sie, liebe Gemeindeglieder, sich hier und dort engagieren und ihr Scherflein an anderer Stelle geben. Warum nicht Ihrer Gemeinde, damit sie anderen beistehen kann, wie wir es von einer christlichen Gemeinde erwarten?
3. Die Boten
Und jetzt sind die Boten unterwegs. Auch die, die nach dem Gottesdienst mit dem Licht aus Bethlehem in die Häuser unterwegs sind. Die Boten sind unterwegs als Zeichen, dass doch noch nicht alles verloren ist. Sie haben eine Nachricht gegen alle Mutlosigkeit, gegen den Schlaf, den so mancher in unserer Südstadt schläft und damit überhört, dass auch für ihn die Nachricht gilt: „Wach auf, wach auf! Wir sind doch kein armseliger Haufen, der nichts mehr zuwege bringt. In uns ist Stärke und Kraft.“ Wir können etwas bewegen, das uns allen gut tut, das neue Hoffnung für die Zukunft schenkt und unseren Blick weglenkt von unseren Befindlichkeiten, dem Neid, der Missgunst, dem sofort beleidigt sein und dem ewig um sich selbst drehen.
Es ist eine freudige Nachricht, die uns die Boten verkündigen. Sie eilen, sie rennen um diese Nachricht in kürzester Zeit in alle Häuser zu bringen. Und diese Nachricht heißt: Gott kehrt zurück nach Jerusalem und das Volk kehrt mit ihm zurück in die Heimat, in die Stadt Gottes nach Jerusalem.
4. Gott kehrt zurück
Für uns, in der Südstadt, heißt diese freudige Nachricht: „Gott kehrt zurück“. Zu jedem von uns. In unseren Herzen und Häusern wird Friede sein. Was in uns, in unserer Gemeinde und in unseren Familien zerschlagen und krank ist, wird heil werden. Gott bekennt sich mit seiner Liebe zu uns. – Und diese Liebe zeigt sich auch durch die Hände derer, die an den liebenden Gott glauben und in seinem Namen zupacken.
Die freudige Nachricht heißt: „Gott kehrt zurück“. Gott wird an der ersten Stelle unseres Lebens stehen. Er ist der, der unser Leben bestimmt, an dem wir uns orientieren und nach seinem Willen unsere Entscheidungen treffen. Gott ist mein König.
„Gott kehrt zurück“, in unsere Gemeinde, schenkt ihr neues Leben. Es wird sichtbar werden, dass Gottes Liebe in ihr wohnt, die all ihr Tun und alles Engagement für andere bestimmt.
Wenn ich nur ein Prophet wäre, wie Jesaja, und das, dieser Gemeinde zusprechen könnte!
5. Fragen
So aber bleiben Fragen:
Unsere Gemeinde, ist sie hoffnungsfroh, dass Gott kommt und auch von ihr Besitz nimmt? Die Müdigkeit und Resignation heilt? Können wir das glauben? Wollen wir das? Höre ich Jubel und Freude weil Gott kommt?
Was höre ich? Nichts? Will ich es glauben oder fehlt mir der Glaube, dass Gott den Trümmerhaufen der Mutlosigkeit und Resignation unserer Gemeinde heilen kann?
Ich überlege, wie das Evangelium heißt das Gott unserer Gemeinde zusprechen müsste, das Evangelium, das mich elektrisiert und in Bewegung bringt? Wie heißt die frohe Nachricht, die unsere Gemeinde braucht, damit sie das Exil verlassen kann und wieder dahin kommt, wo Gottes Wort gepredigt wird und ihre triste Mutlosigkeit in Freude verwandelt wird?
6. Die Freudenboten
Was verkündigen die Freudenboten, die Prediger unserer Gemeinde, im Auftrag Gottes? Haben sie eine schlechte Botschaft, weil sie von einer großen Mehrheit dieser Gemeinde eher gemieden werden? Sind wir eine Gemeine, deren Mehrheit sich nicht sammeln will? Oder ist es eine langweilige Botschaft, eine Nachricht, die an der Realität unseres Lebens vorbeigeht, eine Botschaft die mich nicht betrifft? Warum will ich es nicht hören, wenn Gott mir sagt, dass er mich liebt, geliebt hat, noch bevor ich im Leib meiner Mutter war? Warum will ich es nicht hören, dass sich bei mir ändern darf, was mir die Ruhe und den Frieden da drinnen in meinem Herzen raubt.
Kehr um! Kehr um aus dem Exil, komm zurück aus der Gefangenschaft, damit Gott die Trümmer deines Lebens heilen kann. Das ist die Nachricht der Freudenboten. Komm zurück in die Gemeinschaft dieser Gemeinde, sie braucht dich. Gott will dich und die Trümmer dieser Gemeinde heilen.
Ich würde mir das so sehr wünschen, dass wir die traurige Distanz innerhalb verschiedener Gruppen unserer Gemeinde aufgeben könnten und uns gegenseitig zujubeln, dass wir diesen wunderbaren Gott haben, den König aller Könige, der uns durch Jesus zu seinen Kindern gemacht hat. Es schmerz mich, dass wir zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten Gottesdienst feiern und nicht in der Lage sind gemeinsam zu feiern. Unsere Befindlichkeiten, unsere Vorbehalte sind groß, größer als unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft mit denen, die auch zur selben Gemeinde gehören.
Dabei ist es eine dreifache gute Nachricht, die die Freudenboten dem Volk Gottes bringen und die uns allen gilt: Gott ist dein König! - Du bist mein Volk! - Tröstet, tröstet mein Volk!
7. Die gute Nachricht
Das sind heute unsere guten Nachrichten für unsere Gemeinde und für unser Volk:
Gott kommt! Gott kommt in die Trümmerhaufen unseres Lebens, so wie es damals der Prophet verkündet hat, dass Gott in die Trümmerhaufen des zerstörten Jerusalems kommt. Gott kommt! Das ist eine mächtige Botschaft gegen die Finsternis der noch existierende Mächte und Kräfte.
Die Wächter jubeln, sie dürfen die Zeugen der Ankunft Gottes sein. Noch sieht man die Ankunft Gottes nicht, aber man hört die Freudenrufe der Wächter. Die Freudenboten sind’s die es laut hinausschreien und Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, der Gemeinde sagen: Gott ist dein König! Und es wird der Tag kommen, wo wir ihn sehen werden, den wiederkommenden Jesus. Dann werden wir auf die Knie fallen und ihn, unseren Retter, anbeten – und es wird alles gut werden.
Lasst uns die Ohren aufmachen, damit wir die gute Nachricht hören und in unser Herz einlassen. Lasst uns bereit sein für sein Kommen. Lasst uns neugierig und hungrig nach Gott werden und nicht mehr am Sonntagmorgen zur Gottesdienstzeit im waren Bett liegenbleiben wollen, sondern hören was uns unser König zu sagen hat. Lasst uns Gemeinschaft haben mit ihm, der aus Liebe zu uns Mensch geworden ist, und mit denen, denen auch seine Liebe gilt.
Unsere Welt ist immer noch von Trümmerhaufen gezeichnet. Das Kommen Gottes ist unvollendet. Noch sind die Trümmerhaufen in unserem Leben vorhanden. Noch steht unsere vollkommene Heilung aus. Das wird erst am Ende der Zeiten sein, wenn Gott alles Neu macht, dann wenn das Böse überwunden ist und die Sünde keinen Raum mehr hat.
Es ist Gottes Erbarmen mit seinem Volk, das uns schon jetzt hineinnimmt in die Gotteskindschaft, auch wenn wir noch auf der Wanderschaft sind ihm entgegen. Gott ist mit uns auf dem Weg. Und wir dürfen anfangen, mit seiner Hilfe unsere Trümmerhaufen aufzuräumen. Er ist mit uns auf dem Weg dorthin, wo wir dann als Geheilte ihn schauen werden von Angesicht zu Angesicht. Amen.
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