13.6.2010 - 2. Sonntag Nach Trinitatis
Ephesser 2,17-22
17 Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.
18 Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.
19 So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,
20 erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist,
21 auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.
22 Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.
1.Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.
Liebe Gemeinde!
Immer wieder stellt sich uns die Frage:
Wie können wir heute denn unseren Glauben an Jesus Christus überhaupt noch überzeugend leben?
Den Glauben an den, der uns täglich seinen Frieden schenken und uns eben nicht allein lassen will? (So wie wir es eben gesungen haben.)
Und der uns versprochen hat, stets bei uns zu sein?
Welche Gestalt hat denn dieser Friede?
Und wo können wir ihn sehen und spüren?
Ich erinnere mich, dass wir als Kinder oft „Cowboy und Indianer“ spielten, draußen im Hof .....
Und natürlich haben die Cowboys gegen die Indianer gekämpft.
Nichts Ernstes, ein Spiel eben.
Aber das Kräftemessen gehörte eben dazu.
(Und nachdem ich das Puppenwagen schieben immer ziemlich schnell langweilig fand, war ich halt meistens bei den Indianern mit dabei.)
Sich verstecken, sich anschleichen und dann mit den Tomahawk, das meistens ein abgerissener Zweig von irgendeinem Busch war, gegen die Cowboys kämpfen. Das war spannend. Und die Cowboys schossen mit ihren selbstgebastelten Stöckchenpistolen zurück.
Und wenn wir genug von diesem Spiel hatten, dann stellte sich Einer hin, streckte die Hand aus uns sagte: „Frieden.“
Und der andere schlug in die ausgestreckte Hand ein und bestätigte: „Frieden.“
Und so gingen wir immer als die besten Freunde wieder auseinander.
Das ist meine Erinnerung, wie Frieden und Versöhnung aussehen, bis heute geblieben. Es gibt keine Verlierer und keine Gewinner.
Ein Handschlag und dann ist es gut.
Wie es sich anfühlt, wenn man Frieden machen kann –
und wie gut es tut,
die Hand zu reichen und die Hand eines anderen zu spüren,
das wissen viele von uns seit ihren Kindertagen.
Der Friede und die Versöhnung zwischen Freunden ist etwas ganz Wunderbares.
Der Frieden, den uns Christus schenken will geht darüber aber
noch hinaus: es ist nicht nur der Friede zwischen Freunden, zwischen denen, die sich sowieso schon lange kennen, sondern es ist auch der Friede zwischen denen, die sich fern stehen und die eigentlich in ihrem Leben noch nichts oder nur sehr wenig miteinander zu tun hatten.
Es ist der Frieden zwischen den Nahen und den Fernen.
Es ist der Frieden zwischen denen, die dem Glauben und der Kirche schon immer nahe standen und denen, die zwar getauft sind, aber sich mit der Kirche, der Gemeinde, dem Glauben und dem Gottesdienst manchmal vielleicht auch schwer tun.
Doch zwischen allen beiden soll Friede sein,
weil sie, wie es in unserem Predigttext heißt,
in einem GEIST verbunden sind.
Wer getauft ist, und an Gott glaubt,
wie immer dieser Glaube dann in einem persönlichen Leben aussehen mag, der gehört in diese Gemeinschaft hinein.
Die Cowboys und die Indianer,
die Nahen und die Fernen,
die Jungen und die Alten.
Das ist für mich ein ganz starkes Bild von Kirche.
Da schlagen Menschen ein und sagen „Friede“ –
Es soll Frieden zwischen uns sein, wir gehören zusammen, weil wir beide an den gleichen Gott glauben und seinem Frieden vertrauen.
Da bietet Kirche einen Raum,
in dem es keine Verlierer gibt,
in dem es keine Konkurrenz zwischen den besseren und den schlechteren gibt,
zwischen oben und unten,
den Armen und den Reichen.
Und damit haben wir in der Kirche ein anderes Bild von Frieden und Gerechtigkeit als das, das derzeit in unserer Gesellschaft gemalt wird.
Mag man diesem Bild auch den Titel „historisches Sparpaket“ verleihen, es wird auf Dauer nicht dem Frieden dienen, wenn immer mehr Menschen aus dem Rahmen unserer Gesellschaft fallen und keiner mehr da ist, der ihnen noch die Hand zum „Frieden“ reicht.
2.So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen TEMPEL in dem Herrn.
In der Kirche, da gehören Menschen zusammen –
Nicht als Gäste und Fremdlinge,
sondern als Mitbürger und Hausgenossen.
Als die, die ihren Zugang zu Gott gefunden haben,
zum heiligen Raum,
zur ausgestreckten Hand Gottes, die ER uns zum Frieden reicht.
Und je mehr Menschen diese Hand Gottes sehen,
sie ergreifen, spüren und einwilligen in diesen Frieden Gottes,
desto mehr wird eine Gemeinde wachsen zum „heiligen Tempel“.
Und um so stärker und selbstbewusster wird sie werden.
Und um so mehr Ausstrahlungskraft wird sie haben.
Wir brauchen uns als Gemeinde Jesu Christi hier in der Südstadt nicht zu verstecken.
Es ist nun schon zum dritten Mal, dass unser Gemeindefest im Rahmen des Fürth-Marathons stattfindet.
Dass wir uns als Kirchengemeinde auch als einen Teil dieser Stadt sehen, und uns mit unserem Selbstverständnis von Glauben und Gerechtigkeit in dieses Stadtfest heute einbringen.
Und dafür brauchen wir uns nicht zu schämen.
Vieles ist in den letzten Jahren in unserer Gemeinde gewachsen und eben auch zusammengewachsen.
So unterschiedlich wir in unserem Glauben, unserer Frömmigkeit und unserem Engagement auch sein mögen, so ist doch auch das Bild von Kirche, in der wir alle, die Nahen und die Fernen,
die Großen und die Kleinen,
die Alten und die Jungen,
ihren Platz haben, gewachsen.
So sind heute viele da, um mit zu gestalten und um mit zu helfen.
Der Posaunenchor an seinen Instrumenten,
die Kirchenvorsteher am Grill, am Kuchenbuffet und bei den Getränken, viele ehrenamtliche Mitarbeiter, die gestern schon beim Aufbau da waren, und die heute da sind, um zum Gelingen des Festes mit beizutragen.
Ich zähle jetzt nicht alle einzeln auf, weil dann vergesse ich bestimmt jemanden, und das wäre nicht gut.
Darum: Vielen Dank an alle Helfer,
und vielen Dank an sie alle, dass Sie heute gekommen sind.
Es ist viel in den letzten Jahren in unserer Kirchengemeinde gewachsen und zusammengewachsen. Und das ist gut so.
Es ist gut, dass wir heute den Gottesdienst hier außen auf dem Kirchplatz feiern und uns als Gemeinde auch hier im Stadtteil zeigen.
Dass wir als Gemeinde Jesu Christi auf den Frieden unseres Gottes vertrauen und uns auf seine Führung verlassen.
In einer Zeit, die vielen Menschen immer unsicherer scheint und in der es gilt, sich für Frieden und Gerechtigkeit zwischen den Generationen und den unterschiedlichen sozialen Herkommen einzusetzen, ist es gut, als Kirche da zu sein und sich nicht zu verstecken.
So wie es uns Jesus versprochen hat:
„Meinen Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Joh 14,27) Amen.
20100611
Martin Adel: Liebe vertreibt die Furcht
06.06.2010 – 1. Sonntag nach Trinitatis
Wochenspruch: Lk 10,16
Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.
Liebe vertreibt Furcht
1 Joh 4,16b - 21
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. 21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.
Liebe Gemeinde!
1. Furcht ist nicht in der Liebe
Wir allen kennen noch das Spiel aus Kindertagen:
Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Niemand! Wenn er aber kommt? Dann laufen wir davon!
Und dann ist man losgerannt und durfte sich nicht fangen lassen. Ein schönes Spiel.
Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Niemand! …
Doch die Kindertage sind vorbei. Wir sind erwachsen. Und was Spiel war, wird manchmal ernst und plötzlich können wir nicht mehr davon laufen. Wenn die „Furcht“ uns überfällt uns wollen wir davon laufen, aber wohin?
Ich merke, wie mich bei all den erschreckenden Nachrichten in den letzten Monaten über die Finanzkrise und die Euro-Stabilität und die Schutzschirme, die gespannt werden und die hoffentlich besser halten als die missglückten Versuche in den Tiefen des Golfs von Mexiko, wie mich bei all diesen Ereignissen trotz Lena zwischendurch immer wieder einmal die Furcht überfällt. Furcht vor der Zukunft. Denn zu den allgemeinen Ängsten kommen dann ja auch noch die persönlichen.
Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann …
Und ich werde unsicher: Stimmt z.B. die Altervorsorge für mich und meine Familie. Sollte ich mich nicht anders absichern? Und was wäre besser? Und ich erschrecke über mich selber, worauf ich dann doch gebaut habe: auf die finanzielle Absicherung.
Ja, liebe Gemeinde, wir meinten, uns absichern zu können für alle Zeit und uns abschirmen zu können vor den Problemen der anderen. Und dann platzen ein paar Träume und unser Schiff kommt ganz schnell ins Schlingern.
Die Zeiten verändern sich. Und wir spüren, wie eng Wut und Ohnmacht, Hoffnung und Resignation da ganz dicht beieinander liegen. Und wir merken, wie dünn doch das Eis ist und wie schnell wir ins Schlingern geraten – gerade auch in unserem inneren Korsett. Sehr störanfällig. Und wir müssen uns fragen lassen: Worauf haben wir gebaut? Was ist letztendlich unser Fundament?
Die großen Leitbilder im letzten Jahrhundert wie Frére Roger (Schütz), Dietrich Bonhoeffer oder Dorothee Sölle kenne auch solch eine Furcht. Diese existentielle Angst. Doch gleichzeitig haben sie sie auch immer wieder überwunden, weil für sie dieses Wort wahr wurde, das uns unser heutiger Predigttext ins Stammbuch schreibt. Er steht im 1 Johannesbrief im 4. Kapitel:
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. …
2. Angst vor Strafe
… 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
Wer hätte das gedacht. Die Liebe treibt die Furcht aus.
… oder ist es etwa so, dass wir mit der Strafe rechnen?
Dass wir nun die Rechnung für ein unbegrenztes und ungeregeltes Wirtschaftswachstum präsentiert bekommen. Einen zügellosen Lebensstil. Die Ölverseuchung im Golf von Mexiko. Der kälteste Mai seit 100 Jahren. Die gigantische Staatsverschuldung und die der Bürger noch dazu.
18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus;
Wenn die Furcht uns ergreift, dann werden wir zu Getriebenen und sind nicht mehr frei.
Und im griechischen Urtext steht hier das Wort phobos – die Phobie, Furcht, der Schrecken, die Angst. Und was eine Phobie ist, das kennen die Meisten von uns auch: Die Angst vor einer Spinne nimmt sich dabei ziemlich harmlos aus.
Die Schweinegrippe war auch so eine Phobie. Und die Ängste werden dann noch geschürt von den Medien, treiben fröhliche Urstände und der hastig herbeigeschaffte und dann verschmähte Impfstoff wird zum Millionengrab. Und wir wissen nur zu gut: Wer sich damals dagegen gestellt hätte, wäre gesteinigt worden vom Volkszorn, dass den Politikern die Gesundheit des Volkes nichts wert ist. Und wir vergessen schneller, als wir geschriehen haben und erheben danach den anklagenden Zeigefinger.
Wie dünn ist unser Seeleneis?
18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
Manchmal hilft die Furcht zur Umkehr, zur Reue und zum Neuanfang. Doch dieser Mut zum Neuanfang kommt nicht aus der Furcht, sondern aus der Liebe und aus der Zuversicht.
3. Zuversicht
17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben
Der ÖKT in München hatte es sich zum Programm gemacht unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“. Und im Großen und Kleinen wurden viele Spuren aufgezeigt, die gegen den Trend stehen. Missstände wurden benannten und angeklagt. Und gleichzeitig wurden Perspektiven eröffnet, wenn z.B. Vandana Shiva – die Trägerin des alternativen Nobelpreises aus Indien allen Widerständen zum Trotz ausruft: Lasst uns die Unterschiedlichkeiten im Glauben und in den Nationalitäten nicht tolerieren, sondern zelebrieren. Und Mvume Dandale kommt in seiner Bibelarbeit zu der Überzeugung: Der Glaube hilft uns, die Fesseln der kulturellen Unterschiede zu überwinden. – Und das gilt auch für uns: In dem einen Glauben können wir die kulturellen Unterschiede auch unter uns überwinden – und dann sind da nicht mehr die Deutschen aus Russland oder die Deutschen aus Siebenbürgen oder die Junge Gemeinde ….. sondern wir sind eins in Christus. Noch ist es nicht so weit, aber das ist der Weg und das Ziel in Christus, der für uns bereits die Schranken überwunden hat.
Natürlich gehört die Furcht zu unserem Leben. Wir alle kennen ja das Wort Jesu „In der Welt habt ihr Angst,“
Doch es geht dann weiter: „aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Diese Angst muss immer wieder überwunden werden, sonst werden wir innerlich aufgerieben und ausgezehrt. Doch wir tun uns so schwer, das zu glauben und das zu leben. Mit allen Fasern unseres Lebens.
4. In der Liebe bleiben
Ja! Was ist zu tun?
Jetzt wissen wir alle: Zuversicht kann man nicht verordnen. Und auch Appelle helfen wenig.
Doch wo liegt die Lösung?
Die Fußballfans unter uns wissen es bereits: Ein Fan ist ein Fan. Egal ob Spielvereinigung Greuther-Fürth, Bayern Hof oder der Club. Ein echter Fan ist hart erprobt im Auf- und Abstiegskampf – egal, was geschieht: er ärgert sich vielleicht, aber er bleibt treu und ist immer voller Zuversicht, dass es aufwärts geht.
Und wenn das die Fans schon beim Fußball schaffen, warum tun wir uns dann im Glauben so schwer. Auch wir müssen nur bleiben.
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben
In Gott bleiben. Im Glauben bleiben. Mehr braucht es eigentlich gar nicht. Wir müssen nur bleiben! Unser Leben vor Gott bringen und in Zwiesprache mit ihm führen. Dadurch ist die Furcht noch nicht weg, aber sie bekommt eine Grenze.
Denn um der Furcht zu begegnen, muss man sich sicher fühlen, getragen, gehalten, geliebt und geborgen. Und dann kann kommen, was will. Wir schaffen das. Und darin sind wir unbesiegbar. Sogar über das eigene Leben hinaus.
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
Das ist kein Vorwurf, sondern eine Erkenntnis, mit der uns Johannes auffordert in Gott zu bleiben, damit die Furcht schwinden muss und alle Weltdepression noch dazu. Weil die Liebe überwindet. Sogar unsere eigene Angst – und uns dann den Blick frei macht zum Handeln und zum Verändern und zum Leben. Manchmal im Widerstand und manchmal in der Ergebung. Aber immer gespeist und getragen in der Liebe Gottes.
Amen
Wochenspruch: Lk 10,16
Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.
Liebe vertreibt Furcht
1 Joh 4,16b - 21
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. 21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.
Liebe Gemeinde!
1. Furcht ist nicht in der Liebe
Wir allen kennen noch das Spiel aus Kindertagen:
Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Niemand! Wenn er aber kommt? Dann laufen wir davon!
Und dann ist man losgerannt und durfte sich nicht fangen lassen. Ein schönes Spiel.
Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Niemand! …
Doch die Kindertage sind vorbei. Wir sind erwachsen. Und was Spiel war, wird manchmal ernst und plötzlich können wir nicht mehr davon laufen. Wenn die „Furcht“ uns überfällt uns wollen wir davon laufen, aber wohin?
Ich merke, wie mich bei all den erschreckenden Nachrichten in den letzten Monaten über die Finanzkrise und die Euro-Stabilität und die Schutzschirme, die gespannt werden und die hoffentlich besser halten als die missglückten Versuche in den Tiefen des Golfs von Mexiko, wie mich bei all diesen Ereignissen trotz Lena zwischendurch immer wieder einmal die Furcht überfällt. Furcht vor der Zukunft. Denn zu den allgemeinen Ängsten kommen dann ja auch noch die persönlichen.
Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann …
Und ich werde unsicher: Stimmt z.B. die Altervorsorge für mich und meine Familie. Sollte ich mich nicht anders absichern? Und was wäre besser? Und ich erschrecke über mich selber, worauf ich dann doch gebaut habe: auf die finanzielle Absicherung.
Ja, liebe Gemeinde, wir meinten, uns absichern zu können für alle Zeit und uns abschirmen zu können vor den Problemen der anderen. Und dann platzen ein paar Träume und unser Schiff kommt ganz schnell ins Schlingern.
Die Zeiten verändern sich. Und wir spüren, wie eng Wut und Ohnmacht, Hoffnung und Resignation da ganz dicht beieinander liegen. Und wir merken, wie dünn doch das Eis ist und wie schnell wir ins Schlingern geraten – gerade auch in unserem inneren Korsett. Sehr störanfällig. Und wir müssen uns fragen lassen: Worauf haben wir gebaut? Was ist letztendlich unser Fundament?
Die großen Leitbilder im letzten Jahrhundert wie Frére Roger (Schütz), Dietrich Bonhoeffer oder Dorothee Sölle kenne auch solch eine Furcht. Diese existentielle Angst. Doch gleichzeitig haben sie sie auch immer wieder überwunden, weil für sie dieses Wort wahr wurde, das uns unser heutiger Predigttext ins Stammbuch schreibt. Er steht im 1 Johannesbrief im 4. Kapitel:
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. …
2. Angst vor Strafe
… 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
Wer hätte das gedacht. Die Liebe treibt die Furcht aus.
… oder ist es etwa so, dass wir mit der Strafe rechnen?
Dass wir nun die Rechnung für ein unbegrenztes und ungeregeltes Wirtschaftswachstum präsentiert bekommen. Einen zügellosen Lebensstil. Die Ölverseuchung im Golf von Mexiko. Der kälteste Mai seit 100 Jahren. Die gigantische Staatsverschuldung und die der Bürger noch dazu.
18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus;
Wenn die Furcht uns ergreift, dann werden wir zu Getriebenen und sind nicht mehr frei.
Und im griechischen Urtext steht hier das Wort phobos – die Phobie, Furcht, der Schrecken, die Angst. Und was eine Phobie ist, das kennen die Meisten von uns auch: Die Angst vor einer Spinne nimmt sich dabei ziemlich harmlos aus.
Die Schweinegrippe war auch so eine Phobie. Und die Ängste werden dann noch geschürt von den Medien, treiben fröhliche Urstände und der hastig herbeigeschaffte und dann verschmähte Impfstoff wird zum Millionengrab. Und wir wissen nur zu gut: Wer sich damals dagegen gestellt hätte, wäre gesteinigt worden vom Volkszorn, dass den Politikern die Gesundheit des Volkes nichts wert ist. Und wir vergessen schneller, als wir geschriehen haben und erheben danach den anklagenden Zeigefinger.
Wie dünn ist unser Seeleneis?
18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
Manchmal hilft die Furcht zur Umkehr, zur Reue und zum Neuanfang. Doch dieser Mut zum Neuanfang kommt nicht aus der Furcht, sondern aus der Liebe und aus der Zuversicht.
3. Zuversicht
17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben
Der ÖKT in München hatte es sich zum Programm gemacht unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“. Und im Großen und Kleinen wurden viele Spuren aufgezeigt, die gegen den Trend stehen. Missstände wurden benannten und angeklagt. Und gleichzeitig wurden Perspektiven eröffnet, wenn z.B. Vandana Shiva – die Trägerin des alternativen Nobelpreises aus Indien allen Widerständen zum Trotz ausruft: Lasst uns die Unterschiedlichkeiten im Glauben und in den Nationalitäten nicht tolerieren, sondern zelebrieren. Und Mvume Dandale kommt in seiner Bibelarbeit zu der Überzeugung: Der Glaube hilft uns, die Fesseln der kulturellen Unterschiede zu überwinden. – Und das gilt auch für uns: In dem einen Glauben können wir die kulturellen Unterschiede auch unter uns überwinden – und dann sind da nicht mehr die Deutschen aus Russland oder die Deutschen aus Siebenbürgen oder die Junge Gemeinde ….. sondern wir sind eins in Christus. Noch ist es nicht so weit, aber das ist der Weg und das Ziel in Christus, der für uns bereits die Schranken überwunden hat.
Natürlich gehört die Furcht zu unserem Leben. Wir alle kennen ja das Wort Jesu „In der Welt habt ihr Angst,“
Doch es geht dann weiter: „aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Diese Angst muss immer wieder überwunden werden, sonst werden wir innerlich aufgerieben und ausgezehrt. Doch wir tun uns so schwer, das zu glauben und das zu leben. Mit allen Fasern unseres Lebens.
4. In der Liebe bleiben
Ja! Was ist zu tun?
Jetzt wissen wir alle: Zuversicht kann man nicht verordnen. Und auch Appelle helfen wenig.
Doch wo liegt die Lösung?
Die Fußballfans unter uns wissen es bereits: Ein Fan ist ein Fan. Egal ob Spielvereinigung Greuther-Fürth, Bayern Hof oder der Club. Ein echter Fan ist hart erprobt im Auf- und Abstiegskampf – egal, was geschieht: er ärgert sich vielleicht, aber er bleibt treu und ist immer voller Zuversicht, dass es aufwärts geht.
Und wenn das die Fans schon beim Fußball schaffen, warum tun wir uns dann im Glauben so schwer. Auch wir müssen nur bleiben.
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben
In Gott bleiben. Im Glauben bleiben. Mehr braucht es eigentlich gar nicht. Wir müssen nur bleiben! Unser Leben vor Gott bringen und in Zwiesprache mit ihm führen. Dadurch ist die Furcht noch nicht weg, aber sie bekommt eine Grenze.
Denn um der Furcht zu begegnen, muss man sich sicher fühlen, getragen, gehalten, geliebt und geborgen. Und dann kann kommen, was will. Wir schaffen das. Und darin sind wir unbesiegbar. Sogar über das eigene Leben hinaus.
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
Das ist kein Vorwurf, sondern eine Erkenntnis, mit der uns Johannes auffordert in Gott zu bleiben, damit die Furcht schwinden muss und alle Weltdepression noch dazu. Weil die Liebe überwindet. Sogar unsere eigene Angst – und uns dann den Blick frei macht zum Handeln und zum Verändern und zum Leben. Manchmal im Widerstand und manchmal in der Ergebung. Aber immer gespeist und getragen in der Liebe Gottes.
Amen
20100518
Werner Otto Sirch: Ich beuge meine Knie ...
16.5.2010 Sonntag Exaudi
Predigt Epheser 3,14-21
14 Ich beuge meine Knie vor dem Vater,
15 der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden,
16 daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, b stark zu werden durch seinen Geist an dem c inwendigen Menschen,
17 daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe b eingewurzelt und gegründet seid.
18 So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist,
19 auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.
20 Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt,
21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
ich beuge meine Knie ... Vor zwei Jahren wollte, zu meinem Erstaunen, meine Konfirmandengruppe an ihrer Konfirmation das Abendmahl unbedingt kniend einnehmen. Es war den jungen Menschen nicht auszureden. Diese Begebenheit fiel mir ein, als ich über unseren heutigen Predigttext nachdachte. Wer kniet sich denn in einer evangelischen Kirche nieder? Wer kniet überhaupt noch ... und vor wem? Vielleicht fallen wir dann auf unsere Knie, wenn die Not am größten ist und wir weder ein noch aus wissen.
„Ich verstehe nichts. Nur Kniebeugen, die machen wir beim Training auch immer.“ Das sagte einer meiner früheren Konfirmanden, mit dem ich den heutigen Predigttext gelesen habe. Und mir fällt etwas ein, das ich vor einiger Zeit über den großen Psychoanalytiker C. G. Jung gelesen habe. Christen fragen ihn immer wieder einmal, warum Gott nicht zu ihnen spreche, wie er es in früheren Zeiten getan haben soll. Wenn er solche Fragen höre, antwortete C. G. Jung, denke er immer an den Rabbi. Der sei auch gefragt worden, wie es käme, dass Gott sich den Menschen früher so oft gezeigt habe. Denn heutzutage würde ja niemand mehr Gott zu Gesicht bekommen. Der Rabbi antwortete: „Heutzutage gibt es niemand mehr, der sich tief genug bücken kann.“ Das kann Beten bedeuten: Sich tief genug zu bücken, die Knie zu beugen und die Spuren Gottes in den Blick zu nehmen.
Es hat Ursachen, dass wir heute nicht mehr in der Lage sind, uns vor Gott zu demütigen und klein zu machen, ihm Respekt zu erweisen. Wir nennen Gott Vater. Gott der Vater, das scheint heute aber vielen Menschen suspekt, denn wir leben weitgehend in einer Welt ohne Väter. Wir leben im Zeitalter der Söhne und Töchter. Außerdem: Warum nicht Vater- und nicht Muttergott oder besser Gott, der Väterliches und Mütterliches in sich vereint?
Das Wort „Vater“ scheint heute nicht mehr tragfähig wie früher, es kann kaum noch Vertrauen begründen und den Glauben an Gott gültig ausdrücken. Der Rektor der Förderberufsschule des Diakoniedorfes Herzogsägmühle, wo ich vor meiner Fürther Zeit arbeitete, sagte einmal zu mir: „Die jungen Menschen an unserer Schule haben alle einen ganz entscheidenden Mangel: Sie kennen keinen Vater mehr, haben keine Beziehung mehr zu ihm. Wenn diese jungen Menschen in ihrem Religionsunterricht nun einen Vater erleben, wenn Sie ihnen ein guter Vater sind, dann haben Sie gut gearbeitet und wenn sie im Unterricht den Vater im Himmel kennen lernen, dann haben Sie sehr gut gearbeitet.“
Wo sind heute unsere Väter? Ich meine nicht die autoritären und gewalttätigen Väter. Wo sind die Väter, die Autorität haben, die sich um ihre Kinder kümmern, ihre Kinder lieben und von ihnen geliebt werden?
Die Söhne und Töchter möchten sich heute lieber vom Vater – und auch von der Mutter – befreien, erkennen ihre Autorität nicht mehr an. Eine Supernannie oder Supermama soll es dann richten.
Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhof malt in seinem Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, ein erschreckendes Bild von Beziehungsstörungen zwischen Erwachsenen und Kindern. Anhand von Fallbeispielen belegt er die Ursachen dieser Entwicklung. Er schreibt: „Wir befinden uns mittlerweile in einem Ausnahmezustand, in dem Kinder zu Erziehern ihrer Eltern geworden sind und diese rein lustbetont steuern können, ohne Grenzen aufgezeigt zu bekommen. Der Grund dafür liegt nicht in angeborener Bösartigkeit, sondern darin, dass diese Kinder psychisch gar nicht mehr in der Lage sind, ihr Verhalten als falsch zu empfinden. (...) Kinder, (...) die nicht in der Lage sind, falsches von richtigem Verhalten zu unterscheiden, entwickeln sich zu eben jenen Tyrannen und Monstern, vor denen wir im Alltag immer häufiger mit einer großen Fassungslosigkeit stehen.“ (...) „Schwierigkeiten bereiten zunehmend (auch) Kinder und Jugendliche, deren Eltern vom ersten Tag an liebevoll mit ihnen umgehen.“
Man könnte jetzt über pädagogische Konzepte diskutieren und sie als die Folge einer falsch verstandenen antiautoritären Erziehung, die jegliche Autorität abgelehnt hat, sehen. Man könnte mehr Strenge und Konsequenz in der Erziehung einfordern. Das Problem hat aber darin ihre Ursache, dass bei vielen Eltern der Vater nicht mehr der Vater und die Mutter nicht mehr die Mutter ist. Die Rollen haben sich vertauscht, die Kinder sagen den Eltern wo es langgeht, schon Fünfjährige haben ihre Eltern voll im Griff. Dadurch, so der Kinder- und Jugendpsychiater, nehmen wir unseren Kindern die Möglichkeit zu reifen. Kinder brauchen Leitung und Führung. Das bedeutet: „Kinder müssen wieder als Kinder gesehen werden. Heute sind wir dazu übergegangen, sie als kleine Erwachsene ebenbürtig zu machen und damit restlos zu überfordern.“ Ich denke: Kinder müssen nicht alles hören was Erwachsene reden und schon gar nicht mitreden und ihre Meinung dazu geben.
Kinder müssen nicht an die Macht, wie Herbert Grönemeyer 1986 musikalisch forderte. Schauen Sie rein in die Schulen, wie Kinder ihre Lehrer tyrannisieren, genau ihre Kinderrechte kennen aber nicht bereit sind ihre Pflichten zu erfüllen, sich einzuordnen und einzubringen, damit so ein Lernklima entstehen kann. Solange wir unseren Kindern die Rolle des Partners der Erwachsenen zuweisen, werden wir sie maßlos überfordern, weil sie diese Rolle psychisch nicht ausfüllen können. „Kleinkinder leben in der Annahme, sie seien alleine auf der Welt und könnten rein lustbetont ihren Willen ausleben. Diese Kinder haben noch nicht gelernt, ihre Außenwelt und andere Menschen als Begrenzung ihres eigenen Ichs anzusehen.“
Diese Problematik, die ich Ihnen, liebe Gemeinde, in groben Zügen aufgezeigt habe, hat auch Auswirkungen auf den Glauben unserer Kinder. Was heißt das im Blick auf ihr Verhältnis zu Gott? Was bedeutet das für sie, wenn wir von Gott dem Vater sprechen? Kann ein Kind sich an solch einen schwächlichen Vater binden, der Autorität nicht wahrnimmt, dem Kind Leitung und Führung verweigert, hilflos nur noch zusehen kann? Wie sollen unsere Kinder an einen Gott Glauben, der immer für uns da ist, wenn sie einen Vater erleben, der nie da ist, der nie Zeit hat, der sich kaum oder selten für sie interessiert? Kinder übertragen ihre Vaterbilder auf das Wesen Gottes. Nicht ohne Grund haben viele Menschen meiner Generation Angst vor dem zürnenden und strafenden Gott, weil sie ihren Vater prügelnd, hart strafend, Angst machend, erlebt haben.
Ich bin überzeugt, dass es auf Dauer Wirkung und Bedeutung hat, nicht nur für unseren Glauben, sondern auch für die Zukunft unseres Volkes, wenn unsere Kinder sich selbst als den Mittelpunkt des „Universums“ sehen, das sich nichts und niemandem unterzuordnen hat und nur seinem Lustprinzip lebt.
Wie sollen unsere Kinder heranwachsen zu einem innerlich starken Menschen, der sittlich denkt und sich mit der Spannung auseinandersetzt, die aus seiner irdisch-leiblich Art kommt und letztlich nur vom Gefühl von Lust und Unlust bestimmt ist, das ihn steuert? Die Entwicklung zu einer verantwortlichen Persönlichkeit geschieht nicht von allein, das muss gelernt werden. Kinder brauchen dazu Vorbilder, Leitung und Führung.
Die Entwicklung zu einer verantwortlichen Persönlichkeit letztlich aber nur dann gelingen, indem eine Berührung mit Gott stattfindet, wenn Gewissen entwickelt wird und ein Ort ist, der von Gott her ansprechbar wird und bleibt. Dann wird der Mensch reif, sittliche Urteile zu fällen und in das rechte Beziehungsverhältnis zum neuen Menschen zu kommen, der sich an Gott gebunden weiß und seine Autorität über sich duldet, akzeptiert und sich danach ausrichtet. Denn werden sie in der Lage sein, ihre Knie vor dem Himmlischen Vater zu beugen, wie Paulus das tat und wie wir Erwachsene es gelernt haben, Gottes Autorität über uns anzuerkennen und sich ihr unterzuordnen.
Wir wünschen, dass unsere Kinder selbstbewusst, als innerlich starke Menschen ihr Leben bewältigen. Unsere Kinder werden aber nicht stark, indem sich die Rollen verkehren und die Erwachsenen sich nach ihnen richten. Kinder müssen lernen Versagungen und Frustrationen auszuhalten und mit ihnen positiv umzugehen. Wachstum und Stärkung seines inneren Menschen bekommt der Mensch, indem er sich mit dem Wort Gottes, der Predigt, der Gemeinschaft der Glaubenden und dem Wirken des Heiligen Geistes auseinander setzt. Das gilt für unsere Kinder und auch für uns Erwachsene.
Den Vater im Himmel ehren drückt Ehrfurcht und Vertrauen aus, nicht so sehr die vertrauliche Nähe zu Gott, sondern eher die Ehrfurcht und das Vertrauen in seine Größe und heilschaffende Macht. Paulus kann nicht anders, als sich vor diesem Gott nieder zu knien und ihn anzubeten.
Wenn wir Gott anbeten, dann beten wir den Schöpfer und Erhalter allen Geschaffenen an, den Vater der Herrlichkeit, dem alle Ehre und alle Gewalt gebührt, der für uns Autorität hat, der durch Christus in unserem Herzen wohnt. Nicht mehr unser eigenes Ich mit seinen Interessen und Wünschen bestimmen unser Leben, sondern Gottes Sinn und Wollen. Amen.
Predigt Epheser 3,14-21
14 Ich beuge meine Knie vor dem Vater,
15 der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden,
16 daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, b stark zu werden durch seinen Geist an dem c inwendigen Menschen,
17 daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe b eingewurzelt und gegründet seid.
18 So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist,
19 auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.
20 Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt,
21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
ich beuge meine Knie ... Vor zwei Jahren wollte, zu meinem Erstaunen, meine Konfirmandengruppe an ihrer Konfirmation das Abendmahl unbedingt kniend einnehmen. Es war den jungen Menschen nicht auszureden. Diese Begebenheit fiel mir ein, als ich über unseren heutigen Predigttext nachdachte. Wer kniet sich denn in einer evangelischen Kirche nieder? Wer kniet überhaupt noch ... und vor wem? Vielleicht fallen wir dann auf unsere Knie, wenn die Not am größten ist und wir weder ein noch aus wissen.
„Ich verstehe nichts. Nur Kniebeugen, die machen wir beim Training auch immer.“ Das sagte einer meiner früheren Konfirmanden, mit dem ich den heutigen Predigttext gelesen habe. Und mir fällt etwas ein, das ich vor einiger Zeit über den großen Psychoanalytiker C. G. Jung gelesen habe. Christen fragen ihn immer wieder einmal, warum Gott nicht zu ihnen spreche, wie er es in früheren Zeiten getan haben soll. Wenn er solche Fragen höre, antwortete C. G. Jung, denke er immer an den Rabbi. Der sei auch gefragt worden, wie es käme, dass Gott sich den Menschen früher so oft gezeigt habe. Denn heutzutage würde ja niemand mehr Gott zu Gesicht bekommen. Der Rabbi antwortete: „Heutzutage gibt es niemand mehr, der sich tief genug bücken kann.“ Das kann Beten bedeuten: Sich tief genug zu bücken, die Knie zu beugen und die Spuren Gottes in den Blick zu nehmen.
Es hat Ursachen, dass wir heute nicht mehr in der Lage sind, uns vor Gott zu demütigen und klein zu machen, ihm Respekt zu erweisen. Wir nennen Gott Vater. Gott der Vater, das scheint heute aber vielen Menschen suspekt, denn wir leben weitgehend in einer Welt ohne Väter. Wir leben im Zeitalter der Söhne und Töchter. Außerdem: Warum nicht Vater- und nicht Muttergott oder besser Gott, der Väterliches und Mütterliches in sich vereint?
Das Wort „Vater“ scheint heute nicht mehr tragfähig wie früher, es kann kaum noch Vertrauen begründen und den Glauben an Gott gültig ausdrücken. Der Rektor der Förderberufsschule des Diakoniedorfes Herzogsägmühle, wo ich vor meiner Fürther Zeit arbeitete, sagte einmal zu mir: „Die jungen Menschen an unserer Schule haben alle einen ganz entscheidenden Mangel: Sie kennen keinen Vater mehr, haben keine Beziehung mehr zu ihm. Wenn diese jungen Menschen in ihrem Religionsunterricht nun einen Vater erleben, wenn Sie ihnen ein guter Vater sind, dann haben Sie gut gearbeitet und wenn sie im Unterricht den Vater im Himmel kennen lernen, dann haben Sie sehr gut gearbeitet.“
Wo sind heute unsere Väter? Ich meine nicht die autoritären und gewalttätigen Väter. Wo sind die Väter, die Autorität haben, die sich um ihre Kinder kümmern, ihre Kinder lieben und von ihnen geliebt werden?
Die Söhne und Töchter möchten sich heute lieber vom Vater – und auch von der Mutter – befreien, erkennen ihre Autorität nicht mehr an. Eine Supernannie oder Supermama soll es dann richten.
Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhof malt in seinem Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, ein erschreckendes Bild von Beziehungsstörungen zwischen Erwachsenen und Kindern. Anhand von Fallbeispielen belegt er die Ursachen dieser Entwicklung. Er schreibt: „Wir befinden uns mittlerweile in einem Ausnahmezustand, in dem Kinder zu Erziehern ihrer Eltern geworden sind und diese rein lustbetont steuern können, ohne Grenzen aufgezeigt zu bekommen. Der Grund dafür liegt nicht in angeborener Bösartigkeit, sondern darin, dass diese Kinder psychisch gar nicht mehr in der Lage sind, ihr Verhalten als falsch zu empfinden. (...) Kinder, (...) die nicht in der Lage sind, falsches von richtigem Verhalten zu unterscheiden, entwickeln sich zu eben jenen Tyrannen und Monstern, vor denen wir im Alltag immer häufiger mit einer großen Fassungslosigkeit stehen.“ (...) „Schwierigkeiten bereiten zunehmend (auch) Kinder und Jugendliche, deren Eltern vom ersten Tag an liebevoll mit ihnen umgehen.“
Man könnte jetzt über pädagogische Konzepte diskutieren und sie als die Folge einer falsch verstandenen antiautoritären Erziehung, die jegliche Autorität abgelehnt hat, sehen. Man könnte mehr Strenge und Konsequenz in der Erziehung einfordern. Das Problem hat aber darin ihre Ursache, dass bei vielen Eltern der Vater nicht mehr der Vater und die Mutter nicht mehr die Mutter ist. Die Rollen haben sich vertauscht, die Kinder sagen den Eltern wo es langgeht, schon Fünfjährige haben ihre Eltern voll im Griff. Dadurch, so der Kinder- und Jugendpsychiater, nehmen wir unseren Kindern die Möglichkeit zu reifen. Kinder brauchen Leitung und Führung. Das bedeutet: „Kinder müssen wieder als Kinder gesehen werden. Heute sind wir dazu übergegangen, sie als kleine Erwachsene ebenbürtig zu machen und damit restlos zu überfordern.“ Ich denke: Kinder müssen nicht alles hören was Erwachsene reden und schon gar nicht mitreden und ihre Meinung dazu geben.
Kinder müssen nicht an die Macht, wie Herbert Grönemeyer 1986 musikalisch forderte. Schauen Sie rein in die Schulen, wie Kinder ihre Lehrer tyrannisieren, genau ihre Kinderrechte kennen aber nicht bereit sind ihre Pflichten zu erfüllen, sich einzuordnen und einzubringen, damit so ein Lernklima entstehen kann. Solange wir unseren Kindern die Rolle des Partners der Erwachsenen zuweisen, werden wir sie maßlos überfordern, weil sie diese Rolle psychisch nicht ausfüllen können. „Kleinkinder leben in der Annahme, sie seien alleine auf der Welt und könnten rein lustbetont ihren Willen ausleben. Diese Kinder haben noch nicht gelernt, ihre Außenwelt und andere Menschen als Begrenzung ihres eigenen Ichs anzusehen.“
Diese Problematik, die ich Ihnen, liebe Gemeinde, in groben Zügen aufgezeigt habe, hat auch Auswirkungen auf den Glauben unserer Kinder. Was heißt das im Blick auf ihr Verhältnis zu Gott? Was bedeutet das für sie, wenn wir von Gott dem Vater sprechen? Kann ein Kind sich an solch einen schwächlichen Vater binden, der Autorität nicht wahrnimmt, dem Kind Leitung und Führung verweigert, hilflos nur noch zusehen kann? Wie sollen unsere Kinder an einen Gott Glauben, der immer für uns da ist, wenn sie einen Vater erleben, der nie da ist, der nie Zeit hat, der sich kaum oder selten für sie interessiert? Kinder übertragen ihre Vaterbilder auf das Wesen Gottes. Nicht ohne Grund haben viele Menschen meiner Generation Angst vor dem zürnenden und strafenden Gott, weil sie ihren Vater prügelnd, hart strafend, Angst machend, erlebt haben.
Ich bin überzeugt, dass es auf Dauer Wirkung und Bedeutung hat, nicht nur für unseren Glauben, sondern auch für die Zukunft unseres Volkes, wenn unsere Kinder sich selbst als den Mittelpunkt des „Universums“ sehen, das sich nichts und niemandem unterzuordnen hat und nur seinem Lustprinzip lebt.
Wie sollen unsere Kinder heranwachsen zu einem innerlich starken Menschen, der sittlich denkt und sich mit der Spannung auseinandersetzt, die aus seiner irdisch-leiblich Art kommt und letztlich nur vom Gefühl von Lust und Unlust bestimmt ist, das ihn steuert? Die Entwicklung zu einer verantwortlichen Persönlichkeit geschieht nicht von allein, das muss gelernt werden. Kinder brauchen dazu Vorbilder, Leitung und Führung.
Die Entwicklung zu einer verantwortlichen Persönlichkeit letztlich aber nur dann gelingen, indem eine Berührung mit Gott stattfindet, wenn Gewissen entwickelt wird und ein Ort ist, der von Gott her ansprechbar wird und bleibt. Dann wird der Mensch reif, sittliche Urteile zu fällen und in das rechte Beziehungsverhältnis zum neuen Menschen zu kommen, der sich an Gott gebunden weiß und seine Autorität über sich duldet, akzeptiert und sich danach ausrichtet. Denn werden sie in der Lage sein, ihre Knie vor dem Himmlischen Vater zu beugen, wie Paulus das tat und wie wir Erwachsene es gelernt haben, Gottes Autorität über uns anzuerkennen und sich ihr unterzuordnen.
Wir wünschen, dass unsere Kinder selbstbewusst, als innerlich starke Menschen ihr Leben bewältigen. Unsere Kinder werden aber nicht stark, indem sich die Rollen verkehren und die Erwachsenen sich nach ihnen richten. Kinder müssen lernen Versagungen und Frustrationen auszuhalten und mit ihnen positiv umzugehen. Wachstum und Stärkung seines inneren Menschen bekommt der Mensch, indem er sich mit dem Wort Gottes, der Predigt, der Gemeinschaft der Glaubenden und dem Wirken des Heiligen Geistes auseinander setzt. Das gilt für unsere Kinder und auch für uns Erwachsene.
Den Vater im Himmel ehren drückt Ehrfurcht und Vertrauen aus, nicht so sehr die vertrauliche Nähe zu Gott, sondern eher die Ehrfurcht und das Vertrauen in seine Größe und heilschaffende Macht. Paulus kann nicht anders, als sich vor diesem Gott nieder zu knien und ihn anzubeten.
Wenn wir Gott anbeten, dann beten wir den Schöpfer und Erhalter allen Geschaffenen an, den Vater der Herrlichkeit, dem alle Ehre und alle Gewalt gebührt, der für uns Autorität hat, der durch Christus in unserem Herzen wohnt. Nicht mehr unser eigenes Ich mit seinen Interessen und Wünschen bestimmen unser Leben, sondern Gottes Sinn und Wollen. Amen.
Werner Otto Sirch: Wo ist er ...?
13.5.2010 Christi Himmelfahrt
Predigt Apostelgeschichte 1,3-11
Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.
4 Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt;
5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?
7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;
8 aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.
10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.
11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
nach einer alten christlichen Tradition wird an Ostern im Gottesdienst ein Osterwitz erzählt, der uns zum österlichen Lachen bringt. An Ostern ist der Witz ausgefallen. Dafür erzähle ich heute einen Himmelfahrtswitz.
Jesus und Klein-Fritzchen spielen vor der Kirche. Klein-Fritzchen hat einen Roller. Jesus fragt ihn: Leihst du mir den mal? Ja, klar. Na, er düst los. Und ... er kommt und kommt nicht wieder.
Fritzchen wird langweilig, er geht in die Kirche. Dort steht der Pastor gerade auf der Kanzel und sagt: Und Jesus ist in den Himmel gefahren. Klein-Fritzchen zuckt zusammen und ruft laut und empört in den Kirchenraum: Waaas? Mit meinem Roller?
Wie soll man sich das nun vorstellen, Jesu Himmelfahrt? Klein-Fritzchen hat die Befürchtung, dass er seinen Roller nicht mehr zurückbekommt, weil Jesus damit in den Himmel gefahren ist.
Als Kind habe ich mir vorgestellt, dass Jesus auf einer Wolke stehend, wie mit einem Aufzug in den Himmel gefahren ist. Vielleicht wurde meine Fantasie von einem Gemälde oder von einer Zeichnung in dieser Weise beflügelt.
Ein Pfarrer hat an Himmelfahrt riesige Fußsohlen aus Pappe an der Wand seiner Kirche befestigt und seine Predigt damit begonnen, dass Christi Himmelfahrt so nicht stattgefunden habe.
Wie hat sie nun stattgefunden? Wurde Jesus vor den Augen seiner Jünger entrückt, oder von einer Wolke verdeckt? Was war wirklich geschehen?
Wo ist Jesus jetzt, wohin ging er? In den Himmel, würden wir sagen und so haben wir es auch in unserem Text gelesen. Was meint Lúkas, wenn er davon spricht, dass Jesus in den Himmel aufgenommen wurde? Meint er einen geographischen Ort im planetarischen oder galaktischen Raum? Zur Zeit des Lukas dachte man, dass die Erde eine Scheibe ist und der Himmel sich darüber wölbt. Zu diesem alten babylonischen Weltbild gehörte der Glaube, dass die Gottheiten in diesem Himmelsgewölbe wohnten. Inzwischen wissen wir aber, dass die Erde rund und Teil eines riesigen, unendlichen Weltalls ist. Es ist also schwer zu sagen, wo der Himmel ist, zu dem Jesus aufgefahren sein könnte. Der russische Astronaut Juri Gagarin, der als erster Mensch ins Weltall flog, sah es als Beweis an, dass es keinen Gott gibt, weil er ihn bei seinem Flug im All nicht gesehen hat.
Lukas und die anderen Männer des Alten Testamentes wussten, dass Gott nicht auf irgend einem Planeten in der Weite des Himmels wohnt. Sie kannten die Schrift und konnten dort lesen: „Siehe der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen“. Gott ist also größer als seine Schöpfung. Und es ist nicht wahr, dass die biblischen Männer wie Lukas und Paulus Gott irgendwo oben im Weltraum lokalisiert haben. Gott ist überall. Wir Menschen können nur in Bilder versuchen, die Größe Gottes zu beschreiben, wir haben keine Worte dafür. Beim Propheten Jesaja spricht Gott zu uns auch in einem Bild: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße!“ Gott ist von uns nicht zu fassen und an einen bestimmten Ort zu binden. Er ist mit seinem machtvollen Arm dort wo er sein und wirken will.
Warum spricht Lukas dann aber davon, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist? Auch im Glaubensbekenntnis bekennen wir: „aufgefahren in den Himmel ...“? Was hat es also mit dem Himmel zu tun, wenn wir das Paradies, die Wohnung Gottes suchen? Ich denke wir brauchen Bilder, wenn wir von dem sprechen, der Himmel und Erde geschaffen hat. Unser Verstand kann mit seinen Möglichkeiten Gottes Größe und Heiligkeit nicht fassen und beschreiben. Wir brauchen räumliche Bilder, wenn wir von dem sprechen, der schon immer war und immer sein wird, wenn wir von dem sprechen, der der Anfang und das Ende ist, der überall ist. Auch der moderne Physiker wird, wenn er an Gott denkt, nach oben blicken zum Himmel und Gott droben suchen. Er wird ihn dort suchen, wo das Licht ist, wo die Sonne Wärme schenkt, die wir zum Leben brauchen. Gott des Lebens.
Himmel ist also ein Bild, das wir Menschen brauchen, um uns verständlich machen zu können. Wenn wir als Kinder gebetet haben: „Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“, so haben wir mit unserem Kindergebet Gott darum gebeten, dass wir bei ihm sein werden, wenn wir einmal sterben werden. Unter Himmel meinen wir, wenn wir vom Glauben sprechen, nicht eine Galaxie, sondern den Ort, an dem Gott wohnt. Jesus ist nicht in eine andere Galaxie aufgefahren, sondern zu Gott gegangen. „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters ...“ so bekennen wir es in unserem Glaubensbekenntnis.
Himmelfahrt ist die Hinaufnahme Jesu. Mit ihr geschieht Jesu Erhöhung zur Rechten Gottes. Jesus wird aus einer noch bestehenden Bindung an den irdischen Raum entnommen. Himmelfahrt ist der Weg in die Höhe zu Gott, für die Menschen nicht fassbar und durch die „Wolke“ verhüllt Gott sein geheimnisvolles Handeln auch für die Jüngeraugen. Jesus ist bei Gott, hat den Ehrenplatz an der rechten Seite Gottes eingenommen.
Die „Erhöhung zur Rechten Gottes“ ist nichts anderes, als dass Jesus zur Rechten Gottes sitzt und dadurch Anteil bekommen hat an seiner göttlichen Art des Seins und des Wirkens. Dadurch ist Jesus bei seinen Jüngern anwesend, zwar nicht mehr unmittelbar und sichtbar, aber nahe und wirksam, was durch Lukas in der Apostelgeschichte bezeugt wird: „Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden“. Christus ist zwar nicht sichtbar und den Augen seiner Jünger verborgen, aber er sieht es wie es seiner Gemeinde geht. Er kennt die Seinen und sorgt sich um sie.
Liebe Gemeindeglieder, liebe Schwestern und Brüder, damit könnte ich jetzt eigentlich meine Predigt beenden: Happy end und gut damit!
Ich hätte damit aber einen für mich ganz wesentlichen und wichtigen Gedanken ausgeklammert, den ich in aller Kürze ansprechen will. Es ist ein Gedanke, der für meinen Glauben mit entscheidend ist: „Jesus kommt wieder.“
Wir haben einen kommenden Herrn. Zwei Männer in weißen Gewändern haben es den Jüngern gesagt. Engel, Boten aus der Himmelswelt. Auch sie sind uns nahe, kennen, sehen und hören uns, nehmen teil an unserem Leben. Sie verstehen, warum die Jünger ihrem geliebten Herrn staunend, vielleicht auch schmerzlich oder freudig nachsehen. Jesus kommt wieder! Das ist ihre Nachricht. Es ist also kein Abschied für immer. Genauso wie Jesus jetzt fortging aus dem irdischen Raum in die total andere Welt Gottes, so wird er von dort zurückkehren und aufs neue in den Raum des sichtbaren Wirkens auf dieser Erde eintreten. Jesus kommt wieder!
In den Ostertagen war die Herrlichkeit Jesu noch eigenartig verborgen. Er wurde gar nicht sofort erkannt. Aber jetzt bei der Himmelfahrt wird er „emporgehoben“, von den Grenzen des Irdischen befreit und mit der Herrlichkeit Gottes beschenkt. Und ebenso werden ale Geschlechter auf Erden „... kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit“. Dieses Wiederkommen wird genauso real erfolgen, wie Jesu Fortgang in den Himmel.
Die Engel geben keine Zeitangabe wann Jesus wiederkommen wird. Wir sind und bleiben eine wartende Gemeinde. Darauf bleibt alles ausgerichtet, was jetzt und bis ans Ende der Erde durch die Gemeinde getan werden muss. Maranatha, unser Herr kommt! Amen.
Predigt Apostelgeschichte 1,3-11
Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.
4 Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt;
5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?
7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;
8 aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.
10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.
11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
nach einer alten christlichen Tradition wird an Ostern im Gottesdienst ein Osterwitz erzählt, der uns zum österlichen Lachen bringt. An Ostern ist der Witz ausgefallen. Dafür erzähle ich heute einen Himmelfahrtswitz.
Jesus und Klein-Fritzchen spielen vor der Kirche. Klein-Fritzchen hat einen Roller. Jesus fragt ihn: Leihst du mir den mal? Ja, klar. Na, er düst los. Und ... er kommt und kommt nicht wieder.
Fritzchen wird langweilig, er geht in die Kirche. Dort steht der Pastor gerade auf der Kanzel und sagt: Und Jesus ist in den Himmel gefahren. Klein-Fritzchen zuckt zusammen und ruft laut und empört in den Kirchenraum: Waaas? Mit meinem Roller?
Wie soll man sich das nun vorstellen, Jesu Himmelfahrt? Klein-Fritzchen hat die Befürchtung, dass er seinen Roller nicht mehr zurückbekommt, weil Jesus damit in den Himmel gefahren ist.
Als Kind habe ich mir vorgestellt, dass Jesus auf einer Wolke stehend, wie mit einem Aufzug in den Himmel gefahren ist. Vielleicht wurde meine Fantasie von einem Gemälde oder von einer Zeichnung in dieser Weise beflügelt.
Ein Pfarrer hat an Himmelfahrt riesige Fußsohlen aus Pappe an der Wand seiner Kirche befestigt und seine Predigt damit begonnen, dass Christi Himmelfahrt so nicht stattgefunden habe.
Wie hat sie nun stattgefunden? Wurde Jesus vor den Augen seiner Jünger entrückt, oder von einer Wolke verdeckt? Was war wirklich geschehen?
Wo ist Jesus jetzt, wohin ging er? In den Himmel, würden wir sagen und so haben wir es auch in unserem Text gelesen. Was meint Lúkas, wenn er davon spricht, dass Jesus in den Himmel aufgenommen wurde? Meint er einen geographischen Ort im planetarischen oder galaktischen Raum? Zur Zeit des Lukas dachte man, dass die Erde eine Scheibe ist und der Himmel sich darüber wölbt. Zu diesem alten babylonischen Weltbild gehörte der Glaube, dass die Gottheiten in diesem Himmelsgewölbe wohnten. Inzwischen wissen wir aber, dass die Erde rund und Teil eines riesigen, unendlichen Weltalls ist. Es ist also schwer zu sagen, wo der Himmel ist, zu dem Jesus aufgefahren sein könnte. Der russische Astronaut Juri Gagarin, der als erster Mensch ins Weltall flog, sah es als Beweis an, dass es keinen Gott gibt, weil er ihn bei seinem Flug im All nicht gesehen hat.
Lukas und die anderen Männer des Alten Testamentes wussten, dass Gott nicht auf irgend einem Planeten in der Weite des Himmels wohnt. Sie kannten die Schrift und konnten dort lesen: „Siehe der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen“. Gott ist also größer als seine Schöpfung. Und es ist nicht wahr, dass die biblischen Männer wie Lukas und Paulus Gott irgendwo oben im Weltraum lokalisiert haben. Gott ist überall. Wir Menschen können nur in Bilder versuchen, die Größe Gottes zu beschreiben, wir haben keine Worte dafür. Beim Propheten Jesaja spricht Gott zu uns auch in einem Bild: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße!“ Gott ist von uns nicht zu fassen und an einen bestimmten Ort zu binden. Er ist mit seinem machtvollen Arm dort wo er sein und wirken will.
Warum spricht Lukas dann aber davon, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist? Auch im Glaubensbekenntnis bekennen wir: „aufgefahren in den Himmel ...“? Was hat es also mit dem Himmel zu tun, wenn wir das Paradies, die Wohnung Gottes suchen? Ich denke wir brauchen Bilder, wenn wir von dem sprechen, der Himmel und Erde geschaffen hat. Unser Verstand kann mit seinen Möglichkeiten Gottes Größe und Heiligkeit nicht fassen und beschreiben. Wir brauchen räumliche Bilder, wenn wir von dem sprechen, der schon immer war und immer sein wird, wenn wir von dem sprechen, der der Anfang und das Ende ist, der überall ist. Auch der moderne Physiker wird, wenn er an Gott denkt, nach oben blicken zum Himmel und Gott droben suchen. Er wird ihn dort suchen, wo das Licht ist, wo die Sonne Wärme schenkt, die wir zum Leben brauchen. Gott des Lebens.
Himmel ist also ein Bild, das wir Menschen brauchen, um uns verständlich machen zu können. Wenn wir als Kinder gebetet haben: „Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“, so haben wir mit unserem Kindergebet Gott darum gebeten, dass wir bei ihm sein werden, wenn wir einmal sterben werden. Unter Himmel meinen wir, wenn wir vom Glauben sprechen, nicht eine Galaxie, sondern den Ort, an dem Gott wohnt. Jesus ist nicht in eine andere Galaxie aufgefahren, sondern zu Gott gegangen. „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters ...“ so bekennen wir es in unserem Glaubensbekenntnis.
Himmelfahrt ist die Hinaufnahme Jesu. Mit ihr geschieht Jesu Erhöhung zur Rechten Gottes. Jesus wird aus einer noch bestehenden Bindung an den irdischen Raum entnommen. Himmelfahrt ist der Weg in die Höhe zu Gott, für die Menschen nicht fassbar und durch die „Wolke“ verhüllt Gott sein geheimnisvolles Handeln auch für die Jüngeraugen. Jesus ist bei Gott, hat den Ehrenplatz an der rechten Seite Gottes eingenommen.
Die „Erhöhung zur Rechten Gottes“ ist nichts anderes, als dass Jesus zur Rechten Gottes sitzt und dadurch Anteil bekommen hat an seiner göttlichen Art des Seins und des Wirkens. Dadurch ist Jesus bei seinen Jüngern anwesend, zwar nicht mehr unmittelbar und sichtbar, aber nahe und wirksam, was durch Lukas in der Apostelgeschichte bezeugt wird: „Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden“. Christus ist zwar nicht sichtbar und den Augen seiner Jünger verborgen, aber er sieht es wie es seiner Gemeinde geht. Er kennt die Seinen und sorgt sich um sie.
Liebe Gemeindeglieder, liebe Schwestern und Brüder, damit könnte ich jetzt eigentlich meine Predigt beenden: Happy end und gut damit!
Ich hätte damit aber einen für mich ganz wesentlichen und wichtigen Gedanken ausgeklammert, den ich in aller Kürze ansprechen will. Es ist ein Gedanke, der für meinen Glauben mit entscheidend ist: „Jesus kommt wieder.“
Wir haben einen kommenden Herrn. Zwei Männer in weißen Gewändern haben es den Jüngern gesagt. Engel, Boten aus der Himmelswelt. Auch sie sind uns nahe, kennen, sehen und hören uns, nehmen teil an unserem Leben. Sie verstehen, warum die Jünger ihrem geliebten Herrn staunend, vielleicht auch schmerzlich oder freudig nachsehen. Jesus kommt wieder! Das ist ihre Nachricht. Es ist also kein Abschied für immer. Genauso wie Jesus jetzt fortging aus dem irdischen Raum in die total andere Welt Gottes, so wird er von dort zurückkehren und aufs neue in den Raum des sichtbaren Wirkens auf dieser Erde eintreten. Jesus kommt wieder!
In den Ostertagen war die Herrlichkeit Jesu noch eigenartig verborgen. Er wurde gar nicht sofort erkannt. Aber jetzt bei der Himmelfahrt wird er „emporgehoben“, von den Grenzen des Irdischen befreit und mit der Herrlichkeit Gottes beschenkt. Und ebenso werden ale Geschlechter auf Erden „... kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit“. Dieses Wiederkommen wird genauso real erfolgen, wie Jesu Fortgang in den Himmel.
Die Engel geben keine Zeitangabe wann Jesus wiederkommen wird. Wir sind und bleiben eine wartende Gemeinde. Darauf bleibt alles ausgerichtet, was jetzt und bis ans Ende der Erde durch die Gemeinde getan werden muss. Maranatha, unser Herr kommt! Amen.
20100428
Martin Adel: Ich bin der Weinstock, ihr die Reben
25.4.2010 Jubdelkonfirmation - Predigttext Johannes 15, 1-5
15 1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Liebe Jubilare,
sie alle verbindet zumindest ein gemeinsames Erlebnis. Die Holz-Bänke, auf denen sie sitzen, sind ihnen allen bekannt und vertraut. Vielleicht erinnern sie sich sogar noch, wo sie damals gesessen haben. Ich erinnere mich jedenfalls noch sehr genau, wo ich damals zu meiner Konfirmandenzeit gesessen bin, um meinen Gottesdienstverpflichtungen nachzukommen.
Die Predigten hat man sich ja selten behalten, obwohl man gespürt hat, wo den unterschiedlichen Pfarrern das Herz schlug und wie sie ihr Amt verstanden haben. Ich merke heute manchmal, wie mich einzelne Personen dann doch geprägt haben; durch ihre Haltung, durch ihre Überzeugung – als Vorbild oder als Negativbild, nie so werden zu wollen.
Und heute? Heute sind wir es, auf die die anderen sehen oder gesehen haben und in uns ein Vorbild gefunden haben oder ein Gegenbild, von dem sie sich abgrenzen wollten oder konnten. Nach 25 Jahren und nach 50 und mehr Jahren erst recht ist sichtbar, wer wir waren und wer wir sind und wie wir sind und was geworden ist.
An so einem Tag, wie heute, blicken wir unweigerlich zurück. Und die Gefühle sind durchwachsen. Manche kommen ja gerade deswegen nicht zu so einem Treffen – weil es zuviel wird; nicht nur äußerlich. Auch innerlich. Wie schade.
Soviel ist geschehen seither – bei vielen liegt ein ganzes Menschenleben dazwischen. Manche haben noch im zweiten Weltkrieg konfirmiert 1940 (7x), einer von ihnen noch vor dem Krieg 1935. Manche im Deutschland der Trümmer kurz vor der Befreiung am 18.3.1945 – 18 sind heute da. Und wenn wir das vor Augen haben, was damals war und wie es heute ist, dann sind wir so unendlich dankbar, dass wir immer noch im Frieden leben dürfen. Und SIE haben ihr Stück dazu beigetragen.
Haben sie sich in diesen Tagen schon die Zeit genommen, um ihr Leben zu überblicken? Oder kommt das erst danach, wenn die Wiedersehensfreude langsam verebbt und die Neugier auf die anderen gestillt ist.
Es ist wichtig, dass wir uns unserem Leben stellen – schließlich haben wir kein anderes bekommen und die Freude, ist meine Freude und die Enttäuschung meine Enttäuschung und der Dank mein Dank und die Klage ist meine Klage, weil der Segen, der damals über meinem Kopf gesprochen wurde auch mein Segen ist und Gott noch derselbe – auch wenn ich ihn heute anders verstehe und begreife.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
So spricht Jesus zu seinen Jüngern. Und vielleicht haben sie das passende bunte Glasbild dazu auch noch in Erinnerung. Mir jedenfalls waren früher die Bilder immer eine willkommene Fluchtmöglichkeit aus der Langeweile. Bei den Diamantenen waren sie ja noch nicht da, unsere schönen Chorfenster von 1957, aber das Kreuz ist vertraut und die Kanzelreliefs und sicherlich auch die Krippe, die heute immer noch in der Weihnachtszeit hier unter der Kanzel ihren festen Platz hat.
An welche Bilder könne sie sich denn noch erinnern?
Jedenfalls spricht Jesus zu den Seinen:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
hier oben ist es, im linken der drei Chorfenster – ziemlich in der Mitte. Das Motiv, das sie auch auf dem Liedblatt vorne abgebildet sehen.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Und lassen sie mich fragen: Was für eine Rebe sind sie denn? Ein lieblicher Moselaner, ein satter Burgunder, ein herber Franke oder ein feuriger Sizilianer?
Man könnte das gleiche mit den Biersorten machen, aber in Israel wächst nun mal eher Wein als Hopfen.
Welcher Wein ist an ihnen und durch sie gereift?
Welche Früchte haben wir getragen? Können wir das sehen? Und betrachten sie bitte nicht nur das, was verdorrt ist oder die Scherben. Da ist noch viel mehr.
Denn das Wort Christi geht ja noch weiter. Er sagt:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Welche Früchte haben wir getragen? Denn nicht wir sind die Frucht, sondern wir sind die Reben und die Frucht kommt durch uns hindurch. Je älter man wird, desto mehr wird doch sichtbar, dass es immer nur geliehene Zeit ist, die wir haben und wir bei allem Mühen und Arbeiten nur staunen können, was durch uns geworden ist.
Sicherlich, manche Rebe an uns war eine Bitterrebe oder ein Wildtrieb, der abgeschnitten wurde. Und manchmal hat der Sturm oder der harte Winter manch guten Ast an uns abgerissen oder zerstört.
Aber da gibt es auch andere Zeiten – können wir das auch sehen und zulassen. Zeiten, in denen durch uns Neues geworden ist – Kleines und Großes und manches wurde erst im Nachhinein wichtig.
Wer sagt, dass meine Frucht unbedeutend war, zu gering? Wissen wir, was unser Auftrag war und was unser Können und was unser Talent?
Mancher Weinstock hat ideale Bedingungen am Main und mancher muss sich auf steinigem Boden bewähren. Jesus macht hier keinen Unterschied. Sondern er spricht es uns einfach freimütig zu.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Ein Trost-Wort für uns. Ein Dank-Wort. Ein Mahn-Wort. Ein Bitt-Wort.
Liebe Jubilare, liebe Gemeinde,
Was wir vergeigt haben, das wissen wir selbst am Besten. Und wie viel wir in ihm geblieben oder nicht, das wissen wir auch oft nur zu genau. Und wo wir ihn ganz vergessen haben, da können wir umkehren.
Denn eines ist gewiss. Wir dürfen dieses Wort Gottes auch heute noch als Zuspruch sehen, egal, an welcher Stelle unseres Lebensweges wir gerade stehen. Und wo wir falsch gelebt haben, sollten wir Gott um Vergebung und um einen Neuanfang bitten. Gott kennt uns und versteht uns besser, als wir uns selbst. Und wo wir reichlich Frucht getragen haben und alt und lebenssatt geworden sind, da wollen wir Gott danken.
Und so gilt es, am Anfang, in der Mitte oder gegen Ende unseres Lebens, was Christus zu uns spricht:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Lassen wir uns dazu stärken für den Weg, der vor uns liegt, an Brot und Wein – den Früchten Gottes für uns an seinem Tisch, damit wir Frucht bringen können an dem Platz, wo Gott uns hingestellt hat. Und gehen wir dann unter Gottes Segen weiter.
Amen
15 1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Liebe Jubilare,
sie alle verbindet zumindest ein gemeinsames Erlebnis. Die Holz-Bänke, auf denen sie sitzen, sind ihnen allen bekannt und vertraut. Vielleicht erinnern sie sich sogar noch, wo sie damals gesessen haben. Ich erinnere mich jedenfalls noch sehr genau, wo ich damals zu meiner Konfirmandenzeit gesessen bin, um meinen Gottesdienstverpflichtungen nachzukommen.
Die Predigten hat man sich ja selten behalten, obwohl man gespürt hat, wo den unterschiedlichen Pfarrern das Herz schlug und wie sie ihr Amt verstanden haben. Ich merke heute manchmal, wie mich einzelne Personen dann doch geprägt haben; durch ihre Haltung, durch ihre Überzeugung – als Vorbild oder als Negativbild, nie so werden zu wollen.
Und heute? Heute sind wir es, auf die die anderen sehen oder gesehen haben und in uns ein Vorbild gefunden haben oder ein Gegenbild, von dem sie sich abgrenzen wollten oder konnten. Nach 25 Jahren und nach 50 und mehr Jahren erst recht ist sichtbar, wer wir waren und wer wir sind und wie wir sind und was geworden ist.
An so einem Tag, wie heute, blicken wir unweigerlich zurück. Und die Gefühle sind durchwachsen. Manche kommen ja gerade deswegen nicht zu so einem Treffen – weil es zuviel wird; nicht nur äußerlich. Auch innerlich. Wie schade.
Soviel ist geschehen seither – bei vielen liegt ein ganzes Menschenleben dazwischen. Manche haben noch im zweiten Weltkrieg konfirmiert 1940 (7x), einer von ihnen noch vor dem Krieg 1935. Manche im Deutschland der Trümmer kurz vor der Befreiung am 18.3.1945 – 18 sind heute da. Und wenn wir das vor Augen haben, was damals war und wie es heute ist, dann sind wir so unendlich dankbar, dass wir immer noch im Frieden leben dürfen. Und SIE haben ihr Stück dazu beigetragen.
Haben sie sich in diesen Tagen schon die Zeit genommen, um ihr Leben zu überblicken? Oder kommt das erst danach, wenn die Wiedersehensfreude langsam verebbt und die Neugier auf die anderen gestillt ist.
Es ist wichtig, dass wir uns unserem Leben stellen – schließlich haben wir kein anderes bekommen und die Freude, ist meine Freude und die Enttäuschung meine Enttäuschung und der Dank mein Dank und die Klage ist meine Klage, weil der Segen, der damals über meinem Kopf gesprochen wurde auch mein Segen ist und Gott noch derselbe – auch wenn ich ihn heute anders verstehe und begreife.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
So spricht Jesus zu seinen Jüngern. Und vielleicht haben sie das passende bunte Glasbild dazu auch noch in Erinnerung. Mir jedenfalls waren früher die Bilder immer eine willkommene Fluchtmöglichkeit aus der Langeweile. Bei den Diamantenen waren sie ja noch nicht da, unsere schönen Chorfenster von 1957, aber das Kreuz ist vertraut und die Kanzelreliefs und sicherlich auch die Krippe, die heute immer noch in der Weihnachtszeit hier unter der Kanzel ihren festen Platz hat.
An welche Bilder könne sie sich denn noch erinnern?
Jedenfalls spricht Jesus zu den Seinen:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
hier oben ist es, im linken der drei Chorfenster – ziemlich in der Mitte. Das Motiv, das sie auch auf dem Liedblatt vorne abgebildet sehen.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Und lassen sie mich fragen: Was für eine Rebe sind sie denn? Ein lieblicher Moselaner, ein satter Burgunder, ein herber Franke oder ein feuriger Sizilianer?
Man könnte das gleiche mit den Biersorten machen, aber in Israel wächst nun mal eher Wein als Hopfen.
Welcher Wein ist an ihnen und durch sie gereift?
Welche Früchte haben wir getragen? Können wir das sehen? Und betrachten sie bitte nicht nur das, was verdorrt ist oder die Scherben. Da ist noch viel mehr.
Denn das Wort Christi geht ja noch weiter. Er sagt:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Welche Früchte haben wir getragen? Denn nicht wir sind die Frucht, sondern wir sind die Reben und die Frucht kommt durch uns hindurch. Je älter man wird, desto mehr wird doch sichtbar, dass es immer nur geliehene Zeit ist, die wir haben und wir bei allem Mühen und Arbeiten nur staunen können, was durch uns geworden ist.
Sicherlich, manche Rebe an uns war eine Bitterrebe oder ein Wildtrieb, der abgeschnitten wurde. Und manchmal hat der Sturm oder der harte Winter manch guten Ast an uns abgerissen oder zerstört.
Aber da gibt es auch andere Zeiten – können wir das auch sehen und zulassen. Zeiten, in denen durch uns Neues geworden ist – Kleines und Großes und manches wurde erst im Nachhinein wichtig.
Wer sagt, dass meine Frucht unbedeutend war, zu gering? Wissen wir, was unser Auftrag war und was unser Können und was unser Talent?
Mancher Weinstock hat ideale Bedingungen am Main und mancher muss sich auf steinigem Boden bewähren. Jesus macht hier keinen Unterschied. Sondern er spricht es uns einfach freimütig zu.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Ein Trost-Wort für uns. Ein Dank-Wort. Ein Mahn-Wort. Ein Bitt-Wort.
Liebe Jubilare, liebe Gemeinde,
Was wir vergeigt haben, das wissen wir selbst am Besten. Und wie viel wir in ihm geblieben oder nicht, das wissen wir auch oft nur zu genau. Und wo wir ihn ganz vergessen haben, da können wir umkehren.
Denn eines ist gewiss. Wir dürfen dieses Wort Gottes auch heute noch als Zuspruch sehen, egal, an welcher Stelle unseres Lebensweges wir gerade stehen. Und wo wir falsch gelebt haben, sollten wir Gott um Vergebung und um einen Neuanfang bitten. Gott kennt uns und versteht uns besser, als wir uns selbst. Und wo wir reichlich Frucht getragen haben und alt und lebenssatt geworden sind, da wollen wir Gott danken.
Und so gilt es, am Anfang, in der Mitte oder gegen Ende unseres Lebens, was Christus zu uns spricht:
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Lassen wir uns dazu stärken für den Weg, der vor uns liegt, an Brot und Wein – den Früchten Gottes für uns an seinem Tisch, damit wir Frucht bringen können an dem Platz, wo Gott uns hingestellt hat. Und gehen wir dann unter Gottes Segen weiter.
Amen
20100413
Werner Otto Sirch: Der Herr ist auferstanden!
4.4.2010 - Ostersonntag
Predigt 1. Kor. 15, 1-11
Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,
2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.
3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift;
4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;
5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.
6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.
7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.
8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.
9 Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.
11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Dieser Osterruf hat heute früh, als es hell wurde, in der Feier der Osternacht, unsere Kirche erfüllt. Ein wenig zaghaft – aber doch. Es fällt nicht jedem leicht, das, was so gegen jeden Verstand und gegen jede vernünftige Erklärung ist, laut von sich zu geben. Mit einem Schlachtruf und der Vereinshymne auf dem Fußballplatz geht es da schon etwas leichter.
Der Herr ist auferstanden! In unserem Herzen mag dies tief verankert sein, es mag zu unserem Glauben gehören, dass der gekreuzigte Jesus nach drei Tagen auferstanden ist. Unseren Glauben aber laut vor anderen zu bekennen, das ist eine ganz andere Sache. Viele von uns sind schweigende Gläubige geworden. Und das betrifft nicht nur unseren Osterglauben. Wir glauben und schweigen über das was wir glauben. Dabei lebt unser Glaube doch davon, dass er vor anderen bezeugt wird, dass wir weitererzählen was wir glauben. Wovon unser Herz voll ist, das will doch unser Mund erzählen.
Der Herr ist auferstanden! Das ist der Ruf gegen die Macht und die Finsternis des Todes. Es ist Ruf und Bekenntnis. Der Herr ist auferstanden! Das ist unser Ruf, unser Widerstand gegen den Tod, gegen seine Grausamkeit und die Fürchterlichkeit der gewaltsamen Trennung von denen die wir lieben. Es ist unser Widerstand gegen den Verlust unseres Lebens.
Der Herr ist auferstanden! Das sind die Worte, mit denen wir unsere Hoffnung in die Welt hinausschreien, dass am Ende nicht der Tod der Sieger bleibt und wir ein Leben voller Mühsal und Sinnlosigkeit gelebt haben.
Viele tun sich schwer mit der Botschaft der Auferweckung Jesu, auch solche, die sich als Christen bekennen. Unser naturwissenschaftlich und historisch geschulter Verstand stößt mit der Auferweckung der Toten an eine Grenze. Vielleicht auch, weil wir nicht glauben können was wir nicht sehen. Leider maßen sich auch getaufte Christen das Urteil an: es gibt keine Auferstehung der Toten. Tote sind tot, das ist endgültig. Es ist die Erfahrung, die das Leben lehrt, erlebte Realität.
Der Herr ist auferstanden! Das ist nicht irgend eine Nachricht, die sich ein paar Leute ausgedacht haben. Der Herr ist auferstanden!, ist der Ruf des Glaubens gegen allen Anschein, gegen alle menschliche Vernunft.
Ich glaube denen, die bezeugt haben, die Zeugen sind, dass Jesus von den Toten auferstanden ist – auch wenn es eine noch so unglaubliche Nachricht ist.
Der Apostel Paulus nennt die Namen von Menschen, die den Auferstandenen Jesus, den Christus, gesehen haben, die mit ihm gesprochen haben. Er spricht nicht nur von seiner Begegnung mit dem Auferstandenen, damals vor Damaskus, als er vom Verfolger zum Glaubenden wurde: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Paulus nennt Zeugen, die bezeugen können, dass Jesus auferstanden ist: Kephas, Jakobus, fünfhundert Brüder, danach die Apostel und als letztes er, Paulus. Nicht zu vergessen die, von denen die Evangelien erzählen: die Frauen am Grab, Thomas, der Zweifler, der die Nägelmale Jesu berühren wollte, um diese unglaubliche Geschichte von der Auferstehung Jesu von den Toten glauben zu können.
Die ersten, die damit konfrontiert wurden, dass Jesus lebt, konnten es zuerst auch nicht glauben. Sie haben total verschreckt geschwiegen und sind dann doch zum Grab gelaufen um zu sehen, ob es stimmt, ob es wirklich so ist, dass das Grab leer ist.
Der Herr ist auferstanden! Was ist mein Glaube wert, ohne den Glauben an die Auferstehung Jesu? Was ist mein Glaube wert ohne die Hoffnung, dass ich nicht im Grab bleibe, weil Jesus mich aus dem Grab herausruft zu einem neuen Leben bei ihm?
Nichts! Mit einem Wort: Nichts! Mein Glaube ist ohne die Auferstehung Jesu nichts wert. Ich hätte vergeblich geglaubt, wäre einer Ideologie für gute Menschen angehangen, die es nicht schaffen gut zu sein. So aber weiß ich: Meine Gebete spreche ich nicht zur Wand. Mein Glaube hat ein Gegenüber. Er lebt, der sich meiner erbarmt, mein Verkehrtsein mit ans Kreuz genommen hat und mich liebt, so wie ich bin. Er lebt der mich gewollt hat, noch bevor ich das Licht dieser Welt erblickt habe, für den ich so wertvoll bin.
Ich bin dankbar, dass ich es glauben darf und glauben kann, wie es Martin Luther im Buch Hiob übersetzt hat: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden aufwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.“ Ich habe Zukunft – ich werde Gott sehen. Bei ihm finde ich meine Zukunft, mein Ziel. Auferstehen – bei Gott sein - in seinem Frieden. Dort sein wo es keine Krankheit und keinen Schmerz mehr gibt, wo wir nicht mehr all die Mühe und Plage dafür einsetzen müssen, um wenigstens ein wenig Glück zu erhaschen. Ich weiß, dass mein Erlöser lebet …
Der Herr ist auferstanden! Und wir werden auferstehen, weil er uns nicht im Grabe lassen wird. Im Evangelium des Johannes können wir es lesen, Jesus verheißt seinen Jünger: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Leben, obwohl wir sterben. Leben, weil er, unser Herr, lebt und uns aus dem Tod herausrufen wird. Für unseren menschlichen Verstand unverständlich, unbegreiflich wie das gehen soll. Vielleicht kann uns zum Schluss dieser Predigt eine kurze Parabel helfen.
„Da war einmal ein guter Mensch. Er hatte Mitleid mit dem hässlichen Gewürm der Raupen, wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten, um mühselig den Stängel zu erklettern und ihr Fressen zu suchen ... Und der Mensch dachte: Wenn diese Raupen wüssten, was da einmal sein wird, was ihnen als Schmetterling blühen wird ... Und er wollte ihnen sagen: Ihr werdet frei sein! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren. Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden! Und ihr werdet schön sein! Aber die Raupen hörten nicht. Das Zukünftige, das Schmetterlingshafte ließ sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken. – Er versuchte Vergliche zu finden: Es wird sein wie auf einem Feld voller Möhrenkraut ... Und sie nickten, und mit ihrem Raupenhorizont dachten sie nur ans Fressen...“
Es wird sein, was wir jetzt noch nicht verstehen können, wofür wir keine Worte haben. Aber wir dürfen das Unglaubliche schon heute glauben:
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Amen.
Predigt 1. Kor. 15, 1-11
Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,
2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.
3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift;
4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;
5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.
6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.
7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln.
8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.
9 Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.
11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Dieser Osterruf hat heute früh, als es hell wurde, in der Feier der Osternacht, unsere Kirche erfüllt. Ein wenig zaghaft – aber doch. Es fällt nicht jedem leicht, das, was so gegen jeden Verstand und gegen jede vernünftige Erklärung ist, laut von sich zu geben. Mit einem Schlachtruf und der Vereinshymne auf dem Fußballplatz geht es da schon etwas leichter.
Der Herr ist auferstanden! In unserem Herzen mag dies tief verankert sein, es mag zu unserem Glauben gehören, dass der gekreuzigte Jesus nach drei Tagen auferstanden ist. Unseren Glauben aber laut vor anderen zu bekennen, das ist eine ganz andere Sache. Viele von uns sind schweigende Gläubige geworden. Und das betrifft nicht nur unseren Osterglauben. Wir glauben und schweigen über das was wir glauben. Dabei lebt unser Glaube doch davon, dass er vor anderen bezeugt wird, dass wir weitererzählen was wir glauben. Wovon unser Herz voll ist, das will doch unser Mund erzählen.
Der Herr ist auferstanden! Das ist der Ruf gegen die Macht und die Finsternis des Todes. Es ist Ruf und Bekenntnis. Der Herr ist auferstanden! Das ist unser Ruf, unser Widerstand gegen den Tod, gegen seine Grausamkeit und die Fürchterlichkeit der gewaltsamen Trennung von denen die wir lieben. Es ist unser Widerstand gegen den Verlust unseres Lebens.
Der Herr ist auferstanden! Das sind die Worte, mit denen wir unsere Hoffnung in die Welt hinausschreien, dass am Ende nicht der Tod der Sieger bleibt und wir ein Leben voller Mühsal und Sinnlosigkeit gelebt haben.
Viele tun sich schwer mit der Botschaft der Auferweckung Jesu, auch solche, die sich als Christen bekennen. Unser naturwissenschaftlich und historisch geschulter Verstand stößt mit der Auferweckung der Toten an eine Grenze. Vielleicht auch, weil wir nicht glauben können was wir nicht sehen. Leider maßen sich auch getaufte Christen das Urteil an: es gibt keine Auferstehung der Toten. Tote sind tot, das ist endgültig. Es ist die Erfahrung, die das Leben lehrt, erlebte Realität.
Der Herr ist auferstanden! Das ist nicht irgend eine Nachricht, die sich ein paar Leute ausgedacht haben. Der Herr ist auferstanden!, ist der Ruf des Glaubens gegen allen Anschein, gegen alle menschliche Vernunft.
Ich glaube denen, die bezeugt haben, die Zeugen sind, dass Jesus von den Toten auferstanden ist – auch wenn es eine noch so unglaubliche Nachricht ist.
Der Apostel Paulus nennt die Namen von Menschen, die den Auferstandenen Jesus, den Christus, gesehen haben, die mit ihm gesprochen haben. Er spricht nicht nur von seiner Begegnung mit dem Auferstandenen, damals vor Damaskus, als er vom Verfolger zum Glaubenden wurde: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Paulus nennt Zeugen, die bezeugen können, dass Jesus auferstanden ist: Kephas, Jakobus, fünfhundert Brüder, danach die Apostel und als letztes er, Paulus. Nicht zu vergessen die, von denen die Evangelien erzählen: die Frauen am Grab, Thomas, der Zweifler, der die Nägelmale Jesu berühren wollte, um diese unglaubliche Geschichte von der Auferstehung Jesu von den Toten glauben zu können.
Die ersten, die damit konfrontiert wurden, dass Jesus lebt, konnten es zuerst auch nicht glauben. Sie haben total verschreckt geschwiegen und sind dann doch zum Grab gelaufen um zu sehen, ob es stimmt, ob es wirklich so ist, dass das Grab leer ist.
Der Herr ist auferstanden! Was ist mein Glaube wert, ohne den Glauben an die Auferstehung Jesu? Was ist mein Glaube wert ohne die Hoffnung, dass ich nicht im Grab bleibe, weil Jesus mich aus dem Grab herausruft zu einem neuen Leben bei ihm?
Nichts! Mit einem Wort: Nichts! Mein Glaube ist ohne die Auferstehung Jesu nichts wert. Ich hätte vergeblich geglaubt, wäre einer Ideologie für gute Menschen angehangen, die es nicht schaffen gut zu sein. So aber weiß ich: Meine Gebete spreche ich nicht zur Wand. Mein Glaube hat ein Gegenüber. Er lebt, der sich meiner erbarmt, mein Verkehrtsein mit ans Kreuz genommen hat und mich liebt, so wie ich bin. Er lebt der mich gewollt hat, noch bevor ich das Licht dieser Welt erblickt habe, für den ich so wertvoll bin.
Ich bin dankbar, dass ich es glauben darf und glauben kann, wie es Martin Luther im Buch Hiob übersetzt hat: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden aufwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.“ Ich habe Zukunft – ich werde Gott sehen. Bei ihm finde ich meine Zukunft, mein Ziel. Auferstehen – bei Gott sein - in seinem Frieden. Dort sein wo es keine Krankheit und keinen Schmerz mehr gibt, wo wir nicht mehr all die Mühe und Plage dafür einsetzen müssen, um wenigstens ein wenig Glück zu erhaschen. Ich weiß, dass mein Erlöser lebet …
Der Herr ist auferstanden! Und wir werden auferstehen, weil er uns nicht im Grabe lassen wird. Im Evangelium des Johannes können wir es lesen, Jesus verheißt seinen Jünger: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Leben, obwohl wir sterben. Leben, weil er, unser Herr, lebt und uns aus dem Tod herausrufen wird. Für unseren menschlichen Verstand unverständlich, unbegreiflich wie das gehen soll. Vielleicht kann uns zum Schluss dieser Predigt eine kurze Parabel helfen.
„Da war einmal ein guter Mensch. Er hatte Mitleid mit dem hässlichen Gewürm der Raupen, wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten, um mühselig den Stängel zu erklettern und ihr Fressen zu suchen ... Und der Mensch dachte: Wenn diese Raupen wüssten, was da einmal sein wird, was ihnen als Schmetterling blühen wird ... Und er wollte ihnen sagen: Ihr werdet frei sein! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren. Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden! Und ihr werdet schön sein! Aber die Raupen hörten nicht. Das Zukünftige, das Schmetterlingshafte ließ sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken. – Er versuchte Vergliche zu finden: Es wird sein wie auf einem Feld voller Möhrenkraut ... Und sie nickten, und mit ihrem Raupenhorizont dachten sie nur ans Fressen...“
Es wird sein, was wir jetzt noch nicht verstehen können, wofür wir keine Worte haben. Aber wir dürfen das Unglaubliche schon heute glauben:
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Amen.
20100330
Martin Adel: Er erniedrigte sich selbst
28.3.2010 - Palmsonntag
Gute Nachricht – Phil 2,5-11
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
6 Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein.
7 Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich.
Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen.
8 Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.
9 Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt.
10 Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen –alle, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde; 11 alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so wird Gott, der Vater, geehrt.
Liebe Gemeinde,
wem folgen wir nach? Was sind unsere Leitbilder? Was sind die Grundwerte, an denen wir uns ausrichten? Werte, die uns stark machen, um auch widerstehen zu können!
Bei einem Elternabend in einer unserer Tagesstätten zum Thema Werte und Erziehung sind einige aufgestanden und gegangen, als es darum ging, dass man Kindern auch Grenzen setzen muss und unsere Kindern einen festen Rahmen brauchen, der auch uns Eltern in manche Konsequenz drängt und in die Pflicht nimmt.
Ja, liebe Gemeinde,
wir dürfen uns schon fragen lassen, was unsere Leitbilder sind, denn unser heutiges Bibelwort beginnt mit einem Rahmen und einem Leitbild für unsere Leben. Es beginnt aber nicht mit einer Frage, sondern gleich mit der Antwort: (Phil 2,5)
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Wissen wir das noch? Wir, die wir in der Nachfolge Jesu Christi stehen, haben ein Vorbild. Ein Vorbild, das nicht beliebig ist oder willkürlich, sondern ein konkretes Vorbild: Jesus Christus. Ob uns das passt oder nicht.
Und wir lassen uns darauf festlegen und werden daran gemessen – ob wir wollen oder nicht. Jesus Christus.
Das Schlimme an den Missbrauchsfällen in der Kirche ist ja nicht nur, dass es so etwas auch unter uns und in unseren Reihen gibt, sondern wie damit in unserer Kirche umgegangen wird. Wo die Wahrheit darüber steht, dürfen wir nicht vertuschen und lügen und verheimlichen – ob uns nun die Öffentlichkeit und manche einseitige Berichterstattung passt oder nicht. Was dunkel ist muss offenbar werden und kann erst im Lichte Jesu Christi wieder heil werden.
Die Bibel hat uns das doch vorgelebt.
Was ist denn mit einem Judas? Er ist nicht aus der Bibel herausretuschiert worden, damit der Jüngerkreis sauber bleibt. Oder Petrus? Der Fels, auf dem Christus seine Gemeinde bauen wird. Er wird zum Leugner seines Herrn da am Feuer bei den Soldaten. Und danach fragt ihn der Auferstandene: Hast du mich lieb? Und dann: Weide meine Schafe.
Oder Paulus – er bleibt mit seinem Makel überliefert. Der Christenverfolger und dann zum Heidenapostel gewandelt – durch Gottes Gnade.
Meinen wir, dass wir es als Kirche besser könnten als unser Herr?
Gerade wir sind doch in Christus befähigt von Schuld zu sprechen, Strafe auf uns zu nehmen und um Vergebung zu bitten. Sind uns nun auch schon die Einschaltquoten wichtiger als die Wahrheit?
Viele in unseren Tagen legen sich ja gar nicht mehr fest, damit sie auch nicht daran gemessen werden können. Oder man bastelt sich einfach seine eigene Moral und Ethik – vor der man dann zumindest selbst gut dasteht.
Aber wir Christen sind festgelegt – und das ist auch gut so. Und da spielt es keine Rolle mehr, ob katholisch oder evangelisch oder orthodox. Wir sind alle erkannt als Christen.
Nicht, dass wir es schon erfüllt hätten. Das sei ferne. Aber streben sollen wir danach. Uns mühen, gegenseitig ermutigen und befördern. Weil es eben nicht Wurst ist, was wir tun, sondern weil wir ausgerichtet sein – neu orientiert.
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Und wir dürfen stolz darauf sein. Weil wir durch diesen Maßstab etwas schaffen, was sonst gar nicht so selbstverständlich ist in dieser Welt. Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg.
Alt und Jung. Hartz IV Empfänger und Millionäre. Arbeiter, Angestellte und Studierte. Arme und Reiche. Mann und Frau. Gesunde und Kranke. Und wir kommen aus den verschiedensten Teilen der Erde. Deutsche aus Russland. Deutsche aus Siebenbürgen. Bayern, Franken, Schwaben, Nordlichter und Menschen aus anderen Ländern und Teilen der Erde. Ein kleines Abbild des Reiches Gottes hier auf Erden. Bei uns in der Südstadt. Meistens sehen wir das nicht oder wollen es gar nicht wahrhaben. Und natürlich sind wir nicht perfekt – oh, das ist weit gefehlt. Aber ein Anfang ist gemacht.
Und das alles nicht, weil wir so toll sind, sondern weil uns der EINE hier zusammen geführt hat. Gott selbst in Jesus Christus durch seinen Geist. Und sei es nur erst einmal für diese eine Stunde in der Woche.
Sehen wir das überhaupt noch? Spüren wir das noch? Glauben wir das noch?
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Und der Maßstab diese Jesus Christus von Nazareth stellt die Maßstäbe dieser Welt auf den Kopf. Denn er spricht nicht vom Herrschen, sondern vom Dienen. Er spricht nicht vom Nehmen, sondern vom Geben. Die Bereicherung des Menschen stellt er an den Pranger und stellt ihr ein Armutszeugnis aus. Der Erste wird der Letzte und der Letzte der Erste sein.
Glauben wir das noch, wenn wir die Betrogenen sind, um unseren Arbeitsplatz beraubt, verspielt auf dem großen Roulett-Tisch der Börsen und Banken. Lüge und Betrug und womöglich haben wir sogar noch mitgespielt.
Doch was soll unser Maßstab sein, wenn wir schon nicht dieser Welt auf den Leim gehen wollen, die nach immer mehr giert und uns die Unzufriedenheit einprügelt, damit wir nur noch haben wollen und kaufen und noch mehr kaufen und unglücklich sind, weil wir uns nicht diesen Fernseher leisten können oder jenes Videospiel. Was ist unser Maßstab?
Und dann hören wir:
6 Jesus Christus war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. 7 Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich.
Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. 8 Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.
Christus gibt alle seine Vorrechte auf!
Er, der gar keinen Grund gehabt hätte, seine königliche Macht und seine himmlische Hoheit aufzugeben, der macht sich selbst die Finger schmutzig und wird Mensch. Einer von uns.
Es wäre nicht notwendig gewesen. Christus hätte auch bleiben können – dort, beim Vater. Was interessieren ihn die Menschen. Wir hatten alles, so wie wir geschaffen wurden. Doch wir haben es verspielt. Immer wieder verspielt – weil wir nicht gehorsam sind. Wie oft bleiben wir in unserer Gier, in unserem Neid, in unserer Bequemlichkeit und unsere Unversöhnlichkeit.
Doch Christus macht sich auf den Weg – noch einmal zu uns, um uns einen anderen Weg zu zeigen und zu ermöglichen. Den Weg der Versöhnung und der Liebe und des Friedens. Doch die Welt hats nicht erkannt.
Luther übersetzt hier:
6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
Christus geht den umgekehrten Weg. Und dadurch werden ganz andere Werte wieder wichtig. Werte, die oft so gar keinen Platz mehr in unsere Immer-Mehr-Haben-Wollen-Gesellschaft finden.
Die Mutter, die sich aufopfert für das Wohl ihrer Kinder. Der Vater, der noch ein paar Überstunden drauf packt, um der Tochter den Ausflug ins Schullandheim bezahlen zu können. Die Oma, die ihre Rente spart, damit die Kinder die Wohnung schneller abbezahlen können. Die Mitarbeiter, die sich treu für ihren Betrieb ins Zeug legen, bis die Krise überstanden wird. Und sie werden nicht beschissen, denn der Geschäftsführer setzt sich für seine Mitarbeiter ein und beteiligt sie fair am Umsatz und Gewinn. Das sind doch die Werte, die unsere Gesellschaft zusammen halten. In der Rücksicht aufeinander und der Fürsorge umeinander. Jesus zeigt mit seinem Leben da hin, wo wir oft gar nicht mehr hinsehen wollen. Wo neben dem Ich, Ich, Ich wieder ein DU in den Blick kommt und daraus ein WIR werden kann. Und er tritt dafür ein mit seinem ganzen Leben – bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz.
Und Gott hat sich in IHM festgelegt – festgelegt für uns, damit unsere Welt menschlicher wird und wir dadurch göttlicher, hin zum Reich Gottes. So wie es weiter heißt:
9 Darum hat Gott Jesus Christus auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt. 10 Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen –alle, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde; 11 alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so wird Gott, der Vater, geehrt.
Amen.
Gute Nachricht – Phil 2,5-11
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
6 Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein.
7 Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich.
Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen.
8 Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.
9 Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt.
10 Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen –alle, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde; 11 alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so wird Gott, der Vater, geehrt.
Liebe Gemeinde,
wem folgen wir nach? Was sind unsere Leitbilder? Was sind die Grundwerte, an denen wir uns ausrichten? Werte, die uns stark machen, um auch widerstehen zu können!
Bei einem Elternabend in einer unserer Tagesstätten zum Thema Werte und Erziehung sind einige aufgestanden und gegangen, als es darum ging, dass man Kindern auch Grenzen setzen muss und unsere Kindern einen festen Rahmen brauchen, der auch uns Eltern in manche Konsequenz drängt und in die Pflicht nimmt.
Ja, liebe Gemeinde,
wir dürfen uns schon fragen lassen, was unsere Leitbilder sind, denn unser heutiges Bibelwort beginnt mit einem Rahmen und einem Leitbild für unsere Leben. Es beginnt aber nicht mit einer Frage, sondern gleich mit der Antwort: (Phil 2,5)
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Wissen wir das noch? Wir, die wir in der Nachfolge Jesu Christi stehen, haben ein Vorbild. Ein Vorbild, das nicht beliebig ist oder willkürlich, sondern ein konkretes Vorbild: Jesus Christus. Ob uns das passt oder nicht.
Und wir lassen uns darauf festlegen und werden daran gemessen – ob wir wollen oder nicht. Jesus Christus.
Das Schlimme an den Missbrauchsfällen in der Kirche ist ja nicht nur, dass es so etwas auch unter uns und in unseren Reihen gibt, sondern wie damit in unserer Kirche umgegangen wird. Wo die Wahrheit darüber steht, dürfen wir nicht vertuschen und lügen und verheimlichen – ob uns nun die Öffentlichkeit und manche einseitige Berichterstattung passt oder nicht. Was dunkel ist muss offenbar werden und kann erst im Lichte Jesu Christi wieder heil werden.
Die Bibel hat uns das doch vorgelebt.
Was ist denn mit einem Judas? Er ist nicht aus der Bibel herausretuschiert worden, damit der Jüngerkreis sauber bleibt. Oder Petrus? Der Fels, auf dem Christus seine Gemeinde bauen wird. Er wird zum Leugner seines Herrn da am Feuer bei den Soldaten. Und danach fragt ihn der Auferstandene: Hast du mich lieb? Und dann: Weide meine Schafe.
Oder Paulus – er bleibt mit seinem Makel überliefert. Der Christenverfolger und dann zum Heidenapostel gewandelt – durch Gottes Gnade.
Meinen wir, dass wir es als Kirche besser könnten als unser Herr?
Gerade wir sind doch in Christus befähigt von Schuld zu sprechen, Strafe auf uns zu nehmen und um Vergebung zu bitten. Sind uns nun auch schon die Einschaltquoten wichtiger als die Wahrheit?
Viele in unseren Tagen legen sich ja gar nicht mehr fest, damit sie auch nicht daran gemessen werden können. Oder man bastelt sich einfach seine eigene Moral und Ethik – vor der man dann zumindest selbst gut dasteht.
Aber wir Christen sind festgelegt – und das ist auch gut so. Und da spielt es keine Rolle mehr, ob katholisch oder evangelisch oder orthodox. Wir sind alle erkannt als Christen.
Nicht, dass wir es schon erfüllt hätten. Das sei ferne. Aber streben sollen wir danach. Uns mühen, gegenseitig ermutigen und befördern. Weil es eben nicht Wurst ist, was wir tun, sondern weil wir ausgerichtet sein – neu orientiert.
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Und wir dürfen stolz darauf sein. Weil wir durch diesen Maßstab etwas schaffen, was sonst gar nicht so selbstverständlich ist in dieser Welt. Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg.
Alt und Jung. Hartz IV Empfänger und Millionäre. Arbeiter, Angestellte und Studierte. Arme und Reiche. Mann und Frau. Gesunde und Kranke. Und wir kommen aus den verschiedensten Teilen der Erde. Deutsche aus Russland. Deutsche aus Siebenbürgen. Bayern, Franken, Schwaben, Nordlichter und Menschen aus anderen Ländern und Teilen der Erde. Ein kleines Abbild des Reiches Gottes hier auf Erden. Bei uns in der Südstadt. Meistens sehen wir das nicht oder wollen es gar nicht wahrhaben. Und natürlich sind wir nicht perfekt – oh, das ist weit gefehlt. Aber ein Anfang ist gemacht.
Und das alles nicht, weil wir so toll sind, sondern weil uns der EINE hier zusammen geführt hat. Gott selbst in Jesus Christus durch seinen Geist. Und sei es nur erst einmal für diese eine Stunde in der Woche.
Sehen wir das überhaupt noch? Spüren wir das noch? Glauben wir das noch?
5 Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat:
Und der Maßstab diese Jesus Christus von Nazareth stellt die Maßstäbe dieser Welt auf den Kopf. Denn er spricht nicht vom Herrschen, sondern vom Dienen. Er spricht nicht vom Nehmen, sondern vom Geben. Die Bereicherung des Menschen stellt er an den Pranger und stellt ihr ein Armutszeugnis aus. Der Erste wird der Letzte und der Letzte der Erste sein.
Glauben wir das noch, wenn wir die Betrogenen sind, um unseren Arbeitsplatz beraubt, verspielt auf dem großen Roulett-Tisch der Börsen und Banken. Lüge und Betrug und womöglich haben wir sogar noch mitgespielt.
Doch was soll unser Maßstab sein, wenn wir schon nicht dieser Welt auf den Leim gehen wollen, die nach immer mehr giert und uns die Unzufriedenheit einprügelt, damit wir nur noch haben wollen und kaufen und noch mehr kaufen und unglücklich sind, weil wir uns nicht diesen Fernseher leisten können oder jenes Videospiel. Was ist unser Maßstab?
Und dann hören wir:
6 Jesus Christus war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. 7 Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich.
Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. 8 Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.
Christus gibt alle seine Vorrechte auf!
Er, der gar keinen Grund gehabt hätte, seine königliche Macht und seine himmlische Hoheit aufzugeben, der macht sich selbst die Finger schmutzig und wird Mensch. Einer von uns.
Es wäre nicht notwendig gewesen. Christus hätte auch bleiben können – dort, beim Vater. Was interessieren ihn die Menschen. Wir hatten alles, so wie wir geschaffen wurden. Doch wir haben es verspielt. Immer wieder verspielt – weil wir nicht gehorsam sind. Wie oft bleiben wir in unserer Gier, in unserem Neid, in unserer Bequemlichkeit und unsere Unversöhnlichkeit.
Doch Christus macht sich auf den Weg – noch einmal zu uns, um uns einen anderen Weg zu zeigen und zu ermöglichen. Den Weg der Versöhnung und der Liebe und des Friedens. Doch die Welt hats nicht erkannt.
Luther übersetzt hier:
6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
Christus geht den umgekehrten Weg. Und dadurch werden ganz andere Werte wieder wichtig. Werte, die oft so gar keinen Platz mehr in unsere Immer-Mehr-Haben-Wollen-Gesellschaft finden.
Die Mutter, die sich aufopfert für das Wohl ihrer Kinder. Der Vater, der noch ein paar Überstunden drauf packt, um der Tochter den Ausflug ins Schullandheim bezahlen zu können. Die Oma, die ihre Rente spart, damit die Kinder die Wohnung schneller abbezahlen können. Die Mitarbeiter, die sich treu für ihren Betrieb ins Zeug legen, bis die Krise überstanden wird. Und sie werden nicht beschissen, denn der Geschäftsführer setzt sich für seine Mitarbeiter ein und beteiligt sie fair am Umsatz und Gewinn. Das sind doch die Werte, die unsere Gesellschaft zusammen halten. In der Rücksicht aufeinander und der Fürsorge umeinander. Jesus zeigt mit seinem Leben da hin, wo wir oft gar nicht mehr hinsehen wollen. Wo neben dem Ich, Ich, Ich wieder ein DU in den Blick kommt und daraus ein WIR werden kann. Und er tritt dafür ein mit seinem ganzen Leben – bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz.
Und Gott hat sich in IHM festgelegt – festgelegt für uns, damit unsere Welt menschlicher wird und wir dadurch göttlicher, hin zum Reich Gottes. So wie es weiter heißt:
9 Darum hat Gott Jesus Christus auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt. 10 Vor Jesus müssen alle auf die Knie fallen –alle, die im Himmel sind, auf der Erde und unter der Erde; 11 alle müssen feierlich bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Und so wird Gott, der Vater, geehrt.
Amen.
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